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Veröffentlicht am 31.12.2019

ein absolut gelungener Einstieg in die Reihe - Kopfkino inklusive :D

Todeszeichen
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Nachdem ich dieses Jahr mit Band Fünf in die Reihe gestartet bin und hierbei festgestellt habe, dass der Quereinstieg zwar möglich, jedoch suboptimal ist, sie aber absolut Lust und Neugier auf mehr weckt, ...

Nachdem ich dieses Jahr mit Band Fünf in die Reihe gestartet bin und hierbei festgestellt habe, dass der Quereinstieg zwar möglich, jedoch suboptimal ist, sie aber absolut Lust und Neugier auf mehr weckt, starte ich die Reihe nun am Anfang.
Praktisch für uns Leser ist die Tatsache, dass die Reihe im Kuneli Verlag in die Neuauflage geht und somit schon bald im schönen Einheitslook unsere Regale schmückt.

Da ich nun quasi die „Entstehungsgeschichte“ des Teams Leitner & Grohmann kenne, wird das Ganze für mich nun zu einer runden Sache.
Wir erleben, wie und warum die beiden aufeinander stoßen, wie sie zueinander stehen und wie sich das Gebilde nach und nach weiterentwickelt.
Ok, zugegeben, eigentlich erleben wir die Geschichte eher aus Kriminaloberkommissarin Jennifer Leitners Warte aus - da wäre für mich noch ein bisschen Kapazität um Oliver Grohmann näher kennenzulernen. Aber kann ja noch kommen ;)
Der Reiheneinstieg widmet sich jedoch in erster Linie dem Charakter der Jennifer und natürlich dem Fall des „Künstlers“, der unnatürlich grausam Frauen missbraucht und tötet.
Die Tatsache, dass die Polizei lange komplett im Dunkeln tappt, lässt zusätzlichen Spielraum, einen weiteren für mich sehr interessanten und gelungenen Charakter einfließen zu lassen - Charlotte, die Tochter eines der Opfer, die dem Ganzen zusätzliche Schärfe und vor allem Spannung verleiht.
Wir erleben den Ermittlungshergang sowie ihre Story im Wechsel, was die Geschichte sowohl interessanter und fesselnder macht, als auch gleichzeitig auflockert. Für mich eine sehr gelungene Herangehensweise, die zu keinem Zeitpunkt Raum für Langeweile lässt.

Den Schreibstil empfand ich sehr angenehm, eingängig und packend - jedoch stellenweise auch entsprechend brutal, das sollte einem natürlich bewusst sein -ich persönlich mag es ja so ;) . Wobei ich dazu sagen muss, dass diese Szenen in der Relation gesehen nicht wirklich häufig vorkommen, also kein Grund für die zartbesaiteteren unter uns, nicht zuzugreifen.

Für mich ist diese Debüt der Autorin ein absolut gelungener Einstieg in die Reihe - Kopfkino inklusive! Ich werde definitiv dran bleiben - und vielleicht werde ich ja so belohnt und erfahre noch ein bisschen mehr über Oliver :o)

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Veröffentlicht am 07.12.2019

Ein absolut wichtiges Werk!

Wie du mich siehst
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Es ist bereits gefühlte Ewigkeiten her, dass ich das letzte Buch von Tahereh Mafi in Händen hielt. Aber schon damals hat sie mich mit ihrem ausdrucksstarken Stil an ihre Reihe gefesselt - umso mehr habe ...

Es ist bereits gefühlte Ewigkeiten her, dass ich das letzte Buch von Tahereh Mafi in Händen hielt. Aber schon damals hat sie mich mit ihrem ausdrucksstarken Stil an ihre Reihe gefesselt - umso mehr habe ich mich auf ihr neues Werk gefreut. Zumal die Ernsthaftigkeit des von ihr gewählten Themas mich alleine schon zu diesem Werk hätte greifen lassen.

Shirin wächst als Muslima in den USA auf. Als Hidschab-Trägerin zum einen und in der Zeit nach 9/11 zum anderen, interessiert es da niemanden, dass sie selbst aus Californien kommt.
Das Leben, die Reaktionen auf sie und das allgemeine Verhalten ihr gegenüber lässt einen als Leser sprachlos zurück - auch wenn jeder von uns eigentlich sehr genau weiß, oder sich zumindest vorstellen kann, was es für Betroffene bedeutet.
Richtig schlimm wurde es für mich aber erst, als ich selbst dachte, dass das was gerade passiert, doch bestimmt übertrieben sei - sich jedoch kurz darauf das Bewusstsein zurück gemeldet hat, dass dem eben leider nicht so ist da Rassismus heutzutage einfach nach wie vor ein großes Thema ist.
Das ist für mich in diesem Moment traurig und beschämend zugleich. Zumal wir selbst es ja auch nicht leiden können, immer auf unsere Geschichte reduziert zu werden, oder?
Andererseits muss ich leider auch zugeben, dass man, Zeitpunkt und damalige Geschehnisse einbeziehend, leider ein Stück weit auch verstehen kann, dass die Menschen Angst haben. Angst vor Terror, Angst vor Anschlägen und Angst vor Gewalt.
Jedoch ist die Art und Weise wie mit Shirin, stellvertretend für andere in ähnlicher Situation gefangene Menschen, umgegangen wird, definitiv die falsche.
Eine Gesellschaft, geprägt von Vorurteilen, Hass und noch mehr Gewalt ist keine, mit der ich mich identifizieren möchte. Anfeindungen, Angriffe und Demütigungen jeglicher Art, bis hin zu tätlichen Übergriffen sollten und dürfen keine Lösung sein.
Man kann wohl schon erahnen, dass es sich bei „Wie du mich siehst“ um keine leichte Kost handelt. Die Grundkomponente, Gefühle zwischen zwei Menschen, die gefühlt aus unterschiedlichen Galaxien stammen, ist zwar vom Prinzip her eher jugendlich angehaucht, jedoch ist Shirins und Oceans Geschichte zu keinem Zeitpunkt so locker und flockig, wie man sich das gerne wünschen würde.

Das führt mich auch zu meinem einzigen Kritikpunkt an diesem Konstrukt. Was die Charaktere betrifft, war ich ein bisschen hin und her gerissen.
Shirin ist... schwierig. Zwar kann man ihre Herangehens- und Verhaltensweisen sehr wohl nachvollziehen. Ihre antrainierte Gleichgültigkeit, ihr Unwille andere an sich ranzulassen und ihre Distanziertheit sind verständlich und haben mich, abgesehen davon, dass man Mitleid mit ihr hat, nicht gewundert. Zumal sie auch ein absolut schädliches Selbstbild von sich hat.
Dass sie versucht Ocean zu schützen und ihn dafür auf Distanz zu halten ist verständlich und eventuell vielleicht sogar löblich. Ihre Unentschlossenheit, ihr Umentscheiden und die damit verbundene fehlende Rücksichtnahme auf ihn, bzw. das Herumtrampeln auf seinen Gefühlen ist mir jedoch manchmal etwas auf die Nerven gegangen. Ein bisschen weniger hätte ich besser gefunden.
Vor allem weil einem, oder zumindest mir, bei Ocean einfach nur das Herz aufgeht. Sein Charakter ist so wunderbar und herzerwärmend, dass man mit ihm leidet, hofft und sich einfach andauernd fragt, warum er solch eine Ausdauer und ein Durchhaltevermögen an den Tag legt. Er wird vermutlich das Herz so mancher Leserin höher schlagen lassen und für den ein oder anderen emotionalen Ausbruch sorgen ;)
Auf jeden Fall wird vermutlich jeder beim Lesen an die ersten Schmetterlinge und das erste Verliebtsein denken. Alleine schon das weckt viele Emotionen und Sympathien.

Für mich ist „Wie du mich siehst“ ein absolut wichtiges Werk. Tiefgründig, emotional und voller sensibler Gedanken regt es hoffentlich zum Nach- wenn nicht sogar Umdenken an. Ich würde es mir wünschen. Denn auch in Sachen Selbstliebe kann man vielleicht noch das ein oder andere mitnehmen.

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Veröffentlicht am 29.09.2019

Viele wichtige Themen und Botschaften - definitiv anders als erwartet!

Zusammen wie Schwestern
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Brit, die den Verlust ihrer Mutter, das Leben mit ihrem „Stiefmonster“ und einem Vater ertragen muss, der sich irgendwie immer weiter entfernt, wird von ebenjenem ins Internat abgeschoben. Nur dass sich ...

Brit, die den Verlust ihrer Mutter, das Leben mit ihrem „Stiefmonster“ und einem Vater ertragen muss, der sich irgendwie immer weiter entfernt, wird von ebenjenem ins Internat abgeschoben. Nur dass sich nach und nach immer deutlicher herauskristallisiert, dass es sich mehr um ein Bootcamp handelt, mit strengen Regeln, rauen Umgangsformen und Therapien, die eher an Mobbing als an Heilung erinnern...

In diesem Umfeld lernt sie V, Bebe, Cassie und Martha kennen und lernt, dass alles leichter ist, wenn man alles „zusammen wie Schwestern“ durchsteht.

Vorab muss ich sagen, dass dies weder mein erstes, noch mein letztes Buch dieser Autorin war. Nicht nur, dass sie sich immer wieder sehr wichtigen Themen widmet, sie hat auch einfach einen sehr angenehmen Stil - auch, wenn sie immer wieder auch sehr unbequeme Wahrheiten thematisiert.
In diesem Buch erleben wir, wie Jugendliche von unqualifiziertem Personal betreut werden, um ihnen „Unarten“ wie Homosexualität, Aufmüpfigkeit, usw. auszutreiben. Auch wenn das genannte „Red Rock“ nur fiktiv ist, handelt es sich keineswegs um erfundene Dinge. Es wäre wohl nicht das erste Boot Camp, das einen eher monetären als pädagogischen Hintergrund hat.

Die Charaktere der Mädchen haben mir beim Lesen viel Spaß gemacht. Die Art und Weise, wie sie miteinander umgehen, wie sie sich näher kommen und natürlich auch immer mehr zueinander halten, war einfach toll. Ihre Freundschaft konnte mir sogar ein Tränchen entlocken, ab und an ist man eventuell auch ein bisschen neidisch. Vor allem die Weihnachtsszene hat es echt in sich ;)

Alles in allem wurde ich ein weiteres Mal angenehm überrascht, denn es handelt sich keineswegs um eine Geschichte pubertierender Teenies, wie man vielleicht annehmen könnte. Vielmehr habe ich eine bewegende Geschichte voll wichtiger Themen und der ein oder anderen Message bekommen, die man nicht oft genug betonen kann, wie: „Sei du selbst“ und „steht füreinander ein“.

Veröffentlicht am 22.09.2019

ein spannendes Abenteuer für Jung und Alt.

Sieben Arten Dunkelheit
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Während Krigk alles dafür geben würde, am besten nicht nur EIN, sondern DER Nachtzähmer, der Auserwählte aus der Prophezeiung zu werden, ist David ein Angsthase, ein Außenseiter, der Angst vor der Dunkelheit ...

Während Krigk alles dafür geben würde, am besten nicht nur EIN, sondern DER Nachtzähmer, der Auserwählte aus der Prophezeiung zu werden, ist David ein Angsthase, ein Außenseiter, der Angst vor der Dunkelheit hat und in der Schule gedisst wird.
Obwohl die beiden nicht unterschiedlicher sein könnten haben sie eins gemeinsam: etwas dunkles kommt auf sie zu. Und mit ihnen gleichzeitig auch auf den Rest der Menschheit.

Erzählt wird die Geschichte im Wechsel um Krigk und David, wobei auch der ein oder andere Nebenschauplatz eröffnet wird und auch immer die Nebencharaktere wie die blinde Ayumi, ihr Großvater oder Krigks Schwester R´hee eine Rolle spielen.
Beide Hauptcharaktere machen im Verlauf des Geschehens eine große Veränderung durch, es macht viel Spaß, die beiden zu begleiten. Mehr möchte ich an dieser Stelle jedoch nicht verraten, auch, wenn das Ganze vielleicht etwas kryptisch erscheint.

Am besten gefällt mir die Idee hinter der Geschichte sowie die phantasievolle und absolut gelungene Umsetzung. Mit viel Liebe und Kreativität hat der Autor hier ein zauberhaftes und fesselndes Szenario entstehen lassen. Wir begegnen Schatten- und/oder Nachtwesen wie Krummschwanzfinsterlingen, Schattenhamstern und einem Nachtschwatz (ja, manche davon sind auch echt niedlich, welche das sind müsst ihr jedoch selbst herausfinden).
Wir erfahren wie die unterschiedlichen Arten von Dunkelheit sich unterscheiden und wie gefährlich oder ungefährlich sie jeweils sind. Denn nicht alles, was in der Dunkelheit lauert, ist tödlich. Aber manches eben doch ;)

Analog zu den Hauptcharakteren ist das Buch in einem einfachen, jugendlichen Schreibstil gehalten, der gut dazu passt und sich angenehm und flüssig lesen lässt. In Kombination mit dem geheimnisvollen Dunkel und dessen kreative Ausgestaltung empfinde ich „Sieben Arten Dunkelheit“ als ein spannendes Abenteuer für Jung und Alt.
Düster, geheimnisvoll, magisch! Gerne zugreifen!

Veröffentlicht am 30.06.2019

eine bewegende Lektüre

Schamlos
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Drei Bloggerinnen, Feministinnen aber auch Muslima haben sich zusammengetan und ein doch sehr offenes Buch geschrieben.
„Passt nicht“ denkt ihr? Stimmt wohl auch. Zumindest theoretisch. Praktisch verhält ...

Drei Bloggerinnen, Feministinnen aber auch Muslima haben sich zusammengetan und ein doch sehr offenes Buch geschrieben.
„Passt nicht“ denkt ihr? Stimmt wohl auch. Zumindest theoretisch. Praktisch verhält es sich eher so, dass die drei Frauen zwar komplett unterschiedliche Charaktere aufweisen, aber auch eine Sache absolut nicht wollen – nämlich die Verurteilung ihrer Religion oder die Loslösung von ihren Familien.
Viele denken, dass „Schamlos“ vermutlich die für eher westliche Menschen schlimmen Dinge wie Ehrenmorde, Genitalverstümmelung, Zwangsehen und Jungfrauenprobe thematisiert, das ist jedoch eher bedingt so.
Nein, es geht auch um die kleinen Dinge, die sogenannte „negative soziale Kontrolle“. Um Menschen, die muslimischen Frauen vermitteln, dass sie Schande über ihre Familie bringen, wenn sie ihre Meinung kundtun, man ihren Hals sehen kann oder sie in der Öffentlichkeit eine Banane essen.
Darum, dass Frauen, die nicht jungfräulich in die Ehe gehen, nichts wert sind und Gewalt in der Ehe normal sei… Glaubt mir wenn ich euch sage, dass manche Stellen im Buch dermaßen wütend machen, dass es einem die Tränen in die Augen treibt!

Ich bewundere diese Frauen für das was sie tun und das aus vielen Gründen.
Zum einen, weil sie den Mut haben, für andere einzustehen. Jede, die eine Geschichte zu erzählen hat, kann dies tun und sie werden für sie da sein, in jeder benötigten Form. Selbst wenn die Quelle anonym bleiben will, verwenden sie diese Geschichten um wachzurütteln, aufzuklären und so vielleicht eine Besserung herbeizuführen.
Zum anderen, weil man ihre eigene Entwicklung nachvollziehen kann sowie die Tatsache, dass sie erst in die Frauen hineinwachsen mussten, die sie heute sind. Besonders tragisch ist dieser Punkt für mich, wenn ich dann lesen muss, dass man zwar versucht aus alten Mustern auszubrechen, man WEIß, dass man sich für bestimmte Dinge nicht schämen muss, aber sich dennoch bis heute nicht traut, einen Bikini zu tragen, weil die eingebläute Scham doch so tief sitzt… Oder einfach auch gar nicht schwimmen kann, weil der Schwimmunterricht komplett bekleidet eher noch mehr Scham und Isolation hervorruft als sowieso schon…
Aber am meisten bewundere ich sie, weil sie ein Leben zwischen den Stühlen führen – und dies bewusst gewählt haben. Während andere Muslime sie als schamlos, Nestbeschmutzer oder ähnliches sehen, stempeln andere sie als Wichtigtuer ab und begegnen ihnen mit Rassismus und Vorurteilen.

Für mich war „Schamlos“ eine bewegende Lektüre, von der ich mir wünsche, dass mehr Menschen sie lesen. Es ist so traurig und schön zu gleich, von den Wünschen und Träumen dieser Frauen zu lesen, die eigentlich nichts anderes wollen, als ein bisschen Toleranz und Akzeptanz. Sie möchten einfach nur Dinge, die für viele von uns alltäglich sind - wie sich selbst einen Mann aussuchen, sich verlieben dürfen, sich nicht verstecken müssen und vor allem das Recht auf eine freie Meinung zu haben. Und das nicht für sich, sondern für alle Frauen.
Ein redegewandtes und intelligentes Buch, das Mut machen soll und hoffentlich auch wird!