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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.08.2021

Ein gelungener Reihenauftakt

Das Kreuz des Pilgers
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Petra Schier, Autorin zahlreicher historischer Krimis und Romane entführt uns in das Koblenz von 1379.

Die Handelskarawane, in der Reinhild und Gottfried von Winneburg sowie deren Jugendfreund Palmiro ...

Petra Schier, Autorin zahlreicher historischer Krimis und Romane entführt uns in das Koblenz von 1379.

Die Handelskarawane, in der Reinhild und Gottfried von Winneburg sowie deren Jugendfreund Palmiro und Conlin reisen, wird auf der Heimreise von Wegelagern überfallen. Gottfried stirbt bei der Rettung eines kleinen Mädchens. Zurück in Koblenz müssen sich Reinhild, Palmiro und Conlin der geänderten Situation stellen. Besonders Conlin trifft es hart, denn sein älterer Bruder Oswald scheint den Verstand verloren zu haben.

Die drei teilen mehrere (Familien)Geheimnisse miteinander und dann ist da noch das silberne Kruzifix, eine besondere Reliquie, die die drei Familien verbindet.

Meine Meinung:

Petra Schier schafft es immer wieder, durch ihre opulente und lebendige Erzählweise ihre Leser in längst vergangene Zeit abtauchen zu lassen. Sei es in ihren Mittelalterromanen wie der Adelina-Reihe, der Lombarden-Reihe oder ihrer Krimi-Reihe, die sie als Mila Roth verfasst hat.

Die historischen Details sind sauber recherchiert. Die Charakter sind vielschichtig angelegt. Manche Figuren sind in ihrem Gehabe ihrer Zeit voraus und müssen sich deshalb vor der den Alltag bestimmenden Kirche in Acht nehmen. Ja, mit der Kirche ist es überhaupt so ein Kreuz! So mancher ihrer Repräsentanten sorgt sich weniger um das Seelenheil seiner Schäfchen, sondern um seine eigene Macht. Andersdenkende (und Fühlende) werden gnadenlos verfolgt.

Spannend sind auch die vielen Andeutungen rund um die Familiengeheimnisse. Einige habe ich ziemlich schnell entdeckt und gelöst, andere wiederum werden vermutlich erst im nächsten Band enthüllt.

Wie wir es von Petra Schier gewöhnt sind, braucht es in ihren historischen (Kriminal)Romanen eine Menge Personal, die aber übersichtlich zu Beginn des Buches aufgelistet sind. So kann man, bevor die Übersicht verloren geht, wieder nachlesen. Der Stadtplan des mittelalterlichen Koblenz ergänzt diesen Roman vortrefflich.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer Mittelaltertrilogie, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Einladung zum Waldspaziergang

Bäume lesen lernen
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Menschen, die Bäume umarmen, werden nach wie seltsam angesehen. Man kann aber das haptische Vergnügen spüren, in dem man über die raue oder feine Rinde der Bäume streicht - einfach ausprobieren.

Karin ...

Menschen, die Bäume umarmen, werden nach wie seltsam angesehen. Man kann aber das haptische Vergnügen spüren, in dem man über die raue oder feine Rinde der Bäume streicht - einfach ausprobieren.

Karin Hochegger nimmt uns mit in „ihren“ Wald. Auf sehr persönliche Weise zeigt sie uns, die wir verlernt haben, aus den Bäumen zu lesen, wie wir uns den Bäumen wieder nähern können.

Dazu bedient sie sich des Jahreskreises und stellt den üblichen Monatsnamen die alten, bäuerlichen Bezeichnungen zur Seite:

Jänner = Eismond
Februar = Taumond
März = Lenzmond
April = Ostermond
Mai = Blumenmond
Juni = Brachmond
Juli = Heumond
August = Erntmond
September = Herbstmond
Oktober = Weinmond
November = Nebelmond
Dezember = Heilmond

Mir gefallen diese alten Monatsnamen, auch wenn sie dem bäuerlich Jahreszyklus zwar heute nicht mehr ganz entsprechen.

Karin Hochegger gibt altes Wissen weiter, leitet und an, den sanften Riesen mehr Beachtung zu schenken und in Zukunft ein wenig achtsamer und vielleicht ehrfürchtiger mit den Bäumen umzugehen. Ihr Lieblingsbaum, eine alte Kastanie kommt in jedem Monat vor.

Neben wunderschönen Fotos und zahlreichen Anekdoten besticht das Buch durch ein tolles Cover, dessen Haptik an die Borke eines Baumes erinnert.


Fazit:

Dieser Einladung zu einem Waldspaziergang der besonderen Art kann ich gerne 5 Sterne geben.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Als die Flut kam
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Inhalt:

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 bricht die Sturmflut über Hamburg ein. In der Stadt herrscht das Chaos und es sind viele Helfer unterwegs. Der Wilhelmsburger Johannes Becker nutzt ...

Inhalt:

In der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962 bricht die Sturmflut über Hamburg ein. In der Stadt herrscht das Chaos und es sind viele Helfer unterwegs. Der Wilhelmsburger Johannes Becker nutzt die Katastrophe jedoch für seine eigenen Zwecke: Er bringt die Nachbarstochter Anne, in die er seit Jahren unerwidert verliebt ist, in seine Gewalt. Anne stirbt und nur Beckers Freund, Kommissar Peter Lüders, ahnt, dass die junge Frau nicht durch die Flut umgekommen ist. Lüders beginnt im Alleingang zu ermitteln und dringt dabei in menschliche Abgründe vor.

Meinung:

Die Hamburger Sturmflut als Kulisse für diesen Krimi zu nützen hat mir sehr gut gefallen. Während eines solchen Ereignisses kann schon die eine oder andere Ausnahmesituation eskalieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass in dieser Nacht ein paar Verbrechen verübt worden sind.

Die Enttäuschung von Johannes, dass Anne ihn nicht heiraten will, obwohl sie mit dem Kind eines anderen Mannes schwanger ist, kann ich gut nachvollziehen. Dass er sie aber in der Laube vergewaltigen will und sie dabei fast umbringt, schon nicht. Mein Verdacht, wer der Vater von Annes Kind sein könnte, hat sich bestätigt. Bezüglich des wirklichen Mörders hat mich die Autorin ordentlich an der Nase herumgeführt.

Gespenstisch gut gelungen ist die Schilderung der Sturmflut in jener Nacht. Ich habe förmlich das Brausen des Windes und das Rauschen des Wassers gehört. Die Informationen zur Flut sind elegant in die Handlung eingebaut, was die Spannung zusätzlich erhöht.

Die Charaktere sind fein herausgearbeitet und spiegeln auch das Nachkriegsdeutschland wieder. Das Ende des Zweiten Weltkrieges ist ja gerade einmal 17 Jahre her und die Traumata sind nicht bewältigt. Dazu passt, dass zahlreiche Menschen noch in den Lauben wohnen, weil der Wohnraum nach wie vor knapp ist. Die eine oder andere Familie hat schon gewissen Wohlstand erreicht. Die Flutkatastrophe hat in Hamburg etwas mehr als 300 Todesopfer gefordert. Ob da sich jemand eines missliebigen Nachbarn oder Ehepartners entledigt hat? Möglich ist es schon.

Fazit:

Ein spannender Krimi mit viel Lokalkolorit und authentischen Protagonisten. Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi, der mich in den Bann gezogen hat, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 28.08.2021

Eine österr. Erfolgsgeschichte

Das kleine Buch: Gmundner Keramik
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Dieses Buch aus der Reihe „Das kleine Buch“ gibt uns einen Einblick in die Welt der Keramik.

Vielen von uns ist das grün-weiße Geschirr aus Gmunden ein Begriff. Sei es in als Alltagsgeschirr oder, weil ...

Dieses Buch aus der Reihe „Das kleine Buch“ gibt uns einen Einblick in die Welt der Keramik.

Vielen von uns ist das grün-weiße Geschirr aus Gmunden ein Begriff. Sei es in als Alltagsgeschirr oder, weil ja nicht ganz so preiswert als „Sonntagsgeschirr“.

Auf diesen 64 Seiten erfahren wir einiges aus der Geschichte der Keramik im Allgemeinen und aus der Gmundner Manufaktur im Besonderen.

Zahlreiche Fotos aus den unterschiedlichen Bearbeitungsvorgängen zeigen, wie viele Schritte es braucht, bis wir einen der Teller auf dem Tisch haben.

Fazit:

Ein gut gelungenes „Kleines Buch“, das sich hervorragend als Geschenk eignet. Vielleicht mit einem guten Stück aus der Gmundner Keramikmanufaktur. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.08.2021

Man muss ihn einfach mögen

Letzter Knödel
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Das schöne Altaussee ist Schauplatz eines Politik-Gipfels und Postenkommandant Franz Gasperlmaier wird von „Männern mit Knopf im Ohr“ unter der Führung von Major Teufl aus seiner Dienststelle verdrängt. ...

Das schöne Altaussee ist Schauplatz eines Politik-Gipfels und Postenkommandant Franz Gasperlmaier wird von „Männern mit Knopf im Ohr“ unter der Führung von Major Teufl aus seiner Dienststelle verdrängt. Vor allem die herablassende Art der Herrn Majors schmeckt dem Gasperlmaier so gar nicht.

Doch all zu viel Zeit zum Ärgern bleibt nicht, denn erstens gibt es im trauten Heim einer Aufregung um Tochter Katharina, die Steffi als ihre Lebensgefährtin vorstellt und andererseits findet man im Schicki-Micki-Catering-Zelt die Leiche einer Hilfsköchin.

Gemeinsam mit Frau Doktor Renate Kohlross aus Liezen beginnt der Franz zu ermitteln. In Ermangelung von Büroräumen wird das Hauptquartier einfach in Gasperlmaiers Wohnzimmer aufgeschlagen.
Der Fall scheint kompliziert, denn die tote Küchenhilfe ist zwar tot, aber keine Küchenhilfe und heißt auch noch anders. Nur wer oder was ist sie dann?
Hat sie mit dem Politgipfel zu tun? Oder ist sie schlichtweg zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen? Und was haben die russischen Geschäftsleute mit der
Patriotischen Heimatpartei, deren Chef ausgerechnet einen tschechischen Familiennamen hat, zu tun? Oder ist alles ganz anders?

Dann überschlagen sich die Ereignisse im sonst so beschaulichen Altaussee. Steffi verschwindet spurlos und es gibt eine zweite Leiche.

Meine Meinung:

In diesem 9. Krimi darf sich Franz Gasperlmaier wieder weiter entwickeln. Der Gebrauch des Wischhandys ist ihm nun vertrauter und der Tatsache, dass seine Tochter mit einer Frau liiert ist, kann er nach einer Schrecksekunde, relativ entspannt begegnen. Er findet es nur schade, dass er keine Enkelkinder schaukeln kann. Aber, wer weiß, was unserem werten Herrn Autor noch alles einfällt.

Ich habe mich köstlich amüsiert, als Gasperlmaier mit dem Herrn Bundespräsidenten zusammentrifft, und der seine Security ausbremst. Ach ja, Securitiy - der Major Teufl heißt nicht nur so, sondern ist auch ein solcher. Nicht nur, dass er den Polizeiposten requiriert, anmaßend und überheblich ist, kanzelt er sowohl Gasperlmeier als auch die Frau Doktor ab. Doch wer die Reihe kennt, weiß, dass auch die Kohlross ihre Verbindungen hat.

Geschickt verknüpft Herbert Dutzler aktuelle politische Tendenzen und gesellschaftspolitische Themen in der Handlung.

Die Figur des Gasperlmaier ist liebevoll gestaltet. Er hebt sich wohltuend unter den jugendlichen, smarten Anzugträgern hervor. Der Franz ist längst zu einem „Kultkieberer“ herangereift und wird in den Verfilmungen sehr trefflich von Cornelius Obonya dargestellt.
Dass Gaspermaier manchmal ob seiner Gelassenheit (die ihm auch als Trägheit ausgelegt werden kann) unterschätzt wird, macht ihn so richtig liebenswert. Manchen Leser werden sich vielleicht an seinen Ess- und Trinkgewohnheiten stoßen, aber die machen in einfach bodenständig. Er liebt einfach deftige Speisen wie Schweinsbraten mit Kraut und Knödel. Sie seien ihm vergönnt! Zwischendurch sorgen seine Ehefrau Christine und Tochter Katharina schon für „gesundes Essen“.

Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, spielen die Landschaft und die manchmal eigenbrötlerisch wirkenden Bewohner eine große Rolle.

Fazit:

Mir hat der 9. Fall für den Gasperlmaier sehr gut gefallen. Mehrmals musste ich schmunzeln und vergebe deshalb wieder 5 Sterne.