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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.10.2016

Interessanter Überblick

Das Alphabet des Denkens
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Die Autorinnen befassen sich hier mit Sprache in allem möglichen Facetten.
Sie überlegen beispielsweise, ob es wirklich ein Zufall ist, dass Wörter, die mit Kr beginnen (Krieg, Krise, Krampf …) häufig ...

Die Autorinnen befassen sich hier mit Sprache in allem möglichen Facetten.
Sie überlegen beispielsweise, ob es wirklich ein Zufall ist, dass Wörter, die mit Kr beginnen (Krieg, Krise, Krampf …) häufig eine negative Bedeutung haben, was man aus den Schimpfwörtern, die wir benutzen, über uns und unsere Gesellschaft ableiten kann oder wie Methapern entstanden sind und was sie über ihre Verwender verraten.
Kann man von den Wörtern, die jemand gebraucht, auf die Persönlichkeit schließen? Was hat die oftmals unnötig komplizierte Ausdrucksweise mancher Politiker zu bedeuten? Und ist es tatsächlich richtig, dass Leute mit verschiedenen Muttersprachen die Welt auf unterschiedliche Weise wahrnehmen?

Die Antworten, welche Linguisten auf diese und viele andere Fragen geben, haben sich im Laufe der Zeit oftmals grundlegend gewandelt und vieles ist auch heute noch heftig umstritten.
Daher besteht ein wesentlicher Teil dieses Buches darin, die Ergebnisse diverser Studien vorzustellen, in denen Wissenschaftler mit oftmals geschickt konstruierten Versuchsanordnungen dem Einfluss der Sprache auf die Spur kommen wollten.

So werden hier viele interessante Themen angesprochen. Ich hätte mir allerdings eine etwas tiefergehendere Auseinandersetzung mit den einzelnen Punkten gewünscht, es handelt sich oftmals doch eher um eine Aneinanderreihung von Fakten.
Dennoch gewährt dieses Werk spannende Einblicke und eignet sich gut als Einstieg in ein faszinierendes Sachgebiet.

Veröffentlicht am 25.10.2016

Typischer Dan Brown

Inferno
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Nachdem sein letztes Werk „Das verlorene Symbol“ für mich enttäuschend ausgefallen war, hat Dan Brown hier wieder zu seiner alten Form zurückgefunden.

Im Prinzip folgt auch dieses Buch dem bekannten ...

Nachdem sein letztes Werk „Das verlorene Symbol“ für mich enttäuschend ausgefallen war, hat Dan Brown hier wieder zu seiner alten Form zurückgefunden.

Im Prinzip folgt auch dieses Buch dem bekannten Schema: Der große Held Robert Langdon, der über ein umfassendes Wissen bezüglich sämtlicher historischer und kultureller Epochen verfügt und darüber hinaus mit einer beinahe übermenschlichen körperlichen Kondition ausgestattet ist, rast in einer Art Schnitzeljagd von einem geschichtsträchtigen Schauplatz zum nächsten, wobei er immer weitere Hinweise enträtseln muss, um schließlich ein großes Geheimnis lüften zu können.
Eine interessante Variation des üblichen Ablaufs wird diesmal aber dadurch eingebaut, dass Langdon von Beginn an unter Gedächtnisverlust leidet und sich erst nach und nach herauskristallisiert, was in den letzten zwei Tagen vor dem Einsetzen der Handlung geschehen ist.

Die Auflösung, wie es zu seiner Verletzung gekommen ist und von wem er aus welchen Gründen verfolgt wird, ist dann allerdings einigermaßen unglaubwürdig und unrealistisch.
Auch sonst wirkt die Aufklärung der Vorgänge, die sich um ein Meisterwerk der mittelalterlichen Literatur sowie um einen Irren, der das Problem der Überbevölkerung lösen will, drehen, reichlich übertrieben. Eine Katastrophe von etwas geringerem und realistischerem Ausmaß hätte es auch getan.
Außerdem gibt es einige Ungereimtheiten und die wahren Motivationen einiger Protagonisten bleiben teilweise im Dunkeln.

Der Erzählstil ist so, wie man es von dem Autor gewöhnt ist – mit kurzen Kapiteln, die alle mit einem mehr oder weniger spannenden Cliffhanger enden. Auf diese Weise wird immerhin eine interessante Dynamik erzeugt, die zum Weiterlesen motiviert. Obwohl vieles vorhersehbar ist, gibt es dennoch auch ein paar überraschende Wendungen und außerdem merkt man, dass der Autor sich bei der Recherche einige Mühe gegeben hat.

Fazit: Natürlich darf man hier kein literarisches Meisterwerk erwarten. Leser, denen Dan Browns bisherige Romane gefielen, werden aber auch an Robert Langdons viertem Abenteuer ihre Freude haben.

Veröffentlicht am 17.10.2016

Habsburger und andere Österreicher

Franz Josephs Land
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Heuer jährt sich der Todestag von Kaiser Franz Josef zum 100. Mal. Sein Ableben markierte das Ende einer Ära, einer 68-jährigen Regierungszeit, die von einer Reihe an Umbrüchen geprägt war, in der Vieles ...

Heuer jährt sich der Todestag von Kaiser Franz Josef zum 100. Mal. Sein Ableben markierte das Ende einer Ära, einer 68-jährigen Regierungszeit, die von einer Reihe an Umbrüchen geprägt war, in der Vieles aber auch erstaunlich konstant blieb. Danach ließ auch das Ende des Habsburger-Reiches nicht mehr lange auf sich warten.
Martin Haidinger nimmt dies zum Anlass, einen Blick auf die Geschichte Österreichs und vor allem der Menschen, die diese prägten, zu werfen.
Dabei ist natürlich zunächst und immer wieder die Frage zu klären, was in der jeweiligen Epoche überhaupt unter dem Begriff „Österreich“ verstanden wurde, wobei sich zeigt, dass diesbezüglich oftmals mehrere Bedeutungen parallel existierten.

Der Autor unternimmt einen Streifzug durch die Jahrhunderte, wobei die Zeit vor dem Mittelalter nur überblicksartig, die Geschehnisse nach 1918 sogar überhaupt nicht angesprochen werden. Bekannte Namen wie Rudolf I, Maria Theresia und selbstverständlich Sissi tauchen auf, aber auch (bisweilen zu Unrecht) in Vergessenheit geratene Persönlichkeiten finden Beachtung.
Zwar werden einige interessante Details genannt, der Schwerpunkt liegt jedoch auf den großen Zusammenhängen und Entwicklungslinien. Dabei wird auch immer wieder erwähnt, welche langfristigen, teilweise bis heute nachwirkenden, Folgen die beschriebenen Ereignisse hatten.

Die Darstellung bewegt sich großteils im Rahmen des in diesem Bereich üblichen, wenngleich ein paar Themen aus einer etwas ungewöhnlicheren Perspektive betrachtet werden. Der Inhalt geht nicht besonders in die Tiefe und es werden doch einige Klischees bedient.
Der Stil ist leicht lesbar, teilweise etwas (zu) flapsig, aber durchaus unterhaltsam.

Veröffentlicht am 26.09.2016

Zwei Frauenschicksale in Norwegen

Das Geheimnis der Mittsommernacht
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1895 in der Norwegischen Bergbaustadt Roros: Sofie, Tochter des einflussreichen Bergwerksbesitzers Ivar Svartstein leidet nach dem Tod ihrer Mutter zunehmend unter der Strenge ihres Vaters und der Gefühlskälte ...

1895 in der Norwegischen Bergbaustadt Roros: Sofie, Tochter des einflussreichen Bergwerksbesitzers Ivar Svartstein leidet nach dem Tod ihrer Mutter zunehmend unter der Strenge ihres Vaters und der Gefühlskälte ihrer Schwester. Sie träumt von einem freien, selbstbestimmten Leben, das sie auch als Frau nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten möchte.
Die junge Deutsche Clara Ordal ist inzwischen nach dem ebenso unerwarteten wie tragischen Tod ihres aus Norwegen stammenden Mannes gemeinsam mit ihrem sechsjährigen Sohn Paul in Roros gestrandet. Die meisten Bewohner, darunter auch ihre Schwiegereltern, treten ihr ablehnend gegenüber, mit der Zeit findet sie aber auch einige Verbündete.

Diese Geschichte wird abwechselnd aus Sofies und Claras Perspektive erzählt, sodass man sich gut in die beiden hineinversetzen und mit ihnen mitfühlen kann. Es ist schön, sie auf ihrem Weg zu begleiten.
Daneben werden auch immer wieder interessante Informationen über Land und Leute eingeflochten, beispielsweise zur damaligen politischen Situation oder zum Leben der Bergleute.
Da die einzelnen Kapitel meistens mit einem kleinen Cliffhanger enden, wird außerdem einige Spannung erzeugt. Dennoch ist der Erzählstil eher ruhig, aber nichtsdestotrotz mitreißend.
Es treten eine Reihe von Protagonisten auf, die großteils nachvollziehbar gezeichnet sind. Ein paar davon sind aber fast ein bisschen zu nett und freundlich.

Außerdem ist die Handlung für meinen Geschmack zu sehr auf Happy End getrimmt. Für manche Probleme findet sich eine zu einfache Lösung und einiges wirkt übertrieben oder unrealistisch. Auch die Auflösung, worum es sich bei dem „Geheimnis der Mittsommernacht“ handelt, konnte nicht ganz überzeugen. Sie geht zu schnell und viele Fragen und Zusammenhänge bleiben offen.

Dennoch ermöglicht es dieser Roman wunderbar, in eine fesselnde Geschichte in einem faszinierenden Land einzutauchen.

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Veröffentlicht am 25.09.2016

Drama um Lina

Rot wie Schnee
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Zoe Beck erzählt hier die Geschichte der 16-jährigen Lina, die sich von ihren Eltern unverstanden und im Vergleich zu ihrer „perfekten“ Schwester Emily ungeliebt fühlt, in der Schule eine Außenseiterin ...

Zoe Beck erzählt hier die Geschichte der 16-jährigen Lina, die sich von ihren Eltern unverstanden und im Vergleich zu ihrer „perfekten“ Schwester Emily ungeliebt fühlt, in der Schule eine Außenseiterin ist und ihre Probleme durch destruktive Verhaltensweisen zu bekämpfen sucht.
Dies ist kein klassischer Thriller mit großen Spannungsmomenten, der Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Darstellung von Linas Innenwelt, ihren Erlebnissen und Gedanken, die von der Autorin mit viel psychologischem Einfühlungsvermögen geschildert werden.
Trotz seiner Kürze ein Buch, das zum Nachdenken anregt.