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Veröffentlicht am 07.08.2018

Eine Mutter mit Gedächtnisverlust und ein toter Nachbar

Während du schläfst
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In einer Siedlung in London lebt die Familie Noah und Tara Logan mit ihren Kindern Rosie und Spencer. Das benachbarte Ehepaar Lee und Serena lud zu einer Party ein, bei der die Familie Logen ebenso teilnahm. ...

In einer Siedlung in London lebt die Familie Noah und Tara Logan mit ihren Kindern Rosie und Spencer. Das benachbarte Ehepaar Lee und Serena lud zu einer Party ein, bei der die Familie Logen ebenso teilnahm. Am anderen Morgen liegt Tara nackt neben dem Ehemann Lee in seinem Ehebett. Seine Ehefrau scheint nicht im Haus zu sein. Lee liegt blutüberströmt im Bett. Tara stellt fest, dass er tot ist. Sie weiß nicht mehr, was am Abend zuvor passiert ist. Sie stellt sich die Frage, ob sie mit Lee sexuelle Handlungen durchgeführt hat. Voller Panik verschwindet sie unauffällig in ihr Haus. Noah reiste mittlerweile vor wenigen Stunden ab zu einem Auftrag nach New York. Andere Nachbarn sollen beobachtet haben, wie Taras Tochter Rosie aus dem Haus von Lee und Serena gerannt sein soll. Rosie gerät unter Verdacht. Gleichzeitig kann auch Tara es gewesen sein. Ihr Motiv wäre die On-Off-Ehe mit ihrem Ehemann Noah, der zwischenzeitlich ausgezogen war.
Kathryn Croft beschreibt in ihrem Thriller eine Atmosphäre, die mich an eine gutsituierte Siedlung in einem amerikanischen Vorort erinnert. Tara, die Hauptprotagonistin, und ihre Tochter Rosie stehen im Mittelpunkt dieses Thrillers, weil sie im Verdacht stehen, den Mord an dem Nachbarn Lee verübt zu haben. Als die Ehefrau des Opfers von einer Nachbarin darin bestärkt wird, dass Rosie ein Verhältnis mit Lee gehabt haben könnte, und dass heraus kommt, dass Tara neben Lee im Bett gelegen hat, wird die ehemalige Freundin Serena zu einer verbitterten Feindin. Tratsch in der Nachbarschaft und falsche Anschuldigungen machen das Leben der Logans zur Tortur. Vernünftig und besonnen wirkt der Sohn Spencer Logan im Gefühlschaos der Familie, der für die Umstände immer wieder Verständnis zeigt. Manchmal passieren im Erzählstrang Szenen, die eher vorhersehbar sind. Aber dann kommt doch eine Wendung, und man überlegt aufs Neue, wer könnte Lee umgebracht haben. Hatte Rosie wirklich ein Verhältnis mit Lee? Mutter und Tochter geraten häufig deswegen aneinander, einmal das pubertierende Verhalten außen vor gelassen. Durch die Wendungen konstruiert die Autorin Spannung in die Story. Mehr als eine Figur gerät ebenso mehr als einmal unter Verdacht. Auf der einen Seite bringen Wendungen in einer Geschichte Spannung und Unterhaltung, aber wenn vorhersehbare Momente mehr als einmal auftauchen, wirkt eine Geschichte zu sehr konstruiert und künstlich. Dadurch verliert die Story in diesem Fall ein wenig an Überzeugung. An sich ist der Plot eine hervorragende Idee.
Die Briten können Krimis und Thriller schreiben. Selbst dieser Thriller konnte mich überzeugen mit einer Protagonistin, der man manchmal glaubt, und dann doch wieder nicht. Bei dieser Story könnte ich mir gut vorstellen, diese zu verfilmen, wenn sie nachvollziehbar und überzeugend dargestellt wird. Dieser Thriller ist der erste von Kathryn Croft, der auf dem deutschen Buchmarkt erschien.

Veröffentlicht am 07.08.2018

Großvaters Taschenuhr und Großmutters Familiengeheimnis

Die Blütenmädchen
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Dafne führte bis jetzt ein gutes Leben in der Großstadt. Doch ihre letzte Beziehung zu einem Mann hinterlässt ein gebrochenes Herz bei ihr. Da ihre Großmutter Clelia in einem Dorf in der Toskana lebt, ...

Dafne führte bis jetzt ein gutes Leben in der Großstadt. Doch ihre letzte Beziehung zu einem Mann hinterlässt ein gebrochenes Herz bei ihr. Da ihre Großmutter Clelia in einem Dorf in der Toskana lebt, bricht Dafne eines Tages auf, um den Herzschmerz aufzuarbeiten. Bei ihrer Großmutter angekommen, fühlt sie sich gleich wohl. Denn das Haus erinnert sie an ihre Kindheit, weil sie viel Zeit dort bei ihrer Großmutter verbracht hat. Ihr Großvater verstarb mittlerweile. Er hinterließ eine Werkstatt, die Dafne nun umgestalten will. Dabei stößt sie auf eine alte Taschenuhr, die ihrem Großvater gehörte. Als bei ihr in der Werkstatt der junge Mann Milan auftaucht, der ebenfalls eine Taschenuhr besitzt, die genauso aussieht wie die von ihrem Großvater, ist Dafne durcheinander. Wieso besitzt Milan haargenau die gleiche Taschenuhr wie sie? Dafne begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, bei der ihre Großmutter ebenso eine Rolle spielt.
Ein italienischer Liebesroman, geschrieben von der Autorin Valentina Cebeni, lässt die Leserinnen in ein Flair eintauchen, als ob man gerade dort Urlaub machen würde. Doch die Geschichte ist überzogen von dunklen Geheimnissen, mit denen die Hauptprotagonistin Dafne sich auseinander zu setzen hat. An ihrer Seite steht ihre Großmutter Clelia und der junge Mann Milan. Alle drei Figuren sind aufgrund ihrer eigenen Geschichte miteinander verbunden. Vor allem die Clelia – die Großmutter – ist das Bindeglied in die Vergangenheit der Familien von Dafne und Milan. Dafne und Milan gehen gemeinsam auf den Grund der mysteriösen Taschenuhren. Aber es geht nicht immer harmonisch zwischen den beiden zu. Clelia muss manches Mal ihre Enkelin daran erinnern, dass die Reise in die Vergangenheit für alle nicht einfach ist. Höhen und Tiefen gestalten die Geschichte, manchmal ein wenig zögerlich und langatmig, so dass man denkt, es könnte mal eine Wendung in der Geschichte geben. Und dann bekommt man wieder Einblicke in die landschaftliche Atmosphäre und die Gedanken der beiden Protagonisten Dafne und Milan. Positive und nachdenkliche Wirkungen vor allem auf Dafne hat ein Mädchen mit einer Baskenmütze. Ebenso dürfen keine Freunde aus dem Dorf fehlen, die Dafne zur Seite stehen, die sie schon lange kennen.
Valentina Cebeni war mir bisher als Autorin unbekannt. Ebenso kannte ich bisher keine italienischen Liebesromane. Die Geschichte um zwei junge Menschen und einem Familiengeheimnis wegen einer Taschenuhr und dessen Hintergrund gefiel mir gut. Genauso mochte ich die italienische Kultur in dem Roman. Manche Textstellen fand ich zu viel in die Länge gezogen. Dennoch kann ich ihn als Urlaubs- oder Sommerlektüre gut empfehlen.

Veröffentlicht am 03.08.2018

Mehr Krimi als Thriller

Unter der Mitternachtssonne
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Tokio im Jahre 1973. Dort wird ein Pfandleiher namens Yosuke Kirihara umgebracht. Der Mord wird zu einer jahrelangen Odyssee und Lebensaufgabe für den Detektiv Sasagaki. Es existieren zwei Hauptverdächtige, ...

Tokio im Jahre 1973. Dort wird ein Pfandleiher namens Yosuke Kirihara umgebracht. Der Mord wird zu einer jahrelangen Odyssee und Lebensaufgabe für den Detektiv Sasagaki. Es existieren zwei Hauptverdächtige, deren Leben Sasagaki über zwanzig Jahre lange verfolgt. Im Mittelpunkt stehen die Hauptprotagonisten und deren Familien, Freunde und Lebenswege, um den Mord aufzuklären.
Keigo Higashino schuf eine Geschichte, die anfangs verständlich und nachvollziehbar erzählt wird, aber sobald man in die Geschichte weiter eintaucht, nehmen immer mehr Figuren und deren Hintergründe Anteil in dieser Geschichte. Was Higashino sehr gut gelingt, ist die Erzählung aus mehreren Perspektiven und aus zwanzig Jahren Erzählstrang mit verschiedenen Figuren und deren Lebenswege miteinander zu verbinden. Beim Lesen denkt man manchmal schon: Dass der Autor beim Schreiben noch den Überblick behalten hat. Rückblickend kann man jeder Figur eine Art Tagebuch zufügen, weil der Autor die Figuren und deren Entwicklungen sehr komplex und intensiv erzählt. Auf der einen Seite lenkt diese Komplexität von dem Mordfall ab, aber auf der anderen Seite kann die Leserschaft die Emotionen, Beweggründe und Psychologie der Figuren nachvollziehen. Die Spannungen im Buch werden eher durch die Biografien der Figuren aufrechterhalten. Letztendlich könnte man diesen Roman als einen kriminalistischen Gesellschaftsroman bezeichnen, weil der Anteil der Kriminalelemente relativ gering ist.
Zunächst muss ich anmerken, dass diese Geschichte für mich mehr ein Krimi als ein Thriller gewesen ist, weil die Charaktere ausführlich und tiefsinnig von dem Autor ausgearbeitet wurden. Dadurch wurde die Geschichte sehr komplex, zumal die japanischen Namen für Europäer weniger geläufig sind, muss man schon mit einem Spickzettel für die Namen lesen. Nichtdestotrotz würde ich mich an ein weiteres Buch von Keigo Higashino lesen – aus reiner Neugier.

Veröffentlicht am 03.06.2018

Psychologischer blutiger Thriller

Die Blutschule
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Der Thriller beginnt die Erzählung aus der Sicht des Ich-Erzählers Simon Zambrowski, der derzeit ein Patiententagebuch führt. Hauptsächlich erzählt Simon die Geschichte seine Vaters Vitus und seine ein ...

Der Thriller beginnt die Erzählung aus der Sicht des Ich-Erzählers Simon Zambrowski, der derzeit ein Patiententagebuch führt. Hauptsächlich erzählt Simon die Geschichte seine Vaters Vitus und seine ein Jahr älteren Bruder Mark. Es geht in das Jahr 1993 zurück. In dem Jahr ist Simon dreizehn Jahre alt. Mark und Simon wachsen mit ihren Eltern im Berliner Umland behütet auf. Im damaligen Sommer gehen Vitus und seine beiden Söhne an einen See. Ein Mädchen verletzte sich, als es Kopfüber in den See springt. Sie versuchen das Mädchen aus dem See zu ziehen, und Vitus unternimmt die Reanimation des Mädchens, das anscheinend bewusstlos ist. Simon und Mark hatten schon erste Bekanntschaft mit dem Mädchen aus dem brandenburgischen Dorf. Sie heißt Sandy und stellt sich eher als aufmüpfiger Teenager heraus. Aber an jenem Tag am See als Vitus bei Sandy Mund-zu-Mund-Beatmung durchführt, sieht Simon ein merkwürdiges Ereignis. Sandy und Vitus sind wie ausgewechselt. Sandy ist das liebste Mädchen was sich Eltern nur wünschen können. Doch Vitus, der Familienvater, ist nicht mehr der liebenswürdige Vater wie zuvor. Für Mark und Simon beginnt ein Horrortrip in einer einsamen Hütte im Wald.
Diesen Thriller schrieb Sebastian Fitzek als Debüt unter dem Pseudonym Max Rhode. Parallel zu diesem Thriller schrieb Sebastian Fitzek den Thriller „Das Joshua-Profil“, welcher über den Schriftsteller Max Rhode handelt. Die Blutschule ist sozusagen das erste erfolgreiche Buch des Max Rhode. In diesem Thriller steht die Familie Zambrowski im Mittelpunkt besonders Vater Vitus und die Söhne Mark und Simon. Sebastian Fitzek beschreibt auf der einen Seite die schüchternen und unerfahrenen Brüder und auf der anderen Seite das anfangs beschriebene Familienoberhaupt Vitus, der nach einem Ereignis zu einem bösartigen Vater mutiert. Die einzelnen Szenen beschreibt Fitzek brutal, zum Teil blutig und an Szenen aus einem Mystery- und Horrorfilm. Während der Erzählung wird die Spannung durch die Entwicklung des Vaters einerseits, und die Bewältigung der Gefahr, in der sich die Söhne befinden, andererseits erzählt. Letztendlich muss man sich die Frage stellen, ob die Ereignisse am See und in der Hütte so stattgefunden haben, oder ob es eine Einbildung ist. Denn, es handelt sich ja um ein Patiententagebuch von Simon.
Eine gute Idee von Sebastian Fitzek, der mit diesem Debüt einen anderen Weg einschlägt. Nun stellt sich die Frage nach drei Jahren, ob unter dem Pseudonym Max Rhode weitere Bücher folgen werden, oder ob es bei einem Buchexperiment bleibt. Dieser Thriller gefiel mir besser als die Thriller, die Fitzek danach geschrieben hat. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auf jeden Fall gefiel mir bei diesem Thriller die psychologischen Mystery- und Horrorszenen, wobei ich bisher noch keinen Horrorroman gelesen habe, die sicherlich noch bedrückender erzählt werden.

Veröffentlicht am 27.11.2017

Glück zwischen Höhen und Tiefen

Das Glück an Regentagen
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Mae wuchs im beschaulichen Alexandria Bay an der Grenze zu Kanada in einer kleinen Pension am Rande der Stadt bei ihren Großeltern Lilly und George auf. Denn ihre Eltern verlor sie relativ früh. Mittlerweile ...

Mae wuchs im beschaulichen Alexandria Bay an der Grenze zu Kanada in einer kleinen Pension am Rande der Stadt bei ihren Großeltern Lilly und George auf. Denn ihre Eltern verlor sie relativ früh. Mittlerweile lebt sie in New York, und trennte sich gerade von Peter, der von heute auf morgen verschwand. Angelblich steckt Peter in kriminellen Geschäften. Deshalb geht Mae nach über zehn Jahren zurück nach Alexandria Bay, und zieht wieder bei ihren Großeltern ein. Als sie dort ankommt, muss sie feststellen, dass ihr Großvater George aus der ehemaligen Pension ausgezogen ist, und nun in einem Hotel in der Stadt wohnt. Lilly müsste wissen, was geschehen ist. Aber sie redet nicht darüber. Dann trifft Mae ihre erste große Liebe Gabriel – genannt Gabe - wieder, die sie ebenso in der Vergangenheit einmal verlor wie ihre Eltern. Gabe kehrte ebenso nach Alexandria Bay zurück. Sein Vater Jonah lebt immer noch in der Hütte am Fluss. Allerdings ist Jonah sehr krank. Im Laufe der Zeit erfährt Mae, dass im Leben ihrer Großmutter einmal einen anderen Mann gegeben hat – zeitnah, als sie bereits George kennenlernte. Welches Geheimnis hütet Lilly seit Jahren nicht nur gegenüber ihrer Enkelin, sondern auch ihrem Mann George gegenüber?
Marissa Stapley beginnt ihren Roman mit einer Familie, die einen Schicksalsschlag in der Vergangenheit zu bewältigen hatte, und die Aufgabe bekam, ihre Enkelin Mae großzuziehen. Lilly wirkt wie eine starke Frau, der man abnimmt, dass sie alles im Griff hat bis zu dem Zeitpunkt als George aus der Pension ausgezogen ist. Mae will den Gründen auf den Grund gehen. Und steht somit zwischen Lilly und George. Gabe dagegen beschäftigt das Verhältnis zu seinem Vater Jonah, der immer kränker wird. Jonah scheint vor seinem Sohn ebenso ein Geheimnis zu verbergen wie Lilly vor ihrer Familie. Nebulös werden zunächst Andeutungen gemacht, welches Geheimnis Lilly mit sich trägt. George wirkt in der Situation stur, nachdem er erfahren hat, welches Geheimnis Lilly seit Jahrzehnten vor ihm verheimlichte. Gabe und Mae gehen zunächst auf Distanz, nachdem sie sich einige Jahre nicht gesehen haben. Doch dann zeigen beide ihre wahren Gefühle. Die Geschichte an sich wirkt teilweise verwirrend, geheimnisvoll und zwischen den Figuren liebevoll und harmonisch. Sozusagen eine Mischung aus Höhen und Tiefen. Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt, wobei der zweite Teil des Romans an Unterhaltungswert zunimmt. Des Weiteren wirkt der Schreibstil einfach und unterhaltsam.
Anfangs weckte der Roman bei mir Neugier aufgrund des harmonisch wirkenden Buchcovers. Doch der Anfang der Geschichte verwirrte mich aufgrund der unterschiedlichen Figuren und Zeitperspektiven. Hier hätte ich mir eine ausführliche Erzählung der Figuren am Anfang gewünscht. Da dieser Roman mehr als ein Schicksal beinhaltet, die sich sogar teilweise wiederholen, liest sich dieser Roman warmherzig und unterhaltsam. Dem Roman sind einige Geheimnisse über Generationen geschuldet, die die Autorin schildert.