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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.12.2018

Pias persönlicher Fall

Muttertag (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 9)
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Theodor Reifenrath wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Niemand hatte ihn als vermisst gemeldet, so lang er nun schon über eine Woche in seiner Wohnung. Auf den ersten Blick sieht es nach einem natürlichen ...

Theodor Reifenrath wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Niemand hatte ihn als vermisst gemeldet, so lang er nun schon über eine Woche in seiner Wohnung. Auf den ersten Blick sieht es nach einem natürlichen Tod aus. Allerdings sieht die Wohnung so aus, als hätte jemand was gesucht – Reifenraths Wertsachen fehlen. War es Raubmord? Und wo ist eigentlich Reifenraths Hund? Diesen finden die Ermittler im Hundezwinger – allerdings nicht allein. Unter ihm liegen die Gebeine eines Menschen. Ein neuer Fall für Oliver von Bodenstein und Pia Sander.

Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen. An Nele Neuhaus‘ Krimis finde ich so klasse, dass sie voll mit Ermittlungsarbeit sind. Hier ist es nicht Königzufall, der alles löst, sondern eben noch die guten alten Ermittler. Ich kenne kaum Krimis, in denen so viele Menschen befragt werden wie in der Bodenstein/Sander-Reihe.
Den Schreibstil von Nele Neuhaus mag ich sehr. Er ist angenehm und flüssig zu lesen. Und meist recht detailliert ohne langweilig zu wirken. Ich habe bei ihren Krimis immer ein Kino im Kopf.
Für mich war es von Anfang an sehr spannend. Während dem Lesen ging es mir wie den Ermittlern, ich hatte einen Verdächtigen nach dem anderen. Vor allem das Ende war sehr fesselnd. Eigentlich wollte ich vor den letzten 100 Seiten aufhören zu lesen und schlafen gehen, doch ich könnte einfach nicht aufhören und habe das Buch dann noch zu Ende gelesen.
Wie auch schon im letzten Band „Im Wald“ gab es sehr viele handelnde Personen, so dass man doch anfangs stark überfordert war und nicht mehr wusste, wer wer ist. Vor allem, da es sich meist um Pflegekinder von Theodor Reifenrath handelte. Aber mit der Zeit hatte ich die Namen im Griff und fand mich gut zurecht!
Erzählt werden zunächst zwei Erzählstränge, bei denen man nicht weiß wie sie zusammenhängen sollen – ob sie überhaupt zusammenhängen. Auf der einen Seite die Ermittlungen zum toten Theodor Reifenrath im Taunus und auf der anderen Seite Fiona Fischer, die in der Schweiz lebt. Zwischendurch kommt auch immer wieder der Täter zu Wort, was interessant ist und einem seine Beweggründe aufzeichnet. Allerdings einem nicht verrät, wer er denn nun ist. Das finde ich immer super. Ich möchte gerne auch erst am Ende erfahren, wer der Täter ist.
Ich bin ja ein richtiger Fan von Pia Sander! Oliver von Bodenstein mag ich auch, aber Pia ist mir noch ein Ticken sympathischer. Vor allem ihr Bauchgefühl ist spitze, so kommt sie früher oder später doch noch jedem auf die Schliche. Dieser Fall wird, nach dem der letzte von Bodensteins persönlicher Fall war, nun Pias persönlicher Fall. Ob sie objektiv genug bleiben kann, um dem Täter aufzuspüren?

Als Fan der Reihe bin ich vollkommen begeistert. Deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen. Für Neueinsteiger ist dieser Band allerdings eher nicht zu empfehlen. Ich schätze die Meisten werden von den vielen Personen abgeschreckt und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Deshalb würde ich Neueinsteigern, doch lieber einen älteren Band empfehlen.
Ein lustiges Schmankerl zu diesem Buch. „Muttertag“ ist das erste Hardcover, das uneingeschweißt auf den Markt kam, dafür wird in der Handlung sehr viel Plastikfolie verbraucht.

Veröffentlicht am 29.11.2018

Nichts im Leben passiert grundlos

Die verlorene Schwester
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Anna ist Anfang dreißig und lebt als Investmentbankerin in Zürich. Ihr Leben scheint so weit in Ordnung, doch dann erfährt sie, dass sie adoptiert wurde. In Wirklichkeit ist sie nicht die Tochter einer ...

Anna ist Anfang dreißig und lebt als Investmentbankerin in Zürich. Ihr Leben scheint so weit in Ordnung, doch dann erfährt sie, dass sie adoptiert wurde. In Wirklichkeit ist sie nicht die Tochter einer Anwaltsfamilie, sondern wurde in einem Gefängnis in der Schweiz geboren. Auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter erfährt Anna einiges über die Verdingkinder, die es bis in die 80er Jahre in der Schweiz gab. Der Leser erfährt parallel zu Annas Geschichte, die Geschichte von Marie und Lena – zwei Verdingkindern in den 70ern. Auf tragische Weise kamen sie zur Fürsorge und wurden von da an weitergereicht.

Abwechselnd werden die Geschichten von Marie und Lena, sowie von Anna erzählt. So kann sich der Leser Schritt für Schritt selbst die Geschichte zusammensetzen. Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen. Er wirkte sehr authentisch und gut recherchiert. Etwas verwirrt hat mich, dass ich immer das Gefühl hatte, dass sich Marie und Lena in den 40ern befinden, dabei schrieben wir schon das Jahr 1970. Ich fand es sehr überraschend, dass es tatsächlich zu dieser Zeit noch Verdingkinder gab.
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen – er war angenehm und flüssig zu lesen. Linda Winterberg hat es wunderbar geschafft, durchgehend die Spannung zu halten. Gerne gab es am Ende einer Perspektive einen Cliffhanger. So fiel es mir sehr schwer, das Buch überhaupt noch aus der Hand zu legen. Die Gefühle der Charaktere kamen sehr gut rüber und als Leser war es einfach, sich in sie hineinzuversetzen. Die Charaktere haben tatsächlich alle ihr eigenes Gesicht, jeder seinen eigenen, speziellen Charakter, wodurch man sie sehr gut auseinanderhalten kann. Sehr gefallen hat mir Anna Entwicklung. Von der toughen Investmentbankerin Anna entwickelt sie sich zu der menschlichen Regula. Es war sehr erschreckend zu lesen, wie schlecht es Lena erging. Schön fand ich, dass Maries Schicksal zeigte, dass es nicht jedem Verdingkind schlecht geht, allerdings gab es auch bei ihr Schattenseiten.

Mir hat die Lektüre dieses Romans sehr viel Spaß gemacht und ich habe nichts an ihm auszusetzen, deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen. Da ich festgestellt habe, dass dies nicht der erste Roman der Autorin ist, werde ich mir wohl noch die anderen anschauen.

Veröffentlicht am 07.11.2018

Sehr spannendender Krimi

Rachewinter
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In Leipzig wird der Vater von Jasmins Freundin tot aufgefunden. War es ein tragischer Unfall oder, wie Pulaski vermutet, Mord? Die Leiche wird freigegeben, doch Pulaski ermittelt auf eigene Faust und dann ...

In Leipzig wird der Vater von Jasmins Freundin tot aufgefunden. War es ein tragischer Unfall oder, wie Pulaski vermutet, Mord? Die Leiche wird freigegeben, doch Pulaski ermittelt auf eigene Faust und dann kommt es zu weiteren Toten. Parallel dazu soll Evelyn Meyer in Wien ein Mandat annehmen. Zu ihr kommt der Sohn eines erfolgreichen Geschäftsmanns, er wird des Mordes verdächtigt.

Dies ist nun der dritte Teil der Rache-Reihe. Wieder einmal ermitteln Pulaski und Evelyn an unterschiedlichen Fällen, bis sie plötzlich zusammentreffen. Dieses Zusammentreffen wirkt immer etwas konstruiert, zufällig und unrealistisch. Aber es ist nun mal für die Handlung nötig, deshalb kann ich darüber hinwegsehen. Immerhin liegen zwischen den einzelnen Bänden immer mehrere Jahre, somit kommt es wenigstens nicht alle paar Monate zu solchen Zufällen.
Die Geschichte um diesen Fall war klasse! Sehr verzweigt und längere Zeit undurchschaubar. Spannend war es alle mal. Auch am Ende gibt es wieder einen Showdown. Erzählt wird die Handlung wieder immer abwechselnd, kapitelweise, aus Pulaskis und Evelyns Sicht. So kann man als Leser gleich anfangen die Puzzleteile zusammenzusetzen. Die Kapitel sind sehr kurz, wodurch man immer wieder dazu verleitet wird noch eines zu lesen. So sind die knapp 600 Seiten sehr schnell um. Anfangs war ich über die Seitenzahl etwas erschrocken und befürchtete, dass sich die Geschichte ziehen wird. Aber das war zu keiner Zeit der Fall. Ich bin ja gespannt, ob die vier Jahreszeiten noch beendet werden.
Die Charaktere gefallen mir in dieser Reihe sehr gut. Selbst die Nebencharaktere sind durchdacht und ausgebaut. Pulaski und Evelyn habe ich nach diesen drei Bänden richtig ins Herz geschlossen. In diesem Fall ist Pulaskis Tochter persönlich betroffen. Denn der erste Tote ist der Vater ihrer besten Freundin, somit ermitteln die beiden als Hobbydetektive mit – zu Pulaskis Leidwesen. Das bringt auch noch etwas Spannung mit rein.
Das Thema, das in diesem Band behandelt wird wurde sehr gut umgesetzt. Um welches Thema es sich handelt will ich an dieser Stelle nicht verraten, da somit die Spannung des halben Krimis raus wäre.
Mir hat dieser Krimi sehr gut gefallen und ich habe nichts an ihm auszusetzen. Band drei hat mir bisher am besten von alle Rache-Bänden gefallen. Ich vergebe volle fünf von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 27.10.2018

Sehr schönes Kinderbuch

Der Räuber Hotzenplotz 1: Der Räuber Hotzenplotz
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Vom Räuber Hotzenplotz hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört. Die Bücher waren mir bisher allerdings fremd. Ich habe nur einmal ein Puppenspiel gesehen. In diesem kleinen Büchlein erleben Kasperls ...

Vom Räuber Hotzenplotz hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört. Die Bücher waren mir bisher allerdings fremd. Ich habe nur einmal ein Puppenspiel gesehen. In diesem kleinen Büchlein erleben Kasperls und Seppel ein Abenteuer mit Räuber Hotzenplotz. Selbst als Erwachsener ist man gespannt, wie es weitergeht. Super fand ich ja so manch einen Ausdruck. Beispielsweise „staatlich geprüfter Kartoffelkistendeckelzunagler“ oder den Namen des Zauberers Petrosilius Zwackelmann. Diese Geschichte ist sicherlich eine sehr fesselnde Geschichte für Kinder. Allein schon was der Räuber Hotzenplotz nun mit seiner Pfefferpistole anstellt. Er wird doch nicht auf das Kasperl schießen? Empfohlen ist dieses Buch ab 6 Jahren. Vorlesen kann man es sicherlich schon früher. Allerdings beim Selberlesen, muss ich sagen, dass mir die Schrift für Sechsjährige etwas zu klein erscheint. Sehr schön sind auch die abgedruckten Schwarzweiß-Zeichnungen. Sie sind sehr passend gewählt und sehr detailliert. In ihnen kann man sich richtig verlieren. Da die Zeichnungen noch schwarzweiß sind, verleiten sie gerade dazu sie auszumalen. Die Geschichte besteht aus 21 recht kurzen Kapiteln – insgesamt umfasst das Buch 124 Seiten – so dass ein eingeteiltes Vorlesen ermöglicht wird. Der Schreibstil ist sehr gut. Er ist zwar kindergerecht, aber dennoch auf einem gewissen Niveau. Da gibt es definitiv auch andere Kinderbücher…
Für mich ist Räuber Hotzenplotz einen echter Kinderbuchklassiker, der in jedem Kinderzimmer seinen Platz finden sollte. Deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen.

Veröffentlicht am 23.10.2018

Sehr schöner Roman

Das Mädchen mit dem Edelweiß
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Bei Katie in L.A. ist zur Zeit einiges los. Sie befindet sich gerade in Scheidung und ihr Vater leidet an Demenz und ist nun in einem Heim. Dies nutzt Katie, um ein bisschen Klarschiff zu machen und die ...

Bei Katie in L.A. ist zur Zeit einiges los. Sie befindet sich gerade in Scheidung und ihr Vater leidet an Demenz und ist nun in einem Heim. Dies nutzt Katie, um ein bisschen Klarschiff zu machen und die Briefmarkensammlung ihres Vaters schätzen zu lassen. Dabei entdeckt der Philatelist Benjamin einen ungeöffneten Brief aus dem Jahr 1938 mit einer österreichischen Briefmarke. Katies und Benjamins Neugierde ist geweckt und sie beginnen nach der Empfängerin zu suchen.

Erzählt wird die Geschichte in zwei Zeitebenen. Zunächst lernen wir Katie in Kalifornien im Jahr 1989 kennen, die mit diesem geheimnisvollen Brief zu Benjamin kommt. Parallel dazu lernen wir Christoph kennen. Er ist in einem Waisenhaus in Wien aufgewachsen. Bei Familie Faber, in einem österreichischen Dorf im Jahre 1938, fühlt er sich zum ersten Mal heimisch. Er entdeckt sogar den jüdischen Glauben der Fabers für sich. Schnell wird der Zusammenhang dieser Erzählstränge klar – die Briefmarke!
Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er war angenehm und flüssig zu lesen und zudem sehr fesselnd. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und besitzen Tiefe. Schnell konnte ich mich in sie hineinversetzen. Auch die Atmosphäre, vor allem die Österreichs, wirkt sehr authentisch. Beim Lesen wird man selbst ins Jahr 1938 versetzt. Auch die Szenen des Mauerfalls 1989 sind sehr authentisch beschrieben. Das fand ich besonders interessant, dass auch der Mauerfall ein Thema ist. Diese Kombination aus Zweiter Weltkrieg und Mauerfall fand ich klasse. Es zeigte, wie oft es in Deutschland dazu kam, dass Menschen voneinander getrennt wurden.
Die Erzählperspektive wechselt immer wieder. Einmal ist es ein allwissender Erzähler, ein anderes Mal spricht die handelnde Person selbst. Das war teilweise etwas verwirrend, aber hat immer gut gepasst. So behält der Leser den Überblick, weiß aber dennoch was einzelne Charaktere denken und fühlen.

Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen und deshalb vergebe ich volle fünf von fünf Sternen.