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Veröffentlicht am 30.06.2022

Traurig und hoffnungsvoll zugleich

Die hundert Jahre von Lenni und Margot
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Inhalt:
Lenni ist siebzehn Jahre alt und unheilbar krank. Ihr einziger Freund ist der Klinikpater Arthur, mit dem sie sich über das Leben und Sterben austauscht. In einem Kunstkurs trifft sie unerwartet ...

Inhalt:
Lenni ist siebzehn Jahre alt und unheilbar krank. Ihr einziger Freund ist der Klinikpater Arthur, mit dem sie sich über das Leben und Sterben austauscht. In einem Kunstkurs trifft sie unerwartet auf die dreiundachtzigjährige Margot und die beiden unterschiedlichen Frauen beschliessen, ihre gemeinsamen hundert Jahre mit einem Kunstrprojekt zu würdigen im Rahmen dessen sie für jedes dieser hundert Jahre ein Bild malen und sich die dazugehörige Lebensgeschichte erzählen. So reisen wir mit Margot in eine belagerte Stadt im zweiten Weltkrieg, erleben mit Lenni eine glückliche Kindheit und begleiten die beiden Figuren durch zahlreiche Höhen und Tiefen in ihrer Biografie.

Meine Meinung:
"Die hundert Jahre von Lenni und Margot" habe ich schon lange beim Bloggerportal angefragt und mich dann riesig gefreut, dass das Buch nach mehreren Anläufen (es ist wohl auf dem Postweg verloren gegangen, evtl. sogar zweimal) bei mir angekommen ist. Eine wunderschöne Rezension (und einer der Gründe, weshalb ich es kaum mehr erwarten konnte, das Buch endlich lesen zu dürfen) findet ihr bei der lieben Jamie von Librovore.
Mich persönlich hat die Geschichte sofort für sich eingenommen. Marianne Cronin erzählt einfühlsam und liebevoll von zwei todkranken Frauen, die in einem Krankenhaus einen eher eintönigen Alltag erleben, bis sie diesen mit ihren Bildern, ihren Geschichten und vor allem ihrer Freundschaft immer bunter, voller, lebenswerter gestalten dürfen.
Die Ausflüge in Margots Vergangenheit, ein Leben voller Verluste aber auch Begegnungen mit Seelenverwandten und zahlreiche glückliche Momenten, haben mir besonders gut gefallen. Auch sehr für sich eingenommen haben Lennis wenige Erinnerungen an ihre Familie und ihre wunderschönen, zu Herzen gehenden und vor allem auch sehr unterhaltsamen Gespräche mit Pater Arthur. Dieser Diener Gottes erkennt schnell, dass sich Lenni nicht mit Allgemeinplätzen und auch nicht mit gemeinsamen Gebeten oder Bibelmetaphern zufrieden gibt, sondern dass die junge Frau täglich und mit einer enormen Willensstärke die Wahrheit wissen und Antworten auf die schwierigsten, intimsten und gewichtigsten Lebensfragen finden will. So entstehen Gespräche, die provokativ und traurig sind, aber auch immer wieder für hoffnungsvolle Momente sorgen und Lenni aber auch Pater Arthur in ihrer jeweiligen Lebenssituation Halt geben.

Erzählsprache und Aufbau:
Cronin hat sich mit ihrem Erstlingswerk einem sehr schwierigen Thema gewidmet und dies mit sehr viel Feingefühl gemeistert. Ihre Figuren wirken dabei wie mitten aus dem Leben gegriffen, haben Ecken und Kanten, trauern, sind wütend, hadern, geniessen und lachen zusammen. In diesem Buch geht es um die Liebe und Freundschaft, um Seelenbekannte, Verluste, das Leben und das Sterben und um alle möglichen, bunten Beziehungen und Lebensentwürfe.
Lenni und Margot erzählen ihre Geschichten jeweils in der Ich-Perspektive und dabei wird es immer wieder sehr emotional. Dabei schafft Cronin es stets, bildhaft zu bleiben, ohne ausschweifend zu werden, ihre Figuren sind nie pathetisch, es bleibt viel Raum für Humor, einige Leerstellen bleiben offen und die Geschichte verströmt Hoffnung und Zuversicht.

"Genau genommen", sagte Pippa und legte endlich den Pinsel ab, "stirbst du nicht".
"Nicht?"
"Nein."
"Kann ich also nach Hause?", fragte ich.
"Was ich meine, ist: Im Moment stirbst du nicht. Jetzt im Moment lebst du."
(S. 56)


Meine Empfehlung:
Für die letzten dreissig Seiten dieses Buches habe ich enorm lange gebraucht, weil meine Tränen die Sicht auf die Buchstaben pausenlos verschleiert haben. Und obwohl dieses Buch unendlich traurig ist, ist es doch so schön und hoffnungsvoll erzählt und zeigt auf, dass es im Leben vor allem darauf ankommt, glückliche, bewegende aber auch traurige Momente zu sammeln und mit lieben Menschen zu teilen. Von mir gibt es eine sehr herzliche Leseempfehlung für diesen buchigen Schatz.

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Veröffentlicht am 25.05.2022

Spannend und sehr unterhaltsam erzählter Jugendkrimi

Rory Shy, der schüchterne Detektiv - Der Fall der Roten Libelle (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 2)
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Inhalt:
Matilda ist gar nicht mal so traurig darüber, dass ihre Eltern über die Osterferien verreist sind. So kann sie nämlich - lediglich von ihrer Nachbarin Frau Zeigler mit köstlichem Essen und spannenden ...

Inhalt:
Matilda ist gar nicht mal so traurig darüber, dass ihre Eltern über die Osterferien verreist sind. So kann sie nämlich - lediglich von ihrer Nachbarin Frau Zeigler mit köstlichem Essen und spannenden TV-Abenden versorgt - gemeinsam mit Rory Shy in einem neuen, brisanten Fall, einem Kunstdiebstahl mit schwerer Körperverletzung, ermitteln. Einmal mehr sind ihre gesellige Art und ihr Mut genau die Faktoren, welche Licht ins Dunkel bringen.

Meine Meinung:
Sicher erinnert ihr euch an meine begeisterte Rezension zum ersten Band der Rory-Shy-Reihe. Den zweiten Band habe ich mir vom Liebsten (aka "Osterhasen") zu Ostern gewünscht und habe ihn mehrheitlich zu Hause auf Balkonien gelesen. Das Buch ist nämlich so schön gestaltet, dass ich es nitgendwohin mitnehmen wollte. Entsprechend lange habe ich für die Lektüre gebraucht, aber ich habe jede Seite geniessen können.
Die eigentliche Hauptfigur Matilda ermittelt erneut in einem abenteuerlichen und gefährlichen Fall und ist nicht selten mit ihrer unkomplizierten, offenen Art genau die Hilfe, die Rory Shy, der zu schüchtern ist, um Befragungen durchzuführen oder zu telefonieren, für seine Arbeit braucht.
Der Fall führt Matilda ans Filmset ihrer Lieblingsserie "Mörderische Ehefrauen", welche sie sich täglich mit Frau Zeigler ansieht. Und Rory Shy kommt sogar zu einem Gastauftritt in der Serie, den er aufgrund seiner Schüchternheit nur mit einem kleinen Schwips bewältigen kann.
Einzig die vielen Lügen, welche Matilda der gutgläubigen Frau Zeigler auftischt/auftischen muss, um tagelang wegzubleiben, finde ich ein wenig gar dreist, schliesslich könnte Matilda ihr einfach sagen, dass sie auf eigene Faust ermittelt und Rory Shy komplett aus dem Spiel lassen. Ansonsten hat mir das Buch aber sehr gut gefallen und mich mit seinem Witz bestens unterhalten. Die wundervollen Figuren (unter anderem Matildas änglicher Hund Dr. Herkenrath oder Rorys charmante und ebenfalls sehr schüchterne Liebste Charlotte) haben es mir wieder angetan und ich freue mich schon riesig auf den nächsten Band der Reihe.

Meine Empfehlung:
"Der Fall der roten Libelle" ist wunderbar unterhaltsam und spannend erzählt, führt ganz viele weitere Figuren mit tollen Hintergrundgeschichten ein und macht einen Abstecher in die Kunstwelt und ans Set der Serie "Mörderische Ehefrauen". Von mir gibt es eine sehr, sehr herzliche Empfehlung.

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Veröffentlicht am 20.04.2022

Sehr düster, spannend und bewegend

Hagebuttenblut
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TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter

Die Charlie Lager-Serie
1. Löwenzahnkind
2. Hagebuttenblut
3. Mohnblumentod

Inhalt:
Charlie Lager ...

TW: Sexualisierte Gewalt, Vergewaltigung, Alkoholismus, Drogenkonsum

Hagebuttenblut - Lina Bengtsdotter

Die Charlie Lager-Serie
1. Löwenzahnkind
2. Hagebuttenblut
3. Mohnblumentod

Inhalt:
Charlie Lager stösst eher zufällig auf einen ungelösten Vermisstenfall und reist widerwillig und äusserst ruhelos in ihre Heimat Gullspång, um die Ermittlungen neu aufzurollen. Bei der Suche nach Hinweisen zum drei Jahrzehnte zurückliegende Verschwinden der sechzehnjährigen Francesca begegnen ihr einige Geister aus der Vergangenheit und immer mehr Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend werden sehr präsent. Dabei entdeckt sie nicht nur zahlreiche Geheimnisse sondern erfährt auch erschreckende Dinge über ihre Mutter.

Meine Meinung:
Beim Tippen der Rezension habe ich bemerkt, dass dieses Buch heute vor einem Jahr erschienen ist und ich muss ehrlich sagen, dass mir dies kurz Gänsehaut beschert hat. Das passt irgendwie sehr gut zum Buch, denn in "Hagebuttenblut" wird nichts dem Zufall überlassen, die Handlug knüpft nahtlos an "Löwenzahnkind" an, alte Bekannte und viele neue Figuren tauchen auf und Charlie Lager gibt sich auf gefährliche Spurensuche. Nicht nur ihre eigenene Vergangenheit wird immer fassbarer, auch viele weitere Geheimnisse aus und um Gullspång kommen ans Tageslicht.
Am liebsten würde ich sofort noch einmal "Mohnblumentod" lesen und die Geschichte nun mit dem Vorwissen aus den ersten beiden Bänden erleben. Sicher würden dabei noch mehr Dinge über Charlie Lager und ihre Familie klar und ich werde in den nächsten Tagen wohl zumindest noch einmal intensiv im Buch blättern.
Charlie Lager und ihre manchmal schroffe, äusserst intelligente und scharfsinnig kombinierende Art mag ich sehr gerne. Auch die anderen Figuren sind passend und facettenreich beschrieben und so düster es in Gullspång auch ist, so gerne reise ich trotzdem dahin, um einen weiteren grandios konstruierten und bis ins letzte Details stimmigen Fall an Charlie Lagers Seite aufzuklären.

Stimmung und Sprache:
Lina Bengtsdotter erzählt diese ausgeklügelte und tragische Geschichte mit einer Sprache, die vor Dunkelheit nur so trieft. Es scheint nie hell zu werden in Gullspång, die meisten Menschen im kleinen Ort sind sehr arm, die wenigen reichen Menschen sind um so unglücklicher und die Geheimnisse, welche alle mit sich tragen, sind unendlich abgründig. Diese Sprache ist etwas ganz Besonderes, sie kann sehr kalt und abweisend wirken, aber trotzdem blickt Bengtsdotter ihren Figuren stets mitten ins Herz. Sie beschreibt einfühlsam und nachvollziehbar, welche Schicksale die Menschen mit sich tragen und zu dem machen, was sie sind.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine dringende Empfehlung für "Hagebuttenblut" und die ganze Reihe und ausnahmsweise empfehle ich es wirklich sehr, die Bücher chronologisch zu lesen. Leider ist die Trilogie mit Mohnblumentod komplett, aber Lina Bengtsdotter schreibt an einem neuen Buch mit einem neuen Ermittlerteam.

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Veröffentlicht am 27.03.2022

Warmherzig und poetisch erzählt

Baba Dunjas letzte Liebe
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Inhalt:
Baba Dunja lebt im fiktiven, Tschernobyl nachempfundenen Ort Tschernowo, einem Teil der sogenannten Todeszone. Sie ist einige der wenigen Rückkehrerinnen, welche stur und einfach ihr restliches ...

Inhalt:
Baba Dunja lebt im fiktiven, Tschernobyl nachempfundenen Ort Tschernowo, einem Teil der sogenannten Todeszone. Sie ist einige der wenigen Rückkehrerinnen, welche stur und einfach ihr restliches Leben in der verstrahlten Gegend, ihrer Heimat, verbringen. Ohne fliessendes Wasser und mit einer nur teilweise funktionierenden Telefonverbindung leben die bereits alten und kranken Menschen als eingeschworene Gemeinschaft, welche sich vor der Radioktivität in ihrem selbstgezogenen Gemüse und im Brunnenwasser nicht mehr zu fürchten brauchen, zusammen. Alle paar Wochen fährt die längst pensionierte ehemalige Hilfsschwester Baba Dunja, die als eine Art unfreiwillige Dorfvorsteherin fungiert, mit dem Bus in die Stadt, um einige Einkäufe zu tätigen und die Post zu holen. Der beschauliche und stets ein wenig gleichförmige Alltag der nebeneinanderher existierenden aber in ihren Überzeugungen zusammenhaltenden Menschen wird jäh erschüttert, als ein Vater mit seiner jungen und gesunden Tochter in die Gegend ziehen will, was von den Bewohnerinnen Tschernowos, die zwar ihre eigenen Krankheiten und ihren eigenen bevorstehenden Tod akzeptiert haben, aber dieses Risiko für ein gesundes Kind nicht zulassen können, mit allen Mitteln verhindert wird. Die Ereignisse überschlagen sich und locken einige dieser von der restlichen Gesellschaft zugleich bewunderten, bemitleideten und gefürchteten Menschen aus ihrer Reserve. Auch todgeweihte Menschen lieben und leben noch, wollen sich Träume erfüllen und ihren Frieden finden.

Meine Meinung:
"Baba Dunjas letzte Liebe" stand schon jahrelang auf meiner Wunschliste. Durch die aktuellen Ereignisse in der Ukraine erschüttert, habe ich mich dazu entschieden, dieses Buch zu kaufen und sofort zu lesen. Die sehr berührende und kurzweilige Lektüre hat mir ganz viele Einblicke in das Leben von Tschernobyl-Rückkehrerinnen beschert, orientiert sich Alina Bronsky doch an historischen Fakten und den realen Geschichten der Menschen, welche sich - des Risikos bewusst, aber ohne etwas zu verlieren zu haben - in ihrer alten Heimat, der heutigen Todeszone um Tschernobyl niedergelassen haben und in fast kompletter Unabhängigkeit und Freiheit ihre restlichen Jahre erleben wollen.

Figuren:
Innerhalb von so wenigen Seiten gelingt es Alina Bronsky, eindrückliche Charakterskizzen der Bewohner
innen von Tschernowo zu erstellen. Da ist Baba Dunja, die bedächtig, überlegt und voller Dankbarkeit für die Schätze, welche ihr Garten und die umliegenden Wälder hergeben, ihren Alltag begeht und voller Sehnsucht zu ihrer Tochter und der Enkelin, welcher sie noch nie begegnet ist, Briefe nach Deutschland schreibt. Sie hinterfragt dabei zwar stets ihre Qualität als Mutter, sendet ihrer Tochter aber im gleichen Atemzug die schönsten, optimistischsten Berichte in die Ferne, damit sich diese auf keinen Fall Sorgen machen muss. Sie ist eine Art Bürgermeisterin wider Willen und kümmert sich nicht nur um die täglichen Sorgen, Nöte und Bedürfnisse ihrer Nachbar*innen, sondern kommuniziert auch permanent mit den Toten, welche die friedliche Umgebung immer noch bewohnen.
Auch Marja, die sich gefühlt nur von den von Baba Dunja gekochten Gerichten und mitgebrachten Medikamenten ernährt und stets ihrem verstorbenen Mann nachtrauert, obwohl er sie geschlagen hat, nimmt eine wichtige Rolle in der Geschichte ein. Ihr Hahn und ihre gute Seele lassen sie zuerst ein Festmahl und später einen zweiten Frühling erleben und sie steht für die Hoffnung in einer selbstgewählten, todgeweihten Schicksalsgemeinschaft.
Besonders gut unterhalten haben mich die Szenen, in denen Sidorow, der über das einzige und eigentlich nie funktionierende Telefon verfügt und der krebskranke Petrow, dessen entschlossenes Handlung zum entscheidenden Wendepunkt der Geschichte führt, vorkommen. Das Ehepaar Gavrilow übernimmt die Rolle der neureichen Zugezogenen und Lenotschka die der ewig vor sich hinstrickenden Frau, welche nie Kinder bekommen wollte.

Schreibstil:
Alina Bronsky schafft es, diverse existenzielle Themen und zutiefst menschliche Regungen und Dramen, aber auch ganz viel Humor, Zusammenhalt und wunderschöne Naturschilderungen in diesem so kurzen Büchlein unterzubringen. Die Geschichte scheint langsam und poetisch erzählt und ist dennoch durch die enorme Vielschichtigkeit sehr dicht gewoben, wirkt aber nie überladen, sondern vielmehr sehr schlicht. Ein ganz bewonderes Gewicht erhält die nur durch Briefe und Erinnerungen aufrecht erhaltene Beziehung zwischen Baba Dunja und ihrer Tochter Irina sowie Baba Dunjas Enkelin Laura. Diese in ihrer Schönheit und Tragik einzigartige Familienstudie hat mich tief berührt.

Meine Empfehlung:
Voller Begeisterung empfehle ich euch diesen unaufgeregt erzählten Aussteigerroman, der gleichzeitig auch ein Familienroman und eine Art Krimi ist. Die einfühlsamen und warmherzigen Charakterstudien, die am Rande mitschwingende Gesellschaftskritik und die mitten ins Herz treffende und mit ihrer Schönheit und ihrer mit dem Leben und Sterben versöhnende Sprache haben mich komplett für sich eingenommen und auf die weiteren Bücher von Alina Bronsky neugierig gemacht.

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Veröffentlicht am 15.03.2022

Spannend, unterhaltsam und liebenswert erzähltes Kinder- und Jugendbuch

Rory Shy, der schüchterne Detektiv (Rory Shy, der schüchterne Detektiv, Bd. 1)
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Inhalt:
Die zwölfjährige Matilda ist eine aufgeweckte Hobby-Detektivin, welche es liebt, Fälle in ihrer Nachbarschaft zu lösen. Immer an ihrer Seite aber nur mässig hilfreich ist dabei ihr überaus ängstlicher ...

Inhalt:
Die zwölfjährige Matilda ist eine aufgeweckte Hobby-Detektivin, welche es liebt, Fälle in ihrer Nachbarschaft zu lösen. Immer an ihrer Seite aber nur mässig hilfreich ist dabei ihr überaus ängstlicher Cockerspaniel Dr. Herkenrath. Ihr grösstes Vorbild ist der berühmte Detektiv Rory Shy, den sie bei einer abendlichen Gassirunde aus einer misslichen Situation befreit. Als Entschädigung für die Rettungsaktion verlangt sie, Rory Shy als Praktikantin zur Seite stehen zu dürfen. Zumindest während der Weihnachtsferien. Innerhalb von wenigen Stunden geraten die beiden mitten in einen komplizierten Fall und die mitteilsame Matilda wird zum grössten Trumpf für den schüchternen Detektiv.

Meine Meinung:
Auf die Reihe aufmerksam geworden bin ich bei Aleshanee vom Blog Weltenwanderer. Ihre begeisterten Rezensionen haben mich dazu bewegt, mir diesen ersten Band der Reihe von meinem Mann zu Weihnachten schenken lassen und ich habe es nicht bereut. Rory Shy und vor allem seine Assistentin Matilda, welche die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt und die eigentliche Hauptperson des Krimis ist, habe ich sofort ins Herz geschlossen und die beiden haben mich ein wenig aus meinem turbulenten Alltag entfliehen lassen.
Den Fall um die verschwundene Perle der Millionenerbin Charlotte Strudel habe ich mit grösstem Vergnügen gelesen und besonders gut gefallen haben mir dabei der unkomplizierte Umgang unserer Heldin Matilda mit Rory Shys Schüchternheit und allen anderen Eigenschaften der auftretenden Figuren, aber auch die leicht überzogenen und um so amüsantere Situationskomik. Zur Jahreszeit passend - das Buch spielt mitten in Matildas Weihnachtsferien - sorgen eine riesige aber gemütliche Villa, ein verschneiter Park und eisig kalte Temperaturen für Lesestunden, die man am liebsten schön eingekuschelt mit einem Heissgetränk geniessen möchte, was ich auch im März noch gerne getan habe.

Schreibstil:
Das Buch liest sich äusserst flüssig und ist sehr, sehr unterhaltsam geschrieben. Auf den Vorsatzseiten finden sich Skizzen der vorkommenden Personen und die Kapitelanfänge sowie die einzelnen Seiten sind sehr liebevoll gestaltet. Die Altersempfehlung des Verlages (ab 10 Jahren) empfinde ich als sehr passend und die Erzählsprache ist dem jungen Publikum angemessen. Besonders aufgefallen sind mir die zu den Figuren passenden Namen - so wird Matildas Lieblingscafé beispielsweise von Doro Puderzucker geführt - Details, welche mich immer sehr für sich einnehmen. Ausserdem plappert Matilda in allen Gesprächen so, wie ihr der Schnabel gewachsen ist (oder spinnt ihre wilden Theorien in ihren Gedanken fort), geht aber mit ihren Mitmenschen trotzdem sehr rücksichtvoll und einfühlsam um, erzählt keine Geheimnisse weiter und und tritt niemandem zu nahe, was ich für ein Kinder- und Jugendbuch als besonders schöne und wichtige Botschaft empfinde.
Der Fall bleibt übrigens bis zum Schluss spannend und mit Matildas Hilfe und Rory Shys ganz besonders geheimen (und schrägen) Fähigkeit, kommen wir diversen Geheimnissen und Verstrickungen auf die Spur, die letztendlich zu einem grossen Ganzen zusammengefügt werden können.

Meine Empfehlung:
Von mir gibt es eine sehr herzliche Empfehlung für dieses spannende und herzerwärmende Jugendbuch, das sich sicher wunderbar im Winter oder zur Weihnachtszeit lesen lässt, aber auch sonst für ganz viele unterhaltsame Lesestunden sorgt.

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