Cover-Bild Die Welt ist ein schöner Ort
22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Goldmann
  • Genre: Sachbücher / Esoterik
  • Seitenzahl: 448
  • Ersterscheinung: 20.03.2017
  • ISBN: 9783442314300
Deborah Ziegler

Die Welt ist ein schöner Ort

Der Weg meiner Tochter in einen würdevollen Tod
Eva Kemper (Übersetzer)

Am Silvesterabend des Jahres 2013 wird die 29-jährige Brittany Maynard wegen unerträglicher Kopfschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Kurz darauf erfährt sie, dass ein Hirntumor in ihrem Kopf wütet und sie nur noch wenige Monate zu leben hat. Für Brittany steht fest: Sie wird nicht warten, bis der Tumor sie ihres Wesens beraubt und ihr ein qualvolles Ende bereitet. Sie ist entschlossen, gegen das bestehende Gesetz in Kalifornien den Zeitpunkt ihres Todes selbst zu bestimmen. Es beginnt ein zäher Kampf, doch sie findet einen Weg: Elf Monate nach der Diagnose nimmt sie ein tödliches Medikament zu sich und stirbt in Oregon, umringt von Familie und Freunden. In ihrem Buch erzählt Brittanys Mutter von dem unglaublichen Mut ihrer Tochter – und von ihrem beispiellosen Einsatz für einen würdevollen Tod.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.05.2017

Bewegend, tiefgründig und äußerst emotional!

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Beschreibung

Nachdem die 29-jährige Brittany Maynard immer öfter unter starken Kopfschmerzen leidet wird sie schließlich Ende des Jahres 2013 ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose trifft Brittany ...

Beschreibung

Nachdem die 29-jährige Brittany Maynard immer öfter unter starken Kopfschmerzen leidet wird sie schließlich Ende des Jahres 2013 ins Krankenhaus eingeliefert. Die Diagnose trifft Brittany und ihre Familie völlig unvorbereitet. In Ihrem Kopf wächst seit Jahren ein Hirntumor und es bleiben ihr nur noch wenige Monate zum Leben. Eins ist für Brittany schnell klar, sie wird auf keinen Fall warten bis sie der Tumor auffrisst und ihr ein qualvolles Ende bereitet. Deshalb ist sie entschlossen das medizinische Sterbehilfegesetzt in Oregon in Anspruch zu nehmen. Mit der Unterstützung ihrer Familie reist Brittany an schöne Orte der Welt und nimmt Abschied von ihren Freuden und Verwandten. Schließlich zieht sie von Kalifornien nach Oregon um nicht mal ein Jahr nach der Diagnose in Würde zu sterben.

Meine Meinung

Deborah Ziegler erzählt in ihrem autobiographischen Roman „Die Welt ist ein schöner Ort“ ihre Geschichte als Mutter und wie sich ihr Leben veränderte, nachdem bei ihrer 29-jährige Tochter Brittany ein unheilbarer Hirntumor entdeckt wurde. In ihrem Buch verarbeitet Deborah Ziegler Trauer, Wut, Angst und Hoffnung die sich im Verlauf von Brittanys Krankheit die Klinke in die Hand drücken.

"Brittanys Reaktion – Wut über die Diagnose und Angst vor der Zukunft – war absolut verständlich, aber ich begriff einfach nicht, warum sie direkt zur Akzeptanz übergegangen war. Was war mit den anderen Phasen der Trauer, dem Leugnen und Verhandeln?" (Seite 79)

Aufwühlend und berührend schildert Deborah Ziegler das schlimmste Schicksal für eine Mutter/Eltern überhaupt. Das einzige Kind an eine Krankheit zu verlieren, die wie wild um sich wütet und den sicheren Tod bedeutet. In abwechselnden Abschnitten erzählt Deborah Ziegler wie sie als Alleinerziehende Brittany groß zog, welche Entwicklungen und Stationen Brittany auf dem Weg zur Erwachsenen durchlief und wie sich ihr Leben sowie Brittanys Leben nach der Diagnose Hirntumor entwickelte und veränderte.

Es ist schon ein komisches Gefühl, ein Buch über eine junge Frau zu lesen die mit ihren 29 Jahren im gleichen Alter ist wie ich. Es fiel mir sehr leicht mich in die Lage von Brittany hinein zu versetzten und mir auszumalen wie schrecklich die Nachricht über einen Hirntumor ist, der schon seit Jahren wächst und gedeiht und schließlich den sicheren Tod bedeutet. Umso beeindruckender finde ich den unglaublichen Mut und die große Stärke die Brittany gegenüber Ärzten, Familie und Freunde bewiesen hat. Vollkommen klar verfolgt sie ihr Ziel eines selbstbestimmten, würdigen Todes. Dieser Weg ist alles andere als einfach, denn es bedeutet einen schweren Abschiedsprozess in Gang zu setzten und den Umzug in einen anderen Bundesstaat. Als Brittany erkrankte gab es in ihrer Heimat Kalifornien kein Sterbehilfegesetzt und so stand ein Umzug nach Oregon ganz weit oben auf ihrer Prioritätenliste.

"Sie brachte alle zum Schweigen, die sie mit Sentimentalität von ihrer Entscheidung zu sterben abhalten wollten; sie straffte die Schultern und entschied ganz allein, wann sie mit dem Wind unsere Welt verließ." (Seite 55)

Deborah Ziegler kleidet ihre Emotionen in eine wundervolle Sprache, die Mal nüchtern und berührend zugleich ist, mal mit poetischem Charme mitten ins Herz trifft. Dabei vermittelt die Autorin eindrücklich wie viel Stärke und Mut es erfordert, den Weg zu gehen, den ihre Tochter für sich und ihre Familie gewählt hat. Bei mir sorgte die mitreisende Geschichte von Brittany für eine tief sitzende Gänsehaut und Tränen sowie die Gewissheit, dass die Welt wirklich ein schöner Ort ist!

"Mittlerweile waren meine Tochter und ich so stark miteinander verbunden wie die Neutronen und Protonen eines Atomkerns." (Seite 92)

Besonders eindrucksvoll sind die ungeschönten Schilderungen von Brittanys Krampfanfällen die mit dem Fortschritt ihres Tumors immer heftiger ausfallen. Es ist wahnsinnig erschreckend was diese schlimme Krebsart mit einem noch jungen Körper, der ansonst über intakte Organe verfügt, anstellt. Außerdem lässt Deborah Ziegler noch jede Menge Hintergrundinformationen zu ihre Recherche über die Krankheit ihrer Tochter mit einfließen. Somit fällt es überhaupt nicht schwer Brittanys Entschluss nachzuvollziehen. Auch ich finde es angemessen todkranke Patienten selbst entscheiden zu lassen, ob sie lieber in Würde sterben möchten anstatt einem qualvollen und schmerzhaften Tod ins Auge zu blicken.

Fazit

Ein tiefgründiger, Mut-Mach-Roman über den bewegenden Weg einer jungen Amerikanerin in den selbstbestimmten Tod.

Veröffentlicht am 03.04.2018

Konnte mich emotional leider nicht erreichen

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Buchinfo
Am Silvesterabend des Jahres 2013 wird die 29-jährige Brittany Maynard wegen unerträglicher Kopfschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Kurz darauf erfährt sie, dass ein Hirntumor in ihrem Kopf ...

Buchinfo
Am Silvesterabend des Jahres 2013 wird die 29-jährige Brittany Maynard wegen unerträglicher Kopfschmerzen ins Krankenhaus eingeliefert. Kurz darauf erfährt sie, dass ein Hirntumor in ihrem Kopf wütet und sie nur noch wenige Monate zu leben hat. Für Brittany steht fest: Sie wird nicht warten, bis der Tumor sie ihres Wesens beraubt und ihr ein qualvolles Ende bereitet. Sie ist entschlossen, gegen das bestehende Gesetz in Kalifornien den Zeitpunkt ihres Todes selbst zu bestimmen. Es beginnt ein zäher Kampf, doch sie findet einen Weg: Elf Monate nach der Diagnose nimmt sie ein tödliches Medikament zu sich und stirbt in Oregon, umringt von Familie und Freunden. In ihrem Buch erzählt Brittanys Mutter von dem unglaublichen Mut ihrer Tochter – und von ihrem beispiellosen Einsatz für einen würdevollen Tod. (Quelle: Verlag)

Anfang
Der erste Schritt aus der Welt, in der ich früher gelebt habe, glich eher einem heftigen Schubs. Ich konnte nicht erst vorsichtig die Zehen aus der Tür strecken. Ich wurde brutal in ein neues Leben gestoßen.

Meine Meinung
Zu mir sagte mal jemand: "Mein Güte, Franzy...du bist ja nicht nah am Wasser gebaut, sondern mittendrin!" - und derjenige hatte recht. Ich bin ein überaus emotionaler Mensch und manchmal vielleicht auch etwas zu sehr. Es gibt immer wieder Momente in meinem Leben, in denen ich mich selbst "quälen" muss und einen Film schaue, bei dem ich mir so richtig die Augen aus dem Kopf weinen kann oder auch eben mal ein Buch lese, bei dem Heulanfälle vorprogrammiert sind.

Die bewegende Geschichte einer jungen Frau, die für ihr selbstbestimmtes Sterben kämpfte (Quelle: Schutzumschlag) - schon bei der Beschreibung hatte ich einen Kloß im Hals. Auch wir hatten so einen Fall in der Familie, bei dem nicht gewartet werden wollte, bis der Tumor im Kopf dem Körper und Geist ein Ende setzt. Doch in Deutschland gibt es keine aktive Sterbehilfe. In diesen Fällen - so auch bei dem in unserer Familie - bleibt nur der Freitod auf die eigene Art und Weise, der niemals so "angenehm" ist, wie die von Ärzten begleitete Sterbehilfe.

Mit meiner Überemotionalität und dieser Familiengeschichte im Gepäck, machte ich mich auf den Weg in dieses Buch. Nach den ersten 55 Seiten dachte ich auch tatsächlich, dass dieses Buch sicher mein Untergang wird und ich ewig dafür brauche, da ich es wohl nur in kleinen Häppchen lesen können würde...doch es kam alles ganz anders und ich blieb nach dem Beenden etwas ratlos und zwiegespalten zurück.

"Es tut mir leid, Momma", flüsterte sie. "Ich werde nicht für dich sorgen können, wenn du alt bist, so wie du für Grandpa sorgst." Tränen traten ihr in die Augen und liefen über ihr Gesicht. "So lange werde ich nicht leben." (Seite 27)

Das Buch beginnt mit dem Moment vor der Diagnose. Brittanys Mann ruft seine Schwiegermutter aus dem Krankenwagen heraus an und teilt ihr mit, dass sie mit schweren Kopfschmerzen in die Klinik eingeliefert wird. Kurze Zeit später erfährt die Familie, dass seit etwa zehn Jahren ein Tumor in Brittanys Kopf heranwächst, der inoperabel zu sein scheint. Sie lässt einige Tests und auch kleinere Operationen über sich ergehen, hat aber eigentlich schon längst für sich beschlossen, dass sie nach Oregon ziehen will, um dort von der Sterbehilfe Gebrauch zu machen.

Was ich absolut verstehen kann, ist für ihre Mutter weder nachvollziehbar, noch akzeptabel. Und auch das kann ich verstehen. Es ist absolut unnatürlich und eigentlich nicht von Mutter Natur geplant, dass Eltern ihre Kinder beerdigen müssen. Aber manchmal kann man es nicht ändern. So wie in Brittanys Fall. Zwar sagt ihre Mutter, dass sie es verstehen kann, aber beweist das gesamte Buch über immer wieder das Gegenteil.

Brittanys Reaktion - Wut über die Diagnose und Angst vor der Zukunft - war absolut verständlich, aber ich begriff einfach nicht, warum sie direkt zur Akzeptanz übergegangen war. Was war mit den anderen Phasen der Trauer, dem Leugnen und Verhandeln? Ich wollte kämpfen. Ich wollte Hoffnung. Ich wollte ein Wunder. (Seite 79)

Mit diesem Zitat, kommt auch einer meiner "Kritikpunkte". Ich finde es immer schwer Biographien zu bewerten und zu kritisieren - immerhin geht es hier um ein Leben oder einen Abschnitt daraus und nicht um mangelnde Fantasie oder unlogische Verhaltensweisen des Protagonisten - weswegen ich das Wort in Anführungszeichen gesetzt habe.

Ich hatte das gesamte Buch über das Gefühl, dass es Deborah Ziegler nicht immer nur um ihre Tochter geht. Oftmals empfand ich manche Handlungen, Überlegungen oder Dialoge als ziemlich egoistisch. Da war der erste Gedanke dann nicht, dass Brittany weiterleben soll um zu leben, sondern damit ihre Mutter nicht auf sie verzichten muss. Und das finde ich einfach grundlegend falsch. Dass man versucht alles möglich zu machen und nach jedem Strohhalm zu greifen, auch wenn er noch so winzig und brüchig ist, kann ich wirklich nachvollziehen. Sicherlich würde es mir in dieser Situation nicht anders gehen. Aber wenn ein erwachsener Mensch für sich entschieden hat, dass er nicht warten will, bis das Hirn vom Krebs zerfressen ist, sich sein Wesen verändert und so Dinge wie das Halten von Ausscheidungen unmöglich wird, dann muss man das einfach akzeptieren! Deborah Ziegler hat ihrer Tochter das Leben geschenkt, aber Brittany muss selbst entscheiden, ob sie es weiterleben will oder nicht.

Die Kapitel wechseln immer zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. So erfährt man viel über Britt als Kind und Teenager und die Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Meiner Meinung nach, ist diese an vielen Stellen der Vergangenheit einfach absolut nicht gesund gewesen. Ich verurteile Deborah Ziegler nicht dafür - das soll und muss jeder so handhaben, wie er es für richtig empfindet - aber das hilft vielleicht bei der Erklärung, warum ich vieles kritisch betrachte, was sie und Britt betrifft. Das Band zwischen Elternteil und Kind ist oftmals stärker, wenn es sich um ein Einzelkind handelt, dass nur von einem Elternteil erzogen wird. Das war bei mir nicht anders, weswegen ich ein sehr gutes und inniges Verhältnis zu meiner Mutter habe. Allerdings war das bei uns nie so...ich weiß nicht mal genau welches Wort ich dafür nutzen soll...komisch? Absurd? Krankhaft?

Als Brittany darüber sprach, in Oregon zu sterben, überlegte ich sofort, ob es für mich eine Möglichkeit gab, sie zu begleiten - und ich meine nicht nach Oregon. (Seite 99)

Ich bekam in einigen Kapiteln aus der Gegenwart das Gefühl, dass es Brittany auch öfter mal zu viel wurde. Nachdem sie sich mit ihrem Tod abgefunden hatte und ihre Mutter immer wieder mit neuen Ideen und Lösungsansätzen auftrumpfte, ihr andauernd sagte, dass sie die Hoffnung nicht aufgeben solle und von Britts Plan in Oregon nichts hören wollte, wundert es mich wirklich, dass sie nicht irgendwann einfach explodiert ist - ich an ihrer Stelle wäre es vermutlich.

In den Kapiteln über die Vergangenheit beschreibt Deborah Ziegler auch, dass sie mehr als einmal darauf hingewiesen wurde, dass das Verhältnis der beiden und ihre extremen Helikoptermutter-Eigenschaften weder normal, noch gut für den jeweils anderen seien - doch verinnerlicht hatte sie es scheinbar nie. Selbst wenn ihre Tochter es ihr sagte, kam es nicht bei ihr an.

Was mir persönlich auch nicht gefallen hat, ist Brittanys Art an vielen Stellen. Ich kann nun nicht beurteilen, ob sie wirklich so gewesen ist, oder ob ihre Mutter sie vielleicht falsch beschrieben hat, aber besonders in den Kapiteln aus der Vergangenheit als Teenager, kommt Brittany nicht gut weg. Sie ist zickig, ungerecht, egoistisch und nur auf ihren eigenen Vorteil aus - und das, für mein Empfinden, weit über das normale Pubertätsding hinaus. Ihre Mutter lässt sich eigentlich alles gefallen und sagt auch noch nett danke dafür. Mit diesen Beschreibungen hat Deborah Ziegler weder sich selbst, noch ihrer Tochter einen Dienst erwiesen.

Mit sechzehn gelang es Britt, mir ein Auto abzuschwatzen. In diesem Punkt hätte ich wirklich hart bleiben müssen, aber ein Nein hätte Krieg bedeutet. Mit dem Auto fing der Ärger erst richtig an. (Seite 160)

Fazit
Ein Buch, das mich leider nicht erreichen und berühren konnte. Im einen Moment viel zu sachlich und im nächsten zu kitschig und gezwungen emotional, traf mich die Geschichte nicht so wie erwartet. Oft bekam ich das Gefühl, dass Deborah Ziegler aus Egoismus wollte, das ihre Tochter überlebt und sie sie nicht gehen lassen muss, während mir Brittany absolut gefestigt, klar und mutig erschien.

Hier ist eine Mutter, die ihre Tochter vegöttert hat (vielleicht manchmal etwas zu sehr) und anderen mit ihrer gemeinsamen Geschichte helfen und Mut machen will. Und das klappt, wie ich in anderen Rezensionen lesen konnte. Nur mich hat es leider eher "kalt gelassen" und nicht mitgenommen. Deswegen würde ich weder vom Kauf abraten, noch es uneingeschränkt empfehlen wollen.