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Veröffentlicht am 12.11.2018

Eine wunderschöne Ausgabe des Klassikers, welcher durch die Neuüberarbeitung nahezu zerstört wurde.

Jane Austen, Stolz und Vorurteil. Illustrierte Schmuckausgabe mit Goldprägung
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"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit,
dass ein Junggeselle von ansehnlichem Vermögen zwingend auf der Suche nach einer Ehefrau ist."
(S. 7 - Der berühmte erste Satz)

Zum Inhalt dieses Klassikers ...

"Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit,
dass ein Junggeselle von ansehnlichem Vermögen zwingend auf der Suche nach einer Ehefrau ist."
(S. 7 - Der berühmte erste Satz)


Zum Inhalt dieses Klassikers muss wohl nicht mehr viel gesagt werden, daher beschränke ich mich auf ein paar allgemeine Informationen bezüglich der Entstehung dieses Klassikers und insbesondere zu dieser Ausgabe aus dem Anaconda-Verlag.

Jane Austen hat "Stolz und Vorurteil" bereits 1796 begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war Austen im selben Alter wie ihre Protagonistin Elizabeth Bennet. Der Roman selbst erschien jedoch erst 1813.
Der ursprüngliche Titel sollte "Erste Eindrücke" lauten, dieser war jedoch 1813 bereits vergeben und so entschied sich Jane Austen dann für "Stolz und Vorurteil".

Beide Titel beschreiben den Inhalt äußerst treffend. Mr. Darcy verkörpert den Stolz, während Elizabeth Voreingenommenheit inne hat. Diese beiden Charaktereigenschaften verhindern natürlich das Zusammenfinden der beiden Figuren, doch beide sind aufgrund dessen gezwungen an sich zu arbeiten und sich mit ihren Schwächen auseinanderzusetzen. Die Protagonisten machen im Verlauf der Geschichte eine große Entwicklung durch, wachsen daran und finden so auch schließlich zusammen.

Nichtsdestotrotz ist "Stolz und Vorurteil" eine typische Jane Austen-Sittenkomödie, welche vor allem die tiefsitzenden Moralvorstellungen von damals behandelt. MIt herrlich spitzer Zunge, viel Ironie und noch mehr Sarkasmus, macht sich Austen über diese Moral lustig und prangert gleichzeitig die damalige Stellung der Frau an.
Der Roman enthält also durchaus Romantik, ist aber auch äußerst amüsant zu lesen.



">>Ich bitte dich, liebe Tante, kannst du mir sagen,
worin der Unterschied zwischen einer Geld- und einer Vernunftheirat besteht?
Wo hört die Vernunft auf, und wo fängt die Habgier an?<<"
(S. 180)


Die Ausgabe selbst ist von der Optik her wunderschön und von guter Qualität. Das Cover ist ein absoluter Traum im klassischen Stil mit Silberprägung und mit Lesebändchen ausgestattet.
Die Geschichte wird von Illustrationen von Hugh Thomson begleitet.
Hugh Thomson (1860-1920) war ein irischer Zeichner und Illustrator, welcher damals nicht nur "Stolz und Vorurteil" illustrierte. Bekannt wurde er tatsächlich durch seine Illustrationen zu Werken von Charles Dickens.
Er steuerte jedoch nicht nur Zeichnungen zu "Stolz und Vorurteil" bei, sondern weiters auch für "Emma", "Verstand und Gefühl", "Mansfield Park", "Northanger Abbey" und "Überredung".

Nun jedoch zu meiner Kritik und diese betrifft die Übersetzung, bzw. die Neuüberarbeitung. Diese erfolgte durch Isabelle Fuchs und ich muss leider anmerken, dass dies alles andere als behutsam geschah. Meiner Meinung nach wurde hier zu viel modernisiert und es wurde wohl versucht dem Klassiker den eigenen Stempel aufzudrücken. Die oft ausufernden Schachtelsätze wurden gekürzt und manches wurde gänzlich entfernt, sodass dieser Klassiker als billiger Groschenroman durchgehen könnte.

Ich habe schon viele Ausgaben von "Stolz und Vorurteil" gelesen, ich bewundere Jane Austen und ihre Werke und daher tut einer bekennenden Janiete wie mir, diese Art von flapsiger Neuüberarbeitung im Herzen weh.
Von einem Klassiker der Weltliteratur erwarte ich mir eine behutsame und originalgetreue Übersetzung und keine, in der der literarisch anspruchsvolle Text stark vereinfacht überarbeitet wird, sodass man meinen könnte einen Groschenroman in den Händen zu halten.

Fazit:
Von der Optik her ist diese Ausgabe von "Stolz und Vorurteil" ein wahres Schmuckstück, doch die Neuüberarbeitung macht dies alles zunichte. Ich habe mich schon lange nicht mehr so über eine Überarbeitung ärgern müssen. Ein Literaturklassiker wurde hier zu einem einfach gestrickten Groschenroman verunstaltet.
Immerhin gibt es zwei Sterne für die Aufmachung.

Veröffentlicht am 23.08.2018

Hist. Roman der in jeder anderen Zeit auch hätte spielen können und sich zu einem Groschenroman durch und durch entwickelte. Die unsympathische Protagonistin machte es nicht besser.

Das Versprechen der Jahre
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London 1904: Lady Celia Lytton betört die englische Society mit ihrer Intelligenz und Schönheit zugleich. Sie ist die perfekte Gastgeberin, veröffentlicht im eigenen Verlag einen Bestseller nach dem anderen ...

London 1904: Lady Celia Lytton betört die englische Society mit ihrer Intelligenz und Schönheit zugleich. Sie ist die perfekte Gastgeberin, veröffentlicht im eigenen Verlag einen Bestseller nach dem anderen und genießt ihr junges Familienglück – ein privilegiertes Leben. Doch dramatische Ereignisse kündigen sich an, und als ihr Mann Oliver in den Krieg eingezogen wird, können die Lyttons nicht mehr die Augen vor der Realität verschließen. Die makellose Fassade bekommt erste Risse, und Celia beginnt zu verstehen, dass sie einen Preis zahlen muss, für die Entscheidungen, die sie getroffen hat, und die Geheimnisse, die sie bewahrt …(Klappentext)

❃❃❃❃❃

">>Ich hoffe, eines Tages in meinem Büro inmitten meiner Bücher, aufgefunden zu werden.<<"
(S. 24)


Der Klappentext versprach einen äußerst interessanten Roman über das damalige Verlagswesen, der Kampf der Frauen während des Ersten Weltkrieges als sie zu Hause blieben, während die Männer an der Front für das Vaterland kämpften und eventuell den Wiederaufbau danach.
Ich habe durchaus mit Romantik gerechnete, 1. da dies schon im Klappentext ersichtlich ist und 2. da kein historischer Roman ohne auskommt. Liebe und Leidenschaft, Macht und Intrigen - dies in gut recherchierte historische Romane eingebettet, kann durchaus erfrischend sein...falls dies nicht überhand nimmt.
Bevor ich zu diesen überhand nehmenden Passagen kam, musste ich aber schon mit dem Erzählstil etwas kämpfen. Dieser lässt den Leser nicht nur die Protagonistin begleiten, sondern so ziemlich jede darin vorkommenden Figur. Zudem ist er genauso schlicht und sehr einfach gehalten, wie auch der Schreibstil selbst auch.

"Celia bekam ein Gehalt von einhundert Pfund im Jahr, das sie in Gänze an Jenny weitergab.
Oliver und LM waren sich einig, dass es sich bei Celias Tätigkeit für Lyttons um ein offizielles Beschäftigungsverhältnis handeln müsse.
Die anderen Angestellten, die ihr gegenüber anfangs noch argwöhnisch waren, akzeptierten sie schnell."
(S. 37)


Der Vorteil - es lässt sich flüssig lesen und erfordert nicht viel Konzentration. Der Nachteil - es nimmt den Roman gehörig die Spannung und es plätschert eben so dahin. Man kann sich jedoch daran gewöhnen und der Roman ist somit, in gewisser Weise, die ideale Urlaubslektüre.

Bis zur Hälfte gestaltete sich der Roman auch durchaus interessant bezüglich der Einsichten in das damalige Verlagswesen, des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges und der Konsequenzen hinsichtlich des Lytton-Verlags. Man erhält Einblick wie die Frauen ihren eigenen Kampf zu Hause austragen und sie daran wachsen und dadurch selbstbewusster werden.
Mit der 2. Hälfte geht es jedoch steil bergab und aus dem historischen Roman wird eine Soap à la "Reich und Schön", inklusive Affäre und Drama. War mir die Protagonistin bis dahin zwar schon etwas suspekt, danach hätte ich sie nur noch durch das Buch schnalzen mögen.

Und damit wären wir bei den Charakteren. Diese bleiben auf gewisse Weise blass und ich konnte mich in keine der Figuren richtig hineinversetzen. Ab der 2. Hälfte hatte ich dann zumindest eine Sympathieträgerin. Das war die kleine Barty, welche als einzige eine positive Entwicklung durchmacht.
Die Protagonistin Celia Lytton hingegen wurde mir zunehmend unsympathisch. Hat sich zuvor schon alles um sie gedreht, wird es in der 2. Hälfte noch viel schlimmer und fast unmöglich sich in sie hinein zu versetzen oder ihr so etwas wie Sympathie entgegenzubringen. Diese Wandlung hatte keineswegs etwas mit Stärke, Mut, Durchsetzungsvermögen und Feminismus zu tun. Sie entwickelte sich einfach nur zu einer egoistischen Drama-Queen ohne Empathie anderen gegenüber.

----------ACHTUNG SPOILER!----------

Sex war für sie schon anfangs immer Mittel zum Zweck. Sei es, um ihren Traummann vor den Altar zu schleppen, um ihn zu manipulieren oder um sich für irgend etwas zu entschuldigen.
Als Oliver Lytton, zu diesem Zeitpunkt schon leicht traumatisiert, seinen Fronturlaub zu Hause verbringt, beschäftigt Celia allein nur der Gedanke, weshalb er kein Interesse für ihre Probleme und an ihr selbst zeigt.

"Während seines zehntägigen Aufenthaltes zu Hause stellte er Celia keine einzige Frage über Lyttons, wie sie mit ihrem eigenen schwierigen Leben zurecht komme.
Er schlief auch nicht mit ihr oder signalisierte ihr, dass er sich das wünsche.
Als er an die Front zurück musste, setzte sie sich an die Themse und fragte sich, wie eine Ehe solche Belastungen überstehen sollte."
(S. 285 /
Es ist natürlich viel schlimmer, dass er nicht mit ihr pempern will u. sich kein Stück für sie interessiert...schlimmer als das er wieder an die Front muss.)


Als Oliver schließlich aus dem Krieg zurückkehrt, mit schwerer Bauchverletzung und inzwischen schwerst traumatisiert wohlgemerkt, erklärte die Autorin wie egoistisch er nicht agiert.

"Er war dankbar, zu Hause zu sein, und freute sich darüber,
Celia und die Kinder wiederzusehen,
interessierte sich darüber hinaus jedoch nur für sich selbst und seine Genesung."
(S. 327 / Also Pfui..wie kann er nur!)


Celia hat daraufhin natürlich nichts besseres zu tun als sich, nach nur paar Wochen seiner Rückkehr, unsterblich in den erstbesten Autor zu verlieben und eine Affäre mit ihm zu beginnen.
Eh klar, wenn der Gatte mit posttraumatischer Belastungsstörung zu kämpfen hat und einem nicht mehr besteigen will, reagiert man nun mal so. Da ist ein Rasenmäher sensibler als die Protagonistin.
Spätestens ab diesem Zeitpunkt war der Roman für mich nahezu unlesbar.

----------SPOILER-ENDE!----------

Des Weiteren sind alle Figuren ungewöhnlich attraktiv, äußerst hübsch und höchst intelligent. "Normalos" kommen einem hier also nicht wirklich unter.

Und noch etwas habe ich hier zu beanstanden..jahaa, ich bin noch nicht fertig...und zwar: Die Beschreibung des Settings.
Bis auf die Passagen in denen der Erste Weltkrieg explizit erwähnt wird, könnte sich dieser Roman in jeder x-beliebigen Epoche befinden. Ich vermisste die historische Atmosphäre und ebenso die gut recherchierten historischen Ereignisse à la Ken Follet oder Rebecca Gablé.

Fazit:
Dieser Roman war eine große Enttäuschung für mich, habe ich mir doch, aufgrund der vielen Lobhudeleien bezüglich der Autorin und dieser Reihe, einen historischen Roman à la Ken Follett oder Rebecca Gablé erwartet. Bekommen habe ich einen Groschenroman mit unsympathischer Protagonistin und einem Setting ohne Atmosphäre.
Wer jedoch seichten Liebesschnulzen ohne Tiefgang etwas abgewinnen kann, könnte von dieser Saga durchaus begeistert sein. Ich persönlich halte mich von dieser Reihe und von Büchern dieser Autorin fern. Urlaubslektüre hin oder her.

© Pink Anemone

Veröffentlicht am 07.03.2018

Leider überwiegt hier das psychische Drama des Ermittlers und auch das Ende konnte mich nicht vollends überzeugen.

Die Lektion des Todes
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»Das Mädchen, das Sie gefunden haben, ist nicht mein erstes Experiment. Und es wird nicht das letzte sein.« In Liverpool wird die Leiche einer Studentin gefunden. Daneben ein Brief, der ein verbotenes ...

»Das Mädchen, das Sie gefunden haben, ist nicht mein erstes Experiment. Und es wird nicht das letzte sein.« In Liverpool wird die Leiche einer Studentin gefunden. Daneben ein Brief, der ein verbotenes psychologisches Experiment beschreibt. DI David Murphy hält den Brief für ein Ablenkungsmanöver – bis weitere Leichen auftauchen.Auf der anderen Seite der Stadt versucht Rob Barker, seinen eigenen Verlust zu verarbeiten. Vor knapp einem Jahr verschwand seine Freundin spurlos. Rob wurde verdächtigt, doch es gab keinerlei Beweise. Und zwischen beiden Fällen scheint es eine erschreckende Verbindung zu geben …(Klappentext)

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"Bereits in jungen Jahren wird uns die Angst vor dem Tod gelehrt - jener unbegreiflichen Macht, auf die wir alle zustreben, einzig und allein, weil wir existieren." (S. 9 - Anfang)

Klappentext und Anfang des Psychothrillers lassen einem Großes erwarten - Psychothrill durch und durch.
Die Thematik, die der Autor gewählt hat, lässt einem auf jeden Fall die Gänsehaut rauf und runter laufen. Ein Serienkiller treibt in Liverpool sein Unwesen und der Grund ist seine ganz spezielle Mission - Forschung und Experimente an Menschen. Er hält sich dabei an Dr. Sigmund Freuds These "Das Ziel allen Lebens ist der Tod" und genau diesen will er erforschen und dafür benötigt er natürlich auch Publikum. Mit Briefen, welche an den Opfern angebracht sind, wendet er sich an die Ermittler und diese haben es in sich.

"Was fühlen wir im Augenblick des Todes? Können wir das Gefühl jemals beschreiben? Ohne die wissenschaftliche Forschung, ohne Experimente werden wir keine dieser Fragen je beantworten können." (S. 51)

Man erhält aber nicht nur anhand der Briefe Einsicht in die kranke Gedankenwelt des Täters, sondern auch durch ein paar wenige Erzählstränge des Killers selbst, welche erkennen lassen, dass bei ihm auf psychologischer Ebene so einiges im Argen liegt.

"Die Erste hatte nicht annähernd so sehr geschrien. Dieser nutzlose Haufen Haut und Knochen hatte mit seinem Geheul schier die Wände eingerissen.[...] Die hatte vielleicht Nerven." (S. 134)

Ebenso erhält man Einblick in die Sicht des Opfers "Experiment 2", welches schon seit längerem in seinem Keller sein Dasein fristet, der ganze Stolz des "Wissenschaftlers" ist und mit dem er noch viel vor hat.

Erzählt wird in zwei Handlungssträngen.
Der eine betrifft die Gegenwart und wird hauptsächlich aus der Sicht des leitenden Ermittlers Murphy erzählt, aber zu ihm kommen wir später.
Der zweite Handlungsstrang ist ca. ein Jahr zuvor angesiedelt und enthält die Sichtweise von Rob Barker. Dessen Freundin verschwand nach einem Mädelsabend spurlos, doch keiner will ihm glauben, dass ihr etwas zugestossen sein könnte, da sie in der Vergangenheit schon mehrmals für Monate einfach abgehauen ist. Schließlich gerät er selbst ins Visier der Ermittler.

Bis hierher erscheint der vorliegende Psychothriller ein wahres Goldstück unter den Psychothrillern zu sein - interessante Thematik, der Schreib- und Erzählstil ist durchaus fesselnd und auch der Plot in diesen Bereichen geht einem unter die Haut. Hier erkennt man, dass der Autor, welcher ein Studium in Psychologie und Kriminologie absolvierte, durchaus Ahnung von der Materie hat. Doch leider fällt das Ganze durch den Hauptprotagonisten, den Ermittler Murphy, in sich zusammen.

Dieser hat private Probleme ohne Ende und diese sind wirklich gewaltig. Private Probleme bei Ermittlern sind derzeit ja sehr modern. Kein Krimi/Thriller scheint mehr ohne persönliches Ermittler-Drama auszukommen, aber Luca Veste treibt dies hier wirklich an die Spitze. DI David Murphy hat gleich 3 private Baustellen:

1) er hat den letzten Mordfall versemmelt. Hier wird jedoch keineswegs darauf eingegangen welchen Mist er gebaut hat. Es wird nur immerzu erwähnt.
2) Massive Probleme mit seiner Noch-Ehefrau, einer Junkie-Braut, von der er getrennt lebt
3) ..und das ist fast schon ein eigenständiger Fall...seine Eltern wurden auf bestialische Weise ermordet

und als wäre das nicht schon genug, nimmt ihn dann auch noch der Serienkiller ins Visier. Sorry, aber das ist wirklich absolutely too much! Kein Wunder flennt DI Murphy, ist völlig von der Rolle und kann sich nicht wirklich auf den Fall konzentrieren und dieser dann in dem Ganzen Tohuwabohu und Rumgejammere untergeht..und natürlich immer dann wenn es gerade spannend wird.

"Jeder lauerte nur darauf, dass er irgendeine Schwäche zeigte. Doch er hatte sich daran gewöhnt, die Fassade zu wahren - niemandem gegenüber irgendetwas preiszugeben oder zu teilen." (S. 62)

Tja, hätte sich auch nur der Autor etwas daran gehalten, so wäre der Spannungsbogen auf hohem Niveau geblieben und nicht ständig in sich zusammengesackt, aber da wäre das Buch wohl auch nur halb so dick geworden.

Die Auflösung enthält zwar eine große Überraschung, mit dem Ende bin ich trotzdem nicht zufrieden. Hier wird nämlich keineswegs darauf eingegangen, weshalb der Täter so wurde wie er ist, wieso ihn der Tod so fasziniert oder warum er sich für Experimente an Menschen entschieden hat. Man könnte meinen er macht das Ganze einfach nur, weil er gerade lustig ist und nichts besseres zu tun hat.
Mir fehlt hier der Bezug zur Pathopsychologie und bei einem Autor der ein abgeschlossenes Studium in Psychologie und Kriminologie hat, hätte ich mir eigentlich genau das erwartet.

Fazit:
Dieser Psychothriller hätte durchaus ein richtiggehendes Schmankerl werden können. Thematik top, Plot durchaus spannend (wenn das Zwischendrin-Gejammere nicht gewesen wäre) und toller Schreib- und Erzählstil. Leider wird hier jedoch das persönliche Drama des Ermittlers immer wieder in den Vordergrund gerückt und die Menge und Intensität dieser Schicksalsschläge sind einfach zu viel und zu dramatisch. Mich wundert, dass mir von dem ewigen Augenüberdrehen die selbigen nicht steckengeblieben sind.
Auch das Ende konnte mich nicht gänzlich zufriedenstellen.
Für Leser, welche sich für kaputte Ermittler interessieren und erwärmen können, ist dies sicher ein durchaus empfehlenswerter Psychothriller. Ebenso für Leser bei denen das Weshalb und Warum nicht so sehr im Vordergrund stehen.
Mein Highlight war dieser Psychothriller nicht wirklich. Aufgrund des tollen Schreibstils bleibt der Autor trotzdem auf meinem Radar. Vielleicht macht er es beim nächsten Mal ja besser.

© Pink Anemone

Veröffentlicht am 26.11.2017

Wenig Spannung, absolut kein Horror und manchmal sehr vorhersehbar

Dark Wood
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Die Handlung: Ein gnadenloser Kampf ums Überleben
Die Schauplätze: Norwegens undurchdringliche Wälder. Ein unheimliches Höhlensystem. Ein geheimes Militärlager aus dem Zweiten Weltkrieg mit Forschungslabor. ...

Die Handlung: Ein gnadenloser Kampf ums Überleben
Die Schauplätze: Norwegens undurchdringliche Wälder. Ein unheimliches Höhlensystem. Ein geheimes Militärlager aus dem Zweiten Weltkrieg mit Forschungslabor. Ein uraltes Wikingergrab.
Die Charaktere: sechs Angestellte einer Hamburger Werbeagentur, vier Männer, zwei Frauen, die sich nicht besonders mögen. Das TV-Team einer neuen Reality-Show. Ein Verräter. ETWAS, das in den Wäldern lauert: uralt, grausam – und ansteckend!....
(Klappentext)

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Dieser Roman (ein Horror-Thriller ist es meiner Meinung nach definitiv nicht) beginnt im Grunde wie viele amerikanische Horrofilme - 6 Personen kämpfen in einem Wald ums Überlegen, wobei sich darin ein unheimliches Wesen herumtreibt, während sie sich zusätzlich noch ständig zanken. So far so good...und hört sich ja auch nicht wirklich schlecht an, doch es kam dann anders als man dachte.

Vor allem die zwischenmenschlichen Konflikte sind hier ein großes Thema. An und für sich würde das einem Roman die gewisse Würze verleihen, hier nimmt es jedoch immer wieder die Spannung.
Die Spannung ist auch das eigentliche Problem dieses "Horror-Thrillers", denn kaum ist diese vorhanden, fällt sie wieder in sich zusammen. Entweder aufgrund irgendwelcher unnötigen Zankereien zwischen den Protagonisten oder der spannende Moment wird zu schnell abgehandelt.

Im Grunde begleitet man die Protagonisten auf einem Survival-Trip. Seitenlange Beschreibungen über deren Kampf ums Überleben mit minimaler Ausrüstung (wobei sie aber immer schnell finden was sie brauchen) in einem Wald, ohne Hilfe von außen. Zu oft scheinen die Protagonisten zu vergessen, daß Regen und Kälte, sowie das verletzte Ego so manchen Charakters, ihr kleinstes Problem in diesem Wald ist. Dadurch wirken die Handlungen der Protagonisten teils unlogisch und alles andere als authentisch. Das ist jedoch nicht die einzige Sache wo es an Logik happert.

Nun zum Horror bzw. Grusel - der war nämlich so gar nicht vorhanden.
Der Autor greift Themen wie nordische Troll-Sagen, Wikinger, Verwandlung und 2. WK auf und packt dieses in einen tiefen, norwegischen Wald. Daraus hätte man wirklich etwas machen können. Hier wirken die Themen jedoch irgendwie schludrig zusammengewürfelt, um einem das Ende dann irgendwie logisch erscheinen zu lassen. Des Weiteren war vieles sehr vorhersehbar. Zugegeben, die Auflösung und das Ende waren überraschend, wirken jedoch sehr konstruiert.

Das Gute an diesem Roman war der Schreibstil und wie der Autor mit der Neugierde des Lesers spielt, daher muss man gezwungenermaßen immer wieder weiterlesen. Man fragt sich ja doch welches Wesen sich hier rumtreibt - ein Troll, ein Yeti, mutierte Nazi-Geister oder doch Wikingerseelen, die ihren Wald verteidigen? Wäre ja, aufgrund der aufgeworfenen Themen alles möglich gewesen. Und obwohl die Auflösung dann überraschend war, war ich nicht ganz zufrieden damit und hätte gehofft es wäre einer meiner Überlegungen gewesen.

Fazit:
Für mich war dieser "Survival-Roman" nix - keine Spannung, kein Horror, zu konstruiert mit Logikfehlern im Plot, sowie auch in der Handlung der Protagonisten.
Einzig der Schreibstil konnte das Buch vor der 1-Stern-Bewertung retten.
Für diejenigen, die einen Horror-Thriller erwarten, der einem vor Angst das Höschen verlieren und die Nägel abkauen lässt, kann ich keine Leseempfehlung aussprechen. Eventuell würde es noch als Horror-Roman für Einsteiger durchgehen, obwohl....ne, nicht einmal das.

© Pink Anemone

Veröffentlicht am 31.08.2017

Eine Hommage an den russ. Schriftsteller Dostojewskij,die jedoch nur schwer in die Gänge kommt u.an den Nerven des Lesers zerrt.

Der Meister von Petersburg
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J.M. Coetzee konstruiert in seinem Roman eine literarische Fiktion um Fjodor Dostojwskij: Ein alternder Schriftsteller namens Fjodor Michailowitsch reist 1869 von Dresden nach Petersburg, um die näheren ...

J.M. Coetzee konstruiert in seinem Roman eine literarische Fiktion um Fjodor Dostojwskij: Ein alternder Schriftsteller namens Fjodor Michailowitsch reist 1869 von Dresden nach Petersburg, um die näheren Umstände des Todes seines Stiefsohnes Pawel zu erfahren. Ist Pawel von der zaristischen Polizei getötet worden, handelt es sich um Selbstmord, oder sind gar die Anarchistem um Sergej Netschajew für Pawels Tod verantwortlich? Der zwischen Trauer und Schuldgefühlen hin- und hergerissene Fjodor verstrickt sich zusehends in die Petersburger Verhältnisse, die die seines Sohnes waren und nun seine eigenen werden: Er zieht in Pawels ehemaliges Zimmer, schlüpft in dessen Anzug, stellt Pawels Wirtin, der sinnlichen Anna Sergejewna, nach und verbringt einige wilde, verzweifelte Nächte mit ihr. Coetzee schildert Euphorie und Alpdruck, die einem epileptischen Anfall vorausgehen, mit ebenso großem psychologischem Einfühlungsvermögen wie Fjodors vergebliche Versuche, den Tod des Sohnes zu verwinden. Die wahre Trauerarbeit leistet Dostojewskij schließlich schreibend: An Pawels Schreibtisch beginnt er, die ersten Seiten der "Dämonen" zu skizzieren.
Geschickt montiert Coetzee in seinem Roman immer wieder Orte, Situationen und Charaktere, die Assoziationen an Dostojewskijs Werk wachrufen oder an Episoden aus seinem Leben erinnern...
(innerer Klappentext)

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Ich bin ein großer Fan der russischen Klassiker und allen voran von Dostojewskij. Daher war es für mich fast schon ein Muss zu diesem Buch zu greifen.
Der Autor J.M. Coetzee selbst, obwohl Literaturnobelpreisträgre, war mir bis dahin gänzlich unbekannt.
Nach dieser Lektüre wage ich es jedoch zu bezweifeln mich nochmals für ein Buch von ihm zu entscheiden.
Ich erwartete anspruchsvolle Literatur und anspruchsvoll war dieser Roman auch, jedoch eher für meine Nerven.

Die Handlung selbst wird im Großen und Ganzen schon im Klappentext beschrieben und mehr passiert auch nicht. Wobei dieses Manko eher dem Verlag zuzuschreiben ist - zu viel Information für dieses 255 Seiten Büchlein.
Der Autor selbst schafft es anfangs einfach nicht in die Gänge zu kommen und die Handlung scheint bereits auf den ersten Seiten festzustecken.
Der Grund - unsinnige und ohne Zusammenhang wirkende geistigen Ergüsse seitens Coetzee, die da z.B. wären:

"Er stellt sich vor, er kehrte zurück ins Ei - oder zumindest
in etwas Glattes, Kühles, Graues. Vielleicht ist es nicht
nur ein Ei, vielleicht ist es die Seele, vielleicht sieht die
Seele aus wie ein Ei."


Solche "Metaphern", die irgendwie aus dem Nichts entstehen, unterbrechen anfangs immerzu die Handlung.
Man benötigt als Leser also einen Batzen Geduld, bis die Handlung endlich Gestalt annimmt und sich einem ein Portrait des russischen Schriftstellers entfaltet.
Denn obwohl dieser Roman nur eine literarische Fiktion aus der Feder J.M. Coetzees ist (Dostojewskij kehrte erst 1871 von seiner Europareise nach Petersburg zurück und nicht bereits 1869. / Es wurde nicht Dostojewskijs Sohn Pawel ermordet, sondern ein russ. Student der dieser Naroduaja Rasprawa angehörte), weist er doch viele Parallelen bezüglich Dostojewskijs auf.
Dadurch entsteht ein Psychogramm des ständig getriebenen, komplizierten und an Epilepsie leidenden Schriftstellers mit Annäherung an dessen Werk "Dämonen"
Diese innere Zerrissenheit, dieses Wurzellose und die Prodromalphase eines Epilepsieanfalls, werden von Coetzee mit all seinen Facetten eingefangen und wiedergegeben. Dadurch erhält der Leser in gewisser Weise Einblick in Dostojewskijs Gefühlswelt und es wird verständlich, weshalb manche Werke einen wahnhaften Touch aufweisen.

Vom psychologischem Standpunkt aus betrachtet Top!
Vom Schriftstellerischem her eher mäßig.
Denn J.M. Coetzee schafft es manchmal nicht Handlungen vollständig zu Ende zu bringen, springt von einer Handlung zur nächsten und schweift zusätzlich in irgendwelche fleischlichen und sexuellen Szenarien ab, welche so gar nicht zum Rest passen wollen.

Bsp.: Im ersten Moment trauert Dostojweskij herzzereißend um seinen Sohn. Im nächsten Absatz überkommt es ihn wie aus dem Nichts und er macht sich an die Wirtin ran, welche sich jedoch ziert und sagt "Nicht jetzt!". Er schien sich mit der Abfuhr abgefunden zu haben und plötzlich tummeln sich die Beiden doch in den Lacken.
Wie die Beiden auf einmal im Bett landen konnten bleibt ein Rätsel.

Diese Handlungen bringt er aber zumindest immer zu Ende und beschreibt diese auch ausführlich.

Diese Sprunghaftigkeit durchzieht den Roman leider mit Konsequenz.
Zusätzlich kommt es häufig zu Längen, welche so überhaupt nicht enden wollen und die ebenfalls an des Lesers Nerven zerren.
Des Weiteren scheint der Autor das Prinzip des inneren Monologes nicht ganz verstanden zu haben.
Manchmal spricht Dostojewskij zu seinem Gegenüber, verfällt dann in einen inneren Monolog, um dann einfach, als hätte er dies Alles zu seinem Gegenüber gesagt, weiterzusprechen.
Die Gesprächspartner scheinen alle Hellseher zu sein, da sie auf diesen inneren Monolog sehr wohl eingehen.
Zudem kommt es vor, dass die Protagonisten ständig ihre Meinung und ihren Standpunkt ändern. Daher drehen sich manche Dialoge regelrecht im Kreis.

Fazit:
Manchmal war ich angetan von der Handlung und dem tiefen Einblick in eine ruhelose Seele. Doch dies wurde immerzu von den oben genannten Mankos unterbrochen und somit quälte ich mich teilweise durch diese 255 Seiten.
Ich für meinen Teil werde wohl in Zukunft nicht mehr so schnell ein Buch von J.M. Coetzee lesen und bleibe lieber den dicken Schicken von Dostojewskij, Tolstoi und Co treu, welche sich trotz der oft 1000 Seiten lange nicht so ziehen wie dieses dünne Büchlein.