Cover-Bild Eierlikörtage
22,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Piper
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 416
  • Ersterscheinung: 01.08.2016
  • ISBN: 9783492058087
Hendrik Groen

Eierlikörtage

Das geheime Tagebuch des Hendrik Groen, 83 1/4 Jahre
Wibke Kuhn (Übersetzer)

Hendrik Groen mag alt sein (83 1/4, um genau zu sein), aber er ist noch lange nicht tot. Zugegeben, seine täglichen Spaziergänge werden kürzer, weil die Beine nicht mehr recht wollen, und er muss regelmäßig zum Arzt. Aber deshalb nur noch Kaffeetrinken, die Geranien anstarren und auf das Ende warten? Kommt nicht in Frage. Ganz im Gegenteil. 83 Jahre lang hat Hendrik immer nur Ja und Amen gesagt. Doch in diesem Jahr wird er ein Tagebuch führen und darin endlich alles rauslassen - ein unzensierter Blick auf das Leben in einem Altenheim in Amsterdam-Nord. Das ist richtig lustig und zugleich so herzzerreißend, dass wir Hendrik am Ende dieses Jahres nicht mehr aus unserem Leben lassen wollen. 

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2018

Prost(ata)!

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Eierlikör ist nicht die liebste Droge des Hendrik Groen. Nein, definitiv nicht! Er bevorzugt Rotwein, Bier, Weißwein oder auch mal ein Schnäpperken. Aber dieser Titel ist auch schon das Einzige, das aus ...

Eierlikör ist nicht die liebste Droge des Hendrik Groen. Nein, definitiv nicht! Er bevorzugt Rotwein, Bier, Weißwein oder auch mal ein Schnäpperken. Aber dieser Titel ist auch schon das Einzige, das aus meiner Sicht an diesem Buch nicht passt, der Rest tut es um so mehr. Denn Hendrik ist ein Junge bzw. - um die Dinge klarzurücken - ein Greis aus dem Leben und zwar einer, der schon 83 1/4 Jahre auf dem Buckel hat und seine noch überschaubare Zukunft wohl in dem Amsterdamer Seniorenheim verbringen wird, das den maßgeblichen Schauplatz des Geschehens bildet. Wo nicht (nur) der Alkoholgenuss, sondern auch die verschiedenen kleinen und vor allem größeren Zipperlein, die man eben so hat, eine ungewollt große Rolle spielen. Hendrik hat ein Buch geschrieben und zwar ist es kein Roman, sondern ein Tagebuch, das (fast) jeden Tag des Jahres 2013 dokumentiert.

Hendrik ist ein Typ, der zwar nicht überschäumend frohgemut ist, dennoch ist er bereit, jeden Tag seines restlichen Lebens zu genießen, aber so, wie er es will! Und mit wem er es will! Damit ist dieses Buch quasi eine Hymne auf die Indiviualität, auf den eigenen Weg, den man in jeder Situation gehen kann, selbst wenn einem der Unterschenkel amputiert wird, wie es bei Hendriks Evert im Verlauf dieses hier dokumentierten Jahres der Fall ist. Und auf eine selbstbestimmte Lebenseinstellung bis ins hohe Alter hinein!

Peu à peu wird deutlich, dass auch Hendriks eigenes Leben nicht gerade ein Rosengarten war - dennoch scheint gerade dies ihm deutlich zu machen, welche Prioritäten er noch setzen will und wann Schluss sein sollte. Auch das gehört nämlich zu einem selbstbestimmten Leben. Dieses Buch ist nicht niedlich, es ist nicht anrührend, auch wenn es bestimmte Dinge tief in mir drin sehr berührt hat (ja, das ist ein Unterschied). Ich bewundere Hendrik nicht, ich will ihn auch nicht kennen lernen - aber ich hoffe sehr, dass ich selbst und die Menschen die mir wichtig sind, im hohen Alter ebenso in der Lage sein werden, ihre Prioritäten zu setzen wie Hendrik es tut. Auf jeden Fall habe ich tiefen Respekt vor ihm und vor seiner Art, die Dinge anzupacken.

Keine Ahnung, ob es diesen Hendrik wirklich gibt, aber wer auch immer dieses Buch geschrieben hat, der hat etwas geschaffen, das mich beeindrucken konnte, das ich nicht so schnell vergessen und unbedingt weiterempfehlen werde!

Veröffentlicht am 13.04.2018

Alt, aber nicht tot

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"Biologisch gesehen sei ein Mensch ab dem vierzigsten Lebensjahr überflüssig, denn dann sind die Kinder erwachsen und brauchen keine Eltern mehr. Der köperliche Verfall setze zu dieser Zeit ein, mit Haarausfall ...

"Biologisch gesehen sei ein Mensch ab dem vierzigsten Lebensjahr überflüssig, denn dann sind die Kinder erwachsen und brauchen keine Eltern mehr. Der köperliche Verfall setze zu dieser Zeit ein, mit Haarausfall und Lesebrille.Auch auf Zellniveau gehe es bergab." Zitat Seite 50

Herrlich trocken betrachtet Hendrik Groen die Welt der über 80-Jährigen. Er beginnt am ersten Tag des Jahres ein Tagebuch zu führen und lässt uns damit an seinem Alltag und seinen Gedanken teilhaben. Am Anfang klingt er noch ziemlich negativ und steht seinen Altersgenossen recht ablehnend gegenüber, doch am Jahresende ist er um viele Erfahrungen und Freundschaften reicher und macht sogar Pläne für die Zukunft.


In diesem Buch geht es natürlich inhaltlich um das Leben von alten Menschen, aber sie werden mit sehr viel Herz beschrieben, ihre Probleme werden klar benannt und ihr Alltag erscheint trist und grau. Doch als der Club Alanito (Alt-aber-nicht-tot) ins Leben gerufen wird, haben die Menschen wieder Freude und Hoffnung, denn die gesellige Gemeinschaft und ihre Unternehmungen lassen sie wieder positiv am Leben teil haben.
Es entwickelt sich ein funktionierendes Sozialgefüge, das man mit einer Wohngruppe vergleichen könnte. Es ist schade, dass hier nicht alle alten Menschen in diesen Genuss kommen können. Die Pflege und allgemeine Versorgung im Stift/Heim/Residenz kann die innersozialen Strukturen dieser Gemeinschaft nicht leisten. Hierzu bedarf es schon engerer sozialer Bindungen, die sich positiv auf das Lebensgefühl der alten Menschen auswirkt. Hendrik und sein Club Alanito zeigen das sehr deutlich.


Ich habe Hendrik durch seine Tagebücher näher kennen gelernt und mag es, wie er den Nagel auf den Kopf trifft und besonders seinen trockenen Humor. Ich fühle mich mit ihm regelrecht bekannt und finde seine lebenserfahrenen Bemerkungen einfach nur gut. Zu gerne würde ich seine echte Bekanntschaft machen, denn er ist mir regelrecht ans Herz gewachsen. Ich freue mich über seine liebenswerten Bemühungen um seine Bekannten, die sich an der Grenze zur Demenz befinden und über die gelungenen Ausflüge des Clubs Alanito, die den alten Leutchen noch einige frohe Erlebnisse bescheren.


"Von allen Sinnesorganen arbeitet meine Nase immer noch am besten. Das ist hier nicht immer ein Segen. Es riecht nach alten Menschen." Zitat Seite 73

Solche realisitischen Bemerkungen Hendriks lassen mich schmunzeln und man merkt, dass er noch klar denken kann und die Nachteile nicht einfach nur bejammert, sondern aktiv wird und das Beste daraus machen will.

"Wenn der Tod zu lange auf sich warten lässt, endet man als unverständlich brabbelndes, greises Kleinkind mit Windel und Rotznase." Zitat Seite 86

Gemeinsam mit anderen Bewohnern erstellt er zum Beispiel einen Notfallplan für eine Freundin, die langsam aber sicher an Demenz erkrankt.

Die Eintragungen lesen sich neben dem eintönigen Leben von Hendrik sehr locker. Er nimmt das Leben wie es ist und sein Aktivismus steckt andere Bewohner an. Spielerunden, Umtrunk mit Freund Evert, Spaziergänge mit einer neuen Liebe und Ausflüge mit Alanito. So kann man Spaß haben.

"Endlose Ströme nutzloser Wörter, die alles überwuchern wie erstickendes Unkraut." Zitat S. 245
Genauso erlebt Hendrik manche Gespräche der Mitbewohner mit.


Es geht hier um die allgemeinen Themen, die im Altenheim kursieren wie Inkontinenz, selbstbestimmtes Sterben oder die fehlende Mobilität, die Hendrik kurzerhand durch den Kauf eines Scooters wiederherstellt.
Interessant sind auch die Einbindungen der aktuellen politischen Situation wie der Lehmann Krise oder allgemeiner Nachrichten. Hendrik vergleicht sie häufig mit dem Leben in seinem Mikrokosmos Seniorenheim. Doch dann wird schnell wieder zur Tagesordnung übergegangen, die Folgen werden für diese Altersklasse nicht mehr relevant sein.

Die Lektüre wird durch den eingebauten Humor zu einem echten Genuss und man freut sich über die herzliche Art einiger Charaktere und gewinnt sie einfach gern.

Es gibt viele witzige Szenen, über die ich richtig lachen oder mich gefreut habe. So zum Beispiel als Hendrik, endlich wieder mobil mit seinem Scooter, der natürlich frisiert ist, einen Strafzettel kassiert oder als er sich noch einmal verliebt.


Hendrik Groens Tagebuch ist eine wunderbare Lektüre, die nachdenklich macht, amüsiert und den Leser soweit bringt, das er Hendrik einen Besuch abstatten möchte.

Veröffentlicht am 05.11.2016

„Solange man Pläne macht, lebt man“, ist Hendrik vom Autor in den Mund gelegt und recht hat er!

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Redaktioneller Hinweis: Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Cover
Eine Zeichnung in der Halbtotalen. Ernst. Verkniffener Mund. Seitenscheitel. Ein Buch über alte Männer? ...

Redaktioneller Hinweis: Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Cover
Eine Zeichnung in der Halbtotalen. Ernst. Verkniffener Mund. Seitenscheitel. Ein Buch über alte Männer? ‚Ein Tagebuch‘ steht im Titel. Was wird da wohl drinstehen? Die Frage zieht an. Man blättert hinein.

Inhalt
Der Leser ist gleich im ersten Eintrag des Tagebuches. Kein Vorwort, kein Nachwort, kein Inhaltsverzeichnis und kein Nachruf.
Es beginnt mit dem 1. Januar 2013 und endet mit dem 31.12.2013.
Tag für Tag wird aus dem Leben im Alterheim erzählt, von Träumen und Inkontinenz berichtet. Davon, dass Hendrik vertrieben wird, wenn er mit lilafarbener Kälte-Nase vor dem Altersheim sitzt und es berichtet von den Clubausflügen der Bewohner, von Lebensmut und Gebrechen. Langweilig ist es nicht, denn die Kommentare, eher noch die Gedanken, die nicht ausgesprochenen Meinungen von Hendrick und das Beobachten des Lebens jenseits der 80 werden liebevoll verpackt in: Tagebucheinträge. Und doch ist es ein Buch, dass von Hoffnung, von Stottern und von Liebe handelt. Nämlich der Liebe zu Eefje und zum Leben. „Solange man Pläne macht, lebt man“, ist Hendrik vom Autor in den Mund gelegt und recht hat er!

Zielgruppe
Ein Kinderbuch zeigt lustige farbenfrohe Zeichnungen, Cover belletristischer Bücher bedienen alle, von schwarz / weiß bis marktschreierisch bunt. Wen aber sollte das Bild eines alten Mannes ansprechen? Dazu noch als handgemalte Skizze? Es sind die Worte ‚geheim‘ und ‚Tagebuch‘ im Titel, die zugreifen lassen. Von daher ist die Zielgruppe jeder, der es mag, in das Leben anderer zu schauen.

Stil
Das Buch ist aus der Sicht des Autoren mit trockenem Humor geschrieben. Tag für Tag wird knapp berichtet in leicht verständlichen Sätzen, die es einem ermöglichen das Buch auch mal einen Tag liegen zulassen, wenn man könnte.

Fazit
Ein Buch, das sich lohnt! Ein Buch das Mut macht und Lebenserfahrenden zeigt: Steh auf!

Veröffentlicht am 18.10.2016

So vielseitig wie die Durchschnittsfüllung der Tablettenbox von Groens Mitbewohnern!

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Hendrik Groen gehört nicht zu den Menschen im Seniorenheim, die jeden Tag die Einnahme ihrer Tabletten unter goßem Getue zelebrieren, pausenlos wehklagen, kundtun, was früher alles besser war, erst wenn ...

Hendrik Groen gehört nicht zu den Menschen im Seniorenheim, die jeden Tag die Einnahme ihrer Tabletten unter goßem Getue zelebrieren, pausenlos wehklagen, kundtun, was früher alles besser war, erst wenn es um Beschuldigungen und Verschwörungen geht wieder so richtig aktiv werden, sich gar nicht mehr aus dem Haus trauen oder es nicht bemerken, wenn die Zeitung, die sie gerade lesen, noch aus der letzten Woche stammt. Zwar kann er gesundheitlich den langsamen Verfall nicht leugnen, jedoch fühlt er sich alleine von seiner Einstellung her Lichtjahre von den ganzen alten Menschen entfernt.
Nun, im Alter von 83 1/4 Jahren beschließt er, nicht mehr zu allem Ja und Amen zu sagen, sondern lieber seine Meinung kundzutun. Darüber hinaus beginnt er mit dem Schreiben eines Tagebuchs, wobei er sich vornimmt, ganz ungetrübt das Leben im Altenheim widerzugeben. Ungeschönt und unverblümt. Sollte er vor seinem besten Freund Evert Duiker sterben, was er so fest eingeplant hat, soll dieser ein paar nette – wenn auch nicht gerade schmeichelhafte – Passagen aus dem geheimen Tagebuch vorlesen.
Da er alte Menschen generell nicht mag und Großveranstaltungen wie das feierliche Mitklatschen zu „Tulpen aus Amsterdam“ oder heikle Gymnastikübungen im Sitzen nur zu gerne versäumt, hat Hendrik Groen so viele Freunde im Altenheim in Amsterdam-Nord nicht. Mit seinen rebellischen – ja gerade zu vandalistischen – Taten macht er sich auch nicht gerade mehr Freunde. Viele verstehen diese Befreiungsschläge gegen das Establishment, vertreten durch die Heimleitung, nicht so ganz.
Als dann aber eine neue Bewohnerin, Eefje Brandt, einzieht, die mit dem ganzen Geschlurfe und Gestöhne auch nichts zu schaffen haben möchte, ist eine neue Verbündete gefunden. Rein zufällig wird so am Montag, dem 19. Februar, ein Rebellenclub gegründet. Mitglieder: Hendrik Groen, Evert Duiker, Eefje Brandt, Edward Schermer, Grietje de Boer und Graeme Gorter. Vereinsname: Alt-aber-nicht-tot, oder kurz: Alanito. Die Mitgliederzahl ist vorerst auf sechs Personen begrenzt, sodass neue Mitglieder aufzunehmen nicht möglich ist. Ein guter Schachzug in Anbetracht der ganzen Nörgler, die bald der Neid, dann das Misstrauen und schließlich das Lästern packen wird. Das Ziel des Clubs ist es, gegen die chronische Ereignislosigkeit anzukämpfen, weswegen bei einer bewegenden Gründungsversammlung beschlossen wird, dass, unter Betrachtung der Gebrechen und finanziellen Möglichkeiten der Mitglieder, in regelmäßigem Abstand nacheinander jedes Mitglied unter strengster Geheimhaltung einen Ausflug planen muss. Dabei kann es sich um tolle Besichtigungen, Kurse oder Ähnliches handeln. Eine wichtige Regel sei noch vermerkt: Teilnehmern ist das Meckern nicht gestattet.
Und so blüht die Gruppe auf, erlebt endlich wieder etwas und wächst zusammen. Dabei verschlechtert sich die Gesundheit der Clubmitglieder, neue Beschlüsse der Direktorin müssen verhindert werden,… Es ist also einiges los im Altenheim…

„Auch im neuen Jahr hab ich für Senioren nichts übrig. Dieses Geschlurfe hinter Rollatoren, diese völlig deplatzierte Ungeduld, dieses ewige Gejammer, diese Kekse zum Tee, dieses Geseufze und Gestöhne.
Ich bin 83 1/4 Jahre alt.“
Schon die ersten drei Sätze haben mich zum Schmunzeln gebracht und meine Neugierde geweckt. Immer wieder stößt man auf so schöne Passagen, dass man sie sich am liebsten herausschreiben würde – nur dass es dafür dann doch zu viele sind. Hendrik Groen beschreibt den Alltag im Altenheim mit viel (Selbst-) Ironie und Scharfsinn. Das Erzählte ist dabei manchmal so skurill, wenn auch nicht unrealistisch, dass man nicht mehr anders kann, als loszulachen. Aber selbstverständlich gibt es nicht ständig Grund zur Freude, denn auch Trauriges schildert Groen in seinem geheimen Tagebuch.
So ist dieses Werk so vielseitig wie die Durchschnittsfüllung der Tablettenbox von Groens Mitbewohnern. Manchmal sentimental, dann wieder höchst amüsant, im nächsten Moment traurig, als nächstes zum Kopfschütteln, dann zum Lachen, schließlich kopfkinoverursachend, zum Aufregen oder wieder herzerwärmend.
Ganz besonders gelingt es Hendrik Groen, die Stimmung, welche in einem Moment herrscht, durch einen gezielten Kommentar wieder umschlagen zu lassen. Nicht selten führte dies bei mir zum Staunen oder Lachen.
Sehr ansprechend ist meiner Meinung nach auch, dass dieses Werk auch wirklich Tagebuchcharakter hat, denn auch Themen wie der Königstag oder Nachrichten Groens Bewertung nicht entgehen können. Aber auch Veränderungen im Heim werden zum Gegenstand der Tagebucheinträge gemacht, sodass man die Zustände dort lebhaft vor Augen hat und es gleich verschiedene Handlungsstränge gibt, welche jedoch stets passend zusammengeführt werden. Ebenso wird über die Gesundheit der Charaktere geschrieben, was schon beeindruckt und zum Nachdenken anregt. „Stillstand bedeutet Fortschritt“, doch nicht bei jedem bleibt das aktuelle Niveau erhalten…

Mit „Eierlikörtage“ wurde ein wunderbares Werk geschaffen, welches ich jedem ans Herz legen kann! Es ist nicht nur einfach humorvoll, hat nicht einfach Unterhaltungswert, sondern gibt auch, immer in Maßen, Anlass zum Grübeln. Ich habe es sehr genossen, Herrn Groen ein Jahr lang zu begleiten, habe Alanito ins Herz geschlossen und mitgefiebert. Jetzt bin ich auf die Fortsetzung, „Tanztee“, gespannt, welche im Frühjahr nächsten Jahres erscheinen soll.

Veröffentlicht am 14.10.2016

Mit 80+ ist noch längst nicht Schluss

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Ob es ihn wirklich gibt, den netten dreiundachtzigeinvierteljährigen Senior Hendrik Groen, der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 fast täglich Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer ...

Ob es ihn wirklich gibt, den netten dreiundachtzigeinvierteljährigen Senior Hendrik Groen, der vom 1. Januar bis 31. Dezember 2013 fast täglich Tagebuchaufzeichnungen über sein Leben in einem Amsterdamer Seniorenheim verfasst hat, die nun als Sammlung in Buchform vorliegen, oder wer sonst hinter dem Verfasser steht, lässt sich dem Buch nicht entnehmen. Auf jeden Fall klingt alles sehr authentisch und ist der Tagebuchschreiber ein wohl untypischer Seniorenheimbewohner. Er ist das ständige Gejammer seiner betagten Mitbewohner über alles und jeden überdrüssig und will sich an seinen letzten Lebenstagen – denn die Kürze der ihm verbleibenden Zeit ist ihm durchaus allgegenwärtig – noch einmal richtig erfreuen. Das gelingt ihm mit dem aus gleichgesinnten Freunden bestehenden Club Alt-aber-nicht-tot (kurz: Alanito), täglichen Ausfahrten mit seinem Elektromobil, dem Kümmern um seine gesundheitlich noch angeschlageneren Freunde und der Herausforderung des Schreibens eines Tagebuchs recht gut. Letzteres enthält Anekdötchen aus dem Heimleben, von Hendrik kommentierte Fakten der niederländischen Seniorenpolitik, seine Gedanken zur Rolle alter Leute in der Gesellschaft und eigene Ansichten zum Leben im Altersheim mit gebrechlichen, abgeschobenen, dem Tode nahen Bewohnern. Obwohl Krankheit und Tod immer wieder thematisiert werden, denn das Schicksal verschont auch Hendrik und seine Freunde nicht, liest sich alles locker und angenehm. Das ist vor allem dem wunderbaren Schreibstil Hendriks geschuldet, der an trockenem Humor und Ironie nicht spart. Am Ende wird Hendrik zu einem tollen Vorbild und es lässt sich das persönliche Fazit ziehen, dass ein Lebensabend im Altersheim nicht unbedingt das A und O ist, dort aber durchaus noch Lebensfreude zu finden ist.

Ein von mir uneingeschränkt empfohlener Roman für Leser aller Altersgruppen.