Profilbild von Darkangelsammy

Darkangelsammy

Lesejury Star
offline

Darkangelsammy ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Darkangelsammy über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.10.2021

Barrieren aufbrechen?

Ein Fest für den Meister
0

Exzellenter und intimer Einblick in die schwule Szene des SM in den 80er Jahren. SM ist eben doch mehr als Unterwerfung und Schmerz.

John Preston lebte von 1945 bis 1994. Er war einer der bekanntesten ...

Exzellenter und intimer Einblick in die schwule Szene des SM in den 80er Jahren. SM ist eben doch mehr als Unterwerfung und Schmerz.

John Preston lebte von 1945 bis 1994. Er war einer der bekanntesten schwulen Autoren der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er engagierte sich schon früh in der LGBTQI und arbeitete als Redakteur bei The Advocate. Mr. Benson, ein weiteres Highlight der SM-Literatur, stammt auch aus seiner Feder. Sein literarischer Nachlass befindet sich in Rhode Island, genauer Providence, der Lovecraftstadt.

Ich finde es klasse, daß der Verlag Bruno Gmünder, Salzberger, dieses Buch der Öffentlichkeit zugänglich macht.

Das Cover ist schon großartig mit dem offenbar männlichen Sub, dem schon der Schweiß sichtbar auf der Stirn steht und der schwarze Hintergrund kontrastiert superb, wie schwarzes Leder eben.

Ein Autor, dem ein legendärer Ruf vorauseilt und lange in San Francisco gelebt hatte ( in den 60er und 70er Jahren ) möchte zu Ehren einer Schriftstellerfreundin, die zwar über SM schreibt, aber es selber noch nie gemacht hat ( oder machen wird ) ein gediegenes SM - Fest schenken.

Er gibt eine dementsprechende Anzeige auf, daß er Sklaven für ein Fest sucht. Er selber ist ein schwuler Meister oder Dom, wie man es heute nennen würde, Ende Dreißig.

Spinner und Neugierige melden sich auf die Chiffre, aber ebenso ernstzunehmende Bewerber. Die, die er in die engere Auswahl zieht, prüft er höchstpersönlich auf Herz, Nieren, Hintern, Waden, Hand- und Fußgelenke.

Zu seiner Überraschung und Freude hört auch wieder von seinem ehemaligen Sub und große Liebe Martin wieder, der ihm beim Fest assistieren wird.

Christopher ist, wie Martin es ausdrückt, eine "Schrankschwester", Geschäftsmann und Bodybuilder mit massiven Muskeln, der devot und masochistisch ist. Er ist verheiratet und hat ein Kind, geht heimlich seinen Neigungen nach. Er erträgt Schmerzen und Demütigungen, aber kleine, harmlose Glöckchen treiben ihn schier in den Wahnsinn. Warum? Selber lesen! Durch dies und andere Vorkommnisse gibt es auch einen gewißen Humor im Buch. Es ist also nicht todernst.

Glen und Philipp lieben sich wahrhaftig, sind auch ein eingespieltes Dom/ Subpaar. Glen möchte aber erleben, wie es ist, ein Sub zu sein. Der Icherzähler tut ihm gerne den Gefallen und Phillip kommt bei der Session aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Der junge Schwule Keith, ursprünglich aus Ohio möchte mit dabei sein, weil er immerzu spitz ist. Aber wie wird er wohl auf die Premiere reagieren, gespankt zu werden?

Carl, ein ehemaliger Soldat of color, hat einen Fetisch fürs Militär, Disziplin und Uniformen, sehr zur Freude des Erzählers.

François ist ein Franzose an der Westküste, Flugbegleiter und Fußfetischist. So bekommt der Erzähler noch so nebenbei eine perfekte Fußmassage und formvollendete Pediküre. Jedem seinen ureigenen Fetisch, aber wie es geschildert wird, ist humorvoll, aber ohne François der Lächerlichkeit preiszugeben und ohne ihn zu verhöhnen.

Überhaupt werden die Protagonisten alle mit gebührendem Respekt und Ernsthaftigkeit dargestellt.

Der Erzähler berichtet auch von seinen utopischen ( erotischen ) Phantasien, die ihren ganz eigenen Sog generieren. Gesellschaftskritik übt John Preston scharfzüngig, hellsichtig und analytisch genau, mit all der Doppelmoral und allgegenwärtiger Heuchelei, vor allem in den USA.

Man merkt natürlich, daß das Buch von 1986 ist, wegen der Abwesenheit der modernen Technik und weil die HIV / Aidskrise da noch sehr frisch war. Konsequent tragen alle im Buch Kondom, auch bei oralen Freuden.

Das Buch ist kurzweilig und erlaubt einen intimen sowie erhellenden Einblick in die schwule SM - Subkultur. Die Erortik ist nicht platt, sondern auf hohem Niveau geschrieben, mit vielen subtilen Zwischentönen und welch große Rolle doch die Psyche spielt. Denn nicht jeder weint in diesem Buch wegen Schmerzen oder Demütigungen, sondern weil eine psychische Barriere aufgebrochen wurde. Wird das Fest des Meisters ein voller Erfolg?

Schmerz und Lust liegen eben doch dicht beieinander. Viele der gesellschaftskritischen Aussagen gelten noch heute. Ein intensives, exzellentes Buch. Wer vor dem Thema nicht zurückschreckt, aber wer das tut, weiß gar nicht, was er oder sie verpasst! John Preston ist klasse! Er könnte ruhig (wieder) entdeckt werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2021

Aus den Schatten schleicht sich die Großkatze auf samtenen Pfoten heran ...

Der weiße Panther (Lemke-von Stain-Serie 2)
0

1958: Die geteilte Stadt Berlin und die Geheimdienste agieren im Hintergrund. Spooks und andere Schleicher im Schatten.

Harry's Ballroom ist DIE It Location der Metropole. Der versierte Barkeeper Gottfried ...

1958: Die geteilte Stadt Berlin und die Geheimdienste agieren im Hintergrund. Spooks und andere Schleicher im Schatten.

Harry's Ballroom ist DIE It Location der Metropole. Der versierte Barkeeper Gottfried wird mit Armbrust ermordet und Harry Renner, der Inhaber als auch Otto werden zu Verdächtigen. Harry war früher bei einem israelischen Geheimdienst. Ist das für den Fall von Bedeutung?

Kriminalassistent Fred Lemke und Kollegin Ellen von Stain grasen so ziemlich alles ab, auch im östlichen Berlin. Wer schnell ist, kommt davon?!

Leipnitz hilft Fred, wo er kann. Man muß sich durchsetzen in der Polizei-Hierarchie und Fred muß ein bißchen jonglieren.

Die CIA und die Stadtverwaltung; keiner weiß, was der andere tut. Ein komplizierter, ineinander verflochtener Ouroborus.

Mit Spürsinn und Raffinesse geben die beiden Ermittler gewiß nicht auf. Die beiden haben ein stillschweigendes Abkommen. Den Schlaf kann man damit aber nicht aufhalten.

Das Cover paßt sehr gut, mutet nach Crime oder Film Noir an. Äußerst stimmig!

Hervorragend recheriert und der Autor legt raffiniert falsche Spuren. Was vermeintlich durchsichtig am Plot scheint, ist es gar nicht. Wie "durchtrieben" vom Schriftsteller! Har!

Die Atmosphäre der Epoche ist superb wiedergegeben. Die Handlung als auch die Charaktere sind komplex angelegt.

Leicht verständlich und es hat mir außerordentlich zugesagt wie gefallen. Lateinische Zitate lernt man als Zugabe noch obendrein. Turbulente Zeit damals! Danke, Leonard Bell!!!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2021

Ein stiller Held, fürwahr!

Der Rote Drache oder Die Frau am Klavier
0

Man kann ein Individuum, einen vermeintlichen Karrieristen und scheinbaren Mitläufer besser verstehen, wenn man über dessen Leben im historischen Kontext liest.

Es ist ein ganz besonderer, außergewöhnlicher ...

Man kann ein Individuum, einen vermeintlichen Karrieristen und scheinbaren Mitläufer besser verstehen, wenn man über dessen Leben im historischen Kontext liest.

Es ist ein ganz besonderer, außergewöhnlicher Mensch. Der Großvater der Autorin. Dr. Walther Hultsch.

Aus Sachsen stammend, in einem gehobeneren, sehr anregenden Ambiente aufgewachsen, die Wert auf Kultur legte, strebte er nach dem Studium der Jurisprudenz.

Er wird Veteran des Ersten Weltkrieges werden, was nicht spurlos an ihm vorbeigehen wird. Er hat kein Verständnis für den Vertrag von Versailles.

Die knechtende Wirtschaftskrise leistete ebenso den Nazis Vorschub und verleitete ihn dazu, in jenen eine Chance zu sehen.

Bei der Polizei kümmerte er sich um die Spionageabwehr in Sachsen. Danach kam er ins Präsidium der Gestapo.

Ihm wird jedoch sehr bewußt, reflektierend wie er ist, daß dieses Regime sehr sehr dunkel ist. Ab 1934 gehört er zum Widerstand.

1939 im Amt Ausland bei der Abwehr eingesetzt, hatte er Kontakt zu den "Attentätern" des 20. Juli 1944.

Er half Juden und anderen Verfemten, so oft er konnte.

Ein entscheidender Fehler ist im Klappentext, das Attentat auf Hitler war am 20. Juli 1944, nicht 1943. Der Inhalt ist jedoch mehr als überzeugend.

Ein äußerst liebevolles Porträt ist der Schriftstellerin hier gelungen, die hier empathisch ihren Großvater ehrt. Sie zeigt auf, daß er eine der vielen, stillen, vergessenen Helden ist. Solche aber waren ebenso eminent wie die "Berühmten". Er gehört ebenso zu den Gerechten unter den Völkern. Das jüdische Sprichwort: Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt, greift auch hier.

Das Persönliche und Biographische ist gut miteinander verknüpft, sodaß man sich exzellent hineinversetzen kann.

Walther war warmherzig, einfühlsam, sensibel und von durch und durch tiefwurzelndem Humanismus geprägt. Ein nachdenklicher Mensch, der sich ebenso in der späteren DDR noch sehr engagiert hatte.

Es bewegt sehr, qua dieses Werkes am Leben dieses beeindruckenden Menschen partizipieren zu können.

Abbildungen bereichern das Buch. Authentisch ohnehin und ein Monument aus superben Worten, emotional packend und möge Walther dadurch unvergessen bleiben. Längst überfällig, Menschen wie ihn aus dem Nebel der Historie zu holen ... Danke, Charlotte von Bieberstein!!!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2021

Zwei Männer, sich ähnlicher, als sie selbst gedacht hätten ...

Mr. Lincoln & Mr. Thoreau
0

Die intellektuellen Größen der Literatur und der Politik treffen aufeinander. Kluge Reflexion, die auch unsere Zeit miteinbezieht. Klasse!

Sebastian Guhr hat Berlin 1983 durch seine brandneue Mitgliedschaft ...

Die intellektuellen Größen der Literatur und der Politik treffen aufeinander. Kluge Reflexion, die auch unsere Zeit miteinbezieht. Klasse!

Sebastian Guhr hat Berlin 1983 durch seine brandneue Mitgliedschaft als zu dem Club der Menschheit gehörend, Berlin definitiv bereichert. Er studierte Philosophie, Amerikanistik und Literaturwissenschaften. Er weiß also genau, wovon er schreibt.

Wie er zu Anfang des Buches in seiner Apologie erwähnt ist die Wirkung der literarischen Lösung wichtiger als die historisch korrekte. Dies ist ja auch ein Werk der Fiktion und kein Sachbuch oder Dissertation.

1837 ist Abraham Lincoln erst achtundzwanzig Jahre alt, als er in der fünf Jahre alten Stadt Springfield in Illinois als Kompagnon eines Anwalts anfängt. Er ist von asthenischer Konstitution, nervös, unstet und neigt zu schweren Depressionen, dem schwarzen Hund, den Churchill ebenfalls gut kannte.

Er löst sich aus einer ihm lästigen Verlobung und lernt bald die bezaubernde Mary Todd kennen, eine starke, intelligente Frau, die allerdings unter Migräne leidet. https://de.m.wikipedia.org/wiki/MaryLincoln

Als der Anwalt in die Politik geht, verliert Abe seine bisherige Anstellung. Gesetze bedeuten ihm alles. Man macht ihn noch immer und stets dafür verantwortlich, daß er durch Infrastrukturreformen als Lokalpolitiker ein immenses Haushaltsloch verschuldet habe. https://de.m.wikipedia.org/wiki/Abraham
Lincoln

Er verlobt sich gegen den Willen ihrer Familie mit Mary. Ein Konflikt, der ihm nicht gut tut.

Im parallelen Handlungsstrang, die Kapitel in der dritten Person wechseln jeweils zwischen den beiden ab, lernen wir Henry David Thoreau kennen. Er lebt in Concord, Massachusetts, ist Sohn eines Bleistiftfabrikanten und hat in Harvard studiert. https://de.m.wikipedia.org/wiki/HenryDavidThoreau

Daher ist ihm auch Ralph Waldo Emerson bekannt und dieser lebt ohnehin ebenso in Concord. Sie gehören wie einige andere Intellektuelle auch den Transzendentalisten an. https://de.m.wikipedia.org/wiki/RalphWaldoEmerson

Thoreau ist Nonkonformist und nimmt den Ruf zurück zur Natur und dem einfachen, unverfälschten Leben im Gegensatz zum Salonlöwen Emerson ernst. Er ist eher misanthropisch, ein Einzelgänger und lehnt die Zivilisation ab.

Er begibt sich an den Walden See und baut sich eine Hütte, um in Union mit der Natur zu leben. Jedoch bricht die Zivilisation immer wieder in seine Illusion einer Idylle ein, sei es der Pfarrer, seine Mutter, seine ehemalige Schülerin Louisa May Alcott https://de.m.wikipedia.org/wiki/LouisaMayAlcott samt Abolitionisten ( Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, die Underground Railroad war ein Teil davon ) oder der radikale John Brown höchstpersönlich.

https://de.m.wikipedia.org/wiki/JohnBrown(Abolitionist)

Außerdem, und hier nimmt das Buch ganz aktuelle Bezüge, dringt die Zivilisation immer weiter in die mitnichten unberührte Natur vor. Zum Ärger Thoreaus. Die Eisenbahn breitet sich aus, die Städte fressen sich wie ein Geschwür in die Landschaft, sogar Müll findet sich in der "Wildnis."

Lincoln kämpft immer wieder mit seinem schwarzen Hund, muß sich einer Rosskur unterziehen. ( Aderlass, das vorgebliche Allheilmittel ). Er ärgert sich über jenen Essay Thoreaus Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat.

Sie scheinen so unterschiedlich zu sein, aber beide sind auf ihre Art ungepaßt. Thoreau lebt in den Wäldern, Lincoln hat den ( verdorrten ) Wald in sich. Thoreau schreibt schon bald an seinem später berühmten Klassiker "Walden oder das Leben in den Wäldern", setzt sich mit Nathaniel Hawthorne und Margaret Fuller auseinander. ( Hawthorne lebte ebenfalls in Concord und ist auf dem Sleepy Hollow Friedhof beerdigt! Da klingelt es, oder? Hä! Hä ).

Thoreau und Lincoln fühlen sich in ihrem jeweiligen Umfeld nicht ernstgenommen, sind chronisch unterschätzt. Abe erhält von den Emersons nur Nichtbeachtung und Kühle. Umso ironischer, daß Emerson später extrem stolz darauf ist, von Präsident Lincoln im Weißen Haus empfangen zu werden. https://de.m.wikipedia.org/wiki/NathanielHawthorne

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Margaret
Fuller

Der Autor schreibt angenehm kurze Kapitel, aber nicht zu kurz, in einer klaren, schnörkellosen Sprache, die aber die Emotionen der betreffenden Personen hervorragend strahlend zur Geltung bringt.

Man kann all die Nöte und auch Freuden hervorragend durch die hautnahe Exposition, die dennoch die Würde der Protagonisten bewahrt, nachempfinden.

Lincoln, der sich über Thoreau ärgert, möchte ihn treffen. Wird es jemals dazu kommen?

Der Autor verbindet und kombiniert geschickt belegte historische Fakten mit dichterischen Freiheiten. So entstand hier eine psychologische Doppelstudie zweier faszinierender Männer und ebenso fesselnder Frauen, die hier den Y-Chromosom - Trägern in absolut nichts nachstehen. Trotz Sebastian Guhr Mittel der Fiktion verwandte, könnte es ja so gewesen sein.

Es ist ebenso ein Porträt des Ausschnitts einer Epoche am Vorabend des Sezessionskrieges. Superb recheriert, von Melancholie durchwirkt, ein Abgesang auf die Sehnsucht nach einer Ursprünglichkeit und Idylle der Natur, die es nicht mehr gibt und auch nie gab. Eine Sehnsucht, die in der Gegenwart nun wieder sehr virulent ist ( Waldbaden! ), aber eine unerfüllbare bleiben muß. Das Buch ist unbedingt lesenswert! Danke, Sebastian Guhr!!!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2021

Der "Schlechte", der "Verrückte" = Die Wunderbaren! 👬👨‍❤️‍💋‍👨👨‍❤️‍👨

Die Lawrence Browne Affäre
0

Juni, LGBTIQ - Monat!

Frühes 19. Jahrhundert, Regencyzeit, nach Waterloo. Bei Penkellis befindet sich das allmählich verfallende Anwesen von Lawrence Browne, Earl von Radnor. Er ist ein kongenialer Wissenschaftler, ...

Juni, LGBTIQ - Monat!

Frühes 19. Jahrhundert, Regencyzeit, nach Waterloo. Bei Penkellis befindet sich das allmählich verfallende Anwesen von Lawrence Browne, Earl von Radnor. Er ist ein kongenialer Wissenschaftler, der immerzu tüftelt und experimentiert.

Er lebt sehr zurückgezogen mit wenigen Angestellten, vernachlässigt sich selbst und haust quasi im Chaos. Nachdem schon sein Vater und Bruder vom Wahnsinn verschluckt worden sind, denkt er, das sei bei ihm ebenfalls der Fall. Vor allem wegen seiner "Anfälle" ( er weiß nicht, daß das Agoraphobie ist ) und seinem "unnatürlichen" Hingezogensein zu Männern, das er konsequent unterdrückt.

Das Dorf jedenfalls ist unisono überzeugt, daß er verrückt ist. Diese seltsamen Dinge, die er da treiben soll. Womöglich der Teufel ....?

Reverend Halliday macht sich große Sorgen um Lawrence und wendet sich schriftlich an Oliver Rivington nach London. Über ihn und durch Jack Turner (Oliver und Jack sind das Paar aus Band Eins The Soldier's Scroundel, den ich noch nicht kenne ) wird Georgie Turner involviert, der jüngere, 25jährige Bruder Jacks.

Aus armen Umständen kommend ist er ein geschickter Betrüger geworden. Jack möchte, daß er der Sache mit Lawrence nachgeht, vor allem weil Gerüchte verlautbaren, daß Lawrences Familie ihn eventuell entmündigen lassen will.

Das alles kommt Georgie zupass, weil ohnehin jemand hinter ihm her ist, also ab nach Cornwall und weil der Reverend ohnehin meint, daß Lawrence einen Sekretär braucht, wird er eben einer, auch wenn er nie einer war.

Er ist über die desolaten Umstände wie Lawrence "haust" erstaunt. Überraschend gewandt ist Georgie bei seinen neuen Aufgaben. Organisiert, ordnet, bringt ein System hinein.

Lawrence begegnet ihm mit offener Feindseligkeit, will ihn loswerden, lieber vorgestern als morgen. Sehr schnell jedoch erkennt Georgie, daß Lawrence mitnichten verrückt ist.

Sie fassen Vertrauen zueinander und eine Freundschaft sowie Zuneigung erblüht. Es bedarf schon einiges, damit der eine den jeweils anderen überzeugt, daß er weit mehr sein kann und ist, als die jeweilige Schablone, in die er gepreßt worden war. Eine Transzendierung des Charakters.

Georgie fühlte sich sowieso schon von Lawrence angezogen und das ist bei Lawrence auch bald der Fall, als sie ihre Liebe zueinander entdecken ...

Ein sehr schön geschriebenes Buch mit authentischen Protagonisten, ebensolchen Emotionen und einer sehr überzeugenden Handlung. Der historische Kontext ist hervorragend recheriert und liebevoll ausgestaltet, ebenso wie die Charaktere, die Warmherzigkeit und Tiefe besitzen. Das Setting ist ebenso traumhaft.

Man kann das Buch unabhängig von den anderen Bänden lesen. Scharfsinnig und gewitzt liefern sie sich Wortduelle. Keiner steht dem anderen nach. Beide durchlaufen eine realistische Genese, den wahren, bezaubernden Kern ihres Wesens jenseits aller Zuschreibungen von außen zu entdecken. Und ohne den jeweils anderen wäre es ihnen nicht gelungen, ihre gebrochenen Flügel zu heilen und wieder zu fliegen.

Sie ergänzen sich durch ihre jeweiligen Stärken und Schwächen großartig. Hemmungslos romantisch, aber nicht kitschig, berührend, charmant, ohne Klischees, mit sehr heißen, niveaugeladenen Szenen. Cat Sebastian ist eine wahre Perle unter den Schreibern von historischen ( Regency ) Liebesromanen!!! Seufz! Eine Männer / Männer- Liebesgeschichte, die durch und durch überzeugt! Zehn Sterne!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere