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Veröffentlicht am 04.05.2021

Rasanter Thriller, der etwas zu kurz geraten ist.

Dunkle Botschaft: Thriller
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"Dunkle Botschaft" ist der vierte Teil um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz und Kriminalkommisar Florian Kessler. Der Band, auch wenn er gelegentlich auf Julias Vorgeschichte verweist, kann auch ohne ...

"Dunkle Botschaft" ist der vierte Teil um die Rechtsmedizinerin Julia Schwarz und Kriminalkommisar Florian Kessler. Der Band, auch wenn er gelegentlich auf Julias Vorgeschichte verweist, kann auch ohne Kenntnis der ersten Bände gelesen werden.

Die Rechtmedizinerin Julia Schwarz obduziert die Leiche einer jungen Frau, die durch einen Stromschlag in der Badewanne ums Leben kam. Was nach einem Unfall aussieht, entpuppt sich schnell als erster Mord eines Serienkillers. Denn an der Leiche hat der Killer eine rätselhafte Botschaft hinterlassen, die schnell zum nächsten Opfer führt. Und das mörderhafte Spiel geht weiter.

Der Band ist mit seinen ca. 318 Seiten für einen Thriller eher kurz. Dementsprechend entwickelt sich die Jagd nach dem Mörder auch sehr schnell. Catherine Shepherd versteht es die Spannung hoch zu halten und das Rätsel um die Person des Killers bis zum Schluss aufrecht zu halten.

Eindrucksvoll fügt Catherine Shepherd die Vorgeschichte eines Jungen ein, der von seinem Großvater bestialisch gequält wird. Die Gefühle und das Leiden des Jungen sind sehr bedrückend geschildert. Wie diese Geschichte mit den Morden zusammenhängt, bietet Spannung bis zum Schluss.

Bei aller Spannung und bei dem durch den guten Stil schnellen Lesefluss, den das Buch bietet (ein echter Pageturner, der es oft schwer macht, das Buch auch mal zur Seite zu legen), hat das Buch für mich auch einige Mängel: Ein kleiner Mangel ist das Cover, das zwar sehr gut aussieht, aber keinen wirklichen Bezug zum Buch hat und mich daher etwas ratlos zurückgelassen hat. Dem Buch merkt man allerdings seine Kürze an. Ich weiß nicht, warum Cathrine Shepherd einige Szenen, besonders den Schluss nicht ausführlicher geschrieben hat (hatte sie einen knappen Abgabetermin?), denn so wirken einige unvollständig und nicht immer schlüssig. Manche Schlussfolgerungen der Ermittler kommen dann auch sehr plötzlich und fast schon überraschend. Vor allem das Ende ist zu knapp ausgefallen. Catherine Shepherd kann das besser. Da hat mir ihr Thriller "Der Blütenjäger" besser gefallen.

Alles im allen aber ein sehr solider und spannender Thriller, den man gut weglesen kann und der einen gut unterhält. Vermutlich wird es nicht das letzte Buch gewesen sein, das ich von Catherine Shepherd lesen werde.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Rasant und spannend - ein Fitzek nach bewährtem Rezept

Das Geschenk
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Milan Berg ist Analphabet und hat seine Methoden gefunden, dies vor seiner Umgebung zu verheimlichen. Als er eines Tages an einer Ampel steht, sieht er im Auto neben sich ein völlig veränstigtes Mädchen, ...

Milan Berg ist Analphabet und hat seine Methoden gefunden, dies vor seiner Umgebung zu verheimlichen. Als er eines Tages an einer Ampel steht, sieht er im Auto neben sich ein völlig veränstigtes Mädchen, das einen Zettel an die Scheibe hält. Auch wenn Milan den Zettel nicht lesen kann, spürt er, dass das Mädchen in großer Gefahr ist. Zusammen mit seiner Freundin Andra verfolgt er das Mädchen und ihre Entführer. Doch auf der Irrfahrt muss er feststellen, dass ihn mit dem Mädchen mehr verbindet als ihm lieb ist. Denn er muss sich seiner eigenen Vergangenheit stellen, doch manchmal ist Unwissenheit das größte Geschenk auf Erden. Und die Grenze zwischen Gut und Böse ist oft nicht zu erkennen.

Der Titel "Das Geschenk" hat meiner Meinung nach nicht so viel mit der Handlung zu tun. Zwar spielt ein "Geschenk" an zwei Stellen eine Rolle, allerdings wirkt die Bezeichnung "Geschenk" in beiden Fällen eher aufgesetzt. Ich denke hier hatte eher der Werbeeffekt eine Rolle gespielt, denn die Präsentation des Buches als Geschenk wirkt schön (ähnlich wie ja schon bei "Das Paket"), andererseits hat Fitzek ja im Vorfeld damit geworben, eineigen Lesern das Buch persönlich als Geschenk zu überreichen. Netter Werbe-Gag, aber als Titel eher unpassend bzw. aufgesetzt.

Auch in seinem neuen Thriller hält sich Fitzek an sein bewährtes Konzept. In einer schnellen Abfolge jagt er seine Protagonisten von einem Ort zum anderen. Lässt sie viele Entdeckungen machen, nur um sofort wieder neue Fragen aufzuwerfen. Seine Figuren werden dabei ein ums andere Mal an die Grenzen der körperlichen und psychischen Belastbarkeit geführt. Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht der verschiedenen Personen geschrieben, sind kurz und bieten fast immer einen Cliffhanger, so dass man oft schnell weiterlesen kann und will. Entstanden ist wieder mal ein rasanter Thriller, den man schnell wegliest und bei dem man sich gut unterhalten fühlen kann.

Natürlich muss man auch die für Fitzek typischen Abstriche machen, die man als Fitzek-Fan aber auch mal gerne in Kauf nimmt. Die Story ist zwar spannend und bietet viel, manchmal gar zu viel, denn das Thema Analphabetismus, das viele Möglichkeiten bietet, hätte mehr Möglichkeiten geboten. Einzelne Motive haben mich zuweilen auch an andere Fitzek-Thriller erinnert (Splitter, Abgeschnitten) Auch funktioniert die Handlung nur, weil ziemlich viele Zufälle die Handlung am Laufen halten. Auch strapazieren manche Handlungselemente die Glaubwürdigkeit. Doch dies ist man bei Fitzek ja durchaus gewöhnt und verzeiht es durchaus, wenn die Handlung einen mitreißen kann.

Insgesamt eine durch gelungene Fitzek-typische Unterhaltung. Nicht sein bestes Werk, aber mir hat es zwei Tage Spannung geboten.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Traditionelle englische Weihnachten - von Stuart MacBride mörderisch interpretiert

Zwölf tödliche Gaben
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Die Tage vor Weihnachten im schottischen Oldcastle sind nichts für schwache Nerven, denn dort scheinen vor allem Gangsterbosse, Kleinkriminelle und Leute, die für ihre Ziele über Leichen gehen, zu wohnen.

Stuart ...

Die Tage vor Weihnachten im schottischen Oldcastle sind nichts für schwache Nerven, denn dort scheinen vor allem Gangsterbosse, Kleinkriminelle und Leute, die für ihre Ziele über Leichen gehen, zu wohnen.

Stuart MacBride lässt in zwölf Kurzgeschichten eben diese Leute aufeinandertreffen und das geht niemals gut aus. Dass dieses kleine Bändchen (159 Seiten) aber mehr als eine Sammlung von 12 Geschichten ist, ist die große Stärke des Buches. Denn die Geschichten bilden fast so etwas wie einen Oldcastle-Zyklus, denn immer wieder tauchen in den Geschichten Personen und Motive auf, die wir schon aus vorherigen Geschichten kennen, zum anderen benutzt Stuart MacBride das alte traditionelle englische Weihnachtgedicht "The twelve days of Christmas" als roten Faden, das am Anfang des Bandes auch abgedruckt ist. Die in den zwölf Strophen des Gedichts genannten Geschenke werden von Stuart MacBride auf seine ganz eigene Art gedeutet und führen zu Diebstahl, Mord und Missbrauch und an so verschiedene Orte wie ein Nobelrestaurant, eine Villa, die Zentrale eine Sex-Hotline und eine Leichenhalle.

Für mich war das Bändchen dieses Jahr mein persönlicher Adventskalender, der mich sehr gut unterhalten hat. Lediglich die teilweise sehr deftige Brutalität hat mich etwas gestört, auch wenn sie nie wirklich unpassend war.

Interessant war für mich dann aber auch, wie bekannt dieses (schon sehr alte) Gedicht ist und dass es eine sehr bekannte musikalische Interpretation (einschließlich einiger Parodien gibt), z.B. auch von John Denver mit den Muppets: https://youtu.be/8ygW5hLgnn4.

Im dem Sinne wünsche ich allen eine besinnliche und friedvolle Weihnachtszeit.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Tödliche Tattoos - Jagd auf einen Mörder mit zwei Blicken in die Vergangenheit

Der Giftzeichner
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Solider 11. Fall für Sachs und Rhyme, mit einem Twist zu viel
Mit „Der Giftzeichner“ schickt Jeffery Deaver das Ermittlerpaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs bereits zum elften Mal auf die Jagd nach einem ...

Solider 11. Fall für Sachs und Rhyme, mit einem Twist zu viel
Mit „Der Giftzeichner“ schickt Jeffery Deaver das Ermittlerpaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs bereits zum elften Mal auf die Jagd nach einem perfiden Serienmörder. Dieser kommt durch die New Yorker Versorgungstunnel zu seinen Opfern, um diese dann mit einer vergifteten Tätowierung grausam umzubringen. Diese Tattoos bilden den Teil einer Botschaft, die Rhyme und sein Team entschlüsseln müssen. Und auch Rhyme und sein Team geraten in den Blick des Killers. Ein erster Hinweis weist auf den Knochenjäger (bekannt aus Band 1) hin. Doch auch der Tod eines anderen, ihm gut bekannten Killers beschäftigt Rhyme.
Insgesamt ist „Der Giftzeichner“ wieder ein solider Thriller, doch dieses Mal hat Deaver etwas zu viel hinein gepackt. So legt er auf der Suche und Jagd nach dem Giftzeichner viele Spuren, doch dadurch fehlt es dem Mittelteil zuweilen an Spannung und es zieht sich etwas. Dafür nimmt die Handlung dann am Ende wieder rasant an Fahrt auf. Wie von Deaver gewohnt, gibt es am Ende einige raffinierte Twists, die wieder Spannung bringen, doch ist es dieses Mal ein Twist zu viel, so dass die letzten Seiten durchaus entbehrbar gewesen wären.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Humorvolle Dystopie einer Welt, auf die wir zusteuern

QualityLand (QualityLand 1)
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Eine voll digitalisierte Welt, wo keiner mehr Kontrolle über seine Daten hat
Peter Arbeitsloser, benannt nach dem Beruf seines Vaters, lebt in Qualityland, alle Daten werden gesammelt, die Menschen werden ...

Eine voll digitalisierte Welt, wo keiner mehr Kontrolle über seine Daten hat
Peter Arbeitsloser, benannt nach dem Beruf seines Vaters, lebt in Qualityland, alle Daten werden gesammelt, die Menschen werden in Level eingeteilt, und das System – das keine Fehler macht – bringt für jeden personalisierte Werbung, den passenden Partner und der Versandhandel bringt einem alles, bevor man weiß, dass man es braucht. Mit anderen Worten alles ist OK, oder besser gesagt am OKsten. Doch als Peter etwas geliefert bekommt, was er nun wirklich nicht will, kommt er ins Grübeln über seine Welt.
Marc-Uwe Kling ist eine humorvolle Dystopie gelungen, die unseren Weg in die vollständige Digitalisierung und das Ausschlachten unserer Daten, um unser Leben zu optimieren, weiterdenkt und dabei durchaus einen wahren Kern trifft.
Die Romanhandlung selbst ist eher einfach gehalten, andere Dystopien wie Orwells „1984“ haben da mehr Tiefgang. Grundsätzlich findet man nicht viele neue Gedanken. Den Reiz liegt dann in der Aktualisierung, denn der weltweit größte Onlinehandel TheShop, der schon vorher weiß, was man benötigt, hat wohl nicht zufällig Ähnlichkeiten mit einem real existierenden Online-Händler. Dennoch unterhält der Roman mit seinem Humor und regt dann durchaus auch mal zum Nachdenken an, ob es nicht eher erschreckend ist, was in Qualityland passiert und ob wir nicht schon selbst in Qualityland leben.
Was mir persönlich gefallen hat, ist die Idee, die Handlung immer wieder mit (Qualityland-)Werbung oder Social-Media Beiträge nebst den dazugehörigen Kommentaren zu unterbrechen (die dann im Buch weiß auf schwarz gedruckt sind). Schon das Impressum bietet etwas zum Schmunzeln .
Insgesamt ein guter, nicht allzu anspruchsvoll geschriebener Roman, der auf humorvolle Art unterhält und zum Nachdenken anstoßen kann, auch wenn er nicht den Tiefgang von Orwell, Huxley oder Bradbury hat.
Dennoch eine Leseempfehlung für einen schönen Lesetag.

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