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Veröffentlicht am 07.04.2024

Neues vom Undertaker

Mörderisches Konzept
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Mit "Mörderisches Konzept" legt Falk-Ingo Klee den vierten Regionalkrimi um den Gießener Bestattungsunternehmer, ehemaligen Medizinstudenten und Ex-Privatdetektiv Frank Wilhelm vor. Es handelt sich um ...

Mit "Mörderisches Konzept" legt Falk-Ingo Klee den vierten Regionalkrimi um den Gießener Bestattungsunternehmer, ehemaligen Medizinstudenten und Ex-Privatdetektiv Frank Wilhelm vor. Es handelt sich um eine Erstveröffentlichung.

Worum es geht

Privat hat sich seit dem letzten Roman im Leben von Untertaker Frank Wilhelm einiges getan, denn er ist inzwischen Vater geworden. Da ist es für ihn eine vielleicht ganz reizvolle Abwechslung vom Familienalltag, als er mit der der Bestattung eines Spätaussiedlers aus Polen beauftragt wird, der offiziell durch einen Unfall ums Leben gekommen ist, und es dann im Umfeld zu weiteren scheinbar tragischen Unfällen kommt. Sein Misstrauen und kriminalistischer Instinkt sind geweckt, so dass er einmal mehr beginnt, eigenmächtig zu ermitteln. Zurecht, wie sich zeigt. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass sich seine Nachforschungen nicht nur kompliziert gestalten, sondern auch gefährlich sind, denn der oder die Drahtzieher schrecken eben auch vor Mord nicht zurück, um ihre Taten zu vertuschen.

Kritik

Dass Falk-Ingo Klee an seiner Wahlheimat Gießen hängt, dürfte kein Geheimnis sein und hat er zuletzt mit seiner Kurzgeschichten-Sammlung "Phantastisches Gießen" bewiesen, die ebenfalls im Verlag Peter Hopf erschienen ist. Und so sind seine Undertaker-Romane Regionalkrimis im besten Sinne des Genres. Da sie in den 1980er Jahren vor der Zeit von Handys und Google spielen, kann man sie aber fast schon auch als historische Krimis bezeichnen.

Auch der vierte Teil der Reihe ist ein gelungener Mix aus Lokalkolorit, einer packenden Kriminalstory und einem originellen Ermittler. Wie schon in Frank Wilhelms vorangegangen Fällen gibt es wieder einen Auslandsblock, der diesmal in Polen spielt. Hier merkt man, dass Klee im Vorfeld auch Hintergründe recherchiert hat. Der Roman liest sich gewohnt flüssig, verfügt über Spannung, Tempo und eine Priese Humor, hat somit alles, was man von einem guten Krimi erwarten kann. Aber wie schon im dritten Band wirkt das Engagement des Undertakers etwas konstruiert, was aber dem Unterhaltungswert keine Abbruch tut. Mit einer Länge von 240 Seiten eignet sich das Buch bestens für ein Lesewochenende. Da werden keine Nebenhandlungen und Backstorys von Nebenfiguren ausgewalzt, sondern der Autor kommt angenehm auf den Punkt.

Fazit

Der vierte Gießen-Krimi von Falk-Ingo Klee überzeugt wie seine Vorgänger.

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Veröffentlicht am 24.10.2023

Amüsante Zeitreise durch die Hessenmetropole

Phantastisches Gießen
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Mit seiner 2023 im Verlag Peter Hopf erschienen Kurzgeschichtensammlung "Phantastisches Gießen" präsentiert der Wahlgießener Falk-Ingo Klee, bekannt durch seine Science-Fiction-Romane, Regionalkrimis um ...

Mit seiner 2023 im Verlag Peter Hopf erschienen Kurzgeschichtensammlung "Phantastisches Gießen" präsentiert der Wahlgießener Falk-Ingo Klee, bekannt durch seine Science-Fiction-Romane, Regionalkrimis um dem Undertaker und Gartenbücher, neun kurzweilige Schlaglichter aus der Stadtgeschichte seiner Heimat und spannt dabei den Bogen von Noah bis in die Neuzeit. Er knüpft damit indirekt an seinen Band "Dunkle Geschichten aus Gießen" (2021 im Wartberg-Verlag erschienen) aus der Reihe "Schaurig & Schön" an, wobei hier der Schwerpunkt weniger auf geschichtlich Verbrieftem als ─ wie der Titel schon sagt ─ auf Phantastischem liegt. Das liebevoll gestaltete Buch bietet dabei zahlreiche Schwarzweißfotos von historischen Landmarken der Region.

Jetzt steht die hessische Metropole nicht unbedingt im Ruf, ein touristisches Highlight zu sein, doch die Universitätsstadt wird gerne unterschätzt. Zum einen gibt es dort ─ wie eigentlich überall ─ Orte und Gemäuer, die unsere Fantasie anregen, aber auch historische Hinterlassenschaften und Sagen, die zu einer solchen fiktiven Stadtführung einladen und mit denen Klee sich auskennt. Zum anderen macht seine Fabulierkunst die Kurzgeschichten auch für Ortsunkundige zu einem spannenden und amüsanten Leseabenteuer, bei dem auch der Humor nicht zu kurz kommt. Dabei eignet sich die Länge der Kurzgeschichten hervorragend für einen literarischen Snack zwischendurch.

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Veröffentlicht am 13.12.2022

Anthologie der besonderen Art

Per Schreibmaschine durch die Galaxis
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Was ist "Per Schreibmaschine durch die Galaxis" von Falk-Ingo Klee?

Zunächst einmal ist es ein Jubiläumsband, denn es feiert das 44jährige Autorenjubiläum des Autors, der 1978 mit "Das neue Leben" seinen ...

Was ist "Per Schreibmaschine durch die Galaxis" von Falk-Ingo Klee?

Zunächst einmal ist es ein Jubiläumsband, denn es feiert das 44jährige Autorenjubiläum des Autors, der 1978 mit "Das neue Leben" seinen ersten Science-Fiction-Roman in der legendären "Terra Astra" Heftromanreihe (Band 358) veröffentlichte, die zwischen August 1971 und Dezember 1985 im Moewig-Verlag erschien und in der insgesamt 643 Werke deutschsprachiger und internationaler Autoren publiziert wurden. Nachwuchsautoren wie Falk-Ingo Klee trugen maßgeblich zum Erfolg der Serie bei. Später gehörte er zu den Stammautoren des Perry-Rhodan-Spinoffs "Atlan".

Dann ist das Buch aber auch eine Art Werkschau, denn es werden (fast) alle Veröffentlichungen des Autors in Bild und Wort vorgestellt. Dabei zeigt sich, dass Klee ein unglaublich vielseitiger Schriftsteller ist, der nicht nur im Genre Science Fiction etabliert ist, sondern auch Kolumnen, Krimis (die Undertaker-Reihe), Sachbücher über Krebs im Kindesalter und Gartenbücher geschrieben hat. Dabei präsentiert "Per Schreibmaschine durch die Galaxis" einen Querschnitt durch sein literarischen Schaffen im Bereich phantastischer Literatur, wobei auch zwei bislang unveröffentlichte Kurzgeschichten enthalten sind.

Zuletzt ist es auch eine Art Autorenbiographie, die Schlaglichter aus einer bewegte Karriere mit privaten Schicksalsschlägen in Form der Krebserkrankung seiner Tochter liefert.

"Per Schreibmaschine durch die Galaxis" ist ein unterhaltsames Buch zum Schmökern und Blättern nicht nur für Fans.

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Veröffentlicht am 14.11.2022

Schlaflose Nächte

Das Schlaflabor
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Der Thriller "Das Schlaflabor" von Marc Meller handelt von einem an Schlagstörungen leidenden Mann, der nach einer neuen Therapie in einer schweizer Spezialklinik plötzlich an Gedächtnisaussetzern leidet ...

Der Thriller "Das Schlaflabor" von Marc Meller handelt von einem an Schlagstörungen leidenden Mann, der nach einer neuen Therapie in einer schweizer Spezialklinik plötzlich an Gedächtnisaussetzern leidet und unter Mordverdacht gerät.

Worum es geht

Tom Sonnborn leidet an chronischer Schlaflosigkeit. Nachdem er schon alles Mögliche versucht hat, hört er von einem Schlaflabor in den Schweizer Alpen, das mit einer neuartigen Therapie beachtliche Erfolge haben soll. Tatsächlich schlägt die Behandlung auch bei ihm an: Bereits nach kurzer Zeit kann Tom so gut und ausdauernd schlafen wie seit Jahren nicht mehr. Dieser Effekt hält auch nach seiner Entlassung aus der Klinik an; er fühlt sich ausgeruht und glücklich. Die Freude darüber hat jedoch ein jähes Ende, als er eines Tages blutbesudelt erwacht, ohne sich an irgendetwas erinnern zu können. Dann steht auch noch die Polizei vor seiner Tür und verdächtigt ihn eines bestialischen Mordes. Ihm kommen Zweifel, ob er nachts tatsächlich schläft, und beginnt nachzuforschen. Dabei gerät er in einen alptraumhaften Strudel der Ereignisse, denn die Todesfälle im Umfeld des Schlaflabors häufen sich.

Kritik

Mit viel Tempo und Spannung erzählt Marc Meller seinen Wissenschaftsthriller und streut dabei Informationen zum Thema Insomnie, Somnambulismus und Neurobiolgie ein. Dabei prägen rasche Szenenwechsel mit mehreren Handlungssträngen, ein flüssiger Schreibstil und überraschende Plottwists den Roman. Der Autor legt falsche Fährten, scheinbar wichtige Ereignisse, entpuppen sich später als bedeutungslos. Der überwiegende Teil der Handlung wird aus der Perspektive der Hauptfigur in der ersten Person erzählt, so dass der Leser mitfiebert, ob Tom Sonnborn zum Mörder geworden ist oder nicht. So bleibt die Spannung bis zum Schluss erhalten, und es fällt schwer das Buch beiseite zu legen, zumal die relativ kurzen Kapitel immer wieder Cliffhanger bieten. Gleichzeitig ist Tom natürlich ein unzuverlässiger Erzähler, so dass man irgendwann an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifelt. Seinen subjektiven und emotionalen Schilderungen stehen die sachlichen Passagen aus der Sicht der Ermittler gegenüber und bilden einen interessanten Kontrast.

Das vermittelte medizinische Hintergrundwissen ist sauber recherchiert und faszinerend, allerdings nicht immer allgemeinverständlich, so dass der eine oder andere vielleicht geneigt ist, diese Passagen nur zu überfliegen oder weiterzublättern. Einige der Zusammenhänge erscheinen weither geholt oder unrealistisch, aber es handelt sich ja schließlich auch um ein Stück Fiktion und kein Sachbuch. Wen Neurowissenschaften nicht interessieren, wird diese Abschnitte womöglich als langatmig empfinden.

Am Ende werden nicht alle Fragen abschließend geklärt, wobei die Auflösung durchaus eine Überraschung ist. Ob sich Meller damit ein Hintertürchen für eine Fortsetzung offen gelassen hat, bleibt abzuwarten.

Fazit

"Das Schlaflabor" ist ein solider Thriller, der von Mord zu Mord immer neue Rätsel aufgibt und bis zum Schluss spannend bleibt. Im Roman geht es daher nicht nur um schlaflose Nächte, sondern die Geschichte kann einem beim Lesen auch solche bereiten.

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Veröffentlicht am 03.05.2022

Origineller Regionalkrimi aus Sardinien

Süße Versuchung
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Mit "Süße Versuchung" liegt nach "Die Theologie des Wildschweins" nun der zweite Sardinien-Krimi aus der Feder von Gesuino Némus vor, wobei der Autor seinem eigenwilligen Stil und Hang zu skurrilen Figuren ...

Mit "Süße Versuchung" liegt nach "Die Theologie des Wildschweins" nun der zweite Sardinien-Krimi aus der Feder von Gesuino Némus vor, wobei der Autor seinem eigenwilligen Stil und Hang zu skurrilen Figuren treu bleibt.

Das kleine sardischen Bergdorf Telèvras liegt so fernab aller Touristenzentren, dass das Leben hier seinen traditionell beschaulichen Gang erhalten hat, so dass der Besuch von Raniguonere Farunkas, einem neuen Funktionär des Tourismusverbandes, zunächst eine willkommene Abwechslung darstellt. Er stellt den Bürgern Arbeitsplätze, wirtschaftlichen Aufschwung und Wohlstand in Aussicht, sofern sie dem Bau eines Hochsicherheitsgefängnisses auf dem Gebiet ihrer Gemeinde zustimmen. Ein Vorschlag, der zu hitzigen Diskussionen führt. Und dann entdeckt noch am nächsten Tag ein Busfahrer ein Autowrack am Fuß der Berge aufgefunden, dass anscheinend bei Regen und Sturm auf einer serpentinenreichen Straße mit überhöhter Geschwindigkeit verunglückt ist. Der Unfall ruft Commissario Marzio Boccinu und seine Kollegen auf den Plan, die vor einem Rätsel stehen, denn die Fahrerin ist eine aus Paris stammende Französin. Was wollte die Frau in Telévras? Einige Tage begeht der Busfahrers anscheinend Selbstmord, wobei Boccinu Zweifel an dieser offiziellen Version hat. Wusste der Mann mehr als er zugab? Aber als er weiter ermittel wird er vom Staatsanwalt höchstpersönlich für 3 Monate suspendiert, was ihn jedoch nicht daran hindert, auf eigene Faust vor Ort weiter zu forschen, wobei er immer tiefer in das Dorfleben eintaucht.

Trotz der literarischen Rückkehr nach Telévras geht Gesuino Némus seinen Sardinien-Krimis anscheinend andere Wege als die meisten Autoren, die eine Romanreihe mit einem festen Stammpersonal an Figuren ausstatten. Wer erwartet hatte hier erneut auf den Carabiniere Maresciallo De Stefani, den Helden des ersten Bandes, zu treffen wird enttäuscht. Mit Commissario Marzio Boccinu stellt Némus einen neuen Ermittler ins Zentrum des Geschehens. Dabei ist der Roman genauso originell und voller Lokalkolorit wie sein Vorgänger und lässt den Leser erneut in ein für uns weitgehend unbekanntes, von Tradition geprägtes Sardinien eintauchen. Detailliert und voller Humor, aber auch melancholisch stattet Némus das winzige Bergdorf mit skurrilen Bewohnern aus und setzt dieser eigentümlichen Welt in einem ihm eigenen Erzählstil erneut ein Denkmal. Denn diese Sarden sind die eigentlichen Protagonisten der Geschichte.

Die für deutsche Leser vielen fremdartigen Namen, die öfters nicht übersetzten Redewendungen in sardischer Sprache und die Perspektivwechsel können den Einstieg in das Buch erschweren, doch die reiche Atmosphäre zieht einen rasch in ihren Bann. Nach und nach erschließt sich einem das Geschehen um die beiden Morde, auch wenn die Krimihandlung etwas in den Hintergrund tritt, wenn die Hauptfigur Marzio immer tiefer in das Leben der Dorflgemeinschaft vordringt. Fast schon poetische Landschaftsbeschreibungen wecken das Bedürfnis nach einem Sardinienurlaub. Die Auflösung des Falls ist am Ende logisch nachvollziehbar, wenn auch überraschend, was bei einem Kriminalroman nichts Schlechtes bedeutet.

Insgesamt ist "Süße Versuchung" ein gelungener Regionalkrimi und eine lesenswerte Fortsetzung der Reihe, in deren Mittelpunkt das Bergdorf Telévras und nicht einzelne Ermittler zu stehen scheinen. Klare Leseempfehlung!

Meinen Dank an den Eisele Verlag und NetGalley für die Überlassung des Rezensionsexemplars

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