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Veröffentlicht am 06.08.2019

ES, King, die Tommyknockers und der Kinderflüsterer

Der Kinderflüsterer
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Dieses Buch, ES kann eine gewisse Ähnlichkeit mit den Romanen von Stephen King nicht verbergen. Die Tommyknockers lassen grüßen. Doch es bleibt bei dieser Ähnlichkeit, die Handlung ist anders, die Spannung ...

Dieses Buch, ES kann eine gewisse Ähnlichkeit mit den Romanen von Stephen King nicht verbergen. Die Tommyknockers lassen grüßen. Doch es bleibt bei dieser Ähnlichkeit, die Handlung ist anders, die Spannung weist nicht mehr die kindliche Angst auf. Ohne Zweifel ist "Der Kinderflüsterer" ein Thriller der heutigen Zeit, der besonders verschlungene Pfade beschreitet und Spuren legt.

Tom Kennedy hat vor kurzem seine Frau Rebecca verloren. Mit seinem kleinen Sohn Jake will er eine Veränderung herbeirufen. Im ihrem bisherigen Haus fühlen sich beide zu sehr an Mutter und Ehefrau erinnert. Tom hat ein Haus gefunden und sich noch gewundert, dass er es so schnell bekam. Noch weiß er nicht, dass dieses Haus auch das "Gruselhaus" genannt wird und für die Kinder in der Stadt oftmals für eine Mutprobe herhalten muss. Morgen soll für Jake der erste Schultag in der neuen Schule sein. Obwohl Jake ihm gesagt hat, dass er ein Flüstern gehört hat, will sein Vater davon nichts wissen. Aber der ist eh voller Zweifel, ob er es überhaupt schafft, seinen Sohn alleine zu erziehen. Aber er hat Jake auch schon bei Selbstgesprächen erwischt. Und ja, Jake unterhält sich oft und gerne mit einer Freundin, die gar nicht wirklich da ist.

Alex North arbeitet wie Stephen King mit den Ängsten aus der Kinderzeit. Meist war die Ursache nicht real. Dennoch geht die Phantasie eines Kindes soweit, dass sie bei dem Kind echte Ängste hervorruft. Doch hier wird hier schnell klar, dass es sich nicht um kindliche Hirngespinste handelt, die Schrecken verbreiten. Auch nicht die Tatsache, dass das Haus ein Gruselhaus sein soll. Schnell wird klar, dass sowohl Tom als auch Jake tatsächlich in Gefahr sind. Obwohl der Kinderflüsterer von vor zwanzig Jahren immer noch im Gefängnis sitzt, scheint er wieder aktiv zu sein.

Ein unheimlich gut gestricktes Figurenensemble, bei dem die Verbindung zwischen den einzelnen Figuren nicht so offensichtlich ist. Das erzeugt Irreführungen und Spannungen beim Leser. Der Ort der Handlung – Featherbank - hat irgendwie etwas von Broadchurch an sich. Er wirkt schon unheimlich, nur weil man seinen Namen liest. Es ist jedenfalls kein englischer Ort, in welchem sich viele Touristen aufhalten. Das Cover hat ein unmittelbaren Zusammenhang zum Inhalt.

Erzählt wird die Geschichte abwechseln aus unterschiedlichen Perspektiven. Während alles, was Tom Kennedy persönlich passiert meist aus seiner Sicht als Ich-Erzähler geboten wird und man dabei hautnah das erfährt, was geschieht, werden die anderen Passagen in der dritten Person aus einer entfernteren Perspektive dargestellt. Dabei wird aber nicht wie bei Jake auf das Eintauchen in die Gedankenwelt verzichtet, wenn der Junge z. B. mit seiner imaginären Freundin spricht.

Schmetterlinge ziehen sich durch den gesamten Roman – auss gutem Grund. Konflikte zwischen einzelnen Figuren, deren Verbindung erst nacheinander aufgezeigt werden, erhöhen die Spannung zusätzlich zur dauerhaft angelegten Gefahr. Man hat beim Lesen stets das Gefühl, ein leises Sirren oder Surren im Hintergrund zu hören.

Ein Thriller der Spitzenklasse, der nichts für schwache Nerven ist.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 01.08.2019

höchst lesbarer Geheimtipp

Tod im Fichtelgebirge
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Die Autorin ist für ihre ausgefeilten Plots mit immensen Wendungen in der Handlung bekannt. Mit dem vorliegenden Roman hat sie ein neues Ermittlerteam geschaffen, welches rund um ihre Heimatstadt wirkt. ...

Die Autorin ist für ihre ausgefeilten Plots mit immensen Wendungen in der Handlung bekannt. Mit dem vorliegenden Roman hat sie ein neues Ermittlerteam geschaffen, welches rund um ihre Heimatstadt wirkt. Unter Pseudonym hat sie bereits bewiesen, dass sie ebensolche Spannung mit Handlung in Irland erzeugen kann .

Worum geht es in diesem Kriminalroman? Der Apotheker Robert Sander ist auf einer Fortbildung. Ein Anruf von seiner Frau. Sie erzählt ihm, dass die beiden Kinder verschwunden sind. Kommissarin Kristina Herbich hat ebenfalls einen Vermisstenfall auf dem Tisch. Ein neunzehnjähriger Flüchtling aus Afghanistan ist verschwunden. Dann bekommt sie den Fall der vermissten Sander-Mädchen zugewiesen und fährt zum Gespräch zu deren Mutter. In einem weiteren Strang muss sich eine Frau mit der Tatsache abfinden dass sie ihr junger Liebhaber, ebenfalls ein jugendlicher Flüchtling, verlassen hat. Doch auch sie geht von einem Verbrechen aus und informiert den Pfarrer. Schließlich verirrt sich im Wald eine junge Frau.

Diese winzige Zusammenfassung des Beginns von dieses Krimis zeigt bereits, dass es zunächst sehr viele Vermisste gibt. Alles kann miteinander zusammenhängen, muss aber nicht. Lochmueller ist sehr souverän darin, nichts davon frühzeitig preiszugeben. Und dennoch wird alles mitgeteilt. Wenn man die Auflösung zum Ende des Romans liest, war ja im Nachhinein alles ganz logisch und Hinweise gab es genug. Als Leser hat man lediglich in die falsche Richtung gedacht .

Schön hat mir auch das Zusammenwachsen der beiden Protagonisten gefallen. Eigentlich ist Herbich eine Einzelgängerin und hält gar nichts davon, bei den Ermittlungen jemanden am Rockzipfel hängen zu haben. Als der Chef ihr einen Partner zur Seite stellt. Die Gelassenheit dieses Mannes und Herbichs Widerstand, mit ihm zusammenzuarbeiten, schafft zusätzliche Spannung.

Das Cover passt gut und spiegelt das Geschehen rund um eine psychiatrische Klinik wieder, die in den Tiefen des Waldes vor sich hin verfällt. Das Licht weist auf Aktivitäten hin, die dort dennoch stattfinden .

Spannung pur, flüssige Handlung, angenehme Figuren machen „Tod im Fichtelgebirge" zu einem höchst lesbaren Geheimtipp. Einfach erste Klasse!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 29.07.2019

Ein grandioser Roman, der den Leser ins australische Outback treibt

Zu Staub
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Dieser Thriller hat wieder einmal einen Wow-Effekt bei mir hervorgerufen. Ganz ohne Ermittlungen bzw. ohne eine Ermittlerfigur wird der plötzliche Tod eines Menschen aufgedeckt, so dass es einem ab und ...

Dieser Thriller hat wieder einmal einen Wow-Effekt bei mir hervorgerufen. Ganz ohne Ermittlungen bzw. ohne eine Ermittlerfigur wird der plötzliche Tod eines Menschen aufgedeckt, so dass es einem ab und zu Gänsehaut beschert .

Der Roman führt den Leser in die abgelegenste Ecke in Australien, ins Outback. An der Grundstücksgrenze zweier Rinderfarmen treffen sich zwei Brüder. Der dritte Bruder, vom Alter her der mittlere, liegt tot zu ihren Füßen. Er ist in der sengenden Hitze zu Tode gekommen und die beiden bringen ihn zurück auf seine Ranch. Nur noch wenige Tage bis Weihnachten. Doch die Vorfreude wird nun nicht nur von Trauer überschattet, sondern auch von Misstrauen. Was ist, wenn der Tote nicht eines natürlichen Todes gestorben ist? Wenn ihm jemand geholfen hat, den Tod zu finden? Hatte er Feinde? Hatte er Streit? Viele Fragen müssen beantwortet werden und so manches Geheimnis wird aufgedeckt.

Harper erzählt die große Geschichte einer Familie. Dabei geht sie der Frage nach, was mit Menschen passiert, die allesamt in einer großen Abgeschiedenheit und Einsamkeit leben. Hervorgerufen wird diese Einsamkeit in diesem Landstrich Australiens durch die immensen Entfernungen zwischen den Orten. So sind z.b. die Wohnsitze der Brüder auf ihren Ranchen vier Autostunden voneinander entfernt. Jemanden vom Flughafen abholen bedeutet, eine Hin- und eine Rückfahrt von jeweils 900 km zu absolvieren. Nicht nur einmal werden die Figuren im Roman mit der Frage konfrontiert, ob hier in der Einsamkeit das Böse entsteht. Denn das Misstrauen greift in der Familie um sich und hat vielleicht seine Berechtigung.

Protagonist ist der älteste Bruder Nathan. Aus seiner Sicht wird die Geschichte erzählt, aber nicht von ihm selbst. Doch neben der aktuellen Handlung werden uns als Leser seine Gedanken, Rückblicke und Empfindungen mitgeteilt. Und da kommt ein weiterer Stil der Autorin zum Tragen. Rückblenden entstehen aus den Gedanken von Nathan heraus und werden nicht im Schriftbild kenntlich gemacht. In vielen Romanen werden andere Schriften oder Absatzlücken für Rückblenden genutzt. Bei Jane Harper wird nahtlos zwischen Gegenwart und Rückblende gewechselt. Doch als Leser gewöhnt man sich sehr schnell daran und weiß, in welcher Zeit man sich befindet .

Ein grandioser Roman, der den Leser ins australische Outback treibt und ihn neugierig darauf macht, welche Geheimnisse in der Familie existieren und wie und warum der mittlere Bruder zu Tode gekommen ist.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 24.07.2019

Unter der Brücke Pont Neuf im Zentrum Paris'

Lacroix und die Toten vom Pont Neuf
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Einerseits wurden mit diesem Roman meine Erwartungen voll erfüllt, andererseits wurde ich sogar überrascht, weil sie weit übertroffen wurden. Als ich Kenntnis von diesem Buch erhielt und den Klappentext ...

Einerseits wurden mit diesem Roman meine Erwartungen voll erfüllt, andererseits wurde ich sogar überrascht, weil sie weit übertroffen wurden. Als ich Kenntnis von diesem Buch erhielt und den Klappentext gelesen hatte, hatte ich einen in Paris spielenden Kriminalroman erwartet und gehofft, dass ich neben der Spannung von einigen Straßenzügen lesen würde, die schon von meinen Füßen getreten wurden. Dass es weit mehr wurde, ist dem Kampa Verlag zu verdanken.

Unter der Brücke Pont Neuf im Zentrum Paris' wird ein Obdachloser tot aufgefunden. Arg zugerichtet war ihm die Kehle durchgeschnitten worden. Sofort werden Kommissar Lacroix und sein Team an einen Fall von vor 30 Jahren erinnert. Damals waren drei Obdachlose an drei Tagen hintereinander mit durchschnittener Kehle aufgefunden worden. Der Täter wurde nie gefasst. Doch beim ersten gegenwärtigen Opfer wird noch an einen Zusammenhang gezweifelt. Vierundzwanzig Stunden später sieht das schon ganz anders aus. Und am dritten Tag ist das Team fast überzeugt von einem Zusammenhang mit dem alten Fall.

Was macht diesen Roman nun so besonders? Zunächst ist er eine Hommage an die Romanfigur Maigret von Georges Simenon. Wie dieser trägt auch Lacroix Mantel, Hut und Pfeife. Er wird von seinen Kollegen als Maigret auf den Arm genommen - was ihn ärgert. Und er geht in dieselben Bistros wie Maigret - auch wenn sie heute anders heißen.

Schreibstil ist ruhig und bedächtig, es wird ermittelt und nicht actionreich durch die Straßen gejagt. Spannend bleibt der Krimi bis zum Schluss da man als Leser gedanklich jeder falschen Spur folgt wie Commissaire Lacroix. Sein Team besteht aus einer Polizistin und einem Polizisten. Er mag beide, trotz deren Ansichten, weil er auf ihre Loyalität, Zuverlässigkeit und Professionalität zählen kann. Ob der Roman von einem Mann oder einer Frau geschrieben wurde, ist schlecht zu beurteilen, denn der Name "Alex" gibt beides her. Ansonsten ist nichts bekannt. Höchstens, dass er oder sie ein ausgesprochener Kenner von Paris ist. Denkbar wäre natürlich, dass der Roman aus dem Verlag selbst kommt, denn dort sitzen die besten Maigret-Kenner. Und wer einen echten Maigret lesen möchte, sollte mal ins Programm des Verlages schauen.

Ich habe mich im Roman sehr heimisch gefühlt, das Lesen kam einem Besuch in Paris gleich. Deshalb ist er für Paris- und/oder Krimiliebhaber einfach ein Muss.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019

Veröffentlicht am 27.06.2019

Karen Sander on top

Wenn ich tot bin
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Vor zehn Jahren wurde Madelin McFarland entführt. Ihre Mutter Susan hat kurz darauf einen neuen Mann kennengelernt, und sie bekamen gemeinsam ein Kind. Die kleine Harper hat über den Verlust von Madelin ...

Vor zehn Jahren wurde Madelin McFarland entführt. Ihre Mutter Susan hat kurz darauf einen neuen Mann kennengelernt, und sie bekamen gemeinsam ein Kind. Die kleine Harper hat über den Verlust von Madelin hinweggeholfen, doch die Hoffnung auf eine Rückkehr der Tochter blieb immer bestehen. Plötzlich steht Madelin leibhaftig vor der Tür. Susan ist überglücklich, ihre tot geglaubte Tochter wieder in den Armen halten zu können. Doch dieses Glück hält nur ganz kurze Zeit. Wenige Stunden, genauer gesagt. Madelin ist wieder verschwunden und Susans Mann liegt schwer verletzt in der Küche. Detective Sergeant Kate Fincher von der Polizei in Edinburgh begibt sich auf die Suche nach Madelin, die offenbar in die Highlands geflogen ist.

Karen Sander hat einen höchst spannenden Thriller geschrieben, der mit ihrer Montario-Reihe wenig gemein hat. Schauplatz dieses Romans ist komplett das Highland in Schottland. Sehr authentisch bringt die Autorin die regionalen Gegebenheiten, wie Bergzüge Straßenverläufe und Örtlichkeiten in die Handlung ein. Ihre Liebe zu dieser Region und ihre Professionalität beim Recherchieren wird sie nicht verleugnen können.

Die Spannung ist extrem hoch. Und wenn der Verlag den Klappentext übertitelt mit „Nichts ist, wie es scheint", dann trifft dies voll zu. Immer wieder, wenn man als Leser denkt, man sei auf der richtigen Spur, wie der Roman zu Ende gehen könnte, bekommt man hammermäßig einen Schlag auf die Brust. Denn es ist ein Ereignis eingetreten oder ein Fakt genannt, der alle geistigen Spekulationen als falsch deklariert. Umdenken ist angesagt. Neue Tatsachen führen in eine andere Richtung. Das ist einfach nur spitze .

Was den Stil angeht, ist der britisch-schottische Einfluss auf Sander unverkennbar. Der Thriller liest sich nicht wie der Krimi einer deutschen Autorin. Und wenn man glaubt, Karen Sander hat schon ihr Pulver verschossen, dann unterliegt man einem großen Irrtum. Seit vielen Jahren lese ich ihre Romane und sie wird immer besser, obwohl mir schon der erste damals gefallen hatte.

Top-Empfehlung meinerseits!


© Detlef Knut, Düsseldorf 2019