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Veröffentlicht am 19.03.2023

Die "Braut", die sich traut

Tote schweigen nie
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Cassie Raven lebt in Großbritannien und ist ganz und gar außergewöhnlich auf wunderbare Weise.

Sie hat Body Modifications in Form von Tattoos und Piercings. Sie ist eine wahrhafte "Braut" der Nacht, ...

Cassie Raven lebt in Großbritannien und ist ganz und gar außergewöhnlich auf wunderbare Weise.

Sie hat Body Modifications in Form von Tattoos und Piercings. Sie ist eine wahrhafte "Braut" der Nacht, eine Gothic Queen. (Na? Pauley Perrette?)

Sie ist in der Rechtsmedizin als Assistentin tätig und in ihrem jungen Alter durch eine Tragödie bereits Vollwaise.

Sie hat keine Furcht, den Toten Gesellschaft zu leisten und mit ihnen zu reden.

Sie wird allerdings dann aus der Bahn geworfen, als ihre einstige Lehrerin und Mentorin, erkaltet natürlich, gebracht wird.

Trotz fehlenden Anhaltspunkten für deren Tod, verbeißt sich Cassie darin und will dieser Ungeheuerlichkeit auf den Grund gehen.

Irgendetwas stinkt nämlich zum Himmel. Die äußerst konservative Ermittlerin Phyllida Flyte glaubt ihr indes nicht und lehnt Cassie eigentlich rundherab ab. Denn diese ist auch bisexuell, was die Polizistin so gar nicht versteht.

Antipathie wie noch nie. Wird trotzdem dieser Fall aufgeklärt?

Wie Tag und Nacht, Feuer und Wasser ist immer eine dankbare Konstellation, um Auseinandersetzungen zu schildern, die hier durchaus interessant dargestellt sind.

Cassie ist mir sehr sympathisch. Der Plot jedoch hat mehrere Enterhaken in sich. Und zwar jene des Leerlaufs, sodass eine gewisse, gepflegte Langeweile unvermeidlich ist.

Zudem wirkt die Handlung zu artifiziell, als dass sie es schafft zu bannen. Manche Idee hätte mehr ausgereift und mit mehr Tiefe sein können. Ein Häppchen, mehr leider nicht. Aber wenigstens bekommt man keinen mentalen Reflux.

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Veröffentlicht am 14.02.2023

Essen ist Leben. Essen ist Tod.

Das letzte Mahl
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John Guadalupe ist zwar der Sohn illegaler Einwanderer aus Mexiko. Eine dysfunktionale Familie und John droht kriminell zu werden.

Jedoch ist sein Glück, dass Kochen seine große Passion ist und er diese ...

John Guadalupe ist zwar der Sohn illegaler Einwanderer aus Mexiko. Eine dysfunktionale Familie und John droht kriminell zu werden.

Jedoch ist sein Glück, dass Kochen seine große Passion ist und er diese zur Profession macht.

Er arbeitet dann als Koch in einem Maximum Security Gefängnis. Dort warten auch Häftlinge in der death row. Für diese bereitet er unter anderem die letzte Mahlzeit zu.

Er fühlt sich sehr wohl, aber dann erwartet der grausame Killer und Gangster-Boss Ryan Gomez etwas Unvorstellbares von ihm ...

Das Buch löst gemischte Gefühle bei mir aus. Die Ausgangsidee ist sehr originell. Und es gibt auch schwarzen Humor.

Jedoch ist John denkbar unsympathisch. Nichts gegen Protagonisten, die man nicht mag, aber zudem ist er viel zu eindimensional geraten.

Trotzdem ist der Kontrast zwischen den Kriminellen und dem Gefängnis sowie deren Abläufen gut gelungen.

Jedoch ist das Ende des Buches sehr unbefriedigend.

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Veröffentlicht am 01.02.2023

Gefährdetes Volksheim?

Der Dominoeffekt - Tödliche Jagd
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Schweden hat Ärger. Erfolgreiches Hacking, Sabotage und Black Outs. Wer und warum?

Jackie Philipsson, Spionin in Diensten des heimischen Nachrichtendienstes, denkt, sie habe triftige Gründe, sich auf ...

Schweden hat Ärger. Erfolgreiches Hacking, Sabotage und Black Outs. Wer und warum?

Jackie Philipsson, Spionin in Diensten des heimischen Nachrichtendienstes, denkt, sie habe triftige Gründe, sich auf Gotland bedeckt zu halten.

Anton, ihr Förderer und Boss lockt sie aus der Reserve, weil sie auf dem "Schlachtfeld" die Operation "Weißer Schnee" leiten soll.

Sie findet heraus, dass alles auf den russischen FSB hindeutet, Erbin des KGB.

Ein wilder Trip über Berlin bis Sofia mitsamt ihrem Team ist die Folge.

Sie ahnt noch nicht, dass Gotland für die Russen bezüglich der Ostsee eine eminente Rolle bezüglich der Ostsee spielen wird.

Manche Handlungsbögen scheinen nicht ganz kohärent bzw. abgeschlossen. Eventuell ist dies aber dem Fakt geschuldet, dass es eine Fortsetzung geben soll.

Jackie ist mir sympathisch und ein starker Charakter.

Allerdings hätte das Buch gut und gerne fünfzig bis hundert Seiten mehr haben dürfen. Um der Handlung Raum zum Atmen zu geben.

So wirkt alles etwas überstürzt und wie in Zeitraffer.

Mit Abbreviationen und Fachbegriffen hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.

Zudem ist die Verwendung des Motivs der Russen klischeehaft, ebenso in der Darstellung. Zu eindimensional. Die Grautöne sowie die Ambivalenz fehlen.

Jedoch sind nun Russen, wie einst die Sowjets, "dankbare Subjekte", sie als Bösewichte darzustellen.

Was ich aber sehr goutiere ist, dass eine Frau das Werk verfasst hat. Denn Bücher über Spionage kommen noch immer viel zu selten von Frauen.

Danke!

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Veröffentlicht am 19.01.2023

Totalitarismus tot? Niemals!

Turn me on, dead man
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In dieser Dystopie leben drei Männer mehr der Not gehorchend, als dem freien Willen in einer Zweckgemeinschaft in einer WG zusammen.

Der Staat ist allgegenwärtig. Es gibt keinen Aspekt des Lebens, der ...

In dieser Dystopie leben drei Männer mehr der Not gehorchend, als dem freien Willen in einer Zweckgemeinschaft in einer WG zusammen.

Der Staat ist allgegenwärtig. Es gibt keinen Aspekt des Lebens, der nicht von ihm kontrolliert würde.

Strafen folgen prompt auf dem Fuße, wer nicht der Gleichform entspricht.

Selbstredend geraten auch Unschuldige in diese Mühle. Aber ist das nur ein Kollateralschaden oder verbirgt sich in diesem Wahnsinn doch System?

Am nüchternen Erzählstil, der durchaus den Ereignissen angemessen ist, gibt es nichts auszusetzen.

Allerdings wird Potential insoweit verschenkt, weil es zuviele Rückblicke gibt, die unverhältnismäßig den Lesefluss stören.

Ich habe eigentlich prinzipiell nichts gegen dieses Stil-Mittel, aber nicht wenn es zu exzessiv gebraucht wird.

Das ist schade, denn das trübt das Leseerlebnis etwas.

Die Idee selbst aber ist großartig. Denn Totalitarismus ist eben nicht mit dem Dritten Reich und dem Stalinismus gestorben, sondern noch immer sehr virulent.

Wer denkt, dass Historie dergestalt unbedeutend sei, na, weil eben vergangen, begeht einen schweren Denkfehler.

Wer nicht aus der Geschichte lernt, ist verdammt, sie zu wiederholen. Und Bücher wie dieses schärfen das Denkvermögen. Danke, Frank Bodtländer!

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Veröffentlicht am 26.05.2022

Die Luftblase zum Platzen bringen ...

Luftpolster
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Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie ich diesen Roman einordnen soll. Das Buch hat viel Licht, aber ebenso Schatten.

Die konstante Kleinschreibung hat etwas Avantgardistisches, ist aber auch nicht wirklich ...

Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie ich diesen Roman einordnen soll. Das Buch hat viel Licht, aber ebenso Schatten.

Die konstante Kleinschreibung hat etwas Avantgardistisches, ist aber auch nicht wirklich neu, siehe Jelinek Elfriede.

Ein wesentlicher Kritikpunkt besteht darin, dass die Protagonisten keine Namen haben. Dadurch kann man sich ihnen nicht annähern. Der Text selbst wirkt durch seine emotionale Wucht unmittelbar und intensiv. Dieses Wechselbad der Gefühle nehmen den Leser mit.

Die Protagonistin lässt sich freiwillig in die Psychiatrie einweisen, nachdem ihre Schwester sich suizidieren wollte. Dieses Werk ist das subjektive Protokoll einer Heilung.

Es gibt Perspektivenwechsel zwischen der Kindheit, der jüngeren Vergangenheit und dem Alltag in der Klinik.

Allerdings ist das Ende des Buches zu idealtypisch und auch der Alltag in der Psychiatrie zu ideal geschildert. Jeder, der schon einmal in der Psychiatrie war, weiß von der quälenden Langeweile, die vorherrscht, trotz Therapie und so weiter. Und ansonsten ist das Umfeld auch belastend und bedrückend. Nicht umsonst heißt es, dass manche kränker rauskommen, als sie beim Reingehen waren.

Außerdem fehlt mir noch eine gewisse Tiefe. Das heißt jetzt nicht, dass das Buch oberflächlich wäre, au contraire. Ein höheres Level an Profundität wäre aber vorteilhaft gewesen.

Aber auf jeden Fall ist das Buch, trotz seiner Schwächen ein starkes Statement auf das immer noch tabuisierte Thema psychische Leiden aufmerksam zu machen. Danke, Lena-Marie Biertimpel und Leykam Verlag!

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