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Veröffentlicht am 24.05.2023

Dechiffrierung als Lösungshilfe

Die Schrift
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Eine Prosituierte wird vermisst. Die Polizei geht zunächst davon aus, dass es sich um das Ergebnis von Differenzen im Dresdener Milieu handelt. Als Lena Karasek nach wenigen Tagen brutal verstümmelt und ...

Eine Prosituierte wird vermisst. Die Polizei geht zunächst davon aus, dass es sich um das Ergebnis von Differenzen im Dresdener Milieu handelt. Als Lena Karasek nach wenigen Tagen brutal verstümmelt und entstellt, aber noch lebend, aufgefunden wird, werden die Beamten eines Besseren belehrt.

Zusätzlich zu den grausamen Verletzungen befindet sich auf dem Rücken des Opfers ein Tattoo außergewöhnlichen Inhalts. Der Kryptologe Arne Stiller wird hinzugebeten, um diese möglicherweise codierte Nachricht zu entschlüsseln und den Fall zu lösen. Doch dies bleibt nicht das einzige Rätsel, verhält sich doch der Abteilungsleiter Bernhard Hoheneck sehr ungewöhnlich. Und schon verschwindet eine weitere Prostituierte.

„Die Schrift“ ist der fünfte Band aus der Arne-Stiller-Reihe des Autors. Das Buch steht für sich selbst und ist weitgehend ohne Vorkenntnisse aus den vorherigen Bänden nachvollziehbar. Der Autor hat viel Mühe und Recherche auf das Thema Kryptologie verwandt, bietet einen Exkurs zur Entschlüsselungsmethode für den aktuellen Fall.

Der Plot ist gut gewählt, bietet er einen mir bisher unbekannten Modus Operandi des Täters. Ein Nebenstrang in der Handlung bereitet geschickt eine Zusammenführung der Ereignisse vor. Eine weitere Verknüpfung an anderer Stelle schein mir etwas konstruiert.
Mir persönlich wird zu viel Wert auf die kryptologisch-technische Seite der Ermittlungsarbeit des Herrn Stiller gelegt, der darüber hinaus einer Religion zugetan zu sein scheint, welche für mich übermäßig oft und deutlich Erwähnung findet. Dies führt in der Folge dazu, dass gar keine rechte Spannung aufkommen will, welche ich in früheren Büchern des Autors mit anderen Protagonisten kennenlernen durfte. Auch fehlt mir in der Auflösung des Falles mindestens eine Komponente, um das Buch zufrieden abschließen zu können.
Inge hingegen ist der Hammer. Sie ist die einzige Person, zu der ich wirklich Zugang finden konnte.

Die in dem Buch enthaltene, schwere Brutalität ist m. E. der Handlung angemessen und dient nicht einer billigen Effekthascherei. Allerdings sollten zartbesaitete Leser*Innen sich gut überlegen, ob sie dieses Buch lesen möchten.


Elias Haller, Die Schrift – Ein Arne-Stiller-Thriller, Verlag: Edition M, Taschenbuch, 388 Seiten, 9,99 €, Erscheinungstermin: 16.05.2023

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Veröffentlicht am 08.05.2023

Wenn keiner weiß, was jeder weiß

Der Tote am Gletscher
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Ein Einsiedler, tot, eine alte Pfeilspitze in der Schulter, wird hoch oben im eisigen Schnee des Gletschers gefunden. Sollte es etwa ein „neuer“ Ötzi sein?!? Schnell wird klar, beim Toten handelt es sich ...

Ein Einsiedler, tot, eine alte Pfeilspitze in der Schulter, wird hoch oben im eisigen Schnee des Gletschers gefunden. Sollte es etwa ein „neuer“ Ötzi sein?!? Schnell wird klar, beim Toten handelt es sich um eine „frische“ Leiche, um einen ehemaligen Dorfbewohner. Zwischen Dorfintrigen, Mobbing und angeblichen Erinnerungslücken begeben sich die Ermittler Commissario Grauner und der Ispettore Saltapepe auf Spurensuche.

Lenz Koppelstätter hat einen soliden Kriminalroman verfasst, der mit dem Team Grauner / Saltapepe ein neues Duo in die Welt der Polizeiarbeit entlässt. Die Protagonisten sind gut gezeichnet und leben regelrecht mit ihren Eigenheiten.

Für mich ein angenehmer Krimi, der ohne überbordende Gewalt, jedoch mit gewisser Spannung daherkommt. Gute Unterhaltung.


Lenz Koppelstätter Der Tote am Gletscher, Kriminalroman, Taschenbuch, Verlag: Kiepenheuer & Witsch, 320 Seiten, Erscheinungstermin 17.08.2015

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Veröffentlicht am 06.05.2023

Ein neuer Sheriff ist in der Stadt...

Ausgerechnet Sylt
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Hannah Lambert, eine „unbequeme“ Hauptkommissarin, (ein Typ, wie ich sagen würde) wird auf eine neue Stelle versetzt. Sylt wird ihr neuer Zuständigkeitsbereich sein, genau dort, wo sie so was von überhaupt ...

Hannah Lambert, eine „unbequeme“ Hauptkommissarin, (ein Typ, wie ich sagen würde) wird auf eine neue Stelle versetzt. Sylt wird ihr neuer Zuständigkeitsbereich sein, genau dort, wo sie so was von überhaupt gar nicht sein möchte. Aber nun gut, es wartet Arbeit auf sie in Form einer Leiche. Mit ihrem neuen Team begibt sie sich auf Spurensuche. War es gezielter Mord oder doch eher ein zufälliges Opfer?

Mit Hannah Lambert wird eine mir sympathische, aber auch unangepasste Ermittlerin an den Start geschickt. Auch ihr Mitarbeiter Sven-Ole erobert Herzen und bietet einen gelungenen Nebendarsteller. Zwischen ihrer persönlichen Abneigung gegen die Insel und der Pflichterfüllung, um einem Opfer bzw. evtl. Hinterbliebenen zu ihrem Recht zu verhelfen, gelingt Hannah – überwiegend – souverän zu arbeiten.

Thomas Herzberg startet hier eine neue Krimireihe, welche in Friesland spielt. So sehr mir das Nordische gefällt, kenne ich Sylt nicht. Ich finde jedoch die Gegebenheiten und evtl. Eigenheiten - auch der Menschen vor Ort - gut beschrieben, so dass ich mich auch in dem Buch richtig wohl fühle. Die Polizeiarbeit macht einen guten Anteil der Handlung aus, ein wenig Privates ist auch immer nett. Und schließlich finde ich mich in einem spannenden Finale wieder.

Ein solider Kriminalroman, der für mich sehr gute Unterhaltung bietet und m. E. auch für jeden Krimigeschmack etwas bereithält.


Thomas Herzberg, Ausgerechnet Sylt, Kriminalroman, eBook, Verlag: BookRix, 308 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 16.08.2019

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Was niemand wissen will

Verschwiegen
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Die Polizistin Elma ist gerade aus Reykjavik in ihre Heimatstadt Akranes zurückgekehrt. Kaum hat sie ihren Dienst in der isländischen Stadt aufgenommen, wird die Leiche einer unbekannten Frau am alten ...

Die Polizistin Elma ist gerade aus Reykjavik in ihre Heimatstadt Akranes zurückgekehrt. Kaum hat sie ihren Dienst in der isländischen Stadt aufgenommen, wird die Leiche einer unbekannten Frau am alten Leuchtturm gefunden. Die Leichenschau ergibt, dass die Tote zwar Opfer eines Autounfalls wurde, der Tod selbst erfolgte jedoch durch Ersticken.

Im Zuge der eingeleiteten Ermittlungen kann die Verstorbene bald identifiziert werden. Elísabet hat ihre Kindheit in Akranes verlebt. Das Team begibt sich auf Spurensuche in die Vergangenheit, um mit Hilfe alter Freunde und Weggefährten Licht in das Dunkel um die Person Elísabet zu bringen, was evtl. dazu beitragen könnte, die Umstände ihres Todes aufzuklären. Nach und nach tritt die ganze Dramatik, welche die Kindheit von Elísabet überschattet hat, zutage. Dies bietet jedoch auch mehreren potenziellen Mördern ein Motiv…

„Verschwiegen“ ist der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe aus der Feder der Autorin. Der Plot ist gut gewählt und geschickt ausformuliert, die Protagonisten sind gelungen gezeichnet, die lokalen Bedingungen und Gewohnheiten erscheinen stimmig. Ӕgisdóttir vermag es, mich in die Irre zu führen und auch dort zu belassen, während die Handlung weiter fortschreitet. An einer Stelle bin ich ihr zwar beizeiten auf die Schliche gekommen, das Finale birgt jedoch mindestens eine Überraschung für mich.

„Ein hochspannender, psychologischer Krimi mit einer enorm überzeugenden Ermittlerin und großartiger Kulisse“ heißt es in der Buchbeschreibung.
Dieser „Lobhudelei“ kann ich so nicht folgen. Für mich ist das Buch ein guter Kriminalroman mit solider Ermittlungstätigkeit vor schöner Kulisse. Die Abgründe z. B. in der Kindheit des Opfers berühren. Die Ermittlerin ist mir sympathisch, absolut authentisch als Person finde ich sie nicht.

Insgesamt ein „rundes“, zufriedenstellendes Lese-Erlebnis mit unerwartetem Ausgang für Krimifans.


Eva Björg Ægisdóttir, Verschwiegen, Kriminalroman, eBook, Kiepenheuer & Witsch Verlag, 4,99 €, 368 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 12.01.2023

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Veröffentlicht am 22.11.2022

Wem kannst Du trauen?

Das letzte Grab
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Als Carla Winter, Rechtsanwältin, aus ihrer Kanzlei heimkehrt, wo sie die Nachricht vom Ableben ihres Ex-Ehemannes erhalten hat, findet sie ihr Haus völlig verwüstet vor. Und als wenn das nicht genügte, ...

Als Carla Winter, Rechtsanwältin, aus ihrer Kanzlei heimkehrt, wo sie die Nachricht vom Ableben ihres Ex-Ehemannes erhalten hat, findet sie ihr Haus völlig verwüstet vor. Und als wenn das nicht genügte, sitzt im Kleiderschrank ihr vom Einbrecher ermordeter One-Night-Stand.
Im Grunde ist Frau Winter eine gestandene Frau, die vor Gericht für ihre Mandanten einsteht und sich auch nicht schnell „die Butter vom Brot nehmen lässt“. Aber die Ereignisschleife, die sich nach diesem unschön ereignisreichen Tag entwindet, verwandelt die Anwältin in eine verängstigte Person, die jedoch bereit ist, das Recht zu beugen, sofern es ihrem Anliegen, Licht in die dunklen Machenschaften, in welche sie dem Vernehmen nach verwickelt sein soll, zu bringen. Dabei begibt sie sich immer wieder in größte Gefahr.

„Das letzte Grab“ ist ein angenehmes Buch, welches mit allerlei Wendungen sowie Überraschungen für mich als Leser daherkommt. Die Informationen zu den örtlichen Gegebenheiten der diversen Reiseziele von Carla sowie die Erkenntnisse zu Kunstraub und den damit einhergehenden Aktivitäten im Kunsthandel und auf Auktionen scheinen mir gut recherchiert und sind informativ.

Das Buch ist stellenweise etwas spannend, allerdings nur für vereinzelte Szenen, so dass ich es eher nicht als Thriller betiteln wollen würde. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt und war gerne an Carla Winters Seite. Das Finale fand ich sehr plötzlich und konstruiert, da hätte ich ein „richtiges“ Ende bevorzugt.

Wenn ich es recht verstehe, ist „das letzte Grab“ der Einstieg zu einer Reihe über die Anwältin Winter. Dieses Buch scheint mir weitgehend abgeschlossen, einen echten Cliffhanger konnte ich nicht finden.


Lukas Erler, Das letzte Grab, Thriller, Hörbuch, Tropen Verlag, 17,00 € als Paperback, 288 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 20.08.2022

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