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Veröffentlicht am 07.03.2023

Liebe, Freundschaft, Verlust und alles dazwischen

Morgen, morgen und wieder morgen
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Normalerweise stehe ich Büchern, die allseits geliebt und gelobt werden, skeptisch gegenüber, die meisten davon gefallen mir nicht besonders. Stellt sich heraus, bei Gabrielle Zevin's neustem Werk ist ...

Normalerweise stehe ich Büchern, die allseits geliebt und gelobt werden, skeptisch gegenüber, die meisten davon gefallen mir nicht besonders. Stellt sich heraus, bei Gabrielle Zevin's neustem Werk ist dem nicht so. Das Buch hat mich mitgerissen wie kaum ein anderes. Ich bin völlig darin abgetaucht und habe beim Lesen alles um mich herum vergessen. Da man das Buch aufgrund seiner Komplexität und Vielzahl unterschiedlicher wie universeller Themen keinem bestimmten Genre zuordnen kann, wusste ich anfangs nicht genau, worauf ich mich einlasse. Die Videospiel-Thematik der 90'er Jahre hat mich allerdings von Anfang an gereizt, da ich Videospiele schon als Kind geliebt habe. Dementsprechend viele nostalgische Momente habe ich mit dem Buch erlebt, aber auch ebenso viel über die "Gaming Industrie" im allgemeinen gelernt, was ich sehr interessant fand.
Videospiele bilden allerdings nur den Rahmen indem sich die Geschichte bewegt. Hauptaugenmerk der Story liegt ganz klar auf Sadie und Sam, die sich als Kinder in einem Krankenhaus kennenlernen, anfreunden und im Studentenalter beschließen, gemeinsam Videospiele zu entwickeln. Was gut funktioniert, solange ihnen nicht ihre komplizierte Beziehung zueinander dazwischenfunkt. Menschlich "hakt" es zwischen den Beiden, Kommunikation findet kaum statt, aber so ganz ohne einander können sie irgendwie auch nicht. Und so dreht sich die Beziehung der Beiden im Kreis; bewegt sich laufend irgendwo zwischen Anziehung und Abstoßung, zwischen gegenseitigen Verletzungen und Annäherungen, zwischen Enden und neuen Anfängen, die sich über mehrere Jahrzehnte hinweg ziehen.
Beides hat Gabrielle Zevin wunderbar beschrieben, die Charakterausarbeitung ist meisterhaft und in vielen unterschiedlichen Grauzonen aufgefächert, die nachzuvollziehen mich sehr fasziniert und bewegt hat.
Ein einzigartiger, wunderschöner, mutiger, hoffnungsvoller Roman über Liebe, Freundschaft, Verlust und allem dazwischen, voller Kreativität und spannender Gegensätze.
Ein Buch was mir sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben wird und was ich am liebsten jedem in die Hand drücken würde.

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Veröffentlicht am 25.02.2023

Eine der besten "coming of age" - Geschichten die ich bislang gelesen habe

Ruhm und Verbrechen des Hoodie Rosen
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Streng-orthodoxes Judentum trifft Moderne -
Wenn Lovelybooks keine Leserunde zu diesem Buch veranstaltet hätte, wäre ich sicherlich nicht darauf aufmerksam geworden. Auch in meiner "Bücher-Bubble" bin ...

Streng-orthodoxes Judentum trifft Moderne -
Wenn Lovelybooks keine Leserunde zu diesem Buch veranstaltet hätte, wäre ich sicherlich nicht darauf aufmerksam geworden. Auch in meiner "Bücher-Bubble" bin ich nicht darauf gestoßen, was merkwürdig ist.
An der Qualität des Buches liegt es definitiv nicht, denn die Geschichte um Hoodie, der in einer streng-orthodoxen jüdischen Gemeinde aufwächst, dem der Schuh seines Lebens aber nicht so richtig passt und der sich plötzlich "Fremdenhass" ausgesetzt sieht, hat mich von Anfang bis Ende sehr begeistert.
"Coming of age" - Geschichten lese ich ab und an sowieso ganz gerne, weil sie gefühlt mehr Substanz haben als so manches Buch für ältere Erwachsene. Mit Anfang 20 hört die Entwicklung eines Menschen doch nicht plötzlich auf. Ich mag es nicht, wenn vermittelt wird, dass man ab einem bestimmten Alter ein vollkommener Mensch zu sein hat; angekommen und all diese Dinge.
Deswegen genieße ich diese Art von Literatur. Diese hier lädt zudem noch zum Mitdenken und Diskutieren ein und bleibt über das Beenden des Buches hinaus im Kopf, und das ist mitunter die beste Aussage, die man über ein Buch treffen kann. Mit dem Judentum hatte ich bislang kaum Berührungspunkte, dementsprechend fremd waren mir viele der Begriffe, aber gerade das macht das Buch so unheimlich interessant. Ich habe dazugelernt, meinen Horizont erweitert und hatte Spaß am Humor des Autors, der auf diese Art die perfekte Balance zwischen Schwere und Leichtigkeit geschaffen hat. Große Empfehlung!
- TW allerdings für fremdenfeindlich und rechtsextremisch motivierte Gewalttaten

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Veröffentlicht am 12.11.2022

Abseitsware mit Sogwirkung

Wilder Girls
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Ich kann gut verstehen, wenn man von dem Buch enttäuscht ist. Wenn etwas mit "Survival-Story" beworben wird, dann will man nicht, dass die "Wilder Girls" sich erst nach gefühlt zweihundert Seiten in den ...

Ich kann gut verstehen, wenn man von dem Buch enttäuscht ist. Wenn etwas mit "Survival-Story" beworben wird, dann will man nicht, dass die "Wilder Girls" sich erst nach gefühlt zweihundert Seiten in den finsteren, von fiesen Wesen bevölkerten Wald aufmachen und sich nach gefühlt dreißig Seiten wieder ins Warme flüchten. Die klassischen "survival"-Elemente waren demnach auch mir zu fad, aber den Rest fand ich grandios.
"Survival"? - Ja, aber anders. Besser. Sehr packend und sehr besonders. Nicht unbedingt massentauglich, aber Abseitsware mit Sogwirkung.
Es gilt Schrecken zu bekämpfen, Freundinnen zu retten und Geheimnisse zu lüften.
Die Triggerwarnung am Ende sollte man aber in jedem Fall ernst nehmen. Die Autorin legt es darauf an zu schockieren und lässt es stellenweise sehr brutal, sehr wild und sehr blutig werden.
Das weibliche Geschlecht kann auch anders und das beweist Rory Power auf die krasseste Art und Weise.
Im Zentrum steht allerdings die Freundschaft zwischen Hetty, Byatt und Reese. Hetty, das Herz; Reese, der Stachel und Byatt, der Kleber, der alle zusammenhält. Ich habe die drei sehr geliebt und möchte sie auch nach dem Beenden des Buches noch nicht richtig loslassen.
Rory Power hat sie so nachvollzieh-/und greifbar beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, Teil der Gruppe zu sein. Sehr präzise, scharfkantig, queer und bissig.
Es braucht solche Geschichten, die zeigen, dass wir alle chaotisch, verloren und unbequem sein dürfen und trotzdem eine Daseinsberechtigung haben. Dass es sich lohnt zu kämpfen und dazubleiben.
Zum Schluss bleibt einiges unbeantwortet, aber nicht auf die Art, dass es mich gestört hätte, denn im Prinzip wurde alles was wichtig ist erzählt.
Zum Glück erscheint das nächste Buch von Rory Power hierzulande schon in ein paar Monaten. Ich muss sie alle haben, lesen und lieben.

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Veröffentlicht am 04.07.2022

Unterhaltung "at it's best"

Das Reich der Vampire
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"Das Reich der Vampire", oder das "Vampirwälzerchen", wie ich es liebevoll getauft habe, hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe und hat dafür gesorgt, dass ich völlig verloren vor meinem Bücherregal ...

"Das Reich der Vampire", oder das "Vampirwälzerchen", wie ich es liebevoll getauft habe, hat bei mir eingeschlagen wie eine Bombe und hat dafür gesorgt, dass ich völlig verloren vor meinem Bücherregal gestanden habe und nicht wusste, was ich als nächstes lesen soll. Zugegeben, ich habe jeden "Twist" vorausgesehen, jedes Rätsel gelöst, jede Intrige durchschaut und ja, Jay Kristoff hat Inhalte aus anderen Serien in seinem Werk verbaut und sich auch sonst ab und an ganz frech durchgemogelt, aber hat mich das gestört? Nope, kein bisschen. Die Kombination aus allem war einfach stark; die Kampfszenen episch, die Mundwerke dreckig, Liebesdinge feinfühlig, die Vampire schaurigfies statt glitzerflauschig und Gabriel selbst ist so facettenreich wie unbesiegbar. Eine Art Antiheld mit allem was dazugehört.
Die düstere Atmosphäre gepaart mit den grandiosen Zeichnungen im Buch haben mich schlichtweg aufgesaugt und ich bin in knapp 1 1/2 Wochen praktisch durch das Buch geflogen und das obwohl ich dicke Bücher normalerweise nicht besonders mag. Unterhaltung "at it's best"! Ich habe absolut keine Ahnung, wie ich die Wartezeit bis zum nächsten Teil überbrücken soll, wahrscheinlich mit Kristoff's anderen Büchern, die ich bislang noch nicht gelesen habe, was ich nun aber unbedingt nachholen will und werde.
Jay Kristoff, ein sehr cooler Mensch, der scheinbar sehr coole Bücher schreibt. Ich freue mich auf alles was da noch kommt!

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Veröffentlicht am 07.06.2022

Danke für dieses bunte, laute, knallige, herzerwärmende Feuerwerk

I Kissed Shara Wheeler
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"So beginnt sie jeden Tag ihres Lebens. Sie geht durch die Hölle und bemalt sie mit rosa Nagellack." [S. 364]

"I Kissed Shara Wheeler" stand dieses Jahr ganz weit oben auf meiner Leseliste. Von Casey ...

"So beginnt sie jeden Tag ihres Lebens. Sie geht durch die Hölle und bemalt sie mit rosa Nagellack." [S. 364]

"I Kissed Shara Wheeler" stand dieses Jahr ganz weit oben auf meiner Leseliste. Von Casey McQuiston hatte ich bis jetzt nichts gelesen, wusste aber um die große Beliebtheit der Autorin. Im Nachhinein verstehe ich auch den Grund dafür.
Was für ein buntes, lautes, knalliges, herzerwärmendes Feuerwerk war das denn bitte!?! Ich liebe dieses Buch so sehr, dass ich gar nicht genau weiß, wie ich das im Detail ausdrücken soll. Ich habe es gefühlt und bin auf eine Weise darin abgetaucht wie schon lange nicht mehr.
Die Grundidee, dass Shara Wheeler, quasi völlig aus dem Nichts heraus, ein queeres Mädchen küsst, dann sang- und klanglos verschwindet um anschließend eine Art Schnitzeljagd um das Geheimnis ihres Aufenthaltsorts zu veranstalten, hat mich von Anfang an gereizt. Wieviel mehr letztlich aber dahintersteckt, habe ich allerdings nicht erwartet.
Für mich mit Abstand eine der besten "coming of age" - Geschichten die ich bislang gelesen habe.
Komplexe, unbequeme Charaktere, die nicht immer nett, nicht immer höflich, sondern auch mal wütend sind, falsche Entscheidungen treffen, auch mal ausrasten, sich entwickeln und bemerkbar machen.
Das Buch ist ein Paradebeispiel dafür, dass Selbstfindung ein schmerzhafter, verwirrender, bescheuerter und sehr emotionaler Prozess sein kann. Gerade für queere, junge Menschen in einem auf kontinuierliche Anpassung ausgerichteten Umfeld, wie zum Beispiel einer konservativen Religionsgemeimschaft.
Auch wenn sich diese Thematik sicherlich nicht nur auf die LGBTQIA+ - Community beschränkt, denn jeder Mensch führt irgendeine Art von Kampf auf dem steinigen Weg zu sich selbst.
In dem Buch geht es aber darum die "Queerness" zu feiern und deswegen dürfen neben Chloe und Shara auch die Nebencharaktere ihre Geschichten erzählen und müssen nicht als undankbarer "Plot Device" herhalten. Ich habe jeden einzelnen von ihnen ins Herz geschlossen. Man merkt, wie sehr die Autorin die queere Community liebt. Sie weiß worüber sie schreibt und schafft Sichtbarkeit, wo es dringend nötig ist, denn der Wert eines Menschen hat null komma nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.
Chloe Green selbst ist eine so tolle fiktive Persönlichkeit. Ihr bissiger, innerer Berserker hat für viele lustige, skurrile Momente und lebhafte Zerstörung des Konservatismus gesorgt. Eine Galionsfigur mit Schwächen, mit der ich mich sehr wohlgefühlt habe.
Ich kann mir vorstellen, dass dies wieder einmal eins dieser Bücher ist, bei dem sich die Geister scheiden, wie es so schön heißt; weil zum Beispiel 0815-Charaktere, die Reibungsfläche wie ein Stück Butter anbieten, so viel einfacher zu konsumieren sind.
Wer nach so etwas sucht, sollte sich anderen Büchern widmen. Allen anderen wünsche ich viel Spaß mit dieser besonderen, lauten, fies-flauschigen Geschichte voller vielschichtiger Charaktere und bedeutungsvollen Inhalten.

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