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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.03.2022

Raffiniert und gut durchdacht

Mrs Agatha Christie
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Nachdem ich bereits zwei Bücher von Marie Benedict gelesen und sehr geschätzt habe, war dieses Buch ein 'Muss' für mich, und ich wurde nicht enttäuscht. Zwar geht es diesmal nicht um starke Frauen im Schatten ...

Nachdem ich bereits zwei Bücher von Marie Benedict gelesen und sehr geschätzt habe, war dieses Buch ein 'Muss' für mich, und ich wurde nicht enttäuscht. Zwar geht es diesmal nicht um starke Frauen im Schatten ihrer berühmten Männer (wie bei Mrs Churchill und Frau Einstein), sondern um die weltberühmte Krimi-Autorin, von deren Privatleben ich bislang wenig wusste.
Agatha heiratet den damaligen Mann ihrer Träume, den Oberst der Luftwaffe Archie Christie. Sie setzt sich damit auch gegen ihre Mutter durch, die sich einen anderen Schwiegersohn ausgeguckt hatte. Archie ist zunächst ein lebenslustiger und adäquater Partner, ändert sich aber sehr schnell und wird missmutig und depressiv, oft auch zornig. Er liebt die Stille und wendet sich immer mehr von Agatha ab. Hier hat mich sehr verwundert, dass diese intelligente Frau sich Archies Wünschen total unterordnet und ihn nach seinen Wünschen bemuttert. Sie setzt sogar ihre Tochter Rosalind an zweite Stelle und engagiert ein Kindermädchen, um sich besser um Archie kümmern zu können. Ein Jahr lang zieht sie mit Archie zu Werbezwecken durchs Empire und lässt die kleine Tochter allein. Der Dank für ihre Aufopferung bleibt leider aus, ganz im Gegenteil: Archie hat bald eine junge Geliebte und möchte sich scheiden lassen. Und nun kommen wir zum Thema des Buches: Plötzlich verschwindet Agatha, ihr Auto wird gefunden und Archie wird verdächtigt, seine Frau beseitigt zu haben....
Genauso geheimnisvoll, wie Agatha verschwand, taucht sie auch wieder auf, und zwar nach elf Tagen. Was ist geschehen? Es ist äußerst spannend, die Entwicklungen zu verfolgen, die aus verschiedener Perspektive beschrieben werden. Für mich war das Buch ebenso aufregend wie ein Krimi. Auch gelingt es der Autorin sehr gut, die Atmosphäre einzufangen, besonders die wachsende Schuldzuweisung durch die Öffentlichkeit und Archies Gefühl des Eingekesseltwerdens. Es werden reale und fiktive Elemente gemixt, ohne dass man es bemerkt, denn sie passen gut zusammen. Die von der Autorin präsentierte Erklärung für Agathas Abtauchen ist geradezu brillant, denn sie gleicht einer Geschichte aus Agatha Christies Feder. Dadurch gewinnt die Hauptprotagonistin ihre Stärke zurück, die jahrelang blockiert war, und für den Leser ist die Welt wieder in Ordnung.
Mich hat das Buch begeistert, es ist sehr lesenswert, und ich hoffe, dass die Autorin noch weitere Biographien starker Frauen präsentieren wird.

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Veröffentlicht am 08.03.2022

Mega spannend - genialer Abschluss der Reihe

Violas Versteck (Tom-Babylon-Serie 4)
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Dies ist der 4.Band der Thriller Reihe um den LKA Ermittler Tom Babylon. In allen bisherigen Bänden, die ich mit Spannung gelesen habe, taucht Toms Schwester Viola in irgendeiner Form auf, bisweilen auch ...

Dies ist der 4.Band der Thriller Reihe um den LKA Ermittler Tom Babylon. In allen bisherigen Bänden, die ich mit Spannung gelesen habe, taucht Toms Schwester Viola in irgendeiner Form auf, bisweilen auch wie eine nervtötende Erscheinung, denn offiziell ist sie tot. Der Titel des 4. Bandes suggeriert nun, dass sie noch am Leben ist, denn warum sollte sie sonst ein Versteck haben? Mit großen Erwartungen habe ich deshalb dieses Buch gelesen und wurde nicht enttäuscht. Sehr, sehr spannend - ein regelrechter Pageturner, nur mit Widerwillen unterbricht man die Lektüre.
Der Schauplatz ist diesmal in weiten Teilen nach England verlagert, denn in einem Müllcontainer im Londoner Stadtteil Clerkenwell wird Tom Babylon gefunden, nackt und mit einer schweren Kopfverletzung. Infolgedessen leidet er an Amnesie, die so ausgeprägt ist, dass er noch nicht einmal weiß, wie er überhaupt nach London gekommen ist. Eine Ärztin im Hospital kümmert sich liebevoll um ihn, aber kann er ihr wirklich vertrauen? Immerhin erfährt er mit ihrer Hilfe, dass er seinen Job beim LKA gekündigt hat und seine Frau mitsamt Sohn ihn verlassen hat. Das tritt aber alles in den Hintergrund, weil er ja seine Schwester Viola sucht, und signifikante Spuren haben ihn nach England geführt. Bald findet er heraus, dass es noch weitere Personen gibt, die Viola finden wollen, da sie offensichtlich etwas Außergewöhnliches im Besitz hat.
Toms Kollegin Dr. Sita Johanns bekommt von Tom den Auftrag, seinen Widersacher Dr. Walter Bruckmann zu besuchen, um ihm eine Botschaft zu überbringen. Dieser befindet sich in einer forensischen Klinik, weit abgelegen in den Allgäuer Bergen. Aber auch sie kommt sehr bald in arge Bedrängnis....
Mehr möchte ich zum Inhalt nicht verraten, aber die Situation spitzt sich immer wieder zu. Es wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und auf unterschiedlichen Zeitebenen, die vor den jeweiligen Kapiteln angegeben werden. Tom Babylon muss wieder sehr viel einstecken, man wundert sich manchmal, wie er das alles überlebt. Immer wieder gibt es Überraschungen, Angriffe, enttäuschte Hoffnung oder aussichtslos erscheinende Situationen. Manche Szenen sind regelrecht schaurig, was aber auch die Spannung anheizt.
Die Hauptprotagonisten Tom und Sita sind sehr detailliert und überzeugend beschrieben, man kann ihre Aktionen nachvollziehen und mit der Zeit auch vorausahnen. Beide sind mir nicht sehr sympathisch, aber das spielt keine Rolle, um ihre Verhaltensweisen gedanklich zu unterstützen. Tom wünsche ich nach der Auflösung dieses gewaltigen Falls ganz dringend eine Auszeit und eine kompetente psychologische Betreuung, denn in meinen Augen ist sein Verhalten teilweise psychotisch, besonders im Wahrnehmungsbereich. Dadurch werden auch seine Emotionen beeinflusst. Aber vielleicht ändert sich das nun...
Alles in allem habe ich das dicke Buch (über 600 Seiten) in kurzer Zeit verschlungen, es hat mir äußerst spannende Unterhaltung gebracht und bekommt eine eindeutige Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 24.02.2022

Skurrile Typen und große Spannung

Mrs Potts' Mordclub und der tote Nachbar
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Judith Potts, 77 Jahre alt, lebt im beschaulichen Ort Marlow, an der Themse gelegen, und ist stadtbekannt, da sie ein recht exzentrisches Leben führt. Sie ist neugierig und resolut, lebt allein, um sich ...

Judith Potts, 77 Jahre alt, lebt im beschaulichen Ort Marlow, an der Themse gelegen, und ist stadtbekannt, da sie ein recht exzentrisches Leben führt. Sie ist neugierig und resolut, lebt allein, um sich nicht fremdbestimmen zu lassen, arbeitet als Kreuzworträtsel-Autorin und liebt das Nacktschwimmen im Fluss. Als sie dort wieder einmal abends unterwegs ist, hört sie einen Schuss und ist sicher, dass ihr netter Nachbar getötet wurde. Die Polizei hält dies zunächst für eine Spinnerei, zumal auch keine Leiche gefunden wird, und so beginnt Judith auf eigene Faust zu ermitteln, da der Nachbar 'ein guter Freund' war. Im Laufe ihrer Ermittlungen gewinnt sie zwei weitere Damen als Unterstützung, die ebenso skurril sind wie sie selbst. Da ist zum einen die Pfarrersgattin Becks, überkorrekt und neurotisch, und zum anderen Suzie, eine Hundesitterin, die in einem unvollständigen Haus lebt.
Das Trio hat außergewöhnliche Ermittlungsmethoden, gewagte Ideen, starke Einsätze und ein gutes Fingerspitzengefühl für kriminelle Machenschaften, was einen immer wieder an die köstliche Miss Marple erinnert. Manche Szenen sind wirklich filmreif, und man hat bei der bloßen Vorstellung ein Schmunzeln im Gesicht. Auf gekonnt britische Art werden uns die bizarren Charaktere nähergebracht, natürlich vollkommen überzeichnet, aber das gehört dazu und macht diese Cosy Crimes so liebenswert. Ich liebe diese spleenigen Typen! Auch wenn mal etwas realitätsfern erscheint, stört dies überhaupt nicht, es passt einfach.
Durch ihre Teamarbeit entwickeln die drei Damen auch sehr viel Empathie füreinander und blühen regelrecht auf. Der Autor hat dies detailliert und glaubwürdig beschrieben. Überhaupt ist der Schreibstil sehr angenehm und gut lesbar.
Dazu kommt, dass der Spannungsbogen immer intensiver wird und man im letzten Drittel das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Als Leser reiht man sich irgendwann in die Reihe der Ermittelnden ein und rätselt mit. Dies war hier von ständigem Umdenken gekennzeichnet und hat großen Spaß gemacht. Kaum war man sicher, die richtige Fährte gefunden zu haben, gab es wieder eine Wendung. Äußerst kurzweilig! Allerdings muss ich gestehen, dass ich letztendlich nicht erfolgreich war, denn die Lösung war sehr überraschend, aber logisch zugleich.
Der Abschied fällt mir schwer, und ich hoffe, dass weitere Bände folgen werden. Gute Krimis müssen nicht bluttriefend und gewalttätig sein, es geht auch anders! Ich habe das Buch genossen und spreche eine klare Lese-Empfehlung aus.

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Veröffentlicht am 06.02.2022

Minenfelder im Gedächtnis

Der Erinnerungsfälscher
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Said Al-Wahid ist auf dem Rückweg von einer Lesung, als ihn die Nachricht erreicht, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er hat sie lange nicht gesehen, da sie immer noch im Irak lebt, von wo Said vor der ...

Said Al-Wahid ist auf dem Rückweg von einer Lesung, als ihn die Nachricht erreicht, dass seine Mutter im Sterben liegt. Er hat sie lange nicht gesehen, da sie immer noch im Irak lebt, von wo Said vor der Diktatur geflohen ist und nun schon viele Jahre in Deutschland lebt. Er lebt in Berlin, zusammen mit seiner Lebensgefährtin Monica und dem kleinen Sohn Ilias.
Said beschließt, sofort nach Bagdad zu fliegen, um keine Zeit zu versäumen, denn er möchte seine Mutter noch einmal sehen. Den deutschen Reisepass hat er immer dabei, er ist für ihn das wichtigste Dokument, denn es erleichtert sein Leben. Unterwegs hat er nun viel Zeit, sich emotional auf seine alte Heimat einzulassen, und damit kommen auch zahlreiche Erinnerungen auf.
Viele seiner Erinnerungen sind negativ besetzt, denn in seiner Heimat sind schlimme Dinge passiert, auch innerhalb seiner Familie, ebenso auf der Flucht. Dies sind die Minenfelder in seinem Gedächtnis, die er nicht gern betreten möchte. Dazu gehört z.B. der sinnlose Tod seiner Schwester und ihrer Familie.
Er bezeichnet sich selbst als Erinnerungsfälscher, denn er füllt leere Erinnerungsrahmen mit fiktiven Inhalten aus, bzw. weiß er nicht, ob sie Realität sind oder nicht, denn es gibt mehr als eine Variante dieser Erinnerungen, aber was ist authentisch? Ich denke, die erlittenen Traumata bringen ihn dazu, die Vergangenheit in einigen Bereichen zu verdrängen.
Irgendwie scheint mir Said ein einsamer Mensch zu sein, der auf sich allein gestellt ist. Er hat zwar Kontakte, sogar eine eigene Familie, aber wichtige Entscheidungen trifft er allein. Und er ist auch oft allein, allein mit seinen Erinnerungen. Daher ist die Atmosphäre oft niederdrückend, was zum Inhalt des Buches passt.
Der Schreibstil das Autors ist flüssig und gut verständlich. Er benutzt eine einfache Sprache, ohne Verschnörkelungen, was meiner Meinung nach aber gut zum Inhalt passt, denn auch das geschilderte Leben ist bescheiden und schmucklos. Teilweise hat man das Gefühl, biographische Züge zu erkennen, vielleicht auch nur auf der Gefühlsebene.
Nach dem 'Palast der Miserablen' hat mich auch dieses Buch von Abbas Khider wieder sehr beeindruckt, und ich spreche eine eindeutige Leseempfehlung aus.

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Veröffentlicht am 01.02.2022

Ergreifende Lebensmomente in Kurzgeschichten

Milch Blut Hitze
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Dies ist ein Buch, das man nicht einfach nur liest und abhakt, sondern es beschäftigt den Leser weiter. Die Themen der Short Stories sind sehr lebensnah, und man fragt sich, wie man sich selbst in einer ...

Dies ist ein Buch, das man nicht einfach nur liest und abhakt, sondern es beschäftigt den Leser weiter. Die Themen der Short Stories sind sehr lebensnah, und man fragt sich, wie man sich selbst in einer solchen Situation verhalten würde. Da ist z.B. Lucas, der sich mit dem Rest der Familie zerstritten hat, weil er der einzige war, der den von ihm gehassten Vater hätte am Leben halten können. Aber er hat abgelehnt, ich als Leser setze mich mit dieser schwierigen Situation auseinander und frage mich, wie ich entschieden hätte.
Alle Storys spiegeln verschiedene Situationen im Leben wieder, die nicht einfach zu bewältigen sind und von einer gewissen Schwermut überlagert sind.
Eine Story hat mich besonders aufgewühlt, da sie grausame soziale Gegensätze herausstellt. Es geht da um einen elitären Club, der sich durch besondere Vorlieben auszeichnet.
Die Situationen berühren den Leser, weil sie Gefühle ausdrücken, mit denen sich fast jeder mal auseinander setzen muss, es geht um Verluste, Verlustängste, Einsamkeit, Rebellion, Schuld und Vergebung, Verzweiflung , Angst....die Authentizität der Geschichten ist eindeutig gegeben. Die Protagonisten sind überwiegend weiblich und mit dunkler Hautfarbe. Naheliegend sind daher auch Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit.
Der Schreibstil ist sehr elaboriert, die sprachliche Vielfalt bemerkenswert. Die Autorin beschreibt die jeweiligen Szenen sehr eindrucksvoll und gut vorstellbar. Teilweise sind die Enden offen, man kann seiner Gedankenwelt freien Lauf lassen. Oder das Ende kommt mit aller Macht und überrascht den Leser.
Das Buch hat mich positiv überzeugt, ich spreche eine Leseempfehlung aus und gebe gern die volle Punktzahl.

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