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Veröffentlicht am 07.09.2025

Starke Protagonistin

Lichterloh - Stadt unter Ruß
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Die junge Cleo lebt in einer Stadt, in der alles mit Kohle betrieben wird und diese schwarze Brocken das wertvollste überhaupt sind. Ihr größter Traum ist es Schornsteinfegerin zu werden, doch diese gehören ...

Die junge Cleo lebt in einer Stadt, in der alles mit Kohle betrieben wird und diese schwarze Brocken das wertvollste überhaupt sind. Ihr größter Traum ist es Schornsteinfegerin zu werden, doch diese gehören der Elite an und bilden darin nur ihre eigenen Kinder aus. Nachdem sie in einem ärmlichen Viertel, wo fast nie die Kohlegeräte und Öfen gewartet werden, ein Feuer löscht, soll sie eigentlich bestraft werden, doch die Bewohner/innen des Viertels feiern sie für ihren Einsatz. Deshalb darf Cleo die Ausbildung als Schornsteinfegerin absolvieren, doch viele Leute wollen sie scheitern sehen.

Rußstadt macht ihrem Namen alle Ehre: Auf allem liegt eine Schicht Ruß und sogar der Himmel ist grau und nicht gänzlich zu sehen. Die meisten Menschen arbeiten in der Fabrik, wo all die kleinen Öfen hergestellt werden, die es wirklich für jede Tätigkeit gibt. Alles wird nur mit Kohle betrieben. Dadurch scheint die Stadt schäbig, was eine ziemlich düstere Atmosphäre hervorruft. Diese dunkle und triste Umgebung beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Doch dagegen gibt es die sympathischen und starken Protagonisten. Cleo ist eine Kämpferin, die sich trotz aller Widerstände nicht von ihrer Ausbildung unterkriegen lässt. Mit jedem Tag an der Academy und der Ablehnung dort, gibt es immer wieder Momente, wo Spannung aufkommt und Cleo ihre Zielstrebigkeit, Einfallsreichtum und Begabung beweist. Außerdem hat sie ihre Schwester, die ebenfalls das System dieser Stadt nicht gut heißt, und viele weitere Freunde. Somit wird die Geschichte heller, freundlicher und herzlicher.

Die Autorin hat im Nachwort erwähnt, dass sie diese Geschichte aufgrund ihrer Faszination für Schornsteinfeger/innen erfunden hat. Trotzdem lässt sich mit der Nutzung der wertvollen Kohle auch gut Parallelen zu unserer realen Welt ziehen. Ich hab hier viel Sozial- und Umweltkritik herausgelesen, weil die Elite von Rußstadt immer reicher wird und die gute Luft für sich alleine beanspruchen, während die Umwelt verpestet wird. Vielleicht war das gar nicht beabsichtigt, aber auf jeden Fall bietet das einen passenden Rahmen für unsere starke Protagonistin, die sich geschickt und klug durch ihre Ausbildung manövriert und ob sie es am Ende schafft, müsst ihr selbst nachlesen.


Fazit:
„Stadt unter Ruß“ ist der Auftakt einer spannenden Reihe um eine beeindruckende und mutige Protagonistin, die sich aller Widerstände zum Trotz nicht unterkriegen lässt. Außerdem enthält die Dystopie natürlich auch einige Kritikpunkte wie mit der Umwelt und den Bürger/innen umgegangen wird, was sehr anschaulich dargestellt wird.

Veröffentlicht am 07.09.2025

Spannend und atmosphärisch

Mondia-Dilogie 1: Silent Secrets
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Remy hat ein unbeschreibliches Talent für Technik. Deshalb hat sie sich im Blumenladen ihrer Schwester eine gemütliche kleine Werkstatt eingerichtet, wo sie allerhand kaputte Geräte aus der Nachbarschaft ...

Remy hat ein unbeschreibliches Talent für Technik. Deshalb hat sie sich im Blumenladen ihrer Schwester eine gemütliche kleine Werkstatt eingerichtet, wo sie allerhand kaputte Geräte aus der Nachbarschaft repariert. Eines Tages erscheint dort ein junger Mann, der einen Gegenstand von ihr fordert, und plötzlich befindet sie sich inmitten eines großen Abenteuers. Der Besucher, Sim, gehört nämlich zur gewaltigen Weltenbibliothek Mondia, in der unzählige Bücher stehen, und mit ihrer Ordnung unser Welt aufrechterhält. Doch es gibt Probleme und auch Feinde, weshalb die Bibliothek im Untergrund von Paris bedroht ist.

Es ist spannend Remy in diese neue Welt unterhalb von Paris zu folgen und kennenzulernen. Die gewaltige Bibliothek und ihre Bedeutung ist sehr beeindruckend und wird jedes Bücherwurmherz höher schlagen lassen. Paris ist auch ein passendes Setting für die buchige Geschichte, weil ich finde, dass diese Stadt schon selbst etwas magisches und besonderes hat. Die Autorin hat passenderweise auch einige französische Floskeln eingebaut. Sim und Remy bewegen sich nicht nur in der Hauptstadt Frankreichs, sondern reisen auf ihrer Suche auch an einige verschiedene Orte in Europa, wobei es sie immer wieder nach Hause führt.

„Wer sagt, dass Romane nicht auch einen Funken Realität in sich tragen. Die Wirklichkeit lebt im Auge des Betrachters.“, Sim, 60%

Die Geschichte endet in einem, ja schon leicht fiesen, Cliffhanger. Der Prolog und Epilog stehen miteinander in Verbindung und machen mich sehr neugierig. In der Welt der Mondia gibt es so viele Geheimnisse und Dinge, die Remy noch nicht weiß. Ich bin so gespannt auf den zweiten Teil der Reihen und möchte unbedingt tiefer in die Welt eintauchen!


Fazit:
„Silent Secrets“ beinhaltet eine faszinierende Idee rund um die Weltenbibliothek und einige Abenteuer für die Protagonisten. Die Geschichte ist sehr spannend und macht ihrem Titel alle Ehre, denn es gibt noch so vieles im Geheimen zu entdecken, sodass ich sehr gespannt auf den zweiten Teil bin.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Konstant fesselnde und atmosphärische Reihe

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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Die Geschichte beginnt sehr spannend und düster mit dem Prolog, in dem ein weibliches Opfer verfolgt und nach dem Kapitelende umgebracht wird. Auch mit dem ersten Kapitel werden wir direkt in die Handlung ...

Die Geschichte beginnt sehr spannend und düster mit dem Prolog, in dem ein weibliches Opfer verfolgt und nach dem Kapitelende umgebracht wird. Auch mit dem ersten Kapitel werden wir direkt in die Handlung geworfen, weil der Zaubertrick der zersägten Jungfrau schief geht und diese tatsächlich verblutet. Im Publikum sitzt Julia, die nun bei einer Zeitung schreibt, und wittert direkt die nächste Story. Doch als der ermittelnde Oberinspektor steht ihr bald ihr Ex-Freund Leopold gegenüber. Und während Julia zu dem Fall der Zauberkünstler recherchiert, fallen ihr vermisste Schaustellerinnen im Wurstelprater auf. Warum wurden diese umgebracht?

Der Autor hat auch im vierten Fall von Leo, Augustin und Julia eine spannende, wendungsreiche und geheimnisvolle Geschichte geschaffen. Ich habe an den Seiten gefesselt mitvervolgt, wie das Trio immer mehr Informationen sammelt und den Tätern auf die Spur kommt. Die Fälle sind sehr geschickt und detailreich angelegt, sodass ich wieder bis kurz vor Schluss keinen Verdacht hatte. Auch die Atmosphäre in der Geschichte ist düster und bedrohlich, z. B. bei einer Verfolgunsjagd. Insbesondere eine bestimmte Buchfigur, die später immer öfter auftritt, empfand ich als sehr gruselig, wodurch die Kriminalfälle nur noch fesselnder wurden. Der Totengräber Augustin hingegen hat mich mit seinem Auftreten, das überall ablehnende Blicke hervorruft, begeistert. Leo und Julia bleiben ihren Charakteren auch treu und ich muss sagen, nachdem mich ihre Beziehung im letzten Band zunehmend genervt hat und ich über die Trennung froh war, konnte ich ihre Gefühle hier sehr gut nachvollziehen und bin nun wieder zufrieden, wie es um die beiden steht.

Auch im vierten Band der Reihe schreibt der Totengräber Augustin wieder an einem Buch, aus dem dieses Mal leider nicht wie gewohnt Abschnitte abgedruckt waren, aber trotzdem immer wieder erwähnt wurde. Denn für diese Veröffentlichung steuert sogar der Oberkommissar von Herzfeldt einige Informationen bei. Die Kombinantion von Augustin und Leo haben mir wieder sehr gefallen. Ich musste so oft schmunzeln, wenn die beiden zusammen waren. Ich hatte auch den Eindruck, dass Augustin in diesem Band der Reihe oft eine Rolle spielt. Für seine Ziehtochter gilt das auf jeden Fall und ich habe mich sehr gefreut, dass sie mehr Aufmerksamkeit erhält. Anna spielt nun leidenschaftlich gerne Fußball, der zur damaligen Zeit immer beliebter in Wien wurde. Überhaupt hat Oliver Pötzsch wieder sehr viel Aspekte der damaligen Zeit und dem Setting in Wien mit eingebaut. Fußball, der Wurstelprater mit Klein Venedig, Zauberei, Wiener Dialekt und die neuesten Erkenntnisse aus Medizin und Kriminalistik füllen die Geschichte aus, wodurch es richtig Spaß macht den historischen Krimi zu Lesen.


Fazit:
„Der Totengräber und die Pratermorde“ ist der vierte Fall des Ermittlertrios und wieder genauso fesselnd, bildhaft und atmosphärisch beschrieben. Ich mag die Reihe mit dem kauzigen und liebenswerten Totengräber sehr gerne und hatte bisher bei jedem Band Spaß beim Lesen – vor allem, weil die Fälle gleichbleibend spannend ausgearbeitet sind und immer viele kleine Details der damaligen Zeit und Wiens beinhalten.

Veröffentlicht am 20.05.2025

Emotionale Tragödie auf dem Eis

The Favourites
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Das Buch beginnt als Katarina und Heath 16 Jahre alt sind und sich auf dem Weg zu einem Wettkampf im Eistanz machen. Beide kennen sich aber schon seit Jahren, sind nicht nur beste Freunde und Eislaufpartner, ...

Das Buch beginnt als Katarina und Heath 16 Jahre alt sind und sich auf dem Weg zu einem Wettkampf im Eistanz machen. Beide kennen sich aber schon seit Jahren, sind nicht nur beste Freunde und Eislaufpartner, sondern ein Paar. Die Geschichte erzählt von ihren Eistänzen, den Siegen und Niederlagen und ihrer Beziehung über viele weitere Jahre hinweg.

Die Geschichte der beiden wird aus Katarinas Perspektive erzählt. Aufgelockert bzw. erst richtig lebendig wird sie durch die Kommentare von anderen Eiskunstläufer/innen und Trainerinnen. Dies geschieht im Stil einer Doku und die Personen kommentieren die Erlebnisse von Katarina und Heath.

Die Beziehung der beiden ist gewaltig, intensiv, zerstörisch und liebevoll. Ihre Liebe entfacht erst den idealen Eistanz, kann aber auch durch ihre Emotionen stören. Die Autorin beschreibt sehr gekonnt, wie die Liebe von Katarina und Heath ihre Performance beeinflusst, der Druck und Wettkampf in der Eislaufwelt sich aber auch auf ihre Beziehung auswirkt. Es ist emotional und gewaltig und erschütternd. Die Geschichte hat mich an "Carrie Soto is back" von Taylor Jenkins Reid erinnert.

Fazit:
"The Favourites" ist eine erschütternde, echte und berührende Geschichte über das Eistanzpaar Katarina und Heath. Es wird schonungslos und gefühlvoll erzählt, wie ihre Karriere ihre Liebe und umgekehrt beeinflusst - mit allen Hochs und Tiefs.

Veröffentlicht am 09.05.2025

Wohlfühlroman mit toller Protagonistin

Camp Rainbow - Über mir der Himmel
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Direkt zu Beginn erzählt die Autorin uns von Malins Leben. Durch Rückblenden erfahren wir wie Malin aufgewachsen ist und wem sie in ihrer Familie am nächsten steht. Außerdem ist sie in der Schule eher ...

Direkt zu Beginn erzählt die Autorin uns von Malins Leben. Durch Rückblenden erfahren wir wie Malin aufgewachsen ist und wem sie in ihrer Familie am nächsten steht. Außerdem ist sie in der Schule eher die die stille Beobachterin, hat dafür aber im Camp Rainbow ihre besten Freund:innen Flo und Basti gefunden. Und nun ist es endlich soweit und sie darf, wie schon einige Sommer zuvor, endlich ins Camp zurückkehren. Und vielleicht erlebt die 17-jährige nun auch endlich ihren ersten Kuss, jedenfalls wählt sie sich dafür schon ein paar Jugendliche aus, die sie gerne küssen würde.

Ich finde das Camp richtig schön, mit den Hütten unterschiedlicher Farben, der Natur ringsum und den tollen AGs voller sportlicher oder kreativer Aktivitäten. So wohl wie sich Malin im Camp fühlt, so angenehm fand ich diese Geschichte zu lesen. Malin und ihre Freund:innen haben eine innige Beziehung und alle anderen Teilnehmer:innen sind auch super sympathisch, wenn auch der ein oder andere Charakter etwas eigen. Ich mag auch, wie sich die Geschichte entwickelt und Malin allmählich versucht ihren Plan in die Tat umzusetzen, während wir bei den ereignisreichen Camp-Aktivitäten dabei sind.

>>Manchmal beobachte ich die Menschen um mich herum und frage mich, wieso es für sie so leicht ist. Das Leben. Die Liebe. Es fühlt sich an, als hätten sie alle einen Leitfaden gelesen, den ich nie erhalten habe.<< S. 17

Dass das Buch so angenehm und ereignisreich zu lesen ist, hat auch der tolle Schreibstil von Alicia Zett dazu beigetragen. Malin ist nicht nur queer, sondern auch neurodivergent. Und obwohl ich mit ihr nicht die offensichtlichsten Merkmale gemein habe, konnte ich mich immer in sie hineinversetzen und verstehen. Die Autorin hat Malins Charakter wirklich rund, aber auch mit Ecken und Kanten und diese total nachvollziehbar dargestellt. Ich hab es echt genossen, in Malins Kopf und Herz spicken zu können, sodass mir das Lesen viel Spaß gemacht hat. Die übrigen Charaktere sind ebenfalls wirklich anschaulich dargestellt und ich finde es schön, dass nicht nur Malins Liebesleben, sondern auch ihre Freundschaften eine zentrale Rolle im Buch einnehmen. Und die aufkommenden romantischen Momente sind meiner Meinung nach auch wirklich schön beschrieben! Ich fands ein ums andere Mal richtig romantisch und bin dahin geschmolzen, vor allem die Gespräche haben mich oft lächeln lassen. Malin hat sich mir mit ihren Eigenheiten, ihren bewundernswerten Stärken und ihren (romantischen) Gefühlen ins Herz geschrieben. Ach ja, und überraschen konnte mich die Autorin in der zweiten Hälfte des Buches auch noch.


Fazit:
„Camp Rainbow – Über mir der Himmel“ ist ein wunderschönes Wohlfühlbuch. Es ist romantisch, ereignisreich, vielfältig, heimelig und überraschend. „Camp Rainbow“ ist nicht nur für die Protagonistin Malin eine Art Zuhause, sondern genauso auch für uns Leser/innen für ein paar Stunden ein freundschaftlicher Ort zum ankommen und genießen.

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