Profilbild von Wordworld_Sophia

Wordworld_Sophia

Lesejury Star
offline

Wordworld_Sophia ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Wordworld_Sophia über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.02.2022

Düsterer und dramatischer als Band 1!

Gregor und der Schlüssel zur Macht
0

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter ...

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre. Band 2, "Gregor und der Schlüssel zur Macht" hat mir sogar noch etwas besser gefallen als der erste Teil, da das Abenteuer war düsterer, gefährlicher und temporeicher wird, die Autorin bei aller Spannung aber nicht vergisst, Gedanken über Freundschaft, Loyalität und Vertrauen miteinzuflechten.

Bevor meine Lobpreisung startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 2 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher mit seiner 2jährigen Schwester Boots in einem von seiner Fledermaus Ares getragenen Boot über den Wasserweg fliegt und zu seiner zweiten Reise durchs Unterland antritt. Im Hintergrund sind seine blassen unterländischen Reisegefährten und leicht angedeutet die Lichter der Menschenstadt Regalia zu sehen. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelblauen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. An der gesamten Gestaltung merkt man also auch hier wieder sofort, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Als Gregor die Augen aufschlug, hatte er das deutliche Gefühl, dass ihn jemand beobachtete."


Gregors zweites Abenteuer im Unterland beginnt ein halbes Jahr später als sein erstes kurz vor Weihnachten. Während New York in Schnee versinkt, steigt auch im Unterland eine schneeweiße Bedrohung auf: eine Ratte, die die nach dem Tod des Rattenkönig Gorgers verstreute Armee der Nager vereinen soll und das Unterland in den Krieg stürzen wird. So sagt es zumindest die "Prophezeiung des Fluchs", in der zu Gregors Leidwesen auch er selbst, der "Krieger", und seine kleine Schwester, Boots, wieder auftauchen. Auch wenn er nichts lieber möchte, als mit seiner nach den Geschehnissen aus Band 1 zerrütteten und erschöpften Familie Weihnachten zu feiern, kann er seine neuen Freunde im Unterland nicht im Stich lassen und zieht zusammen mit seiner Fledermaus Ares, der geruchsbegabten Ratte Twitchtip, Luxas´ Cousin Howard, dem Wächter Mareth und deren Fledermäuse aus, um die weiße Ratte zu finden und zu töten. Mit von Partie sind natürlich auch wieder der treue Kakerlak Temp und allerlei überraschender Weggefährten, die sie auf dem Wasserweg einsammeln...

Genau wie in Band 1 setzt die Autorin wieder ein hohes Erzähltempo an und jagt uns zusammen mit Gregor durch ein haarsträubendes Abenteuer in einer fremden Welt. Auch die Rahmenhandlung wird wieder durch eine neue Prophezeiungen vorgegeben, die es zu enträtseln und entschlüsseln gilt, die aber erst nach der Geschichte ganz klar erscheinen. Viele Wendungen, gute Ideen, überraschend komplexe Zusammenhänge wie Abkommen, Intrigen, Politik, Kämpfe um Land und Ressourcen sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen sorgen dabei dafür, dass auch ältere LeserInnen viel Spaß haben. Durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache mit lebensnahen Vergleichen und vielen Dialogen stellt Suzanne Collins aber sicher, dass in erster Linie ihre junge Zielgruppe der Handlung folgen und auf ihre Kosten kommen kann. Rückblickend geht es an einigen Stellen recht blutrünstig für eine 10jährige Zielgruppe zu da viel gekämpft und auch getötet wird. In "Gregor und der Schlüssel zur Macht" sorgen zum Beispiel neue Bedrohungen wie fleischfressende Fliegen, riesige Seeschlangen, Wasserstrudel und Tintenfische für einige spannende, dramatische und auch blutige Szenen, sodass auch der zweite Teil der Reihe kein harmloses Kinderbuch ist. Ich kann jedoch versichern, dass ich die Geschichte als Kind nicht als zu blutrünstig empfunden habe, da viele der Szenen erst in den Köpfen von Erwachsenen richtig bedrohlich erscheinen und Suzanne Collins darüber hinaus viel Wert darauflegt, einen moralischen Kompass anzulegen. Gewalt wird in den richtigen Kontext gesetzt, falsches Verhalten verurteilt und positive Botschaften mit eingeflochten, sodass man beim Lesen einiges mitnehmen kann.


"Wenn Unten fällt, wenn Oben springt,
wenn Leben Tod ist, Tod Leben bringt,
steigt etwas aus dem Finstern auf,
und das Sterben nimmt seinen Lauf.

In der Tiefe haust die Ratte,
die Schneegleiche, Nimmersatte,
die Teuflische mit weißem Gesicht,
raubt der Krieger dir das Licht?

Was könnte unseren Krieger schwächen?
Wie werden die zornigen Nager sich rächen?
Ein Junges, das noch nicht mal zählt,
haben sie dafür auserwählt.

Stirbt das Kleine, stirbt sein Heil,
verliert er seinen wichtigsten Teil.
Der Frieden der Stunde wird zur Schlacht.
Die Nager haben den Schlüssel zur Macht."


Auch wenn einige Elemente wie zum Beispiel der typische Fall in eine andere Welt (das Kaninchenloch wird hier zum Lüftungsschacht), die Verbindung der Menschen mit Reittieren, geheimnisvolle Prophezeiungen oder Heldenreisen bekannt erscheinen, finde ich die Idee, im Verborgenen lebende und oft verabscheute Tiere hier zu den Hauptfiguren zu machen, großartig und erfrischend. Anhand der auf den ersten Blick wie Monster aussehenden Kreaturen, hinter denen sich dann doch häufig sympathische und einnehmende Figuren verbergen, lehrt die Autorin uns Rücksichtnahme und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Völkern und deren Eigenarten. Im direkten Miteinander der Figuren hebt Suzanne Collins Mut, Freundschaft, Vertrauen und den Wert der Familie hervor - alles Botschaften, die sehr gut in ein Kinderbuch passen und auch erwachsenen LeserInnen das Herz erwärmen.

Neben dem hohen Erzähltempo und der herzerwärmenden Botschaften überzeugt auch das Worldbuilding der Reihe. Die Autorin entführt in eine unterirdische Höhlenwelt, die sich blasse Menschen (die Überländer) mit Krabblern (=1,20m großen Kakerlaken), Fliegern (großen Fledermäusen), Nagern (mannshohen Ratten) und allerlei anderen überdimensional großen und sprechenden Lebewesen teilen. Leuchter, Huscher, Zischer, Hacker ... hier taucht beinahe jede nachaktive oder im Untergrund lebende Spezies einmal auf. Was die menschliche Unterländer angeht ist natürlich besonders interessant zu erfahren, wie diese Leben und was sie von uns sogenannten "Überländern" unterscheidet, während bei den Tieren positiv hervorzuheben ist, dass sie alle eine eigene Kultur, Ausdrucksweise und Charaktereigenschaften bekommen. Viele der Regeln der Welt, Details des Lebens unter Tage, die Entstehung der Menschenstadt Regalia oder die Vorstellung der verschiedenen Territorien werden nach und nach im Verlauf der Handlung erklärt. Auf diese Weise wird man beim Lesen nicht mit Informationen erschlagen, kann sich aber von Kapitel zu Kapitel ein besseres Bild des Schauplatzes machen. In diesem Teil reisen wir über den großen Fluss, den sogenannten "Wasserweg", der das Unterland mit frischem Wasser versorgt und das Land in zwei Hälften spaltet. Außerdem lernen wir neue Teile des "Land des Todes", also dem Rattenterritorium kennen.

Im Mittelpunkt dieses rasanten, hochspannenden Abenteuers stehen jedoch auch in Band 2 ganz klar die Figuren. In Band 1, "Gregor und die graue Prophezeiung" haben wir ja schon den 11jährigen Gregor als sympathische Identifikationsfigur kennengelernt, der vor allem aus der Motivation heraus, seinen verschollenen Vater zu finden, bei den Abenteuern der Unterländer mitspielt, aber nicht wirklich daran glaubt, der prophezeite "Krieger" zu sein, auf den alle seit Jahrhunderten warten. Auch wenn mir, nun da ich erwachsen bin, an einigen Stellen auffällt, wie unrealistisch es ist, dass einem 11jährigen eine so große Verantwortung und Bürde zugemutet wird, hat mir sehr gut gefallen, dass wir hier keinen Superhelfen, sondern einen ganz durchschnittlichen Jungen begleiten, der ganz zufällig in ein Abenteuer stolpert. Auch wenn er innerhalb der fünf Bände wachsen, lernen, Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt zum Held werden darf, bleibt er immer greifbar und für die jugendliche und die erwachsene Zielgruppe gleichermaßen nachvollziehbar. Mit seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Fähigkeit, sich Fehler einzugestehen und zuzugeben, wenn er mal falschgelegen hat, hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. Auch seine kleine Schwester Boots, die mit ihrem kindlichen Charme sofort die halbe Unterwelt um den Finger wickelt und von den Kakerlaken bald als Prinzessin verehrt wird, muss man einfach lieben.

Dass die Autorin in diesem handlungsschnellen Band 2 Zeit findet, ihre Figuren weiterzuentwickeln, ist eigentlich ein kleines Wunder. Neben Gregor, der deutlich reifer und abgeklärter mit den Herausforderungen seiner Reise umgeht, werden jedoch auch die Nebenfiguren weiterentwickelt deren Beziehungen ausgebaut und sogar gar neue Perspektiven aufgezeigt. Besonders ans Herz gewachsen sind mir im ersten Teil ja die undurchsichtige Ratte Ripred, der loyale Kakerlak Temp, die eingebildete Königin Luxa, die rebellische Fledermaus Ares, der mutige Mareth und der großväterliche Vikus, welche auch hier wieder eine mal größere, mal kleinere Rolle spielen dürfen. Sehr schön zu sehen ist, dass die Beziehung zwischen Ares und Gregor, die zunächst als reine Zweckspartnerschaft zur Verhinderung von Ares´ Ausstoßung begonnen hat, sich langsam zu einer Freundschaft entwickelt. Auch die mutige wie hochnäsige Königin Luxa darf sich hier neu überdenken, während sie über den Verrat ihres Cousins Henry hinwegkommen muss. Zusätzlich tauchen hier mit Luxas Cousin Howard, seiner Fledermaus Pandora, der Ratte Twitchtip und den beiden Leuchtern Zack und Photos Glimm-Glimm neue Mitstreiter auf, die natürlich die Reisegruppe zusätzlich durcheinanderbringen. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich Gregor hier etwas mit der ausgestoßenen Ratte Twitchtip anfreundet und somit den Unterländern und den Lesern erneut einen Beleg dafür liefert, dass nicht alle Ratten schlecht sind und man nicht alle Personen über einen Kamm scheren darf.

Das Ende des zweiten Bandes birgt mal wieder einige Überraschungen - denn wie immer ist die Prophezeiung voll von allerlei Missverständlichkeiten und Interpretationsspielraum - und lässt einiges offen für den nächsten Teil. Im Gegensatz zum Ende des ersten Bandes, in dem die Geschichte weitgehend abgeschlossen war und nur leise Andeutungen Lust auf das nächste Abenteuer machten, bleiben hier noch einige Fragen offen, die dringend geklärt werden wollen. Wie gut, dass ich den dritten Band schon parat liegen habe...!



Fazit:


Mit "Gregor und der Schlüssel zur Macht" geht eine meiner liebsten Fantasy-Reihen aller Zeiten düsterer und dramatischer als eh und je weiter. Eine originelle und hochspannende Abenteuersaga über Licht, Dunkelheit, Außenseiter, Mut, Freundschaft, Familie und kulturelle Rücksichtnahme!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.02.2022

Düsterer und dramatischer als Band 1!

Gregor und der Schlüssel zur Macht
0

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter ...

Wie bereits in meiner Rezension zum ersten Band der "Gregor"-Reihe erwähnt, verbindet mich mit dieser Serie aus der Feder von Suzanne Collins eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre. Band 2, "Gregor und der Schlüssel zur Macht" hat mir sogar noch etwas besser gefallen als der erste Teil, da das Abenteuer war düsterer, gefährlicher und temporeicher wird, die Autorin bei aller Spannung aber nicht vergisst, Gedanken über Freundschaft, Loyalität und Vertrauen miteinzuflechten.

Bevor meine Lobpreisung startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 2 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher mit seiner 2jährigen Schwester Boots in einem von seiner Fledermaus Ares getragenen Boot über den Wasserweg fliegt und zu seiner zweiten Reise durchs Unterland antritt. Im Hintergrund sind seine blassen unterländischen Reisegefährten und leicht angedeutet die Lichter der Menschenstadt Regalia zu sehen. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelblauen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. An der gesamten Gestaltung merkt man also auch hier wieder sofort, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Als Gregor die Augen aufschlug, hatte er das deutliche Gefühl, dass ihn jemand beobachtete."


Gregors zweites Abenteuer im Unterland beginnt ein halbes Jahr später als sein erstes kurz vor Weihnachten. Während New York in Schnee versinkt, steigt auch im Unterland eine schneeweiße Bedrohung auf: eine Ratte, die die nach dem Tod des Rattenkönig Gorgers verstreute Armee der Nager vereinen soll und das Unterland in den Krieg stürzen wird. So sagt es zumindest die "Prophezeiung des Fluchs", in der zu Gregors Leidwesen auch er selbst, der "Krieger", und seine kleine Schwester, Boots, wieder auftauchen. Auch wenn er nichts lieber möchte, als mit seiner nach den Geschehnissen aus Band 1 zerrütteten und erschöpften Familie Weihnachten zu feiern, kann er seine neuen Freunde im Unterland nicht im Stich lassen und zieht zusammen mit seiner Fledermaus Ares, der geruchsbegabten Ratte Twitchtip, Luxas´ Cousin Howard, dem Wächter Mareth und deren Fledermäuse aus, um die weiße Ratte zu finden und zu töten. Mit von Partie sind natürlich auch wieder der treue Kakerlak Temp und allerlei überraschender Weggefährten, die sie auf dem Wasserweg einsammeln...

Genau wie in Band 1 setzt die Autorin wieder ein hohes Erzähltempo an und jagt uns zusammen mit Gregor durch ein haarsträubendes Abenteuer in einer fremden Welt. Auch die Rahmenhandlung wird wieder durch eine neue Prophezeiungen vorgegeben, die es zu enträtseln und entschlüsseln gilt, die aber erst nach der Geschichte ganz klar erscheinen. Viele Wendungen, gute Ideen, überraschend komplexe Zusammenhänge wie Abkommen, Intrigen, Politik, Kämpfe um Land und Ressourcen sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen sorgen dabei dafür, dass auch ältere LeserInnen viel Spaß haben. Durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache mit lebensnahen Vergleichen und vielen Dialogen stellt Suzanne Collins aber sicher, dass in erster Linie ihre junge Zielgruppe der Handlung folgen und auf ihre Kosten kommen kann. Rückblickend geht es an einigen Stellen recht blutrünstig für eine 10jährige Zielgruppe zu da viel gekämpft und auch getötet wird. In "Gregor und der Schlüssel zur Macht" sorgen zum Beispiel neue Bedrohungen wie fleischfressende Fliegen, riesige Seeschlangen, Wasserstrudel und Tintenfische für einige spannende, dramatische und auch blutige Szenen, sodass auch der zweite Teil der Reihe kein harmloses Kinderbuch ist. Ich kann jedoch versichern, dass ich die Geschichte als Kind nicht als zu blutrünstig empfunden habe, da viele der Szenen erst in den Köpfen von Erwachsenen richtig bedrohlich erscheinen und Suzanne Collins darüber hinaus viel Wert darauflegt, einen moralischen Kompass anzulegen. Gewalt wird in den richtigen Kontext gesetzt, falsches Verhalten verurteilt und positive Botschaften mit eingeflochten, sodass man beim Lesen einiges mitnehmen kann.


"Wenn Unten fällt, wenn Oben springt,
wenn Leben Tod ist, Tod Leben bringt,
steigt etwas aus dem Finstern auf,
und das Sterben nimmt seinen Lauf.

In der Tiefe haust die Ratte,
die Schneegleiche, Nimmersatte,
die Teuflische mit weißem Gesicht,
raubt der Krieger dir das Licht?

Was könnte unseren Krieger schwächen?
Wie werden die zornigen Nager sich rächen?
Ein Junges, das noch nicht mal zählt,
haben sie dafür auserwählt.

Stirbt das Kleine, stirbt sein Heil,
verliert er seinen wichtigsten Teil.
Der Frieden der Stunde wird zur Schlacht.
Die Nager haben den Schlüssel zur Macht."


Auch wenn einige Elemente wie zum Beispiel der typische Fall in eine andere Welt (das Kaninchenloch wird hier zum Lüftungsschacht), die Verbindung der Menschen mit Reittieren, geheimnisvolle Prophezeiungen oder Heldenreisen bekannt erscheinen, finde ich die Idee, im Verborgenen lebende und oft verabscheute Tiere hier zu den Hauptfiguren zu machen, großartig und erfrischend. Anhand der auf den ersten Blick wie Monster aussehenden Kreaturen, hinter denen sich dann doch häufig sympathische und einnehmende Figuren verbergen, lehrt die Autorin uns Rücksichtnahme und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Völkern und deren Eigenarten. Im direkten Miteinander der Figuren hebt Suzanne Collins Mut, Freundschaft, Vertrauen und den Wert der Familie hervor - alles Botschaften, die sehr gut in ein Kinderbuch passen und auch erwachsenen LeserInnen das Herz erwärmen.

Neben dem hohen Erzähltempo und der herzerwärmenden Botschaften überzeugt auch das Worldbuilding der Reihe. Die Autorin entführt in eine unterirdische Höhlenwelt, die sich blasse Menschen (die Überländer) mit Krabblern (=1,20m großen Kakerlaken), Fliegern (großen Fledermäusen), Nagern (mannshohen Ratten) und allerlei anderen überdimensional großen und sprechenden Lebewesen teilen. Leuchter, Huscher, Zischer, Hacker ... hier taucht beinahe jede nachaktive oder im Untergrund lebende Spezies einmal auf. Was die menschliche Unterländer angeht ist natürlich besonders interessant zu erfahren, wie diese Leben und was sie von uns sogenannten "Überländern" unterscheidet, während bei den Tieren positiv hervorzuheben ist, dass sie alle eine eigene Kultur, Ausdrucksweise und Charaktereigenschaften bekommen. Viele der Regeln der Welt, Details des Lebens unter Tage, die Entstehung der Menschenstadt Regalia oder die Vorstellung der verschiedenen Territorien werden nach und nach im Verlauf der Handlung erklärt. Auf diese Weise wird man beim Lesen nicht mit Informationen erschlagen, kann sich aber von Kapitel zu Kapitel ein besseres Bild des Schauplatzes machen. In diesem Teil reisen wir über den großen Fluss, den sogenannten "Wasserweg", der das Unterland mit frischem Wasser versorgt und das Land in zwei Hälften spaltet. Außerdem lernen wir neue Teile des "Land des Todes", also dem Rattenterritorium kennen.

Im Mittelpunkt dieses rasanten, hochspannenden Abenteuers stehen jedoch auch in Band 2 ganz klar die Figuren. In Band 1, "Gregor und die graue Prophezeiung" haben wir ja schon den 11jährigen Gregor als sympathische Identifikationsfigur kennengelernt, der vor allem aus der Motivation heraus, seinen verschollenen Vater zu finden, bei den Abenteuern der Unterländer mitspielt, aber nicht wirklich daran glaubt, der prophezeite "Krieger" zu sein, auf den alle seit Jahrhunderten warten. Auch wenn mir, nun da ich erwachsen bin, an einigen Stellen auffällt, wie unrealistisch es ist, dass einem 11jährigen eine so große Verantwortung und Bürde zugemutet wird, hat mir sehr gut gefallen, dass wir hier keinen Superhelfen, sondern einen ganz durchschnittlichen Jungen begleiten, der ganz zufällig in ein Abenteuer stolpert. Auch wenn er innerhalb der fünf Bände wachsen, lernen, Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt zum Held werden darf, bleibt er immer greifbar und für die jugendliche und die erwachsene Zielgruppe gleichermaßen nachvollziehbar. Mit seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Fähigkeit, sich Fehler einzugestehen und zuzugeben, wenn er mal falschgelegen hat, hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. Auch seine kleine Schwester Boots, die mit ihrem kindlichen Charme sofort die halbe Unterwelt um den Finger wickelt und von den Kakerlaken bald als Prinzessin verehrt wird, muss man einfach lieben.

Dass die Autorin in diesem handlungsschnellen Band 2 Zeit findet, ihre Figuren weiterzuentwickeln, ist eigentlich ein kleines Wunder. Neben Gregor, der deutlich reifer und abgeklärter mit den Herausforderungen seiner Reise umgeht, werden jedoch auch die Nebenfiguren weiterentwickelt deren Beziehungen ausgebaut und sogar gar neue Perspektiven aufgezeigt. Besonders ans Herz gewachsen sind mir im ersten Teil ja die undurchsichtige Ratte Ripred, der loyale Kakerlak Temp, die eingebildete Königin Luxa, die rebellische Fledermaus Ares, der mutige Mareth und der großväterliche Vikus, welche auch hier wieder eine mal größere, mal kleinere Rolle spielen dürfen. Sehr schön zu sehen ist, dass die Beziehung zwischen Ares und Gregor, die zunächst als reine Zweckspartnerschaft zur Verhinderung von Ares´ Ausstoßung begonnen hat, sich langsam zu einer Freundschaft entwickelt. Auch die mutige wie hochnäsige Königin Luxa darf sich hier neu überdenken, während sie über den Verrat ihres Cousins Henry hinwegkommen muss. Zusätzlich tauchen hier mit Luxas Cousin Howard, seiner Fledermaus Pandora, der Ratte Twitchtip und den beiden Leuchtern Zack und Photos Glimm-Glimm neue Mitstreiter auf, die natürlich die Reisegruppe zusätzlich durcheinanderbringen. Besonders gut gefallen hat mir, dass sich Gregor hier etwas mit der ausgestoßenen Ratte Twitchtip anfreundet und somit den Unterländern und den Lesern erneut einen Beleg dafür liefert, dass nicht alle Ratten schlecht sind und man nicht alle Personen über einen Kamm scheren darf.

Das Ende des zweiten Bandes birgt mal wieder einige Überraschungen - denn wie immer ist die Prophezeiung voll von allerlei Missverständlichkeiten und Interpretationsspielraum - und lässt einiges offen für den nächsten Teil. Im Gegensatz zum Ende des ersten Bandes, in dem die Geschichte weitgehend abgeschlossen war und nur leise Andeutungen Lust auf das nächste Abenteuer machten, bleiben hier noch einige Fragen offen, die dringend geklärt werden wollen. Wie gut, dass ich den dritten Band schon parat liegen habe...!



Fazit:


Mit "Gregor und der Schlüssel zur Macht" geht eine meiner liebsten Fantasy-Reihen aller Zeiten düsterer und dramatischer als eh und je weiter. Eine originelle und hochspannende Abenteuersaga über Licht, Dunkelheit, Außenseiter, Mut, Freundschaft, Familie und kulturelle Rücksichtnahme!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2022

Band 1 einer originellen und hochspannenden Abenteuersaga!

Gregor und die graue Prophezeiung
0

Mit Suzanne Collins "Gregor"-Reihe verbindet mich eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und ...

Mit Suzanne Collins "Gregor"-Reihe verbindet mich eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre.

Bevor meine Lobpreisung startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 1 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher mit seiner 2jährigen Schwester Boots auf dem Rücken und einer Taschenlampe in der Hand in ein reichverziertes Gewölbe tritt. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelgrünen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. Auch an der großen blauen Kakerlake und der runden roten Spinne, die das Gesamtbild komplettieren merkt man dabei, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Gregor hatte die Stirn so lange gegen das Fliegengitter gedrückt, dass er das Muster der winzigen Quadrate über den Augenbrauen spürte."


Suzanne Collins beginnt ihre Abenteuerreihe mit einem heißen Ferientag mitten in New York City. Statt mit den anderen Kindern ins Ferienlager zu fahren, muss der 11jährige Gregor mit seiner Großmutter und seiner kleinen Schwester Boots zu Hause bleiben und langweilt sich fürchterlich. Mit der Langeweile ist es jedoch schnell vorbei als Boots durch den Lüftungsschacht im Wäschekeller fällt und er ihr hinterher in eine abenteuerliche Welt springt, die für ihn jede Menge Gefahren, Geheimnisse, überraschende Wiedersehen, Freundschaften und Prophezeiungen bereithalten wird...

Auch für die LeserInnen bleibt die Langeweile während der 300seitigen Geschichte garantiert fern. Die Autorin setzt ein hohes Erzähltempo an und jagt uns zusammen mit Gregor durch ein haarsträubendes Abenteuer in einer fremden Welt. Die Rahmenhandlung wird dabei durch Prophezeiungen vorgegeben, die es zu enträtseln und entschlüsseln gilt, die aber zumeist erst nach der Geschichte ganz klar erscheinen. Viele Wendungen, gute Ideen, überraschend komplexe Zusammenhänge wie Abkommen, Intrigen, Politik, Kämpfe um Land und Ressourcen sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen sorgen dabei dafür, dass auch ältere LeserInnen viel Spaß haben. Durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache mit lebensnahen Vergleichen und vielen Dialogen stellt Suzanne Collins aber sicher, dass in erster Linie ihre junge Zielgruppe der Handlung folgen und auf ihre Kosten kommen kann. Rückblickend geht es an einigen Stellen recht blutrünstig für eine 10jährige Zielgruppe zu da viel gekämpft und auch getötet wird. Als Kind hatte ich das aber nicht so empfunden, da viele Szenen erst in den Köpfen von Erwachsenen richtig bedrohlich erscheinen.

Neben dem hohen Erzähltempo überzeugt auch das Worldbuilding der Reihe. Die Autorin entführt in eine unterirdische Höhlenwelt, die sich blasse Menschen (die Überländer) mit Krabblern (=1,20m großen Kakerlaken), Fliegern (großen Fledermäusen), Nagern (mannshohen Ratten) und allerlei anderen überdimensional großen und sprechenden Lebewesen teilen. Was die menschliche Unterländer angeht ist natürlich besonders interessant zu erfahren, wie diese Leben und was sie von uns sogenannten "Überländern" unterscheidet, während bei den Tieren positiv hervorzuheben ist, dass sie alle eine eigene Kultur, Ausdrucksweise und Charaktereigenschaften bekommen. Viele der Regeln der Welt, Details des Lebens unter Tage, die Entstehung der Menschenstadt Regalia oder die Vorstellung der verschiedenen Territorien werden nach und nach im Verlauf der Handlung erklärt. Auf diese Weise wird man beim Lesen nicht mit Informationen erschlagen, kann sich aber von Kapitel zu Kapitel ein besseres Bild des Schauplatzes machen.


"Habt Acht, Unterländer, die Zeit ist in Not.
Jäger sind Gejagte, weißes Wasser fließt rot.
Die Nager trachten und nach dem Leben.
Die Suche allein kann uns Hoffnung geben.

Dem Überland-Krieger kann es gelingen,
uns allen das Licht zurückzubringen.
Mit dem Sohn der Sonne geht auf die Reise,
sonst enden wir alle als Rattenspeise.

Zwei über, zwei unter mit Königsblut,
zwei Flieger, zwei Krabbler, zwei Spinner mit Mut.
Ein Nager dabei und der, den sie quälen,
und acht sind es noch, wenn wir die Toten zählen.

Der letzte, der stirbt, kann das Blatt noch wenden.
Das Schicksal der Acht liegt in seinen Händen.
Drum mahnt ihn zur Vorsicht, sonst springt er daneben,
denn Leben kann Tod sein und Tod erschafft Leben."


Auch wenn einige Elemente wie zum Beispiel der typische Fall in eine andere Welt (das Kaninchenloch wird hier zum Lüftungsschacht), die Verbindung der Menschen mit Reittieren, geheimnisvolle Prophezeiungen oder Heldenreisen bekannt erscheinen, finde ich die Idee, im Verborgenen lebende und oft verabscheute Tiere hier zu den Hauptfiguren zu machen, großartig und erfrischend. Anhand der auf den ersten Blick wie Monster aussehenden Kreaturen, hinter denen sich dann doch häufig sympathische und einnehmende Figuren verbergen, lehrt die Autorin uns Rücksichtnahme und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Völkern und deren Eigenarten. Im direkten Miteinander der Figuren hebt Suzanne Collins Mut, Freundschaft, Vertrauen und den Wert der Familie hervor - alles Botschaften, die sehr gut in ein Kinderbuch passen und auch erwachsenen LeserInnen das Herz erwärmen.

Besonders lebt die Reihe jedoch auch von den Figuren. Im Zentrum steht wie gesagt der 11jährige Gregor, der innerhalb der fünf Bände wachsen, lernen, Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt zum Held werden darf. In Band 1 lernen wir ihn hier als liebevollen großen Bruder kennen, der vor allem aus der Motivation heraus, seinen verschollenen Vater zu finden, bei den Abenteuern der Unterländer mitspielt, aber nicht wirklich daran glaubt, der prophezeite "Krieger" zu sein, auf den alle seit Jahrhunderten warten. Mit seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Fähigkeit, sich Fehler einzugestehen und zuzugeben, wenn er mal falschgelegen hat, hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. Auch seine kleine Schwester Boots, die mit ihrem kindlichen Charme sofort die halbe Unterwelt um den Finger wickelt und von den Kakerlaken bald als Prinzessin verehrt wird, muss man einfach lieben. Besonders ans Herz gewachsen sind mir im ersten Teil auch die undurchsichtige Ratte Ripred, die beiden Kakerlaken Temp und Tick, die eingebildete Königin Luxa, die rebellische Fledermaus Ares und der großväterliche Vikus, von denen uns auch einige in den weiteren Bänden noch begleiten werden...

Ich kann also großen und kleinen Fans von Abenteuer- und Fantasygeschichten nur empfehlen, zu dieser Reihe zu greifen. Wer mehr von Suzanne Collins lesen will, dem sei übrigens auch ihre weltberühmte Panem-Reihe sehr ans Herz gelegt!




Fazit:


Eine meiner liebsten Fantasy-Reihen aller Zeiten! Suzanne Collins beginnt mit "Gregor und die graue Prophezeiung" eine originelle und hochspannende Abenteuersaga über Licht, Dunkelheit, Außenseiter, Mut, Freundschaft, Familie und kulturelle Rücksichtnahme!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2022

Band 1 einer originellen und hochspannenden Abenteuersaga!

Gregor 1. Gregor und die graue Prophezeiung
0

Mit Suzanne Collins "Gregor"-Reihe verbindet mich eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und ...

Mit Suzanne Collins "Gregor"-Reihe verbindet mich eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre.

Bevor meine Lobpreisung startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 1 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher mit seiner 2jährigen Schwester Boots auf dem Rücken und einer Taschenlampe in der Hand in ein reichverziertes Gewölbe tritt. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelgrünen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. Auch an der großen blauen Kakerlake und der runden roten Spinne, die das Gesamtbild komplettieren merkt man dabei, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Gregor hatte die Stirn so lange gegen das Fliegengitter gedrückt, dass er das Muster der winzigen Quadrate über den Augenbrauen spürte."


Suzanne Collins beginnt ihre Abenteuerreihe mit einem heißen Ferientag mitten in New York City. Statt mit den anderen Kindern ins Ferienlager zu fahren, muss der 11jährige Gregor mit seiner Großmutter und seiner kleinen Schwester Boots zu Hause bleiben und langweilt sich fürchterlich. Mit der Langeweile ist es jedoch schnell vorbei als Boots durch den Lüftungsschacht im Wäschekeller fällt und er ihr hinterher in eine abenteuerliche Welt springt, die für ihn jede Menge Gefahren, Geheimnisse, überraschende Wiedersehen, Freundschaften und Prophezeiungen bereithalten wird...

Auch für die LeserInnen bleibt die Langeweile während der 300seitigen Geschichte garantiert fern. Die Autorin setzt ein hohes Erzähltempo an und jagt uns zusammen mit Gregor durch ein haarsträubendes Abenteuer in einer fremden Welt. Die Rahmenhandlung wird dabei durch Prophezeiungen vorgegeben, die es zu enträtseln und entschlüsseln gilt, die aber zumeist erst nach der Geschichte ganz klar erscheinen. Viele Wendungen, gute Ideen, überraschend komplexe Zusammenhänge wie Abkommen, Intrigen, Politik, Kämpfe um Land und Ressourcen sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen sorgen dabei dafür, dass auch ältere LeserInnen viel Spaß haben. Durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache mit lebensnahen Vergleichen und vielen Dialogen stellt Suzanne Collins aber sicher, dass in erster Linie ihre junge Zielgruppe der Handlung folgen und auf ihre Kosten kommen kann. Rückblickend geht es an einigen Stellen recht blutrünstig für eine 10jährige Zielgruppe zu da viel gekämpft und auch getötet wird. Als Kind hatte ich das aber nicht so empfunden, da viele Szenen erst in den Köpfen von Erwachsenen richtig bedrohlich erscheinen.

Neben dem hohen Erzähltempo überzeugt auch das Worldbuilding der Reihe. Die Autorin entführt in eine unterirdische Höhlenwelt, die sich blasse Menschen (die Überländer) mit Krabblern (=1,20m großen Kakerlaken), Fliegern (großen Fledermäusen), Nagern (mannshohen Ratten) und allerlei anderen überdimensional großen und sprechenden Lebewesen teilen. Was die menschliche Unterländer angeht ist natürlich besonders interessant zu erfahren, wie diese Leben und was sie von uns sogenannten "Überländern" unterscheidet, während bei den Tieren positiv hervorzuheben ist, dass sie alle eine eigene Kultur, Ausdrucksweise und Charaktereigenschaften bekommen. Viele der Regeln der Welt, Details des Lebens unter Tage, die Entstehung der Menschenstadt Regalia oder die Vorstellung der verschiedenen Territorien werden nach und nach im Verlauf der Handlung erklärt. Auf diese Weise wird man beim Lesen nicht mit Informationen erschlagen, kann sich aber von Kapitel zu Kapitel ein besseres Bild des Schauplatzes machen.


"Habt Acht, Unterländer, die Zeit ist in Not.
Jäger sind Gejagte, weißes Wasser fließt rot.
Die Nager trachten und nach dem Leben.
Die Suche allein kann uns Hoffnung geben.

Dem Überland-Krieger kann es gelingen,
uns allen das Licht zurückzubringen.
Mit dem Sohn der Sonne geht auf die Reise,
sonst enden wir alle als Rattenspeise.

Zwei über, zwei unter mit Königsblut,
zwei Flieger, zwei Krabbler, zwei Spinner mit Mut.
Ein Nager dabei und der, den sie quälen,
und acht sind es noch, wenn wir die Toten zählen.

Der letzte, der stirbt, kann das Blatt noch wenden.
Das Schicksal der Acht liegt in seinen Händen.
Drum mahnt ihn zur Vorsicht, sonst springt er daneben,
denn Leben kann Tod sein und Tod erschafft Leben."


Auch wenn einige Elemente wie zum Beispiel der typische Fall in eine andere Welt (das Kaninchenloch wird hier zum Lüftungsschacht), die Verbindung der Menschen mit Reittieren, geheimnisvolle Prophezeiungen oder Heldenreisen bekannt erscheinen, finde ich die Idee, im Verborgenen lebende und oft verabscheute Tiere hier zu den Hauptfiguren zu machen, großartig und erfrischend. Anhand der auf den ersten Blick wie Monster aussehenden Kreaturen, hinter denen sich dann doch häufig sympathische und einnehmende Figuren verbergen, lehrt die Autorin uns Rücksichtnahme und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Völkern und deren Eigenarten. Im direkten Miteinander der Figuren hebt Suzanne Collins Mut, Freundschaft, Vertrauen und den Wert der Familie hervor - alles Botschaften, die sehr gut in ein Kinderbuch passen und auch erwachsenen LeserInnen das Herz erwärmen.

Besonders lebt die Reihe jedoch auch von den Figuren. Im Zentrum steht wie gesagt der 11jährige Gregor, der innerhalb der fünf Bände wachsen, lernen, Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt zum Held werden darf. In Band 1 lernen wir ihn hier als liebevollen großen Bruder kennen, der vor allem aus der Motivation heraus, seinen verschollenen Vater zu finden, bei den Abenteuern der Unterländer mitspielt, aber nicht wirklich daran glaubt, der prophezeite "Krieger" zu sein, auf den alle seit Jahrhunderten warten. Mit seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Fähigkeit, sich Fehler einzugestehen und zuzugeben, wenn er mal falschgelegen hat, hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. Auch seine kleine Schwester Boots, die mit ihrem kindlichen Charme sofort die halbe Unterwelt um den Finger wickelt und von den Kakerlaken bald als Prinzessin verehrt wird, muss man einfach lieben. Besonders ans Herz gewachsen sind mir im ersten Teil auch die undurchsichtige Ratte Ripred, die beiden Kakerlaken Temp und Tick, die eingebildete Königin Luxa, die rebellische Fledermaus Ares und der großväterliche Vikus, von denen uns auch einige in den weiteren Bänden noch begleiten werden...

Ich kann also großen und kleinen Fans von Abenteuer- und Fantasygeschichten nur empfehlen, zu dieser Reihe zu greifen. Wer mehr von Suzanne Collins lesen will, dem sei übrigens auch ihre weltberühmte Panem-Reihe sehr ans Herz gelegt!




Fazit:


Eine meiner liebsten Fantasy-Reihen aller Zeiten! Suzanne Collins beginnt mit "Gregor und die graue Prophezeiung" eine originelle und hochspannende Abenteuersaga über Licht, Dunkelheit, Außenseiter, Mut, Freundschaft, Familie und kulturelle Rücksichtnahme!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.02.2022

Band 1 einer originellen und hochspannenden Abenteuersaga!

Gregor 1. Gregor und die graue Prophezeiung
0

Mit Suzanne Collins "Gregor"-Reihe verbindet mich eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und ...

Mit Suzanne Collins "Gregor"-Reihe verbindet mich eine längere Reise voller guter Erinnerungen und begeisterter Rereads. Zum ersten Mal gelesen habe ich sie 2011 im Alter von 10 Jahren und war so hin und weg von dieser originellen und hochspannenden Abenteuergeschichte, dass ich mir sofort alle Teile angeschafft habe. Im Laufe der Jahre wurde die Serie dann so etwas wie ein Comfort-Read für mich, auf den ich immer wieder in stressigen Situationen zurückgreifen konnte. Denn statt mich mit der Zeit zu langweilen, fielen mir mit jedem neuen Lesedurchgang neue Details auf, an denen ich mich erfreuen konnte und auch wenn ich der Zielgruppe mittlerweile deutlich entwachsen bin, reise ich jedes Mal mit großer Freude ins Unterland. Zu allen fünf Bänden der Reihe habe ich schon 2016 in den Anfängen meines Blogs eine Rezension geschrieben. Da diese jedoch recht kurz und oberflächlich ausfiel, habe ich nach einem weiteren Reread beschlossen, dass die Reihe es verdient, dass ich sie nochmal mit einer neuen Rezension ehre.

Bevor meine Lobpreisung startet, will ich erstmal wie immer noch einige Worte zur Gestaltung loswerden. Die alten Cover meiner gebundenen Ausgaben sind von Band zu Band in unterschiedlichen Farben gehalten und zeigen jeweils Schlüsselszenen der Handlung in detailverliebter Illustration. Auf dem Cover von Band 1 ist unser junger Protagonist Gregor zu sehen, welcher mit seiner 2jährigen Schwester Boots auf dem Rücken und einer Taschenlampe in der Hand in ein reichverziertes Gewölbe tritt. Der gelbe Titel hebt sich gelungen vom dunkelgrünen Grund ab und passt auch inhaltlich so gut zur Handlung, dass er mir fast besser gefällt als der Originaltitel. Auch an der großen blauen Kakerlake und der runden roten Spinne, die das Gesamtbild komplettieren merkt man dabei, dass das Cover extra für die Geschichte kreiert wurde und nicht auf einem Stockbild beruht. Die Illustration stammt von Joachim Knappe, der auch die Vignetten an den Kapitelanfängen erstellt und die Gestaltung der Titelblätter der drei Teile übernommen hat. Eine so runde und der Zielgruppe entsprechende Gestaltung gibt es einfach nur bei Kinderbüchern!


Erster Satz: "Gregor hatte die Stirn so lange gegen das Fliegengitter gedrückt, dass er das Muster der winzigen Quadrate über den Augenbrauen spürte."


Suzanne Collins beginnt ihre Abenteuerreihe mit einem heißen Ferientag mitten in New York City. Statt mit den anderen Kindern ins Ferienlager zu fahren, muss der 11jährige Gregor mit seiner Großmutter und seiner kleinen Schwester Boots zu Hause bleiben und langweilt sich fürchterlich. Mit der Langeweile ist es jedoch schnell vorbei als Boots durch den Lüftungsschacht im Wäschekeller fällt und er ihr hinterher in eine abenteuerliche Welt springt, die für ihn jede Menge Gefahren, Geheimnisse, überraschende Wiedersehen, Freundschaften und Prophezeiungen bereithalten wird...

Auch für die LeserInnen bleibt die Langeweile während der 300seitigen Geschichte garantiert fern. Die Autorin setzt ein hohes Erzähltempo an und jagt uns zusammen mit Gregor durch ein haarsträubendes Abenteuer in einer fremden Welt. Die Rahmenhandlung wird dabei durch Prophezeiungen vorgegeben, die es zu enträtseln und entschlüsseln gilt, die aber zumeist erst nach der Geschichte ganz klar erscheinen. Viele Wendungen, gute Ideen, überraschend komplexe Zusammenhänge wie Abkommen, Intrigen, Politik, Kämpfe um Land und Ressourcen sowie regelmäßige realgeschichtliche Anspielungen sorgen dabei dafür, dass auch ältere LeserInnen viel Spaß haben. Durch die bildhafte, aber einfach gehaltene Sprache mit lebensnahen Vergleichen und vielen Dialogen stellt Suzanne Collins aber sicher, dass in erster Linie ihre junge Zielgruppe der Handlung folgen und auf ihre Kosten kommen kann. Rückblickend geht es an einigen Stellen recht blutrünstig für eine 10jährige Zielgruppe zu da viel gekämpft und auch getötet wird. Als Kind hatte ich das aber nicht so empfunden, da viele Szenen erst in den Köpfen von Erwachsenen richtig bedrohlich erscheinen.

Neben dem hohen Erzähltempo überzeugt auch das Worldbuilding der Reihe. Die Autorin entführt in eine unterirdische Höhlenwelt, die sich blasse Menschen (die Überländer) mit Krabblern (=1,20m großen Kakerlaken), Fliegern (großen Fledermäusen), Nagern (mannshohen Ratten) und allerlei anderen überdimensional großen und sprechenden Lebewesen teilen. Was die menschliche Unterländer angeht ist natürlich besonders interessant zu erfahren, wie diese Leben und was sie von uns sogenannten "Überländern" unterscheidet, während bei den Tieren positiv hervorzuheben ist, dass sie alle eine eigene Kultur, Ausdrucksweise und Charaktereigenschaften bekommen. Viele der Regeln der Welt, Details des Lebens unter Tage, die Entstehung der Menschenstadt Regalia oder die Vorstellung der verschiedenen Territorien werden nach und nach im Verlauf der Handlung erklärt. Auf diese Weise wird man beim Lesen nicht mit Informationen erschlagen, kann sich aber von Kapitel zu Kapitel ein besseres Bild des Schauplatzes machen.


"Habt Acht, Unterländer, die Zeit ist in Not.
Jäger sind Gejagte, weißes Wasser fließt rot.
Die Nager trachten und nach dem Leben.
Die Suche allein kann uns Hoffnung geben.

Dem Überland-Krieger kann es gelingen,
uns allen das Licht zurückzubringen.
Mit dem Sohn der Sonne geht auf die Reise,
sonst enden wir alle als Rattenspeise.

Zwei über, zwei unter mit Königsblut,
zwei Flieger, zwei Krabbler, zwei Spinner mit Mut.
Ein Nager dabei und der, den sie quälen,
und acht sind es noch, wenn wir die Toten zählen.

Der letzte, der stirbt, kann das Blatt noch wenden.
Das Schicksal der Acht liegt in seinen Händen.
Drum mahnt ihn zur Vorsicht, sonst springt er daneben,
denn Leben kann Tod sein und Tod erschafft Leben."


Auch wenn einige Elemente wie zum Beispiel der typische Fall in eine andere Welt (das Kaninchenloch wird hier zum Lüftungsschacht), die Verbindung der Menschen mit Reittieren, geheimnisvolle Prophezeiungen oder Heldenreisen bekannt erscheinen, finde ich die Idee, im Verborgenen lebende und oft verabscheute Tiere hier zu den Hauptfiguren zu machen, großartig und erfrischend. Anhand der auf den ersten Blick wie Monster aussehenden Kreaturen, hinter denen sich dann doch häufig sympathische und einnehmende Figuren verbergen, lehrt die Autorin uns Rücksichtnahme und Unvoreingenommenheit gegenüber anderen Völkern und deren Eigenarten. Im direkten Miteinander der Figuren hebt Suzanne Collins Mut, Freundschaft, Vertrauen und den Wert der Familie hervor - alles Botschaften, die sehr gut in ein Kinderbuch passen und auch erwachsenen LeserInnen das Herz erwärmen.

Besonders lebt die Reihe jedoch auch von den Figuren. Im Zentrum steht wie gesagt der 11jährige Gregor, der innerhalb der fünf Bände wachsen, lernen, Verantwortung übernehmen und Schritt für Schritt zum Held werden darf. In Band 1 lernen wir ihn hier als liebevollen großen Bruder kennen, der vor allem aus der Motivation heraus, seinen verschollenen Vater zu finden, bei den Abenteuern der Unterländer mitspielt, aber nicht wirklich daran glaubt, der prophezeite "Krieger" zu sein, auf den alle seit Jahrhunderten warten. Mit seinem Gerechtigkeitssinn und seiner Fähigkeit, sich Fehler einzugestehen und zuzugeben, wenn er mal falschgelegen hat, hat er sich sofort in mein Herz geschlichen. Auch seine kleine Schwester Boots, die mit ihrem kindlichen Charme sofort die halbe Unterwelt um den Finger wickelt und von den Kakerlaken bald als Prinzessin verehrt wird, muss man einfach lieben. Besonders ans Herz gewachsen sind mir im ersten Teil auch die undurchsichtige Ratte Ripred, die beiden Kakerlaken Temp und Tick, die eingebildete Königin Luxa, die rebellische Fledermaus Ares und der großväterliche Vikus, von denen uns auch einige in den weiteren Bänden noch begleiten werden...

Ich kann also großen und kleinen Fans von Abenteuer- und Fantasygeschichten nur empfehlen, zu dieser Reihe zu greifen. Wer mehr von Suzanne Collins lesen will, dem sei übrigens auch ihre weltberühmte Panem-Reihe sehr ans Herz gelegt!




Fazit:


Eine meiner liebsten Fantasy-Reihen aller Zeiten! Suzanne Collins beginnt mit "Gregor und die graue Prophezeiung" eine originelle und hochspannende Abenteuersaga über Licht, Dunkelheit, Außenseiter, Mut, Freundschaft, Familie und kulturelle Rücksichtnahme!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere