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Maxl

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.11.2018

Viel Zeit und einen langen Atem...

City on Fire
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... verlangt Hallbergs City on Fire.

Der verkappte Künstler William Hamilton-Sweeney III., Erbe eines Firmenimperiums und Ex-Frontman der Band „Ex Post Facto“ (alias Billy Three-Sticks), führt zusammen ...

... verlangt Hallbergs City on Fire.

Der verkappte Künstler William Hamilton-Sweeney III., Erbe eines Firmenimperiums und Ex-Frontman der Band „Ex Post Facto“ (alias Billy Three-Sticks), führt zusammen mit seinem Lebensgefährten Mercer Goodman, Lehrer auf dem Weg zum eigenen Roman, in die Geschichte ein, die sich auf zwei weitere Protagonisten festlegt:

Williams Schwester Regan ist dem väterlichen Unternehmen nach Williams Verschwinden als Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit treu geblieben, befindet sich allerdings gerade in Trennung von ihrem Ehemann.

Charlie Weisbarger, Punk im Teenager-Alter zwischen Rebellion und Selbstfindung, bildet den Übergang zum roten Faden der Story: Charlie ist mit seiner Freundin Samantha Cicciaro auf dem Weg zu einem Gig der Band Ex Nihilo (Nachfolge-Band von Ex Post Facto, mit Frontmann Nicky Chaos). Dort angekommen, verschwindet Samantha, um noch etwas zu erledigen und bittet Charlie, sie später bei einem Park abzuholen. Als Charlie jedoch dort eintrifft, wird Samantha angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Mercer Goodman, der bei einer Familienfeier im Gebäude gegenüber des Parks war, findet sie und alarmiert die Polizei. Inspector Larry Pulaski wird hier Teil des Geschehens, bleibt jedoch eine (wenn auch interessante) Nebenfigur. Charlie, der sich nicht verzeihen kann, Samantha im Stich gelassen zu haben, versucht, Sinn und Orientierung in Bibel, Drogen und der Gesellschaft von Nicky Chaos und Co. zu finden.

Das Buch befasst sich im Wesentlichen mit der Entwicklung der verschiedenen Persönlichkeiten, ihren Beziehungen zu einander und ihrer Reaktion auf ihr Umfeld. Der exzentrische William, seine zuverlässige, aber äußerlich unnahbare Schwester und der emotional vernachlässigte und von Schuldgefühlen geplagte Charlie bilden hier einen gegensätzlichen Dreiklang, der mit immer neuer Schwingung auf sein Gegenüber trifft. Ein wiederholt auftauchendes Thema ist die Eltern-Kind-Beziehung und die hier bestehenden Konflikte aus der Vergangenheit.

So weit, so nachvollziehbar. Was der Geschichte aber einiges an Tempo nimmt, sind die Rückblenden: Auf insgesamt 265 Seiten erfahren wir nicht nur die Hintergründe zu den Hauptpersonen, sondern zu beinahe jeder Person, die an irgendeiner Stelle im Buch auftritt. Zusätzlich zum detailreichen, fast schon ausschweifenden Schreibstil Hallbergs verlangsamt dies die Geschichte nicht nur, sondern gibt ihr zunehmend die Zähigkeit von kaltem Honig, sodass ich zugeben muss, ab der Hälfte nicht nur die Rückblenden, sondern auch die Einschübe (zusätzlich 90 Seiten) überblättert zu haben. Und leider muss ich sagen: Es fehlt nichts, was die Geschichte komplettieren müsste.

City on Fire lebt vor allem von Hallbergs Fähigkeit, vielschichtige und gegensätzliche Charaktere zu erschaffen. Die Verbindung zwischen den einzelnen Personen, die immer sichtbarer wird, je weiter sich die Geschichte fortspinnt, hält den Leser "bei der Stange". Durch fließendere Übergänge und kürzere Kapitel erhält die Story im zweiten Teil des Buchs nun endlich die nötige Dynamik, sodass wir uns wie ein Läufer nach dem Warm-up nun im Dauerlauf und anschließendem Sprint unweigerlich auf die beinahe vorhergesagte Katastrophe zubewegen.

Fazit: Interessante Charaktere in einer guten Story, der zu viele Details die Dynamik nehmen.

Veröffentlicht am 04.02.2021

Wie leben die (Opfer-)Familien nach einem Attentat weiter - wechselnde Perspektiven, vielschichtig, langatmig, mit furchtbarem Schreibstil

Patria
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Das Buch handelt von zwei baskischen Familien zur Hoch-Zeit der ETA in Spanien. Der Sohn einer Familie, treuer Anhänger der ETA, wird beschuldigt, den Vater der anderen Familie erschossen zu haben. Es ...

Das Buch handelt von zwei baskischen Familien zur Hoch-Zeit der ETA in Spanien. Der Sohn einer Familie, treuer Anhänger der ETA, wird beschuldigt, den Vater der anderen Familie erschossen zu haben. Es werden die Geschichten aller Familienmitglieder vor, während und nach dem Attentat erzählt.

PROs

- Die Stimmungen (der Personen und Situationen) werden sehr gut eingefangen

- Vielschichtige, interessante Charaktere

- Perspektivwechsel, da die Geschichte aller Familienmitglieder erzählt wird

- Gesellschaft und Denkweise zu dieser Zeit werden sehr anschaulich beschrieben


CONs

- Der Schreibstil: Sätze brechen in der Mitte ab, immer wieder eingeworfene rhetorische (überflüssige) Fragen lassen die Sätze holpern, am Kapitelanfang wird Absätze-lang kein Name erwähnt, sodass die Perspektive nicht klar wird, häufige Schrägstriche (als konnte sich der Autor nicht entscheiden, welchen Begriff er nutzen möchte), schnelle Sprünge zwischen Vergangenheit/Gegenwart bzw. vor/während/nach dem Attentat stiften Verwirrung (insbesondere, wenn unklar ist, aus wessen Perspektive gerade erzählt wird, s. oben), im selben Abschnitt werden äußerer Erzähler UND Ich-Erzähler genutzt,... ---> eine Katastrophe, die das Lesen alles andere als flüssig macht und verwirrt

- Da die Geschichten von 9 Personen erzählt werden (z.T. mit Details, die für die Handlung unerheblich sind), kommt es immer wieder zu Längen und die Geschichte "kommt nicht voran". Ich gestehe: Ich habe nach der Hälfte immer wieder mehrere Seiten überblättert und nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. 200 Seiten weniger hätten es auch getan


Fazit: Die interessante Story fällt einem furchtbaren Schreibstil zum Opfer, was die Charaktere nur bedingt retten können

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2020

Plätschert so dahin

Ich und die Menschen
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Christoph Maria Herbst rettet eine Story, die trotz sympathischem Protagonisten und witzigen Momenten unspektakulär vor sich hin plätschert.

Christoph Maria Herbst rettet eine Story, die trotz sympathischem Protagonisten und witzigen Momenten unspektakulär vor sich hin plätschert.

Veröffentlicht am 12.01.2019

Und wie wollen wir nun leben?

Wie wollen wir leben?
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Sybille Baden-Fürchtenichts Buch ist eine Zusammenstellung aus Essays und Artikeln zu überwiegend außenpolitischen Themen. Mit teils polarisierenden Thesen regt sie zum Nachdenken an, stellt unbequeme ...

Sybille Baden-Fürchtenichts Buch ist eine Zusammenstellung aus Essays und Artikeln zu überwiegend außenpolitischen Themen. Mit teils polarisierenden Thesen regt sie zum Nachdenken an, stellt unbequeme Fragen und kratzt an der Oberfläche, sodass die eigene Recherche kaum ausbleiben kann.

Was ihren Texten einerseits Spannung und Dynamik verleiht, ist m.E. auch eine Schwachstelle: Es wird eben doch nur an der Oberfläche gekratzt. Kein Thema wird vom Ursprung her aufgerollt, analysiert und abschließend besprochen. Stattdessen wird von Thema zu Thema zu Thema gesprungen, ohne in die Tiefe zu gehen, was immer wieder zu kurzen Denkimpulsen führt, die durch die Themen- und Zeitsprünge leider schnell wieder unterzugehen drohen.
Hier auch eine weitere Stärke/Schwachstelle: Die Essays sind teilweise aus dem Jahr 2010; im Anschluss folgt dann bspw. ein Essay aus 2016 (im schlimmsten Fall auch noch zu einem anderen Bereich), was die zeitliche und inhaltliche Folge erschwert, allerdings aber auch in manchen Punkten eine Entwicklung nachvollziehbar macht.

Insgesamt ein Buch mit interessanten Thesen, dass v.a. für Leser geeignet ist, die die politischen Entwicklungen samt deren Hintergründe bereits seit einiger Zeit verfolgen.