Cover-Bild Der Gentleman
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Aufbau
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 296
  • Ersterscheinung: 11.04.2017
  • ISBN: 9783351036737
Forrest Leo

Der Gentleman

Roman
Cornelius Reiber (Übersetzer)

London, Pocklington Place, um 1850: Lionel Savage, Dichter, gerade einmal 22 Jahre alt, hat beschlossen, Selbstmord zu begehen, da er des Geldes wegen geheiratet hat und danach feststellen musste, dass er seitdem keine Zeile mehr zu Papier bringen kann. Er zieht seinen Butler Simmons zurate, weil er nicht weiß, wie er den Selbstmord genau angehen soll. Der einfachste Weg scheint ihm der Tod durch Kopfschuss zu sein. Doch Simmons gibt zu bedenken, dass dabei allerlei Körperflüssigkeiten austreten würden, die jemand aufwischen müsste. Da Savage seinem treuen Butler eine solche Schweinerei nicht zumuten will, muss er eine andere Lösung für sein Problem finden. Just in dem Moment spaziert ein freundlicher Gentleman in sein Arbeitszimmer, der sich als der Teufel höchstpersönlich entpuppt. Und bevor er sich versieht, hat Savage seine Ehefrau an ihn verkauft. So glaubt er zumindest. Doch kaum ist die Ehefrau verschwunden, stellt Savage fest, dass sie die Liebe seines Lebens ist. Er muss sie wiederfinden. Nur wo zum Teufel soll die Hölle sein?

Faule Aristokraten, ein Butler, der Teufel, eine hinterlistige kleine Schwester, Duelle und Beinahe-Duelle, Arktisexpeditionen und Scotland Yard. "Der Gentleman" ist ein rasanter Abenteuerroman und eine feine kleine Tollerei.

In seinem Debütroman gelingt es Leo, die Konventionen viktorianischer Fiktion zu parodieren. Wahnsinnig witzige Dialoge und komische Komplikationen runden die Geschichte ab.«
Publishers Weekly

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.05.2018

Ungewöhnlich erzählt

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"Der Gentleman" ist ein so extravagantes Buch, dass ich es eigentlich nur Lesern empfehlen möchte, die gerne ungewöhnliche Literatur lesen. Schon die Erzählperspektive mit einem (fiktiven) Herausgeber, ...

"Der Gentleman" ist ein so extravagantes Buch, dass ich es eigentlich nur Lesern empfehlen möchte, die gerne ungewöhnliche Literatur lesen. Schon die Erzählperspektive mit einem (fiktiven) Herausgeber, der sich andauernd per Fußnote in die Erzählung des (selbst)verliebten und etwas wehleidigen Ich-Erzählers einmischt, ist wohl nichts für jeden. Wer aber aufgeschlossen ist und Gefallen an ungewöhnlicher Literatur hat, dem möchte ich das Buch umso mehr ans Herz legen.
Die erzählte Geschichte ansich - über die der Klappentext mehr als genug verrät - ist auch etwas verrückt und dabei nett zu lesen, aber eigentlich nichts herausragendes. Eine Mischung aus historischem Roman und Fantasy (oder Steam Punk?). Für mich steht bei diesem Buch aber die Art wie die Geschichte erzählt wird im Vordergrund. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten.

Veröffentlicht am 05.01.2018

Der Teufel hat den Schnaps gemacht

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das hat jeder schonmal gehört, der den deutschen Schlager liebt und auch so mancher, der ihm auszuweichen versucht. Im vorliegenden Roman des jungen britischen Autors Forrest Leo kommt dem Höllenfürsten ...

das hat jeder schonmal gehört, der den deutschen Schlager liebt und auch so mancher, der ihm auszuweichen versucht. Im vorliegenden Roman des jungen britischen Autors Forrest Leo kommt dem Höllenfürsten eine ganz andere Rolle zu - falls er das überhaupt ist. Denn der Ich-Erzähler, der blutjunge unglücklich verheiratete Dichter Lionel Savage erzählt hier eine Geschichte, die man gar nicht glauben mag, zumal sie von jemandem kommentiert wird, dessen Identität erst am Ende herauskommt.

Savage leichtsinnig zu nennen wäre die Untertreibung des Jahrhunderts und so verwundert es nicht, dass er für sich bereits mit Anfang 20 keinen anderen Ausweg als die Heirat sieht. Um dann schnell zu merken, dass er nicht so richtig klarkommt in seiner Ehe mit der schönen und stolzen Vivien, die offenbar so etwas ganz anderes vom Leben erwartet als Savage. Als einzigen Ausweg sieht er den Selbstmord, aber irgendwie ist das alles zu kompliziert.

Wer gerne die Vorfahren Monty Pythons kennenlernen will - die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert und findet, dass Literatur und Klamauk zusammenpassen, für den ist dieses spritzige, teilweise absurde Buch wie gemacht. Mir war es allerdings teilweise fast zu abwegig, auch wenn ich immer wieder mal auf den richtigen Weg zurückfand und Spaß daran hatte. Die Figuren, die Forrest Leo hier kreiert hat, scheinen sich zu verselbständigen und ihren eigenen Weg zu gehen - einen wahrhaft wilden und extremen. Wer eine ganz spezielle Art des literarischen Personals kennenlernen will, die neue Wege geht, der wird diese ganz besonderen Charaktere mögen.

Tollkühnheit gepaart mit klassischer Erzählkunst und ein bisschen Verrücktheit - klingt das für Sie nach etwas Britischem? Wenn ja, dann sind Sie auf dem richtigen Wege und wenn das für Sie ein attraktiver ist, dann sollten Sie zu diesem Buch greifen!

Veröffentlicht am 28.04.2017

very british

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„Der Gentleman“, das Erstlingswerk des englischen Autors Forrest Leo, ist durch und durch very british. Schon am Cover mag der aufmerksame Käufer erahnen ,dass das Buch sich nicht so einfach in ein Genre ...

„Der Gentleman“, das Erstlingswerk des englischen Autors Forrest Leo, ist durch und durch very british. Schon am Cover mag der aufmerksame Käufer erahnen ,dass das Buch sich nicht so einfach in ein Genre einordnen lässt. Der sarkastische Plauderton ist sehr trocken und es reiht sich dabei Scherz an Pointe, schlauer Spruch an Randbemerkung. Der Hauptcharakter des Dichters Lionel Savage ist borniert, exaltiert, auf aristokratische Weise stinkfaul und überheblich und er bringt dies auf unnachahmlich elegante Weise auch zum Ausdruck. Und nicht genug, wird aus der Teilperspektive des treuen Butlers Simmons durch unzählige, mal längere mal knapp gehaltene, Fußnoten den Erzählungen seines Arbeitgebers noch etwas angemerkt, wobei dieser meist wiederspricht oder klar stellt, wie es wirklich war.

Nachdem ich mir bewusst gemacht habe, dass wir uns ja im London 1850 befinden, konnte ich mir Savage lebhaft vorstellen in seinem gepflegten Haus am Pocklington Place, wo er über seine Zweckehe und seine Schreibblockade jammert und seine Frau zum Teufel wünscht, da er sie für alles Negative in seinem Leben verantwortlich macht. Damit löst er allerdings Geschehnisse aus, die er so nicht bedacht hat und er macht sich auf die Suche nach seinem Eheweib, wobei ihm die energische Schwester und der Schwager zu Hilfe eilen.

Ich hatte ja mit einer ungewöhnlichen Geschichte gerechnet, aber zeitweise ist sie wirklich sehr durchgeknallt und schräg. Man muss sich von Anfang an auf Lionel Savage und seinen Charakter einlassen, sonst wird die Sache etwas anstrengend. Als ausgleichender Pol ist der Butler immer mit geerdeter Ruhe und Gelassenheit bei der Hand und am besten hat mir sowieso die Schwester gefallen, die als quirlige 16-jährige ihren unterkühlten Bruder aus seiner Lethargie herausreist.

Wie gesagt – very british.

Veröffentlicht am 10.04.2017

Witzig

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Der kleine Roman „Der Gentleman“ entzieht sich jeder Einordnung. Verrückt, subversiv und komisch – ein Debüt eines Autors, der unbekümmert seine Ideen in Worte fasst.
Savage ist ein viktorianischer Gentleman, ...

Der kleine Roman „Der Gentleman“ entzieht sich jeder Einordnung. Verrückt, subversiv und komisch – ein Debüt eines Autors, der unbekümmert seine Ideen in Worte fasst.
Savage ist ein viktorianischer Gentleman, der von seinem Vermögen lebt und dichtet, allerdings braucht er bald Geld und er tut was ihm richtig erscheint, er heiratet Geld. Für alles andere ist er schlicht zu faul und zu unbegabt. Die Lancasters verfügen über ein großes Vermögen, eine Tochter, die mit 21 dringend unter die Haube muss. Da greift Savage zu, ohne sich groß über seine Zukünftige Gedanken zu machen. Allerdings gelingt ihm seit dem Tag der Hochzeit kein einziger gelungener Vers, also wünscht er seine Frau zum Teufel und tatsächlich am nächsten Morgen ist Vivien verschwunden. Dafür taucht ungeplant seine jüngere Schwester – ein wahrer Teufelsbraten – auf und auch Viviens Bruder, ein Weltreisender, Abenteurer und Entdecker steht vor der Tür. Die einzige Konstante in diesem Tohuwabohu ist Simmons, der vortreffliche Butler.
Da drängt sich förmlich Wodehouse, gemischt mit Monty Python auf, ein richtiger Spaß mit vielen mal versteckten, mal auffälligen Anspielungen auf die Epoche und die Literatur. Man muss sich auf diese Art von Humor einlassen können, für diese Leser ist der Roman eine Entdeckung. Wer Ernst und Sinn erwartet, wird sicher enttäuscht. Nicht immer wird das Tempo und Absurdität gleich hochgehalten, es gibt mitunter einige „Hänger“ in den Kapiteln, aber auch als Leser musste ich mal verschnaufen.
Ein Kapitel für sich sind die originellen, absurden Fußnoten. Die in meinem Fall im E-Book leider am Ende zusammengefasst und nicht direkt am Seitenende. Das ist der einzige Kritikpunkt, den ich anmerken möchte.
Ein gelungener Einstand für den Autor, der mich neugierig auf weitere Bücher macht von ihm macht.
Ach ja – und das Titelbild: damit konnte ich nicht allzu viel anfangen.

Veröffentlicht am 28.07.2017

Absurde Geschichte über einen etwas einfältigen Dichter und klassischen Antiheld - amüsant zu lesen

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Lionel Savage hat seine Frau Vivien nur aufgrund ihres Vermögens geheiratet, um sich und seiner sechs Jahre jüngeren Schwester, für die er nach dem Tod der Eltern verantwortlich ist, versorgen zu können. ...

Lionel Savage hat seine Frau Vivien nur aufgrund ihres Vermögens geheiratet, um sich und seiner sechs Jahre jüngeren Schwester, für die er nach dem Tod der Eltern verantwortlich ist, versorgen zu können.
Savage ist Dichter, seit der Hochzeit vor einigen Monaten befindet er sich allerdings in einer Schaffenskrise und ist inzwischen so verzweifelt, dass er sich umbringen möchte. Da er aber nicht so richtig weiß, wie er seinem Leben ein Ende setzen könnte und er auch seinem Butler nicht mit der Beseitigung seiner sterblichen Überreste behelligen möchte, kommt es Savage ganz gelegen, dass während der Party seiner Ehefrau ein Gentleman in seinem Arbeitszimmer erscheint, mit dem er einen Pakt schließt. Noch am selben Abend ist Vivien verschwunden und Savage verspürt wieder die nötige Kreativität für seine Dichtkunst.
Als wenig später der Bruder von Vivien von seiner Afrika-Expedition nach London zurückkehrt und Savage erfährt, dass Vivien diesem in Briefen begeistert und scheinbar schwer verliebt von ihrem Ehemann berichtet hat, bekommt Lionel nicht nur ein schlechtes Gewissen, er merkt auch, dass er seine Ehefrau tatsächlich liebt. Er möchte sie wieder aus den Händen des Teufels befreien und so beginnt die abenteuerliche Suche nach seiner Frau und dem Eingang zur Hölle.

"Der Gentleman" erinnert ein wenig an Goethes Faust und ist auch so geschrieben, dass ich mir den Roman gut als ein Theaterstück hätte vorstellen können. Tatsächlich gibt der Autor in seiner Danksagung an, dass das Buch als Komödie für das Theater konzipiert war. Das fällt vor allem am Ende des Romans auf, als alle Protagonisten zum Finale in einem Raum versammelt sind und das Verschwinden von Vivien aufgeklärt werden kann.

Der Roman ist voller Ironie und stark übertreibender Dialoge geschrieben, so dass man weder Lionel Savage noch die ganze Handlung allzu ernst nehmen kann. Der Roman ist von einem imaginären Herausgeber verfasst, der von Savage gezwungen wurde, sein Werk zu veröffentlichen. Dieser "pünktliche Hubert" gibt in unzähligen Fußnoten (abwertend) an, was er von Lionel, seiner Dichtkunst und dem Roman hält.

"Der Gentleman" ist eine etwas absurde Geschichte über einen etwas einfältigen Dichter, der ohne seinen Butler völlig hilflos wäre und bei dem immer erst zuletzt der Groschen zu fallen scheint. Letztlich findet er jedoch aufgrund einer gut gemeinten Finte seiner Ehefrau, die aberwitziger Weise ein größeres Talent zur Dichtkunst zu haben scheint als Lionel selbst, zu seinem Glück.

Das Buch überzeugt durch seinen kreativen, ungewöhnlichen Schreibstil und ganz amüsante Szenen um den Antiheld Savage, ist aber nicht ganz so unterhaltsam und abenteuerlich wie ich es mir gewünscht hätte. So hatte der Roman doch einige Längen bis es zur etwas ernüchterndem Aufklärung des Verschwindens von Vivien kam.