Profilbild von MeisterYoda

MeisterYoda

Lesejury Profi
offline

MeisterYoda ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MeisterYoda über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2018

Emotional

Entführt
0

Nach einem Streit mit ihrem Bruder wird Lou entführt und quer durch Kanada verschleppt. Brendan, ihr Entführer will sie nie wieder gehen lassen: Nur mit ihr fühlt er sich lebendig.
Für Lou beginnt eine ...

Nach einem Streit mit ihrem Bruder wird Lou entführt und quer durch Kanada verschleppt. Brendan, ihr Entführer will sie nie wieder gehen lassen: Nur mit ihr fühlt er sich lebendig.
Für Lou beginnt eine schreckliche Zeit. Sie sehnt sich nach ihren Brüdern, will weg von Brendan und ihr altes Leben zurück. Am meisten verwirrt sie, dass Brendan ihr nicht antun möchte: ist er wirklich doch so nett, wie er scheint?

Der Schreibstil von Mila Olsen ist super. Er lässt sich super flüssig lesen, es gibt keine Durststrecken und ich konnte das Buch gar nicht aus der Hand legen. Die tiefe Wälder Kanaas wurden so detailliert beschrieben, dass ich das Gefühl hatte, mittendrin zu sein. Genaus ging es mir mit Louisas Gefühlen. Es war, als ob man mit im Trailer lebt, als ob man mit ihnen am Feuer sitzt und durch die Wälder streicht. Louisas Verzweiflung war zum Greifen nah.

Im Laufe der Geschichte entwickeln sich Louisas Gefühle. Aus Hass wird etwas anderes, weicheres. Kann man von Liebe sprechen? Ist es eher Zuneigung? Liebe und Hass liegen nah beieinander, doch ist das, was Louisa fühlt, richtig? Dem Leser wird klar: Es gibt kein schwarz und weiß. Gegen Gefühle kann man sich nicht wehren. Ist das alles vielleicht „nur“ auf das Stockholm-Syndrom zurückzuführen? Louisas Gefühle für Brendan übertragen sich auf den Leser, am Ende habe ich Brendan längst nicht mehr als den „Bösen“ in der Geschichte gesehen, auch wenn ich ihm skeptisch gegenüberstand.

Am Schluss habe ich nicht mehr auf ein Happy End für Louisa gehofft, sondern für beide. Ich hatte ganz andere Erwartungen an das Buch, und bin positiv überrascht worden. Die Folgebände werde ich aus diesem Grund auch lesen.

Veröffentlicht am 06.08.2018

Wer kennt wen?

A Stranger in the House
0

Karens Leben ist perfekt – bis zu diesem Unfall. Denn sie kann sich nicht erinnern, wie es dazu gekommen ist. Die Polizei ist sich jedoch sicher: Karen hat einen Mann erschossen und ist dann panisch geflohen, ...

Karens Leben ist perfekt – bis zu diesem Unfall. Denn sie kann sich nicht erinnern, wie es dazu gekommen ist. Die Polizei ist sich jedoch sicher: Karen hat einen Mann erschossen und ist dann panisch geflohen, sodass es zum Unfall kam. Karens Ehemann Tom möchte hinter seiner Frau stehen, aber als die Ungereimtheiten immer größer werden, wissen weder er noch Karen, ob sie nicht doch berechtigte Zweifel hegen.

Durch den wirklich flotten Schreibstil lässt sich das Buch wahnsinnig gut lesen.Locker und mit kurzen Sätzen wird die Spannung hier angetrieben. Der Leser wird einbezogen, allerdings weiß man irgendwann auch selber nicht mehr so genau, wem man nun trauen kann.

Die Charaktere blieben für mich leider distanziert. Zwar gab es Sympathieträger, doch diese wurden kurz darauf dann doch als nicht mehr allzu sympathisch dargestellt. Das tat der Geschichte allerdigs (komischerweise) keinen Abbruch, man konnte das Handeln der einzelnen Personen nachvollziehen und es hat mir richtig gut gefallen, dass es ausnahmsweise mal keine „dummen“ Alleingänge gab.

In der Geschichte gibt es immer wieder Wendepunkte und Überraschungen, sodass die Seiten fliegen. Deshalb gibt es von mir hier eine klare Leseempfehlung für Thrillerfans!

Veröffentlicht am 31.07.2018

Kriminal-Roman

Nichts ist verziehen
0

Der dritte Teil um Journalistin Magdalena wartet mit einem interessanten Thema auf: Klassentreffen. Mit gemischten Gefühlen fahren die alten Klassenkameraden zu der Hütte ihres ehemaligen Lehrers, um dort ...

Der dritte Teil um Journalistin Magdalena wartet mit einem interessanten Thema auf: Klassentreffen. Mit gemischten Gefühlen fahren die alten Klassenkameraden zu der Hütte ihres ehemaligen Lehrers, um dort dir Zusammenkunft gebührend zu feiern.

Anfangs fällt es sehr schwer, sich die einzelnen Personen vor Augen zu halten – dadurch, dass an dem Treffen natürlich eine Menge Mitschüler teilnehmen und die auch alle ordentlich eingeführt werden. Dazu kommen natürlich noch die privaten Lebenssituationen von Magdalena, die mit Petters momentanem Verhalten alles andere als zufrieden ist. Petra,
die ihre Gefühle für Geir nicht verbergen kann. Christer, der seine Frau Torun nicht verlieren will. Die Tiefe der Charaktere ist eine der Stärken von Ninni Schulman. Sie entwickeln sich über die gesamte Reihe weiter, verlieren sich nicht und lernen aus ihrem Verhalten. Das ist sehr realistisch, genauso wie der Lauf der Ermittlungen. Es gibt keine lebensgefährlichen, actiongeladenen und schwachsinnigen Alleingänge eines unterschätzten, einsamen Polizisten, der durch das Anstarren eines Fotos plötzlich den Fall auflösen kann.Vielmehr ist es hier so, dass die Ermittlungsarbeit in mühsamen Schritten erfolgt und man ein Teil nach dem anderen zusammen setzen muss.

Das Buch liess sich sehr flüssig lesen. Der Schreibstil war wieder super, keine langen Schachtelsätze oder ähnliches. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, sicher wäre noch Luft nach oben gewesen, aber da es sich hier um einen Kriminalroman und nicht um einen Thriller handelt, ist das absolut okay. Leider wurde manchen Dingen am Ende weniger Aufmerksamkeit geschenkt, als gut gewesen wäre, und auch vieles erschien konstruiert.

Mein Fazit: für Fans der Reihe natürlich ein Muss. Allerdings kann man das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Figuren
  • Atmosphäre
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 26.07.2018

Drama

Without You - Ohne jede Spur
0

Eva lebt mit ihrer kleinen Schwester Faith und ihren Eltern im Örtchen Suffolk. Gemeinsam mit ihrem Vater teilt sie ein Hobby: das Segeln. Doch beim letzten Segelausflug kentert das Schiff, und Eva bleibt ...

Eva lebt mit ihrer kleinen Schwester Faith und ihren Eltern im Örtchen Suffolk. Gemeinsam mit ihrem Vater teilt sie ein Hobby: das Segeln. Doch beim letzten Segelausflug kentert das Schiff, und Eva bleibt spurlos verschwunden. Eva Vater überlebt verletzt. Einzig Faith ist felsenfest davon überzeugt, dass Eva lebt – und auf einer kleinen Insel gar nicht weit entfernt, auf Rettung wartet.

Ein Krimi oder Thriller ist das in meinen Augen leider nicht. Zwar ist die Handlung im Großen und Ganzen interessant, aber so richtig spannend ist es nur am Anfang. An vielen Stellen plätscherte die Handlung vor sich hin, war wie gesagt nicht langweilig, aber zu umschweifig. Ich empfinde das Buch mehr als Roman oder Drama.

Evas Verschwinden hat in die einst so harmonische Beziehung von Max und Clara einen tiefen Riss hinterlassen. Was mir sehr gut gefallen hat, war die Darstellung der Charaktere. Zumindest diese beiden handeln nachvollziehbar, und man kann den Schmerz, den beide fühlen, förmlich beim Lesen spüren. Faith ist auch ein sehr interessanter Charakter, leider blieben hier für mich einige Sachen offen, z.B. ihr Faible für Knochen. Auch dass Sophie gegen Ende hin einfach so im Sande verläuft, hat mir nicht gefallen. Ihr Charakter hatte Krisenpotenzial, hätte ein Feuer zünden können, aber am Ende blieb sie leider farblos.

Das Cover hat mir auf den ersten Blick wirklich sehr gut gefallen – und auch verführt. Es wirkt bedrohlich und gibt einen Vorgeschmack auf das, was kommt.

Erzählt wird die Story aus zwei Ich-Perspektiven und zweimal aus der dritten Person. Das war am Anfang sehr verwirrend, weil nicht gekennzeichnet war um wen es ging, aber im Laufe des Buches legte sich das auch. Die Rückblenden waren zwar informativ, aber durch die vielen Nebenhandlungen ging die Spannung leider verloren. Der Schreibstil war allerdings flüssig und sehr gut zu lesen.

Von mir gibt es dennoch vier von fünf Sternen, denn ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Die offenen Fragen haben mich erst im Nachhinein gestört, aber sie sind mir nicht so wichtig, als dass ich mir darüber den Kopf zerbrechen würde.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Normal? Unnormal?

Spinster Girls – Was ist schon normal?
0

Evie will doch nichts weiter, als endlich „normal“ zu sein. Mit 16 Jahren bedeutet das: mit Freunden unterwegs sein, Spass haben, Jungs küssen.Doch Evie hat da ein Problem: ihre Zwänge. Unter anderem hat ...

Evie will doch nichts weiter, als endlich „normal“ zu sein. Mit 16 Jahren bedeutet das: mit Freunden unterwegs sein, Spass haben, Jungs küssen.Doch Evie hat da ein Problem: ihre Zwänge. Unter anderem hat sie Angst vor Keimen und Krankheitserregern im Esse und in der Luft und einen Waschzwang. Das war mal so ausgeprägt, dass sie deswegen eine Therapie machen musste – doch nun ist sie „draußen“ und ihr Normalwerdetagebuch und eine niedrige Dosis Fluoxetin helfen ihr dabei, ihr Leben wieder in den Griff zu bekommen. Sie geht zur Schule, findet in Lottie und Amber gute Freundinnen und trifft sogar Jungs.

Aber was ist eigentlich normal? Ist das nicht jeder auf seine Weise? Wer schreibt das vor? Diese Frage hat sich sicher jeder schon einmal gestellt. Als die Spinster Girls möchten Amber, Lottie und Evie vor allem eines: zeigen, dass Frauen gut so sind, wie sie sind, und sich nicht für andere verstellen müssen. Dieser Nebenplot hat mich, trotz der Titelgebung, nicht sehr interessiert, war aber auch nicht störend und passte gut in die Handlung.

Der Schreibstil ist so locker und erfrischend, dass sich das Buch wirklich toll lesen lässt. Aus der Sicht von Evie erfahren wir wissenswertes über Zwangsstörungen und die psychische Verbindung. Die meisten Fakten werden uns von Sarah, Evies Therapeutin, präsentiert, das macht alles einfach zu verstehen.
Die Kapitel hatten genau die richtige Länge für "nur noch ein Kapitel" und so war das Buch ein ständiger Begleiter.
Auch die Story war gut aufgebaut und Evie als Protagonistin wirklich sympathisch. Ihre Eltern hingegen taten mir ab und an schon leid.

Ich hoffe, dass diese Geschichte hilft, Menschen die Angst zu nehmen vor Zwangsstörungen. Und zwar nicht nur den Betroffenen, indem sie zeigt, dass man nicht „unnormal“ ist, sondern auch den Mitmenschen. Wie leicht ist es für einen nicht Betroffenen zu sagen „Jetzt reiß Dich mal zusammen“. Der Kopf kann das aber nicht! Es gibt nur eine logische Handlung, und die ist für Außenstehende nicht nachvollziehbar. Gegen eine Zwangsstörung ist man machtlos, wenn man alleine kämpft. Auch wenn Evie ihre Mutter hasst – sie wollte halt nun mal das Beste.

Trotz der Auszeichnung als Jugendbuch ist es eine schöne Sommerlektüre für jedermann!