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Veröffentlicht am 13.01.2020

Teil 2 verwirrt am Ende

1794
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Eins vorweg: den Vorgängerband 1793 habe ich wirklich geliebt. Er ist ein grandiose Mischung aus historischem Roman und Krimi, wobei der Anteil des historischen Romans etwas überwiegt.

Genau die selbe ...

Eins vorweg: den Vorgängerband 1793 habe ich wirklich geliebt. Er ist ein grandiose Mischung aus historischem Roman und Krimi, wobei der Anteil des historischen Romans etwas überwiegt.

Genau die selbe geniale Mischung bietet auch 1794. Jean Michael Cardell fällt nach dem Abschied seines Gefährten Cecil Winge in ein tiefes Loch aus Einsamkeit. Erst als eine Witwe ihn bittet, den Tod ihrer Tochter in deren Hochzeitsnacht zu untersuchen, fängt er an sich am eigenen Schopf aus seinem Elend zu ziehen. Dabei erhält er Unterstützung von unerwarteter Seite.

Ich liebe dieses abgründe Flair welches Niklas Natt och Dag in seinen Büchern erschafft. Bewusst zeigt er hier nicht nur die goldprunkende, angenehme Seite des 18. Jahrhunderts sondern die düstere, schmutzige Realität der einfachen Leute.

Der Plot entfaltet sich spannend und lässt keine Fragen offen, die Charaktere sind angenehm aber nicht allzu tiefgründig ausgearbeitet, allerdings habe ich mir zum Ende hin schon gedacht 'wie will der Autor in dem letzten bisschen Hörbuch noch alle offenen Fragen beantworten?'. Die Antwort ist: er tut es nicht! Und das hat mich enttäuscht. Das Ende der Story war für mich überhastet und unvollständig, es sind noch einige Fragen offen von denen ich mir nicht sicher bin, ob sie in einem eventuell erscheinenden Buch 1795 beantwortet werden.

Eines der wenigen Bücher, bei denen ich sage: es hätte im Endteil der Story MEHR Länge und mehr Ausführlichkeit gebraucht.

Philipp Scheppmann und Louis Friedemann Thiele haben hier als Sprecher allerdings überzeugt. Ihr Vortrag war angenehm und akzentuiert.

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Veröffentlicht am 19.12.2019

Überzeugt nicht

WW - Genial saisonal!
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Ich habe mir dieses Kochbuch besorgt um nach dem Feiertagen wieder richtig mit WW durchzustarten.

Ein kurzes Vorwort zum neuen System bei WW (ehemals Weight Watchers): es gibt jetzt drei Pläne (grün, ...

Ich habe mir dieses Kochbuch besorgt um nach dem Feiertagen wieder richtig mit WW durchzustarten.

Ein kurzes Vorwort zum neuen System bei WW (ehemals Weight Watchers): es gibt jetzt drei Pläne (grün, blau, lila), diese unterscheiden sich darin, dass man entweder mehr Punkte pro Tag hat, dafür aber weniger Lebensmittel die 0 Punkte haben (von denen man also so viel essen kann, wie man will) oder eben weniger Punkte pro Tag, dafür aber mehr der `Zero-Lebensmittel' oder den Mittelweg zwischen beiden anderen Konzepten. Demzufolge haben die Gerichte immer drei verschiedene Punktwerte, jeweils in blau, lila oder grün.

Hinten im Buch sind die Rezepte nochmal nach Kategorien aufgeteilt (nach Punkten je Plan und Zutaten. Das verienfacht die Rezeptsuche.

Das Kochbuch ist in die 4 Jahreszeiten aufgeteilt, die Auswahl der Rezepte ist wirklich saisonal passend indem in fast jedem Gericht mindestens eine absolut Jahreszeot-typische Zutat verwendet wird.

Die Aufteilung mit Zutatenliste, Punktangabe, Zubereitungsschritten und Rezeptfoto ist ästhetisch sehr ansprechend, die Rezepte sind klar formuliert und die meisten gelingen sicher auch Anfängern. Den Seitan mit gegrilltem Lauch und Chutney habe ich bereits probiert und fand das Rezept in seiner Zusammenstellung sehr gelungen.

Eine Sache hat mir leider in doppelter Hinsicht nicht gefallen, diese führt auch zur nur mittelmäßigen Wertung: die Anzahl der fleisch- und fischfreien Rezepte!

Von den 65 Rezepten sind lediglich 29 vegetarisch und davon nur ein Bruchteil vegan. Von diesen nur 31 Rezepten wiederum sind die meisten gar keine richtigen Mahlzeiten (das sind nur 14, diese wiederum zu 50% lediglich Süppchen und Salate, also keine Hauptmahlzeiten), sondern lediglich Smoothies, Kuchen oder Süßspeisen! Das widerspricht schon mal absolut den geltenden Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Ernährung, Fleisch und Fisch sollten nicht täglich verzehrt werden, demzufolge die Auswahl in ihrer Breite schon mal nur wenig gesund ist. Das spricht nicht gerade für die kulinarische Kreativität und den gesundheitlichen Anspruch des hier Pate stehenden Andi Schweiger.

Wiederum negativ ist auch, dass nur die gesamten Gerichte, nicht jedoch die einzelnen Zutaten (wie bei früheren) einen Punktwert haben. Das schränkt Vegetarier und Veganer ein, Gerichte passend abzuwandeln, ebenso verunmöglicht es, Rezepte anzupassen (weglassen oder Mengenerhöhung einer Zutat).

Ein weiterer Minuspunkt sind die vielen schwer zu beschaffenden Zutaten wie z.B. Topinambur und Vadouvan-Gewürz.

In Summe ist dieses Kochbuch, trotz des stattlichen Preises von knapp 20€ nur für aktuelle Kundinnen von WW geeignet, alle anderen (z.B. Altkundinnen von WW wie ich) können die Rezepte nur eingeschränkt verwenden.

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Veröffentlicht am 19.11.2019

Unnötige Längen, sonst ganz interessant

Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle
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Das ist mein erstes Buch von Kiepenheuer & Witsch bei dem ich mich wirklich nicht durchringen kann es besonders gut oder besonders schlecht zu finden.

Aufgrund des Klappentextes war ich davon ...

Das ist mein erstes Buch von Kiepenheuer & Witsch bei dem ich mich wirklich nicht durchringen kann es besonders gut oder besonders schlecht zu finden.

Aufgrund des Klappentextes war ich davon ausgegangen, dass ich den Tod der Evelyn Hardcastle aus 7 verschiedenen Blickwinkeln dargestellt bekomme und man so in Detektiv-Manier den Täter enthüllt. Das ist nicht ganz zutreffend.

Ein Mann wacht im Wald auf, er hat keine Erinnerung mehr an das vergangene und nur noch einen Namen im Kopf. Anna. In blinder Panik rennt er durch den Wald und gelangt in das marode Herrenhaus Blackheath. Dort angekommen, stellt er fest, dass er gar nicht der Mann ist, dem dieser Körper gehört. Jeden Tag wacht er in einem neuen Körper auf und erlebt den gleichen Tag von Neuem. Doch er hat nur 8 Tage und 8 Wirte Zeit Evelyn Hardcastles Mörder zu finden, nur so kann er von Blackheath entkommen.

Das Mystery-Element hat mir sehr gut gefallen, nur zwei Mängel haben mir die Freude an der Geschichte verdorben. Alle Blickwinkel werden sehr langgatmig erzählt, echte Spannung kommt in anfangs nicht auf. Zum anderen war mir Frank Stieren als Hörbuchsprecher bis jetzt nie negativ als Hörbuchsprecher aufgefallen, hier spricht er aber s-Laute oft hoch und pfeifend aus, das war nicht sehr angenehm für meine Ohren.

Wenn man diese Aspekte außen vor lässt, hat man hier einen angenehm düsteren Mystery-Roman.

Veröffentlicht am 29.10.2019

Teil 3 geht die Luft aus

Nenne drei Streichinstrumente: Geige, Bratsche, Limoncello
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Bei 'Nenne drei Streichinstrumente' handelt es sich bereits um den dritten Teil der Reihe 'Nenne drei...' in denen witzige Schülerantworten im Unterricht oder Schularbeiten gesammelt werden. Neu ist, dass ...

Bei 'Nenne drei Streichinstrumente' handelt es sich bereits um den dritten Teil der Reihe 'Nenne drei...' in denen witzige Schülerantworten im Unterricht oder Schularbeiten gesammelt werden. Neu ist, dass auch Lehrerspräche mit dabei sind.

Im direkten Vergleich zu 'Nenne drei Nadelbäume', dem ersten Teil der Reihe, das bei meiner besten Freundin auf dem Klo liegt, flaut dieser Teil leider deutlich ab was die Witzigkeit der Anekdoten angeht. Ich habe dieses Buch auch so gehandhabt wie es gedacht ist, als leichte Lektüre zwischendurch (ratet mal an welchem Ort es bei mir lag...), aber trotzdem wollte der Witz einfach oft nicht zünden. Alles hat sich einwenig wie 'schon mal gelesen' angefühlt.

Wer diese Reihe noch nicht kennt und auf der Suche nach kurzer, witziger Lektüre ist, kann gern zugreifen. Aber man muss nicht alle drei Bücher dieser Reihe gelesen haben.

Veröffentlicht am 14.10.2019

Besser als Teil 1, aber trotzdem nur unteres Mittelmaß

Die Spiegelreisende 2 - Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
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Fangen wir ersteinmal mit einem kurzen Überblick an, worum es in Christelle Dabos Spiegelreisenden-Romanen überhaupt geht:

Nachdem die Welt in Teile zerbrach sind von ihr nur noch Teilstücke übrig die ...

Fangen wir ersteinmal mit einem kurzen Überblick an, worum es in Christelle Dabos Spiegelreisenden-Romanen überhaupt geht:

Nachdem die Welt in Teile zerbrach sind von ihr nur noch Teilstücke übrig die Archen. Auf einer davon, Anima, lebt Ophelia. Sie ist eine junge Dame mit besonderen Talenten, wie fast jeder auf Anima ganz besondere Talente hat. Ophelia kann durch das Berühren von Gegenständen die Gedanken und Gefühle des letzten Besitzers erspüren und sie kann von Spiegel zu Spiegel reisen, als wenn Spiegel Türen für sie wären. Klingt cool? Ist es auch! Nur Ophelia sieht das irgendwie anders und tollpatsch sich murmelnd auf maximaler Diletanzstufe durchs Leben. Das könnte jetzt witzig bis romatisch-komödiantisch werden angesichts der Tatsache, dass sie den großen, hochnäsigen und ziemlich abweisenden Thorn von der Pol- Arche heiraten soll. Doch statt romantischer Komödie vor einem Fantasyhintergrund oder einer tollen Fantasystory gibt es nur Adelintrigen in düster-kaltem Ambiente...

Zweite Teile von Reihen sind dann ja auch immer so eine Sache. Oft sind sie ein wenig der Lückenfüller zwischen dem (hier eher weniger) spannenden Auftakt und dem atemberaubenden Finale, die Mittelteile hängen gern mal ein wenig durch im Spannungsbogen.

Hier ist das glücklicherweise anders. Nach dem wirren und bestenfalls mittelmäßigen Serienauftakt war ich mir unsicher ob ich diese Reihe weiterverfolgen möchte. Aber ich habe mich getraut und wurde belohnt.

Teil 1 (Die Verlobten des Winters) kam noch mit einem Übermaß an Adelspomp und emotionaler Kälte daher und auch Teil 2 mäandert die erste Hälfte des Buches lang mal wieder ziellos und ohne roten Faden herum. Aber dann passiert endlich mehr als infantiles Gezicke der Charaktere! Es verschwinden Personen von der Arche und plötzlich sieht sich Ophelia in diese Geschehnisse verwickelt. Die spannung uns das Tempo steigt (endllich!).

Wer einen langen Leseatem hat, wird hier belohnt. Wer es eiliger hat, liest sich eine spoilernde Rezension zu Teil 1 durch und blättert hier das vordere Drittel des Buches weg und wird ab dann gut unterhalten.

Ich bleibe dabei, die Lobhudeleien der Literatur-Presse über dieses Fantasy-Hype-Buch kann ich leider nicht nachvollziehen. Aber Chapeau an den Insel-Verlag für Umschlaggestaltung und Marketing. Inhaltlich bleibt es aber trotzdem nur unterdurchschnittliche Fantasy, da die Handlung und das schriftstellerische Handwerk eben leider nicht mit der schillernden Welt der Archen mithalten kann.