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Veröffentlicht am 20.04.2023

Die Waffen der Frauen

Vier Signoras und ein pikantes Geheimnis
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Mit einer Spritze inkl. Anästhetikum, Pfefferspray, einem Taschenlampen-Revolver und Stricknadeln in Größe 10 wollen die Anna, Fabia, Emilia und Nattie DEN Mafia-Boss zur Strecke bringen, den Boss der ...

Mit einer Spritze inkl. Anästhetikum, Pfefferspray, einem Taschenlampen-Revolver und Stricknadeln in Größe 10 wollen die Anna, Fabia, Emilia und Nattie DEN Mafia-Boss zur Strecke bringen, den Boss der Bosse. Der hat nämlich kurz zuvor heraus-gefunden, dass sein Sohn Luca ein Kuckuckskind ist und Rache am leiblichen Vater geschworen – Annas Vater, der deswegen bereits seinen Tod vorgetäuscht hat. Jetzt scheint ihm Luca folgen zu wollen, denn auch er taucht ab, nachdem er sich Anna gerade erst vorgestellt hatte. Zusammen mit ihren Freundinnen vom Krimiclub und Markus, ihrem Freund und internationalen Ermittler, machen sie Jagd auf Luca und die Mafia.

„Vier Signoras und ein pikantes Geheimnis“ ist der zweite Teil der Reihe von Giulia di Fano, und auch wenn die Fälle an sich eigenständig sind, versteht man die Beweg-gründe der Figuren und Zusammenhänge besser, wenn man vorher den ersten Band liest.

Anna war psychologische Beraterin der Berliner Polizei, ist aber wegen mangelnder Teamfähigkeit entlassen worden. Als dann ihr Vater starb, hat sie sein Haus und sein Restaurant in Rimini übernommen und in Fabia, Emilia und Nattie neue Freundinnen mit der gleichen Leidenschaft für Krimis gefunden. Dabei werde sie von ihrem ehemaligen deutschen Kollegen Markus unterstützt, der zu Interpol nach Den Haag gewechselt ist und wegen zweier gefundener toter Mafia-Killer in Italien ermitteln soll.

Wie schon im ersten Band ist nicht nur Annas Fahrstil sehr rasant (die Verfolgungs-jagd am Ende macht jeden James Bond neidisch), sondern auch die Handlung legt ordentlich Tempo vor. Ein besonderes Highlight ist Annas Vater, der eine Verkleidung á la „The Birdcage“ wählt und damit ungeplant diverse Männerherzen bricht und für zusätzliche Verwicklungen sorgt.

Mich hat der Krimi wieder gut unterhalten, auch wenn mir einiges zu überspitzt war. Aber für eine kurze Auszeit, bei der Spannung, Humor und Dolce Vita nicht zu kurz kommen, ist das Buch genau richtig.

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Veröffentlicht am 12.04.2023

Schöne heile Welt

Club Paradies - Im Glanz der Macht
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„Er wollte auffallen, wollte besonders sein. Er war wie besessen davon, dass man staunend über ihn sprach und ihn bewunderte. Vor allem aber wollte er Macht haben …“ (S. 27) Hanns Borchardt ist ein Macher, ...

„Er wollte auffallen, wollte besonders sein. Er war wie besessen davon, dass man staunend über ihn sprach und ihn bewunderte. Vor allem aber wollte er Macht haben …“ (S. 27) Hanns Borchardt ist ein Macher, der sich selber gern in den Zeitungen sieht – als DER Baulöwe von Berlin, der sich natürlich auch in sozialen Projekten engagiert. Er hat sich nach ganz oben gearbeitet und jongliert bei seinen engagierten Projekten mit Millionen und Grundstücken, lebt ein Vorzeige-Luxusleben mit der perfekten Familie.
Seine Frau Maria ist dabei immer an seiner Seite. Auch mit 50 noch wunderschön und ihm zugewandt, doch so langsam kommt sie ins Grübeln. Hanns hat sich verändert, geht nicht mehr auf sie und ihre Wünsche ein, sie hat zu funktionieren. „Sie fand in ihrem Leben überhaupt nicht statt, vor allem aber hatte sie das Gefühl, einen Teil ihrer Lebenszeit einfach vergeudet zu haben.“ (S. 25)
Seine erwachsenen Kinder Holger und Hanna rebellieren. Holger hasst das Studium der Wirtschaftswissenschaften, das Hanns festgelegt hat, und auch Hanna will ein unabhängiges Leben führen, bei dem ihre Eltern nicht alles bestimmen. Als sie ihren Vater vor dem Nachtclub „Golden Paradise“ in einer kompromittierenden Situation mit dessen Besitzerin Lea Stern sieht, kommt sie ins Grübeln. Doch Hanns kann sich rausreden. Er ist nur an Leas Grundstück interessiert …

Hanns geht über Leichen, ist ein Lügner und Betrüger, ein Emporkömmling, der die Not anderer ausnutzt und (fast) alle manipulieren kann – ein Protagonist, den man so richtig schön hassen kann. Bei Maria, seiner naiven Ehefrau, die ihm alles glaubt und alles verzeiht, funktioniert seine Masche noch am längsten, aber auch sie denkt irgendwann über Scheidung nach.
Seine Kinder haben ihn schon lange durchschaut. Holger zieht aus, engagiert sich bei den Studentenprotesten und lernt dabei Monika kennen, eine gefährliche Frau, in die er sich unsterblich verliebt. Sie plädiert für freie Liebe und kämpft gegen den Staat. „Ich bin Freiheitskämpferin. Wir sind die Stadtguerilla.“ (S. 237). Damit stößt sie bei Holger auf offene Ohren. Er hat schon lange den Verdacht, dass bei den Geschäften und Projekten seines Vaters nicht alles mit rechten Dingen zugeht und will ihn zerstören. Doch nicht mit den Mitteln, zu denen Monika und ihre Freunde greifen. Und Hanna ist von Lea Stern fasziniert, der einzigen Frau, die ihrem Vater offen die Stirn bietet und sich nicht unterkriegen lässt, egal was Hanns versucht, um ihr Grundstück doch noch zu bekommen. „Nur wer die Kontrolle hat, kann verhindern, zum Spielball zu werden.“ (S. 223) Außerdem freundet sich Hanna mit Cord an, der ganz besondere „Filmchen“ dreht.

All das passiert in nur 5 Wochen. Caren Benedikt hat die Handlung extrem dicht gedrängt, lässt sich die Dramen immer schneller immer höher schaukeln, bis es zum großen Knall kommt. Mir war es leider etwas zu überladen, ich hätte neben den oben erwähnten Problemen nicht auch noch (Achtung Spoiler) Diversität, RAF und Pornos gebraucht, obwohl das damals aktuelle Themen waren. Zudem waren mir die Protagonisten teilweise zu stereotyp. Allerdings hört es so spannend auf, dass ich den 2. Band unbedingt lesen muss.

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Veröffentlicht am 26.01.2023

Die Jungen Wilden von Valencia

Die Galerie in Valencia
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Elena Alvarez hat für ihren Berliner Chef das Konzept für die neue Zweigstelle seiner Galerie in Valencia erarbeitet. Jetzt überrascht er damit, dass sie diese auch aufbauen soll – schließlich ist sie ...

Elena Alvarez hat für ihren Berliner Chef das Konzept für die neue Zweigstelle seiner Galerie in Valencia erarbeitet. Jetzt überrascht er damit, dass sie diese auch aufbauen soll – schließlich ist sie Halbspanierin und dürfte keine Verständigungs-probleme haben. Dumm nur, dass ihr Vater Spanien als Jugendlicher verlassen und ihr seine Muttersprache nie beigebracht hat.
Zudem überwirft sie sich mit den spanischen Architekten Carlos und Arnau, weil ihr Chef deren Konzept nie wollte. „Ihre Firma hat den Zuschlag bekommen, weil Sie diese Location gefunden haben. Aber von jetzt an geht es nach unseren eigenen Plänen weiter.“ (S. 30) Doch je mehr sie sich in den Entwurf der beiden einarbeitet, desto besser findet sie deren Idee, auch junge spanische Straßenkünstler auszustellen. Traut sie sich, die Vorgaben ihres Chefs zu ignorieren? „… ich habe mein ganzes Leben immer auf der vorgegebenen Spur verbracht. Vielleicht ist es einfach mal an der Zeit, etwas zu wagen.“ (S. 95)
Doch das ist nicht ihr einziges Problem. Ihr Vater hat nie über seine Heimat oder Vergangenheit gesprochen – was ist damals passiert? Und nicht zuletzt findet sie Carlos ziemlich heiß und ihm scheint es mit ihr genauso zu gehen …

Elena hatte bisher nie richtiges Interesse an einer festen Beziehung, ihre berufliche Karriere war ihr stets wichtiger. Die Galerie ist ihre Chance für den Aufstieg – aber nur, wenn sie die Vorgaben ihres Chefs genau umsetzt. Jetzt grätschen Carlos Ideen und sein Charme dazwischen, es knistert zwischen ihnen. Aber da ist auch noch das Schweigen ihres Vaters und seine Angst vor seiner Heimat, denen sie gern auf den Grund gehen würde.

Carlos genießt das leichte Leben am Mittelmeer und versucht, bei seinen Projekten das Alte zu bewahren und Neues geschickt zu integrieren. Dazu zählt auch, dass er „jungen wilden“ Straßenkünstlern eine Plattform bieten will und Elenas Galerie ihm dafür perfekt erscheint. Was aber, wenn er sich zwischen seiner Idee und ihr entscheiden muss?

„Die Galerie in Valencia“ ist eine leichte, flüssig zu lesenden Liebesgeschichte ohne große Überraschungen, die durch die zweite Zeitebene, in der Margot S. Baumann die Vergangenheit von Elenas Vater und seiner Familie unter dem Franko-Regime erzählt, etwas mehr Tiefe erhält.
Mich persönlich stören allerdings 2 Schnitzer. Zum einen gibt es ein Wochenende, das 4 Tage dauert. Und zum anderen wird Elenas Vater als fast 18jähriger von seinen Eltern regelmäßig ermahnt, vor dem Fußballspielen die Hausaufgaben zu machen. Das kann ich mir beim besten Willen auch in den 1970ern nicht wirklich vorstellen.

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Veröffentlicht am 13.12.2022

Falsche Erwartungen

Caroline Märklin - Sie brachte Kinderaugen zum Leuchten, doch kämpfte um ihr eigenes Glück
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Ich verbinde mit dem Namen Märklin die berühmte Spielzeugeisenbahn, die es auch bei uns in der DDR gab und die mein Papa jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit uns zusammen aufgebaut hat. Dafür hatte er eine ...

Ich verbinde mit dem Namen Märklin die berühmte Spielzeugeisenbahn, die es auch bei uns in der DDR gab und die mein Papa jedes Jahr zur Weihnachtszeit mit uns zusammen aufgebaut hat. Dafür hatte er eine riesige Spanplatte mit Tunneln und Bergen, kleinen Dörfern, Bahnhöfen und Wäldern gebaut. Und auf dem Tunnel drauf lag dann unsere Katze und hat die Züge von den Schienen geschubst, sobald sie vorbeigefahren kamen …
Darum hatte ich auch erwartet, dass es in Charlotte von Feyerabends Buch um die Erfindung der Spielzeugeisenbahn geht, aber die wurden gar nicht von Caroline, sondern anderen Firmen und später dann ihren Söhnen entwickelt. Die erfanden nämlich das variable Schienen- und Weichensystem, mit dem wir heute noch spielen.

„Wäre sie bloß als Mann auf die Welt gekommen, dann hätte sie die väterliche Firma übernommen und es gäbe sie noch heute.“ (S. 8) Caroline war ihrer Zeit immer etwas voraus. Sie hätte gern die Firma ihres Vaters weitergeführt, war unglaublich kreativ und wollte etwas aufbauen, sich etwas Eigenes schaffen, aber für einen Frau ziemte sich das damals natürlich nicht.
Sie galt als späte Jungfer, war schon Anfang 30, als sie (endlich) Wilhelm Märklin heiratete. Der Witwer und Vater zweier Töchter war ein Geschäftspartner ihres Vaters und mochte Carolines Unabhängigkeit, dass sie so anders war als andere Frauen und Grenzen überschritt. Allerdings stellte sich bald heraus, dass er von ihr als seiner Ehefrau anderes erwartete. Sie sollte sich um seine Kinder und den Haushalt kümmern, ihm Erben gebären. Trotzdem schaffte sie es, ihm hin- und wieder die Erlaubnis abzutrotzen, mit einer Sondergenehmigung auf Handelsfahrt zu gehen – mit der neumodischen Eisenbahn, von der sie begeistert und fasziniert war.

Wilhelm war Flaschner, heute würden wir wahrscheinlich Spengler sagen, und stellte Artikel aus Blech her, wie Töpfe und Kellen, aber auch Waschbecken oder Badewannen. Aus den Blechabfällen machte er für seine Töchter Miniaturmöbel und -kochgeschirr. Caroline wollte diese Sparte ausweiten, hatte ständig neue Ideen für Spielzeuge, denn damals änderten sich langsam die Ansichten zur Erziehung und Entwicklung von Kindern. Sie wurden nicht mehr nur als kleine Erwachsene angesehen, sondern durften spielen und ihre Interessen wurden gefördert. Doch Wilhelm war ziemlich stur und erst seine Söhne erkannten später unter Carolines Anleitung das Potential und eroberten diesen Markt für sich.

Caroline gehörte zu einer sehr großen Familie, schien unzählige Schwestern und Brüder zu haben, die aber zum Teil nach Amerika ausgewandert waren und als verschollen galten. Dadurch bekommt man zwar einen sehr guten Eindruck vom damaligen Zeitgeist, wie die Arbeitswelt funktionierte und Familien strukturiert waren, aber Caroline als Person konnte ich nicht richtig fassen. Man erlebt sie zwar als Ehefrau und liebevolle Mutter, aber sie schien ihre Gefühle in ihrem Innersten zu verschließen. Der Eindruck von ihr als Unternehmerin, die um jeden Preis den Fortschritt will und dafür auf ihr eigens Glück verzichtet, überwog.

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Veröffentlicht am 09.10.2022

Weihnachten in Familie

Die Wunderfrauen
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… auf dem Brandstetterhof hätte sich Luise auch dieses Jahr gewünscht, doch ihre Tochter Josefine fährt zusammen mit ihrem Mann David und den Kindern nach Berlin zu Davids Vater Jack – was nach der Wende ...

… auf dem Brandstetterhof hätte sich Luise auch dieses Jahr gewünscht, doch ihre Tochter Josefine fährt zusammen mit ihrem Mann David und den Kindern nach Berlin zu Davids Vater Jack – was nach der Wende jetzt endlich problemlos möglich ist. Außerdem haben sie und Josefin sich zerstritten, weil die sich nach Luises Meinung zu wenig emanzipiert und zu oft hinter David zurücksteckt, dabei bekommt sie in Kürze ihr drittes Kind und ist eine tolle Illustratorin, die endlich auch ein eigenes Buch schreiben will.

Aber auch der Hof und der Reitstall, die Luise und ihrer Freundin Marie betreiben, hält sie auf Trab. Zum ersten Mal haben sie über Weihnachten zahlende, aber anstrengende Gäste und auch Annabel und Helga, die anderen beiden Wunderfrauen, werden die Feiertage und den Jahreswechsel mit ihnen verbringen.

In „Wünsche werden wahr“ erfährt man, was Luise, Marie, Helga und Annabel in den letzten 19 Jahren erlebt, wie sie und ihre Familien sich weiterentwickelt haben. Nicht nur im Hinblick auf Weihnachten und den Jahreswechsel, sondern auch wegen ihres vorgerückten Alters erinnern sich die vier Frauen an ihre aufregenden Abenteuer und was ihnen Schönes und Trauriges widerfahren ist, welche Verluste sie erleiden mussten. Außerdem haben Luise und Helga haben ein jeweils ein Geheimnis, dass sie den anderen Wunderfrauen endlich sagen wollen.

Ich fand es schön, wieder zusammen mit den Wunderfrauen zu lachen und zu weinen, die emotionalen Berg- und Talfahrten zu teilen und bei den dramatischen Szenen den Atem anzuhalten. Und auch der Geist besinnlicher Weihnachten kommt nicht nur wegen Luises Köstlichkeiten nicht zu kurz. Am Ende feiern sie trotz aller Hindernisse zusammen und versprechen sich, auch in Zukunft füreinander da zu sein und aufeinander acht zu geben. Weil Freundinnen das größte Geschenk sind.

Ein schöner Zusatzband der Reihe, der trotz aller Traurigkeit auch Hoffnung macht, weihnachtliche Stimmung verbreitet und gleichzeitig eine unterhaltsame Reise in die 90er ist.

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