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Books_of_Tigerlily

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2024

Habe ich gleich jedem in meiner Familie empfohlen

Mädchen, Frau etc. - Booker Prize 2019
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Das Buch hat wahre Begeisterungsstürme ausgelöst sodass ich super neugierig war, ob es mich auch so umwerfen würde wie die vielen begeisterten Stimmen. Und ich muss sagen, das Buch wird dem Hype wirklich ...

Das Buch hat wahre Begeisterungsstürme ausgelöst sodass ich super neugierig war, ob es mich auch so umwerfen würde wie die vielen begeisterten Stimmen. Und ich muss sagen, das Buch wird dem Hype wirklich gerecht!

Zu Beginn des Buches hat mich die fehlende Interpunktion und der dadurch zunächst ungewohnte Stil irritiert, was sich aber bereits nach einigen Seiten gelegt hat. Man gerät hierdurch viel eher in eine Art richtiggehenden Lesesog, entwickelt sich so doch ein ganz eigener Sprachrhythmus, der geradezu etwas lyrisches hat. Der Tropen Verlag und Übersetzerin Tanja Handels haben einen großartigen Job gemacht, da durch die Übersetzung nichts vom fantastischen Humor, Wortwitz und sprachlichen Background der jeweiligen Figur verloren hat.

Das Buch ist in wenige Kapitel unterteilt, in jedem Kapitel gibt es zu jeder Protagonistin einen Abschnitt. Dreh- und Angelpunkt ist Ammas Premiere und deren Gäste. Was sich zunächst simpel anhört, ist bereits nach den ersten Seiten einfach so viel mehr. Jede Figur erzählt ihre eigene Geschichte, wobei der Autorin das Meisterstück gelingt, auf wenigen Seiten die Essenz jeder Protagonistin so herauszuarbeiten, dass der Leser zu jeder von ihnen eine enge Beziehung aufbauen kann. Die Geschichten greifen ineinander, sodass sich die Geschichten ergänzen und aufeinander aufbauen. Durch die unterschiedlichen Perspektiven erhält man von jeder Seite eine Sicht auf erzählte Situationen und verdeutlicht einmal wieder, dass vieles durch Kommunikation hätte überwunden werden können, steckt doch niemand in den Schuhen des Gegenübers.

Dabei ist "Mädchen, Frau, etc" wunderbar divers und weiblich, das Buch überzeugt durch einen treffenden Einblick in das Leben von PoC. Es verdeutlicht die Herausforderungen, die sich Menschen immer noch wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Identität oder ihrer Hautfarbe gegenüber sehen. Gerade auch wegen diesem Punkt ein wichtiges Buch, das eigentlich jeder gelesen haben sollte. In einigen Kapiteln konnte ich mich selbst wiederfinden, etwa im Sexismus der Arbeitswelt oder im Konflikt der Generationen. Durch die Erzählung der Geschichte durch mehrere Perspektiven und Generationen erhalten wir als Leser auch einen Einblick in die damalige und heutige Gesellschaft und wie sich einiges gewandelt hat - vieles aber auch nicht. Besonders für mich als jüngere Leserin, die vieles nicht persönlich erlebt hat, waren diese Einsichten sehr spannend.

Ein Buch, dass zu Recht den Booker Prize bekommen hat, ist es doch so innovativ und doch bodenständig und leicht, dass es sicher auch vielen Lesern zugänglich ist. Ein Buch, dass ich vorbehaltlich jedem empfehlen kann und welches ich gleich in meiner Familie zum Lesen weitergereicht habe.

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Veröffentlicht am 15.01.2024

Einzigartig, wirkt nach

Die nicht sterben
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Die Autorin erschafft im Buch eine unglaubliche Atmosphäre, die den Leser völlig in seinen Bann zu ziehen vermag. Es entstehen Bilder vor den Augen des Lesers, man kann die flirrende Luft fast riechen. ...

Die Autorin erschafft im Buch eine unglaubliche Atmosphäre, die den Leser völlig in seinen Bann zu ziehen vermag. Es entstehen Bilder vor den Augen des Lesers, man kann die flirrende Luft fast riechen. So gleiten die Seiten mit der Erzählung dahin wie in einem fiebrigen Traum, den auch unsere Protagonistin zu haben scheint. Oder sind ihre Erlebnisse etwa echt? Es verschwimmen Realität mit der Erwartungshaltung der Bevölkerung, mit alten Mythen und realen Schrecken sowie mit der Erwartung des Lesers. Und dies schafft Dana Grigorcea auf ganz poetische Art und Weise, sodass man auf wundervolle Art völlig eingelullt ist von der Geschichte. Man lässt sich treiben im Erzählfluss und staunt über die Dinge, die passieren - oder eben nicht.

Diverse Zeitschienen verschwimmen in der Erzählung gekonnt zu einem großen Ganzen, bei dem der Leser auch auf der Hut sein muss. Unsere Protagonistin spricht den Leser oft direkt an um ihre Erzählung mit vermeintlichem Wahrheitsgehalt zu untermauern, sodass man auch schnell eine Bindung zu ihr und ihren Erlebnissen aufbaut. Bei diversen Szenen musste ich gegruselt kurz die Luft anhalten, aber auch brutale Szenen werden mit gekonnter Sprache beschrieben, sodass hier die Autorin nie ihren ganz speziellen Ton verliert.

Dabei zeigt die Autorin auch einen gekonnten Blick in die Vergangenheit, welcher für mich, die den kalten Krieg und den Zerfall der Sowjetunion nicht bewusst erlebt hat, ungewohnt und dadurch umso faszinierender war. Man sieht den Zerfall und die Armut, die Rückständigkeit gemixt mit grandiosen Landschaften und dem historischen Erbe der Region sowie dem Versuch, aus all dem nochmal was zu machen. All dies hat etwas unglaublich romantisches, das Setting war für mich einzigartig und wirkte auch lange nach.

Gut gelungen ist dieser Mix aus Tradition und Moderne, aus Rückwärtsgewandtheit und Fortschrittssehnsucht. Gekonnt eingebaut sind unterschwellige Kritik etwa an der heutigen Sensationsgier von Selfiesüchtigen, die immer auf der Suche nach dem perfekten Shot ihre Umgebung gar nicht mehr richtig wahrnehmen können.

Während des Lesens wusste ich nicht recht wohin mit meinen Gedanken, wollte ich doch die Geschichte fassen und einordnen. Durch den Erzählfluss gefangen habe ich das Buch recht schnell am Stück runterlesen können, hat es doch einen ordentlichen Sog erzeugt, der mich gefesselt hat. Einerseits neugierig, andererseits skeptisch, folgte ich der Handlung bis zu einem Ende, dass mich überrascht und überrumpelt aber auch mit meiner Erwartungshaltung vollkommen versöhnt hat. "Die nicht sterben" hat einige Tage in mir nachgewirkt und je länger ich darüber nachgedacht habe, umso besser hat es mir gefallen.

Ich bin froh, dass ich das Buch lesen durfte, es hat meine Erwartung vollkommen erfüllt wenn nicht gar übertroffen. Absolute Leseempfehlung meinerseits!

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Veröffentlicht am 15.01.2024

Kurzweiliger Thriller mit kleinen Schwächen

Die verschwundenen Studentinnen
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Zu Beginn brauchte ich etwas, um in die Geschichte hineinzufinden, setzt man sich auf den ersten Seiten doch viel mit Marianas Vergangenheit auseinander. Dann aber wird man relativ schnell von der Handlung ...

Zu Beginn brauchte ich etwas, um in die Geschichte hineinzufinden, setzt man sich auf den ersten Seiten doch viel mit Marianas Vergangenheit auseinander. Dann aber wird man relativ schnell von der Handlung eingenommen, da sich die Ereignisse überschlagen. Die Handlung um die ermordete Studentin kann hier wirklich Gänsehautmomente auslösen und auch die Auftritte des Professors und seiner Mädchen ist faszinierend und skurril zugleich.

Das Setting mit dem Campus von Cambridge ist wirklich gelungen, hier scheint hinter jeden Mauer ein Geheimnis zu lauern. Elitecolleges und Geheimbünde gehören ja einfach zusammen und vor allem Marianas Sicht als Ehemalige an ihrer Alma Mater fand ich erfrischend anders. Ihr gelingt dadurch ein anderer Blick aufs Geschehen auf dem Campus und sie hat einen anderen Zugang zu den Erlebnissen und den Beteiligten. Sie ist dabei eine Protagonistin, die den Leser gleich von sich überzeugen kann und die auch ihr Paket zu tragen hat.

Gemeinsam mit Mariana versucht man, hinter das Geheimnis der getöteten Mädchen zu kommen. Dabei geht man einigen falschen Fährten auf den Leim und fragt sich ebenso wie unsere Protagonistin, ob man sich hier verrennt oder ob man doch richtig liegt. Hier gibt es einige Szenen, bei denen ich an den Seiten kleben blieb, da sie die Spannung aufs höchste hochpushten.

Allerdings hätte ich mir hier noch ein bisschen mehr erhofft, mehr Einblicke in die "Mädchen", mehr typisches Collegeflair, mehr Nervenkitzel. Gelungen fand ich die kleinen Anspielungen auf den Erstling des Autors, der mir noch unbekannt ist und den ich mir jetzt auf jeden Fall genauer anschauen werde!

Am Ende kann der Autor mit einem spannenden und völlig unerwarteten Ende aufwarten, mit dem er mich wirklich überraschen konnte. Auf einmal macht vieles vorab im Buch angelegte Sinn und fügt sich zu einem großen Ganzen zusammen. Mariana ist ebenso perplex wie der Leser, was die Auflösung des Falles angeht. Dies ist Alex Michaelides wirklich gut gelungen, ich hätte damit im Leben nicht gerechnet. Durch das tolle Finale wird auch die ein oder andere, etwas zähere Stelle im Buch aufgewogen. Ein gelungener Thriller, der sich zügig runterlesen lässt und der gute Unterhaltung verspricht.

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Veröffentlicht am 15.01.2024

Erinnert an die Guardians

Die Verstoßenen
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Gleich auf den ersten Seiten wird der Leser gemeinsam mit den Protagonisten in eine rasante Handlung geworfen. Hier wird im Vorfeld nicht viel erklärt, denn gemeinsam mit den Charakteren erfährt man nach ...

Gleich auf den ersten Seiten wird der Leser gemeinsam mit den Protagonisten in eine rasante Handlung geworfen. Hier wird im Vorfeld nicht viel erklärt, denn gemeinsam mit den Charakteren erfährt man nach und nach immer mehr Hintergründe. Und ich muss sagen, dass das gut funktioniert, man kommt als Leser trotzdem gut mit und kann sich so auch voll auf die Handlung einlassen. Denn der Spannungsbogen bleibt durchgehend auf einem hohen Niveau, eine brenzlige Situation jagt die nächste. Dabei ist der Sci-Fi-Aspekt nicht zu überladen mit technischem Gedöns, sodass man sich hier als Leser voll auf die Storyline konzentrieren kann.

Die Idee mit der Akademie sowie mit den unterschiedlichen Kolonien hat mir sehr gut gefallen, eine schöne Zukunftsvision für die Entwicklung der Menschheit. Hier bringt M. K. England ganz spielerisch und mühelos Diversität und Vielfalt in die Handlung ein und entspannt auch ganz sensibl und unterschwellig ein gewisses diverses Love Triangle. Dies aber so dezent, dass ich davon nicht genervt, sondern wirklich angetan war. Hier wäre ich wirklich dankbar für einen Folgeteil und mehr Auflösung.

Ich bekam beim Lesen ganz krasse Guardians of the Galaxy-Vibes, denn das Buch hat mich genauso unterhalten wie gutes Popcorn-Kino. Und es ist ähnlich amüsant, es steckt voller Wortwitz und Humor und die Charaktere machen einfach Spaß. Hier hat die Autorin wirklich ein Gespür für funktionierende Figuren. Vor allem Nax hat es mir mit seiner Coolness und seiner Schnauze angetan, wie er sich immer fürs Team einsetzt und einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, dennoch aber auch viel Tiefe und Verletzlichkeit dahintersteckt.

Ein rundum gelungenes Buch mit rasanter Story voller cooler Charaktere, welches man auch gut an einem Abend runterlesen kann. Hier dürfte es gerne einen zweiten Teil geben.

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Veröffentlicht am 15.01.2024

Babylon Berlin mit Magie

Anarchie Déco
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Die Mischung aus dem Berlin der Zwanziger Jahre und Magie klingt wirklich super vielversprechend, und so beginnt das Buch auch gleich mit Phänomenen, die zunächst nicht erklärbar scheinen. Nike ist dabei ...

Die Mischung aus dem Berlin der Zwanziger Jahre und Magie klingt wirklich super vielversprechend, und so beginnt das Buch auch gleich mit Phänomenen, die zunächst nicht erklärbar scheinen. Nike ist dabei unsere Protagonistin, die sich den magischen Versuchen stellt. Dabei erfahren wir viel über ihr Steckenpferd, die Physik.

Nike ist ein toller, vielschichtiger Charakter. Insgesamt ist Anarchie Deco voll von tollen Charakteren, die insgesamt auch sehr divers angelegt sind. Das hat mir sehr gut gefallen. Einige Love Interests entwickeln sich auch nicht klischeehaft vorhersehbar, das fand ich sehr erfrischend und modern. Hier macht das Buch viele Pluspunkte.

Die Story ist ebenfalls spannend, allerdings habe ich mir vielleicht etwas anderes erhofft. Ich hätte hier gerne den Fokus mehr auf eine Art magischen Krimi gelegt, hier liegt der Augenmerk der Erzähler stark auf dem wissenschaftlichen Aspekt. Das ist sicherlich Geschmackssache und tut der Spannung der Story auch keinen Abbruch, mir hätte es sicherlich anders herum etwas besser gefallen.

Super getroffen hat das Autorenduo den geschichtlichen Background der Zwanziger Jahre, die politischen Verwerfungen der jungen Weimarer Republik mit der Bedrohung durch die erstarkenden Nazis und den Aufbruch in die Moderne. Ganz großes Kino und für mich als Fan der Epoche ein richtiger Lesegenuss! Hier darf es gerne mehr davon geben.

Eine spannende, bisher so nicht gelesene Idee mit vielleicht noch etwas mehr Potential nach oben mit tollen Charakteren.

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