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Veröffentlicht am 16.02.2022

Was will uns die Geschichte sagen?

Zum Paradies
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Klappentext:
„1893, in einem Amerika, das anders ist, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen: New York gehört zu den Free States, in denen die Menschen so leben und so lieben, wie sie es möchten – ...

Klappentext:
„1893, in einem Amerika, das anders ist, als wir es aus den Geschichtsbüchern kennen: New York gehört zu den Free States, in denen die Menschen so leben und so lieben, wie sie es möchten – so jedenfalls scheint es. Ein junger Mann, Spross einer der angesehensten und wohlhabendsten Familien, entzieht sich der Verlobung mit einem standesgemäßen Verehrer und folgt einem charmanten, mittellosen Musiklehrer.
1993, in einem Manhattan im Bann der AIDS-Epidemie: Ein junger Hawaiianer teilt sein Leben mit einem deutlich älteren, reichen Mann, doch er verschweigt ihm die Erschütterungen seiner Kindheit und das Schicksal seines Vaters.
2093, in einer von Seuchen zerrissenen, autoritär kontrollierten Welt: Die durch eine Medikation versehrte Enkelin eines mächtigen Wissenschaftlers versucht ohne ihn ihr Leben zu bewältigen – und herauszufinden, wohin ihr Ehemann regelmäßig an einem Abend in jeder Woche verschwindet.
Drei Teile, die sich zu einer aufwühlenden, einzigartigen Symphonie verbinden, deren Themen und Motive wiederkehren, nachhallen, einander vertiefen und verdeutlichen: Ein Town House am Washington Square. Krankheiten, Therapien und deren Kosten. Reichtum und Elend. Schwache und starke Menschen. Die gefährliche Selbstgerechtigkeit von Mächtigen und von Revolutionären. Die Sehnsucht nach dem irdischen Paradies – und die Erkenntnis, dass es nicht existiert. Und all das, was uns zu Menschen macht: Angst. Liebe. Scham. Bedürfnis. Einsamkeit.“

Nach „Ein wenig Leben“ vergöttere ich Autorin Hanya Yanagihara zutiefst.
Dieses Buch hier lässt mich aber enttäuscht und auch ein wenig ratlos zurück. Gleich vorab: ich lese so gut wie nie Dystopien, aber wenn Yanagihara eine schreibt, zumindest in Teilen, wollte ich es gern versuchen.
Wir Leser werden hier in drei Zeitenstränge entführt. Zeit Nummer 1: man könnte hier meinen, man lese die abgewandelte Geschichte vom Aschenputtel. Die Zeiten waren andere, keine Frage, aber hier wird eine Utopie gelesen und keine Realität. Punkt. Nun gut. Die Geschichte Anfang der 90er spielt ebenfalls wieder in New York und auch hier erleben wir wieder eine Geschichte eines männlichen Paares. Der Name „David“ (vielleicht soll das eine Annäherung auf den biblischen König von Juda und Israel sein, der Jonatan mehr liebte als die Frauenliebe überhaupt? Sinn würde dies machen aber denkt die Autorin so? Ich habe keine Ahnung!) wird hier jedenfalls des öfteren fallen…Und in der Zukunft? Tja…das wäre jetzt gespoilert und deshalb beziehe ich mich jetzt weiter auf die Ausführung und Gestaltung des Textes. Yanagihara hat ja regulär immer ein feines Gespür Dinge zu umschreiben, diese zwischen den Zeilen winzig-klein zu streuen und mit provokanten und treffenden Worten zu benennen. Ihre Sätze sind sonst immer von philosophischen und poetischen Tempre aber hier?! Ich bin überhaupt nicht mit dem verschachtelten Schreibstil klargekommen. Viele Sätze waren so leer wie die berühmte Flasche Trapattoni’s. Der Inhalt ging immer wieder schwebend davon und entzog sich meinem Geist. Ihre Intention der Geschichte konnte ich nur erahnen und ja, die hat Potential aber bitte verständlicher verfasst. In vielen Parts erinnerte mich die Geschichte an die Mini-Serie „Angels in America“ - der Tenor bezüglich Krankheiten, Selbstgerechtigkeit, Macht, Erkenntnissen des Lebens und die Spanne zwischen Arm und Reich ist hier die selbe. Das Abdriften in die Zukunft war mir dann komplett suspekt und ich denke auch hier lag es einfach an den ewigen Längen und Schachtelsätzen.
Das Buch wird so beschrieben: „Drei Jahrhunderte, drei Versionen des amerikanischen Experiments: In ihrem kühnen neuen Roman – dem ersten seit Ein wenig Leben – erzählt Hanya Yanagihara von Liebenden, von Familie, vom Verlust und den trügerischen Versprechen gesellschaftlicher Utopien.“. Fest steht: Yanagihara hat hier einen fiktiven Entwurf (eben jener Utopie) einer möglichen Zukunft verfasst. Sollen dann aber Vergangenheit und die 90er Jahre dann nur aufzeigen, dass sich vieles einfach nicht ändert oder wenn ja, was dies sein soll? Um welches Paradies, wie der Titel des Buches nunmal heißt, geht es hier? Die Geschichte ist reine Erfindung in jeder Linie, aber eben auch nicht so ganz, denn, ja, sie zeigt menschliche Gefühle wieder typisch Yanagihara-mäßig auf, genau dafür gibt es auch den 1 Stern von mir. Mehr ist aber beim besten Willen nicht drin.

Veröffentlicht am 10.02.2022

Das war nix

Signorina Vivaldi
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Klappentext:

„Venedig, Weihnachten 1702: Das Waisenmädchen Anna Maria wünscht sich vom Christkind Vater oder Mutter.

Kurz darauf geht ihr Wunsch in Erfüllung, als Antonio Vivaldi seinen Dienst als Maestro ...

Klappentext:

„Venedig, Weihnachten 1702: Das Waisenmädchen Anna Maria wünscht sich vom Christkind Vater oder Mutter.

Kurz darauf geht ihr Wunsch in Erfüllung, als Antonio Vivaldi seinen Dienst als Maestro di violino im Waisenhaus antritt. Er entdeckt Anna Marias außergewöhnliche Musikalität und gibt ihr Geigenunterricht. Er behandelt sie mit so viel Liebe und Verständnis, als wäre sie seine eigene Tochter. Doch den Menschen um sie herum ist dies ein Dorn im Auge. Als Vivaldi infolge knapper finanzieller Mittel entlassen wird, bricht für Anna Maria eine Welt zusammen. Wird sich ihr Traum von einem Leben voller Musik trotzdem erfüllen?“



Autorin der Geschichte ist Verena Maatman. Gleich vorab sei gesagt, die Geschichte rund um Anna Maria ist bis zu einem gewissen Teil reine Fiktion…ABER…die Kenner Vivaldis wissen, dass „Don Antonio“, wie Vivaldi gern im damaligen Mädchen-Waisenhaus (Ospedale della Pietà) genannt wurde, tatsächlich armen Waisen den Musikunterricht für Geige gelehrt hatte. Er war zu dem Zeitpunkt Kaplan und wurde auf Antrag eines anderen Komponisten Musiklehrer in eben diesem Mädchen-Waisenhaus…vieles ist überliefert, andere Geschichten sind tatsächlich belegt und große Schätze der Klassikwelt.

Die Geschichte rund um Anna Maria lehnt sich zwar an eine überlieferte Geschichte an (Autor Tiziano Scarpa tat dies bereits im Buch „Stabat Matar“), fällt aber bei so vielen Parts einfach durch. Einerseits ist die Sprache im Buch einfach zu „einfach“ und zu modern an die jetzige Zeit angelehnt. Andererseits: wir Leser lernen nicht richtig viel von Anna Maria, denn es wiederholen sich einfach zu viele Parts der Story immer und immer wieder. Es fehlen ihre Emotionen und Gefühl, ihren Enthusiasmus. Man wartet regelrecht auf den großen Meister Vivaldi und wenn er dann erscheint, enttäuscht es ein wenig, denn so richtig groß, lässt in Maatman nicht werden. Die Geschichte ist einfach nicht bildhaft genug, es fehlt ihr an „Geschichte“, an, auch wenn es albern klingen mag, klassischen Tönen. Und das in der Geschichte die „Ausrede“ genannt wird, Vivaldi sei auf Grund fehlender finanzieller Mittel entlassen worden, kenne ich anders. Vivaldi hat sich des Amtes selbst, aus gesundheitlichen Gründen, entzogen. Er hat selbst seine Priester-Karriere beendet weil es ihm gesundheitlich nicht mehr gut ging. Dies war der größte Schlag für den Maestro!

Sie merken schon, in der Geschichte steckt Potential, denn Teile entstammen der Realität, aber wenn sie dann so in der Fiktion versinkt, stimmt mich das einfach müde und gelangweilt.

1 von 5 Sterne

Veröffentlicht am 10.01.2022

Wahre „Gentleman‘s“ scheinen eine aussterbende Spezies zu sein…

Der moderne Gentleman`s Guide
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Klappentext:

„Dieser Guide ist kein Guide, sondern eine echte Inspiration und Orientierung für den modernen Mann. Welche Verhaltensregeln gilt es zu beachten? Welche Umgangsformen gelten heute? Und wie ...

Klappentext:

„Dieser Guide ist kein Guide, sondern eine echte Inspiration und Orientierung für den modernen Mann. Welche Verhaltensregeln gilt es zu beachten? Welche Umgangsformen gelten heute? Und wie viele paar Schuhe braucht ein Gentleman eigentlich im Schrank? Eindrucksvoll bebildert und beschrieben, führt Autor Norbert Körzdörfer den Gentleman von heute durch alle Lebensbereiche und gibt ihm die Infos und Tipps an die Hand, die ihn sicher und mit viel Stil hindurch führen.“



Die erste Frage die man sich stellen sollte: Wie definiert man selbst einen Gentleman? Meine Definition sieht da sofort Roger Moore oder Sean Connery vor Augen und warum? Die Herren sahen nicht nur verdammt gut gekleidet aus, sondern hatten auch Anstand und Etikette.

Autor des Buches hier, Norbert Körzdörfer, betrachtet darin die neue Generation, 2.0 wenn man so will….Sean Connery taucht auch tatsächlich darin auf - welch optische Freude, nur verfliegt diese auf den nächsten Seiten im Nirvana. Körzdörfer berichtet äußerst ausführlich von seinen Begegnungen gewisser „Gentlemans“, von sich selbst (was ab einem gewissen Punkt richtig überheblich und nervig erscheint) und seinen Ansichten. Schnell wird hier deutlich, es geht nur um materielle Dinge, Marken….Wo ist denn dann genau DAS was einen „Gentleman“ überhaupt ausmacht? Wo ist die Etikette? Wo ist der Knigge? Wo die guten Manieren? Wo lernt man dies denn heute noch? Weg. Scheint wohl beim „modernen Gentleman“ nicht mehr vorzukommen. Körzdörfer beleuchtet von der Unterwäsche bis hin zum Sacko alles, sogar das vermeintlich richtige Bett, der ideale Schreibtisch…puhhh…Was hat bitte ein Schreibtisch mit dem Erscheinungsbild und der Etikette, dem Benehmen eines wahren Gentlemans zu tun? Scheinen ich und der Autor völlig verschiedene Ansichten über einen „Gentleman“ zu haben…

Nun gut…Sie merken schon, das Buch konnte mich keines Wegs abholen. Es strotz nur so vor Wiedersprüchen: „Braucht ein Gentleman einen Maßanzug? Nein, natürlich nicht sofort.“. Na was denn jetzt? Ja oder nein? Ich mag solche abgedroschenen Floskeln überhaupt nicht, das hat für mich Null Stil und Eleganz.



Zu Optik und Haptik: herrlich typisch und geschätzte Qualität aus dem Hause Callwey. Ansehnliches Cover, moderne Aufteilung aber die Seiten wirken stumpf voll geknallt mit Infos, Bildern und eben dem Eindruck des Autors der scheinbar allselig-machend sein soll.



Mein Fazit: ich scheine für den „modernen“ Gentleman als Frau nicht mehr empfänglich zu sein - ganz im Gegenteil. „Old school“ ist hier verloren gegangen, großes sprachliches Geblubber, Marke und Mainstream scheinen jetzt der neue Ton zu sein….

Ein wahre Gentleman würde niemals so ein Buch schreiben - absoluter Flop!

Veröffentlicht am 20.08.2021

Das war nix, liebe Frau Bomann

Ein Zimmer über dem Meer
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Klappentext:

„Blind vor Tränen steigt Kim in den nächstbesten Zug. Sie hat bei einem Unfall ihre große Liebe verloren, wie kann sie nur weiterleben? Sie landet in einem Hafenstädtchen in Cornwall und ...

Klappentext:

„Blind vor Tränen steigt Kim in den nächstbesten Zug. Sie hat bei einem Unfall ihre große Liebe verloren, wie kann sie nur weiterleben? Sie landet in einem Hafenstädtchen in Cornwall und versucht an den windumtosten Klippen einen freien Kopf zu bekommen. Die alte Janet glaubt, Kim will sich hinunterstürzen, und überredet sie auf einen Tee in ihr Cottage. In einer alten Seemannskiste verwahrt Janet ein zerschlissenes Tagebuch. Es erzählt die dramatische Geschichte der taubstummen Leandra, die genauso verzweifelt war wie Kim. Leandra wurde gerettet, nachdem sie sich zum Leuchtturmwärter bekannte. Kim ist tief berührt von der tragischen Liebesgeschichte der zwei – doch wie sieht es in ihrem eigenen Herzen aus? Gibt es dort Platz für eine neue Liebe?“



„Ein Zimmer über dem Meer“ von Corina Bomann ist eine Neuauflage im Jahr 2021. Die Geschichte rund um Kim beginnt voller Traurigkeit und Dunkelheit. Cornwall wird zum Schauplatz ihre Gefühle und wir Leser müssen uns dieses Leid angucken ohne das wir helfen können. Mal wieder wird uns hier eine Liebesgeschichte der tragischen Art erzählt, die leider vor Kitsch trieft und extrem vorhersehbar ist. Der anspruchslose Leser wird hier voll zufrieden das Buch schließen und sich vergnügt zurücklehnen, der Rest der Leserschaft wird enttäuscht sein, das Corina Bomann so schmalzig und schmachtig schreiben kann - ist sie doch zumeist ein Garant für wahrlich gute Liebesgeschichten mit bildhaftem Flair und Geschick alles sinnig in die richtige Richtung zu lenken. Hier ist leider alles trüb und dunkel wie der Start des Buches. Wir erleben zwei Geschichten bzw. sogar drei wenn wir Janet mit dazuzählen. Alles wirkt gewollt und gestellt. Der Schreibfluss und der Sprachstil sind locker leicht aber wie bereits gesagt, ohne Anspruch. Kim versinkt weiter in ihren Gedanken und die großen Gefühle stehen auch nicht an erster Stelle wie erhofft. Und dann kam das Ende - sorry, aber das war überhaupt nicht gelungen, sondern einfach nur platt und dumpf. Ich vergebe 1 von 5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.07.2021

Zu den Elefanten

Zu den Elefanten
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Klappentext:

„Eine Reise zu sich selbst – auf einer Route voller Geschichten und Erinnerungen. Ein diffuser Schwebezustand hat sich in Theos Leben festgesetzt und der Kulturwissenschaftler fragt sich, ...

Klappentext:

„Eine Reise zu sich selbst – auf einer Route voller Geschichten und Erinnerungen. Ein diffuser Schwebezustand hat sich in Theos Leben festgesetzt und der Kulturwissenschaftler fragt sich, ob es sich dabei um einen Übergang oder endgültigen Stillstand handelt. Sollte das Ziel ein geglücktes Leben sein, wird er die Beziehung zu Anna, seiner Frau, und seinem Sohn Moritz ändern müssen.



Da könnte es sich anbieten, eine Vater-Sohn-Reise zu machen, entlang des Wegs, auf dem der spätere Kaiser Maximilian II. den Elefanten Soliman vor Jahrhunderten vom Mittelmeer nach Wien brachte. So soll es auf der gleichen Route, dieses Mal in umgekehrter Richtung, von Österreich über Südtirol bis nach Genua gehen. Doch schnell steht das seltsame Gespann vor großen Problemen.“



Petet Karoshi hat „Zu den Elefanten“ verfasst. Schnell wird klar, was die Elefanten hier verloren haben und man lernt vorsichtig und behutsam Theo kennen. Dieser erzählt uns in einer Art Tagebuch-ähnlicher Beiträge von der im Klappentext beschriebenen Reise. Hier und da gibt es melancholische, emotionale Passagen, dennoch gestaltet sich diese Geschichte von Anfang bis Ende einfach zu abstrus und irgendwie zu „verrückt“. Ich habe überhaupt keinen Draht zu Protagonisten und Handlung gefunden, weder Sinnhaftigkeit noch Logik erschlossen sich mir in jeglicher Form. Der beschriebene „diffuse“ Schwebezustand ist der rote Faden dieser Geschichte und genau so diffus ist der Inhalt - demzufolge hat Karoshi alles richtig gemacht, aber man beendet dieses Buch und fragt sich, was man jetzt eigentlich genau gelesen hat. Karoshi versucht philosophisch zu sein, schafft es aber, meiner Meinung nach, überhaupt nicht.

1 von 5 Sterne

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