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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2023

Aufmerksam beobachtet, eindringlich erzählt

Welt der Wunder
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Inhalt:
Aimee Nezhukumatathil hat sich ganz dem Erzählen verschrieben. Die Professorin für Anglistik und Kreatives Schreiben sucht seit ihrer Kindheit nach aussergewöhnlichen Tieren und Pflanzen und erzählt ...

Inhalt:
Aimee Nezhukumatathil hat sich ganz dem Erzählen verschrieben. Die Professorin für Anglistik und Kreatives Schreiben sucht seit ihrer Kindheit nach aussergewöhnlichen Tieren und Pflanzen und erzählt beim Beschreiben ihrer Funde auch ihre ganz persönliche Lebensgeschichte, die von Rassismus, der Suche nach Wurzeln und der grossen Liebe zu ihrem Mann, ihrer Familie und der Natur geprägt ist.

Meine Meinung:
Aufmerksam geworden auf dieses Buch bin ich bei Alexandra und es freut mich sehr, dass ich "Welt der Wunder" und die zarte, sehr genau beobachtende Erzählsprache Nezhukumatathils für mich entdecken durfte.Vor allem die Vielfalt der beschriebenen Pflanzen und Tiere haben mich beeindruckt. Obwohl ich mich sehr für die Flora und Fauna unseres Planeten interessiere, waren mir einige der in "Welt der Wunder" vorkommenden Wesen noch nicht bekannt, weshalb ich mich die wunderschönen und detaillierten Illustrationen von Fumi Nakamura begeistert haben. Ausserdem ist meine Lust geweckt worden, auf eigene Faust nach Bildern und Beschreibungen im Internet zu suchen, was sicher ganz im Interesse der Autorin ist.

"Wenn ein Oktopus stirbt, wird er dunkellila,
wie der Himmel über der Ägäis kurz bevor die Sterne zu strahlen beginnen."
S. 123

Genau so aufmerksam, wie Nezhukumatathil die Natur beobachtet und beschreibt, lenkt sie unsere Aufmerksamkeit auf die Menschen in ihrem Umfeld. Auf ihre Mutter, die Orangen aus eigenem Anbau verschenkt, um ihre Liebe auszudrücken. Auf ihre jungen Studierenden, welche sich wie Glühwürmchen in der Nacht bewegen. Auf die Menschen, welche ihr bereits in ihrer Kindheit das Gefühl gegeben haben, dass ihre Hautfarbe minderwertig sei, die Menschen, welche sie kleingehalten und verstummen haben lassen. Auf ihren Mann, der als einziger ihrer Datepartner bereit gewesen ist, mit ihr eine Titanenwurz zu bestaunen und dann nicht mehr von ihrer Seite gewichen ist.

Ich hätte noch unzählige weitere Beschreibungen und Geschichten aus Nezhukumatathils Feder lesen können und möchte an dieser Stelle auch die grossartige Leistung der Übersetzerin Anna von Rath loben. Sie ist in ihrem spannenden Nachwort auf die Besonderheiten dieses Buches sowie auf die vielen kleinen und grossen Kompromisse, die mit einer Übersetzung einhergehen, eingegangen und hat dabei sehr überzeugende Arbeit geleistet.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr herzliche Empfehlung für dieses Buch und ich werde die Autorin auf jeden Fall im Auge behalten. Schaut euch unbedingt auch ihren Instagramkanal an, ihr findet dort viele weitere Bilder, Gedichte und Textschnipsel.

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Veröffentlicht am 22.01.2023

Schrullig, spannend und intelligent erzählt

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Das Rätsel um Schloss Eichhorn: Ausgezeichnet mit dem Glauser-Preis 2023 (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 3)
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Inhalt:
Zum ersten Mal ermitteln Matilda und Rory Shy in einem Mord. Und dann noch in einem fünfundzwanzig Jahre zurückliegenden Cold Case. Eine Lehrerin des Internats Schloss Eichhorn ist damals ermordet ...

Inhalt:
Zum ersten Mal ermitteln Matilda und Rory Shy in einem Mord. Und dann noch in einem fünfundzwanzig Jahre zurückliegenden Cold Case. Eine Lehrerin des Internats Schloss Eichhorn ist damals ermordet worden. Durch die Ermittlungen wird Staub aufgewirbelt, Unfälle geschehen und sowohl Matildas Hund als auch Matilda selber werden vor grosse persönliche Herausforderungen gestellt. Oder weshalb ist Matilda plötzlich schüchtern? Liegt das vielleicht an einem Schüler des Internats? Fragen über Fragen...

Meine Meinung:
Es ist kein Geheimnis, dass ich ein grosser Fan dieser spannenden und unterhaltsamen Jugendbuchreihe bin. Auch dieser Band hat mir wunderbare Lesestunden beschert und war der bisher spannendste Teil der Reihe. Ausserdem bin ich selber lange im Dunkeln getappt, das mag ich immer besonders gerne. Nachdem im letzten Band aufgeflogen ist, dass Matildas "Freundin", bei der sie jeweils ihre ganzen Ferien verbracht hat, nur erfunden ist, muss Matilda nicht mehr ganz so oft zu Lügen greifen, um ihre vielen Abwesenheiten zu Hause zu erklären (eine grosse Lüge reicht) und ich habe mich besonders darüber gefreut, dass Matilda und Rory noch mehr zu einem Team zusammengewachsen sind und gemeinsam in jeder Hinsicht überzeugender und lustiger sind, als alleine.

Schreibstil und Aufbau:
Die nicht sehr langen Kapitel mit den sehr kreativen Überschriften sorgen dafür, dass man so richtig in die Geschichte eintauchen kann und nur so durch die Seiten fleigt. Es gelingt Oliver Schlick einmal mehr, die vorkommenden Figuren sehr detailliert und auch ein wenig schrullig auszuarbeiten. Auch ohne die passenden Illustrationen im Vor- und Nachsatz hätte ich mir die Personen sehr gut vorstellen können (aber die Illustrationen hätte ich auf keinen Fall miss wollen, sie sind einfach zu gut getroffen).

Meine Empfehlung:
Diesen dritten Band der Reihe empfehle ich euch aufgrund der besonders spannenden, intelligent erzählten Geschichte und den sehr liebevoll und passend ausgearbeiteten Figuren von Herzen weiter und freue mich bereits riesig auf die nächsten beiden Bände.

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Veröffentlicht am 11.12.2022

Unterhaltsam und spannend erzählt

Eiskalte Provence
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Inhalt:
Der Fund einer Frauenleiche lässt zuerst auf eine Beziehungstat schliessen. Als der pensionierte Commissaire Albin Leclerc von der Ermittlungen Wind bekommt, mischt er sich als polizeilicher Berater ...

Inhalt:
Der Fund einer Frauenleiche lässt zuerst auf eine Beziehungstat schliessen. Als der pensionierte Commissaire Albin Leclerc von der Ermittlungen Wind bekommt, mischt er sich als polizeilicher Berater in den Fall ein und entgeht damit dem weihnachtlichen Stress, der bei ihm zu Hause herrscht. Nach und nach bemerkt Leclerc, dass er den Fall massiv unterschätzt hat und dass er einer grossflächig organisierten und höchst gefährlichen Sekte auf der Spur ist.

Meine Meinung:
Diesen weihnachtlichen Krimi habe ich mir von einer Tante geliehen, weil das Buch perfekt in die Adventszeit passt. Bei Krimireihen lese ich ja oft erst einmal einen Band mitten aus der Reihe, damit ich mir ein Bild vom Schreibstil machen kann. Dieser Krimi hat mich positiv überrascht. Nicht nur ist die Handlung alles andere als altbekannt konstruiert, auch der Ermittler Albin Leclerc hat es mir angetan. Als pensionierter Polizeibeamter arbeitet er lediglich als polizeilicher Berater und ganz oft liefert er zwar entscheidende Hinweise, ihm sind aber immer wieder die Hände gebunden, wenn es darum geht, in Aktion zu treten. Ganz die passionierte Spürnase umgeht er diese Regelungen gekonnt und sorgt damit für viel Furore aber auch für Tempo in den Ermittlungen.

Schreibstil:
Dieser in der winterlich verschneiten Provence spielende Krimi spielt zur sonst so besinnlichen Vorweihnachtszeit. Die Stimmung auf dem Polizeiposten ist angespannt, will doch dieser Fall noch vor den Festtagen aufgeklärt werden und zudem steht das Ermittlerteam auch noch unter privatem weihnachtlichen Stress.
Diese unterschiedlichen Stimmungen werden sehr gut fassbar und ausserdem haben mir der temporeiche Erzählstil und die leicht schrulligen aber doch sehr realistisch beschriebenen Figuren sehr zugesagt. Ausserdem sorgen einige humorvolle und mitten aus dem Leben gegriffene Szenen für gute Unterhaltung und das Gefühl, die Figuren immer besser kennenzulernen.

Meine Empfehlung:
Aufgrund des Humors, der durchgehenden Spannung, den sympathischen Figuren und der guten Balance zwischen Ermittlungsarbeit und Privatleben des Ermittlerteams merke ich mir die weiteren Bände der Reihe auf jeden Fall vor und empfehle euch dieses Buch sehr gerne.

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Veröffentlicht am 17.09.2022

Unterhaltsam und einfach fürs Herz

Das kleine Café an der Mühle
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Inhalt:
Sophies Leben in Hamburg ist nicht mehr das, was es einmal war. Sie ist einsam, wird bei der Arbeit nicht geschätzt und nur ihre beste Freundin Miri ist ein Lichtblick in ihrem langweiligen Alltag. ...

Inhalt:
Sophies Leben in Hamburg ist nicht mehr das, was es einmal war. Sie ist einsam, wird bei der Arbeit nicht geschätzt und nur ihre beste Freundin Miri ist ein Lichtblick in ihrem langweiligen Alltag. Da stirbt auch noch ihre geliebte Tante Dotti und hinterlässt ihr ein Café in der Pampa, das sie für mindestens fünf Jahre lang weiterführen muss, um ihr Erbe überhaupt antreten zu können. Nach einigem Hin und Her lässt sie ihr tristes Leben in Hamburg zurück und reist nach Wümmerscheid-Sollensbach, wo sie mit unerwarteten Schwierigkeiten aber auch überraschender Hilfsbereitschaft konfroniert wird.

Meine Meinung:
Vor bald zwei Jahren habe ich den zweiten Band dieser Reihe "Winterzauber im kleinen Café an der Mühle" gelesen und war so angetan von dieser unterhaltsamen Geschichte, dass ich die Reihe unbedingt komplett lesen wollte. Auch dieser erste Band hat mich begeistertert und es war sehr angenehm, nun auch noch zu erfahren, wie Sophie überhaupt zu ihrem Café gekommen ist und welche Startschwierigkeiten sie anfangs hatte. Vor allem die Begegnungen mit den Sturköpfen der beiden sich stetig bekämpfenden Dörfer Wümmerscheid und Sollensbach haben mich bestens unterhalten. Zum Glück bekommt Sophie aber auch ein wenig Unterstützung und schafft es, sich ein wenig in dieser nicht ganz einfachen Region zurechtzufinden.

Schreibstil und Aufbau:
Das Autor*innenduo hat es geschafft, sowohl den tragischen Verlust ihrer Tante als auch Sophies schwierige Lebenssituation in Hamburg authentisch darzustellen und trotzdem ein sehr unterhaltsames Buch, das ans Herz geht, zu schreiben. Das turbulente Dorfleben wird liebenswert und mit einem Augenzwinkern beschrieben und Sophies kleine und grosse Errungenschaften und Rückschläge scheinen realistisch. Ausserdem ist zwar natürlich ein wenig Romantik in diesem Buch zu finden, sie nimmt aber nicht überhand und wirkt stimmig in die Handlung eingebettet.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine herzliche Empfehlung für die ganze Reihe und ich freue mich sehr, dass bald ein fünfter Band erscheinen wird, so habe ich noch mindestens drei schöne Geschichten vor mir.

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Veröffentlicht am 13.08.2022

Traurig, poetisch, zart und verletzlich erzählt und trotzdem hoffnungsvoll

Dry
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Inhalt:
Christine Koschmieder erzählt die Geschichte ihrer Jugend in Leipzig, ihrer Familie und ihrer grossen Liebe. Sie schreibt vom Tod ihres Mannes, vom Trinken und Aufhören, der Sucht, der Ohnmacht ...

Inhalt:
Christine Koschmieder erzählt die Geschichte ihrer Jugend in Leipzig, ihrer Familie und ihrer grossen Liebe. Sie schreibt vom Tod ihres Mannes, vom Trinken und Aufhören, der Sucht, der Ohnmacht als alleinerziehende Mutter und als immer wieder verlassene Tochter. Und ausserdem von Freundschaft, Liebe, Glück und Hoffnung.

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich nicht in unsere Ferien mitgenommen, weil ich als Erscheinungstermin den 17.8. im Kopf hatte und das Buch also direkt nach unserem Urlaub lesen wollte. Hätte ich es doch nur mitgenommen, spielt es doch mehrheitlich in Leipzig und ich habe nachgeschaut: ich bin an den meisten erwähnten Orten gewesen/vorbeigegangen oder war in unmittelbarer Nähe davon, was mir beim Lesen mehrmals Gänsehaut beschert hat.
Das im Buch vorherrschende Gefühl ist eine Mischung aus Aufbruchstimmung und einer tiefen Traurigkeit. Immer wieder war ich zu Tränen gerührt ob der beschriebenen Szenen und Schicksale und ich konnte das Buch kaum mehr aus der Hand legen. Scheinbar immer gelingt es der Protagonistin in dieser autofiktionalen Erzählung, auch noch den widrigsten Umständen zu trotzen, irgendwie weiterzumachen und sich selber und nach und nach auch ihre Kinder über Wasser zu halten. Doch dies gelingt nur mit Alkohol, mit Mustern, die ihr selber vorgelebt worden sind und immer dann, wenn es gerade wieder scheint, als wäre ein nächster Hügel erklommen, kommt auch schon der nächste Abgrund. Ich kann mir die enorme Stärke und Entschlossenheit gar nicht vorstellen, die vonnöten sind, sich selber - mitten in einer Pandemie - in eine Suchtklinik einzuweisen und dann noch auf Social Media aus diesem neuen Alltag zu berichten.

Erzählsprache:
"Dry", das sind Erinnerungen und Metaphern und sie sind so erzählt, wie der ganze Anfang des Buches, welcher sich mit dem Leben als junge Erwachsene, der ersten Liebe, dem ersten Kind, dem Krebstod des geliebten Mannes und dem weiteren Familienalltag befasst und auch in die eigene Kindheit und Jugend blicken lässt: nämlich Episodenhaft und aus einzelnen Fragmenten bestehend, manchmal ganz nahe am Geschehen dran, manchmal mit Abstand auf die Figuren blickend und sich letztendlich zu einem trüben Mosaik mit einzelnen Lichtblicken zusammensetzend. Die Sprache ist sanft und zart und sehr poetisch, Koschmieder deutet oft nur an, umschreibt und webt so langsam ein dichtes Netz aus Gefühlen, aus Bildern, aus dicken und dünnen Fäden, welche die Geschichte und ihre Figuren tragen. Sie macht sich damit enorm angreifbar, verletzlich und lässt sehr tief blicken in ein Leben, einen Alltag, der so oder ähnlich ihr Leben und ihr Alltag ist und war.

Meine Empfehlung:
"Dry" hat mir sehr nachdenklich und traurig stimmende Lesestunden beschert, mich gefesselt, immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht und mir auch Hoffnung gegeben. Diese zarte, verletzliche Geschichte ist sicher keine leichte Kost, von mir gibt es aber eine sehr herzliche Empfehlung für dieses aussergewöhnliche Buch.

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