Cover-Bild Träume und Kulissen
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Jung u. Jung
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 368
  • Ersterscheinung: 16.07.2021
  • ISBN: 9783990272589
Alida Bremer

Träume und Kulissen

Roman
Sommer 1936: In Split, der »Perle des Meeres« an der Adriaküste, herrschen buntes Treiben und frivole Leichtigkeit. Unter die Touristen der europäischen Hautevolee mischen sich aber zunehmend auch Juden auf der Flucht, Kommunisten und andere Gegner des NS-Regimes und mit ihnen Schlepper und Spione aus aller Herren Länder. Nicht weniger Argwohn wecken deutsche Filmteams, selbst wenn die Einheimischen stolz darauf sind, dass ihre Stadt als beliebter Drehort der internationalen Filmkunst gilt. Die Strände, Cafés und Kneipen sind voll, im Hafen liegen Passagierdampfer und Militärschiffe neben Fischerbooten - und eines Morgens auch eine Leiche. Es gibt wenige Spuren, und die führen in alle Richtungen. Mario Bulat beginnt zu ermitteln, aber tatsächlich scheint jeder schon mehr zu wissen als er. Träume und Kulissen ist ein schillerndes Kaleidoskop mediterranen Lebens in einer überhitzten Epoche, ein an Tönen und Farben reicher Gesellschaftsroman über eine Welt an der Kippe, der trotz aller Fortschrittsversprechen die Katastrophe droht. Und nicht zuletzt ist dieses Buch eine literarische Liebeserklärung an einen Sehnsuchtsort.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2021

Ein ganz besonderer Roman der Extraklasse

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Ich habe zuvor noch nie einen Roman gelesen, der in Split spielt und diese Mischung aus Roman, Krimi und geschichtlichem Zeitgeschehen, hat mich fasziniert. Während es zu Beginn mit einem Leichenfund losgeht ...

Ich habe zuvor noch nie einen Roman gelesen, der in Split spielt und diese Mischung aus Roman, Krimi und geschichtlichem Zeitgeschehen, hat mich fasziniert. Während es zu Beginn mit einem Leichenfund losgeht und ich erwartete, dass die Mördersuche im Vordergrund steht, so lief die Suche nach dem Mörder mit dem Kriminalkommissar Mario Burlat quasi parallel zum aktuellen Leben 1936 in Split ab. Ich tauche ein in eine wunderschöne Umgebung an der Adriaküste, Sonne und Meer, sowie das der Reichen und den Filmemachern, Schauspielern, etc, die hier ihre Kulisse für den Film sehen, den sie drehen wollen. Ich bekomme aber auch einen Einblick in das Leben der Fischer und anderen Menschen vor Ort. Was mir überhaupt nicht bewusst war, wie die Flamme des Nationalsozialismus auch hier brannte und es Sympathisanten aber auch den Widerstand gab. Außerdem weicht die schöne Atmosphäre gerade einer Atmosphäre des gegenseiten Misstrauens - wer ist Freund und wer ist Feind? Zwischendurch läuft mir trotz der Bedrohung, die nun überall spürbar wird, das Wasser im Munde zusammen, aufgrund der herrlichen Beschreibungen von köstlichem Essen und Getränken.

Der Roman besticht durch seine wunderschöne Sprache und erzählt auf fast poetische Weise eindringlich das Zeitgeschehen und das Leben in Spilit, was sich innerhalb einer Woche auf Split 1936 abspielt.

Fünf Sterne für einen besonderen und anpruchsvollen Roman!

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Veröffentlicht am 01.09.2021

Ein ganz besonderes Buch

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Im Sommer 1936 wird eine Leiche im Hafen von Split gefunden. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn der Hafen der Stadt ist ein Drehkreuz für die Welt. Auch wenn hier fernab von Deutschland, ...

Im Sommer 1936 wird eine Leiche im Hafen von Split gefunden. Doch die Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn der Hafen der Stadt ist ein Drehkreuz für die Welt. Auch wenn hier fernab von Deutschland, Frankreich und Großbritannien von der Stimmung in Europa nicht viel ankommt – dass ein Krieg droht, ist in der Stadt wohl wenigen klar. Doch nach und nach dringt auch die Politik in die „Perle des Meeres“ vor. Schleuser, die ihr Geschäft mit der Flucht von Kommunisten und Juden machen, Mussolinis Anhänger, die ihre politischen Parolen verbreiten und deutsche Filmteams, die die Stadt als Kulisse nutzen. Und diese Stimmung macht die Lösung des Falls nicht leichter …
„Träume und Kulissen“ ist kein gewöhnlicher Krimi. Er wartet nicht mit einer actionreichen Handlung und einem spektakulären Fall auf – im Gegenteil, die Krimi-Handlung ist relativ locker, ohne dabei ihren Ernst an irgendeiner Stelle zu verlieren, sie steht nicht unbedingt im Mittelpunkt des Buches.
Der Anfang ist schwierig und auch im Verlauf den Überblick zu behalten ist nicht so einfach. Es gibt zahlreiche Perspektiven und noch viel mehr Figuren, die alle namentlich auftreten. Die einzelnen Handlungsstränge springen schnell und leicht abgehackt hin und her, sodass teilweise kaum eine Chance besteh, sich richtig zu orientieren. Am Anfang erfordert dies viel Konzentration und der Einstieg ist schwer dadurch. Doch mit der Zeit lernt man all diese Figuren besser kennen. Sie werden mit all ihren guten und schlechten Seiten dargestellt und wachsen zu einem spannenden Gesellschaftsbild.
Das großartigste an diesem Buch ist aber definitiv der Stil! Er ist so bildhaft, dass er einen beim Lesen direkt ins Split des Jahres 1936 entführt. Die Beschreibungen der Stadt und des Hafens machen deutlich, warum die deutschen Filmteams sie als Kulisse benutzen. Dazu wird alles mit allen Sinnen beschrieben – ein absolutes Highlight sind die Gerüche, die die Geschichte erst richtig zum Leben erwecken. Es gibt viele Autoren und Autorinnen, die gut schreiben können, doch Alida Bremer bewegt sich meines Erachtens auf einem höheren Niveau.
Besonders spannend ist, der historische Hintergrund, der geschickt am Rande eingewebt wird. Nicht nur die Stimmung und Situation auf dem Balkan wird geschildert, auch die Situation in Deutschland und Italien wird immer wieder (am Rande) erwähnt.
„Träume und Kulissen“ ist ein in vielerlei Hinsicht „anders“ – etwas Besonderes. Ein Buch, das aus den bekannten Genrekonventionen ausbricht. Wer einen klassischen (historischen) Krimi lesen will, ist hier an der falschen Adresse. Für diejenigen, die Spaß an sprachlich anspruchsvolleren Büchern haben, ist dieses allerdings genau das Richtige!

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Veröffentlicht am 01.09.2021

Ein Highlight

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Bibliomariein ein paar Sekunden
Sommer 1936 in Split. In der Stadt brodelt es. Ein Vielvölkergemisch hat sich an der Adria eingefunden. Juden versuchen von hier die Flucht aus Europa. Es wimmelt von revolutionären ...


Bibliomariein ein paar Sekunden
Sommer 1936 in Split. In der Stadt brodelt es. Ein Vielvölkergemisch hat sich an der Adria eingefunden. Juden versuchen von hier die Flucht aus Europa. Es wimmelt von revolutionären Splittergruppen. Die einen halten zum Duce, die anderen trauern der Habsburger Monarchie nach und Kommunisten wollen einen Staat nach russischem Vorbild bilden. Es tummeln sich auch eine Menge deutscher „Filmani“ in der Stadt, die die Adriakulisse für deutsche Filme nutzen.

In dieser aufgeheizten Atmosphäre findet ein Fischer einen gut gekleideten Toten inmitten seiner Netze liegen. Als er bei der Polizei den Fund melden will, wird er gleich wegen Mordes verhaftet. Kommissar Bulat hält nichts von diesen voreiligen Schlüssen, steckt aber inmitten der diversen Machtkämpfe. So sucht er auf seine eigene, stille Art nach dem Täter. Bulats Ermittlungen scheinen sich im Kreis zu bewegen, er geht vielen Spuren nach und endet doch immer ein Sackgasse.

Die Handlung ist in einer Sommerwoche angesiedelt, aber ich hatte beim Lesen das Gefühl, Zeuge einer Zeitenwende zu sein. Die leichte, mediterrane Atmosphäre wandelt sich merklich. Man spürt die instabile politische Lage in Europa und vielleicht schon die ersten Vorahnungen eines neuen Kriegs.

Die Autorin, eine gebürtige Kroatin, ist Literaturwissenschaftlerin und ihr Roman ist die perfekte Mischung aus Landes- und Geschichtskenntnis und einer farbigen, bildreichen Sprache. Man muss schon sehr genau lesen, um alle Zwischentöne des komplexen Kriminalromans zu erfassen und die Vielzahl an Personal erfordert ebenfalls Aufmerksamkeit.

Dabei ist der Krimi – der eigentlich mehr Gesellschaftsroman ist, mit einer mediterranen Leichtigkeit geschrieben und sehr atmosphärisch. Man fühlt sich in die heißen Sommernächte versetzt, kann sich Gerüche und Geräusche geradezu ausmalen.

Ein wirklich ausgezeichneter Roman, der mich überrascht und überzeugt hat.

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Veröffentlicht am 31.08.2021

There's no place like Split

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"Man träumte auch von der Gerechtigkeit einer klassenlosen Gesellschaft, von der Brüderlichkeit zwischen Arbeitern und Bauern, von starken Staaten und noch stärkeren Staatsführern, von der Flucht nach ...

"Man träumte auch von der Gerechtigkeit einer klassenlosen Gesellschaft, von der Brüderlichkeit zwischen Arbeitern und Bauern, von starken Staaten und noch stärkeren Staatsführern, von der Flucht nach Amerika und von der Flucht wohin auch immer.”


Alida Bremer lebt und arbeitet als Übersetzerin und Autorin in Deutschland. Das große Thema der kroatischen Schriftstellerin ist ihre Heimatregion Dalmatien. Im Roman “Olivas Garten" erzählt Bremer in verfremdeter und fiktionalisierter Form ihre Familiengeschichte mütterlicherseits, die vor allem vom Partisanenkampf im Zweiten Weltkrieg geprägt war.
Auch in ihrem neuen Roman entführt Bremer den Leser oder die Leserin an die Adriaküste. 1936 gehört die kroatische Stadt Split offiziell noch zum Königreich Jugoslawien, welches 1941 nicht mehr existieren soll. Die dreißiger Jahre des letzten Jahrhunderts sind eine Zeit des Umbruchs – diverse politische Gruppierungen kämpfen um die Vorherrschaft, Schlepper verdienen in der Adriametropole mit dem Elend der Menschen ihr Geld, da viele Juden verzweifelt versuchen, Europa zu verlassen.Italienischer Irredentismus trifft auf Faschismus und Kommunismus. Gewiefte Glücksritter sind unterwegs: Ein deutsches Filmteam hat das ehemalige Spalato für sich entdeckt, die Kunst ist jedoch pure Projektion. Und dann geschieht auch noch ein Mord...

“Träume und Kulissen” ist ein toller historischer Kriminalroman. Der Handlungszeitraum beträgt geschätzt zwar nur eine Woche, dies schadet dem Gehalt der Geschichte jedoch nicht!
Die Autorin profitiert ganz klar vom Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft. Sprachlich und stilistisch konnte mich die Geschichte absolut überzeugen, man kann als Leserin oder als Leser en passant sehr viel über Südosteuropa lernen, man muss sich jedoch auch konzentrieren, um alle Nuancen zu erfassen.Dalmatinische Einsprengsel wie “briškula" sorgen für Authentizität. Die Figuren sind gut ausgearbeitet. Das kosmopolitische (oder provinzielle?) Split ist dem Ermittler Mario Bulat keine große Hilfe. Die Leute reden viel und sagen wenig, der “Schnüffler" bleibt in der Stadt ein Außenseiter , dies wird mit glaubwürdigen erzählerischen Mitteln transportiert. So kommt es, dass alles eher zufällig aufgeklärt wird, das Krimielement rückt im plot in den Hintergrund, da voller Erzählfreude gezeigt wird, dass Split eine Stadt wie keine andere ist.


Fazit:
“Träume und Kulissen” ist ein anspruchsvoller Unterhaltungsroman, vielleicht auch ein versteckter Kommentar zur Zeitgeschichte. Die Story rund um eine versunkene mediterrane Welt hat mich absolut gefesselt. Daher spreche ich gerne eine Leseempfehlung aus, auch über eine Verfilmung würde ich mich freuen.

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Veröffentlicht am 20.08.2021

Adriaküste

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Ein Cover mag einen dazu verleiten das Buch in die Hand zu nehmen, doch entscheidend ist, was sich zwischen den Buchdeckeln befindet. „Träume und Kulissen“ von Alida Bremer hat mich vom Klappentext sehr ...

Ein Cover mag einen dazu verleiten das Buch in die Hand zu nehmen, doch entscheidend ist, was sich zwischen den Buchdeckeln befindet. „Träume und Kulissen“ von Alida Bremer hat mich vom Klappentext sehr angesprochen. Das Cover fand ich etwas nichtssagend.
Was ich dann beim Lesen vorgefunden habe, hat mich überrascht. Im positiven Sinne. Was erst einmal nach einer simplen Geschichte, der Hauptprotagonist Mario Bulat ermittelt in einem Mordfall, klang, entpuppte sich als ein ganz besonderer Gesellschaftsroman.
„Das Meer lag vor der Stadt wie ein ewiges Kaleidoskop, dessen Farbe je nach Tages- und Jahreszeit wechselte und die Stimmung in der Stadt mit seinem Farbenspiel bestimmte.“ [115]
Wir befinden uns in der Adriaküste. Genauer gesagt im Jahre 1936 in Split. Mit ihrem ganz besonderen Schreibstil, wort- und bildgewaltig, bringt die Autorin den Leser*innen die lebhafte Atmosphäre der Stadt näher. Pointiert beschreibt sie das damalige Geschehen, lässt uns in das bunte Treiben eintauchen und an den Diskussionen, dem Klatsch und Tratsch der einzelnen und verschiedenen Charaktere teilhaben. Aus diesen ganzen Impressionen bekommt man ein gut herausgearbeitetes Gesellschaftsbild.
Der Blick auf die politische Lage, deren allmählichen Zuspitzung fand ich sehr gut beschrieben. „Ausgerechnet Deutschland, das Land, aus dem die meisten technischen Neuerungen stammen und nicht zuletzt auch die Mehrzahl unserer gut zahlenden Touristen, soll ein Unrechtsstaat sein?“ [291]
Wird in einem Moment noch über die Splitter Torte, „ein ultimativer Beitrag zum Weltfrieden“ [248], gesprochen, so versteht es Bremer perfekt den Blick wieder auf das politische Geschehen zu lenken. Sie gibt Einblicke in Land und Leute, deren Mentalität und hat dabei ein Auge für das Politische, den vorherrschenden Wandel, der auch vor der Adriaküste keinen Halt machen wird. „Die Nacht war ohne Sterne, was durchweg als schlechtes Zeichen gedeutet wurde.“ [262] Man verband in Split „die Erscheinungen der Natur immer mit dem Zustand der Welt.“ [262]
Bulat und sein Fall dienen als roter Faden, wobei er nicht immer im Vordergrund steht. Es ist eine fiktive Geschichte, die mit Fakten und sehr feinem Humor glänzt.

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