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Veröffentlicht am 12.09.2022

Schuld zu verdrängen, ist die einfachste Lösung, aber auf Dauter tötet es die Seele

Der Wert der Gefühle
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Bianca hat den Verlust ihrer Schwester nie verwunden. Wie ein Damoklesschwert schwebt das Unglück über der ganzen Familie und zerstört nach und nach das solide Fundament. Die Mutter hat seit diesem schicksalhaften ...

Bianca hat den Verlust ihrer Schwester nie verwunden. Wie ein Damoklesschwert schwebt das Unglück über der ganzen Familie und zerstört nach und nach das solide Fundament. Die Mutter hat seit diesem schicksalhaften Tag mehr als einmal versucht, sich das Leben zu nehmen, der Vater ist aus diesem toxischen Konstrukt ausgebrochen und hat sich ein anderes, (sorgen-)freies Leben aufgebaut. Nur Bianca selbst sitzt in einem Käfig aus Schuldgefühlen, der sie zu Zwangshandlungen antreibt. Selbst die Leibe zu Carlo kann die alten Wunden nicht heilen lassen....

Dies Buch ist düster, teuflisch, toxisch und morbide zugleich und zeigt, welche Schneise der Verwüstung ein tragisches Unglück hinterlässt, wenn die Fragen nach der Schuld und dem Warum auch nach Jahren ungeklärt sind. Bianca quält sich seit ihrer Kindheit mit Schuldgefühlen und versucht diese mit ihrem gnadenlosen Bedürfnis nach Perfektion und dem zwanghaften Drang, Müll in seine einzelnen Bestandsteile zu zerlegen und nach organischen und anorganischen Stoffen zu trennen, in den Griff zu bekommen. Es ist nicht immer leicht, sie als Figur zu verstehen und mitunter stößt sie die Leser:innen mehr von sich, als auf sie zuzugehen. Es gibt einige Ekel erregende Szenen, die mir die Gänsehaut auf die Arme trieben und bei denen ich gegen eine aufkommende Übelkeit ankämpfen muss.

Die Schuldgefühle fressen sich wie ein wucherndes Krebsgeschwür durch die Gedanken und Handlungen der weiblichen Hauptfigur, nehmen von ihr Besitz und machen ein normales Lebens fast unmöglich. Auch ist Bianca regelrecht von dem Gedanken besessen, mir Carlo unbeding ein Kind haben zu müssen (!!), um zumindest einen Teil der Schuld zu tilgen. Den Zerfall der eigenen Familie immer vor Augen, versucht Bianca einen Weg aus dieser schmerzhaften Abwärtsspirale zu finden. Wie sie dabei Schuld und Schmerz kompensiert, ist nicht immer auf den ersten Blick nachzuvollziehen und sorgt hin und wieder für Kopfschütteln.

Die Autorin lässt ihre Leserschaft lange darüber im Unklaren, wie sich das Unglück damals wirklich zugetragen hat und baut dadurch eine extrem hohe Erwartungshaltung auf. Die Seiten und Kapitel mehren sich, aber die Lösung will und will einfach nicht kommen. Es entsteht das Gefühl, immer kurz vor der Enthüllung des Geheimnisses zu sein, um dann doch wieder enttäuscht umzublättern und festzustellen, dass die Autorin wohl im nächsten oder übernächsten Kapitel endlich reinen Tisch macht. Diese Hinhaltetaktik zieht den Roman leider unnötig in die Länge und wäre meine Erachtens nicht nötig gewesen. Denn es schleicht sich im Verlauf des Buches bei Lesenden und Protas eine gewisse Gleichgültigkeit ein, die letztendlich dafür sorgt, dass die Auflösung der Tragödie fast schon stoisch zur Kenntnis genommen wird.

Ein Roman, der viele verstörende Szenen und intensive Gefühlsschwankungen enthält, die bei unmittelbar Betroffenen durchaus negative Gedanken hervorrufen können - ein Hinweis des Verlages wäre hier angebracht, um Nachahmung zu vermeiden.

Auf jeden Fall ein Debüt, das gegen den Strom schwimmt und die dunkle Seite der Seele zum Vorschein bringt.

3,5 Sternchen


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Veröffentlicht am 02.07.2022

“Gib der Seele einen Sonntag und dem Sonntag eine Seele.” (Peter Rosegger)

52 x Natur pur
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Die Woche neigt sich dem Ende zu und das Wochenende steht vor der Tür. Einfach mal raus aus dem stressigen Alttag und hinein in die Stille der Natur. Jörg Berghoff hat mit "52 x Natur pur" einen Impulsgeber ...

Die Woche neigt sich dem Ende zu und das Wochenende steht vor der Tür. Einfach mal raus aus dem stressigen Alttag und hinein in die Stille der Natur. Jörg Berghoff hat mit "52 x Natur pur" einen Impulsgeber veröffentlicht, der für jedes Wochenende des Jahres einen Ausflugstipp parat hält und dafür sorgt, dass Hektik, Stress und Ärger keine Chance haben.

Ein Reiseführer, der wirklich hinaus in die Natur führt und für jede der vier Jahreszeiten eine Fülle an Inspirationen bietet, die die Ausflügler:innen garantiert so noch nicht auf ihrer Agenda stehen haben.

Die Reiseziele befinden sich hauptsächlich in Deutschland, aber auch Tschechien, Österreich, Irland, Frankreich, Südtirol und und und machen mit Tipps für Trips auf sich aufmerksam. Wandern, Rad fahren, meditative Auszeit oder einfach nur draussen sein - dieser Reiseführer ist so konzipiert, dass je nach Lust und Laune an jedem Wochenende des Jahres traumhafte Erlebnisse möglich sind.

Innere Einkehr und meditative Stille im Kloster, märchenhafte Landschaften im Frau-Holle-Land, Adventszauber bei einer winterlichen Flusskreuzfahrt, zum Herbstzauber nach Südtirol oder eine hyggelige Auszeit in Dänemark sind nur einige wenige Möglichkeiten, um das Wochenende mit unvergesslichen Momenten zu füllen und daraus Erinnerungen zu formen, die noch lange im Gedächtnis bleiben.

Leider werden die Informationen zu den vorgestellten Wochenendreisen sehr komprimiert und wirken dadurch leicht oberflächlich und wie an einer Perlenschnur aufgereiht. Um nähere Informationen zu erhalten, müssen die Leser:innen ergänzende Lektüre zu Rate ziehen oder sich im Internet die erforderlichen Auskünfte einholen. Diese Tatsache schmälert ein wenig den Lesegenuss des ansonsten sehr gelungenen Reiseführers, denn hier sind wirklich unglaublich viele Tipps und Anregungen für ein entspanntes, stressfreies, erlebnisreiches Naturwochenende zu finden.

Ich muss daher schweren Herzens mit 3,5 Sternchen bewerten, da mir der Informationsgehalt einfach zu kurz kommt.


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Veröffentlicht am 08.05.2022

Glasklares Wasser, traumhafte Buchten und faszinierende Architektur

LONELY PLANET Reiseführer Kroatien
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Kroatien lockt und dem Ruf dieses Landes können die Reisenden nur schwer widerstehen. Im Land der tausend Inseln verzaubern eindrucksvolle Naturschauspiele, beeindrucken imposante Bauwerke und die Herzlichkeit ...

Kroatien lockt und dem Ruf dieses Landes können die Reisenden nur schwer widerstehen. Im Land der tausend Inseln verzaubern eindrucksvolle Naturschauspiele, beeindrucken imposante Bauwerke und die Herzlichkeit der Gastgeber;innen vermittelt das Gefühl, immer herzlich willkommen zu sein.
Der Reiseführer „Kroatien“ von Lonely Planet fasst alle Vorzüge zusammen und stellt ein Land vor, das mit einer wechselhaften Geschichte lebt, die viele Narben und Demütigen hinterlassen, aber auch Glanz und Prunk zum Vorschein gebracht hat.
Peter Dragicevich zeigt den Leser:innen seine Heimat, kennt versteckte Ecken und Winkel, gibt Hinweise und Tipps , um den Urlaub unvergesslich zu machen. Viele der im Reiseführer vorgestellten Routen habe ich vereist selbst bereist und dabei faszinierende Ortschaften (Motovun, Groznijan, Mali Losinj) entdeckt, mich in die Architektur verliebt und staunend in den Nationalparks (Plitvitzer Seen, Ucka, Velebit) die stillen Wunder der Natur betrachtet, von denen es in Kroatien so einige gibt.
Um die Reiseplanung zu erleichtern, ist der Reiseführer in die Regionen Istrien, Kvarner Bucht, Norddalmatien, Split & Zentraldalmatien sowie Dubrovnik & Süddalmatien eingeteilt und diese werden jeweils ausführlich beschrieben und mit vielen hilfreichen Tipps und Informationen ergänzt.
Das Kartenmaterial erleichtert die Orientierung, bietet schon die ersten Möglichkeiten zur Urlaubsplanung und ist hilfreich, um die Routen festzulegen und einzelne interessante Urlaubsziele miteinander zu verbinden.
Allgemeine Informationen, die nicht minder wichtig sind, räume Stolpersteine aus dem Weg und beinhalten Wissenswertes u. a um Thema Trinkgeld, Verkehrsregeln, Strom und Währung. Ein kleines Wörterbuch deutsch-kroatisch hilft mit den gängigsten Wörtern und Sätzen über erste sprachliche Hürden hinweg.
Doch so schön das Stöbern in diesem Reiseführer ist, es gibt leider etwas zu bekritteln: Die Seiten sind relativ dünn, sodass sie Gefahr laufen, leicht einzureißen und die die Qualität der Fotos ist nicht ganz so gut gelungen. Mit fehlt die Farbbrillanz, um hier das leuchtende Türkis des Meeres, das üppige Grün der Nationalparks und das strahlende Weiß der Häuser so richtig zur Geltung zu bringen.

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Veröffentlicht am 09.10.2021

Bergseeliger Genuss für kalte Tage

Ein Tag in den Bergen
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Meine Heimat des Herzens sind die Berge und es gibt für mich nichts schöneres, als nach einer Schneeschuhwanderung, einem Tag auf den Skiern oder nach einem kurzen Spaziergang durch den Winterwald gemütlich ...

Meine Heimat des Herzens sind die Berge und es gibt für mich nichts schöneres, als nach einer Schneeschuhwanderung, einem Tag auf den Skiern oder nach einem kurzen Spaziergang durch den Winterwald gemütlich einzukehren und mich mit bodenständiger Küche verwöhnen zu lassen.

"Ein Tag in den Bergen" ist ein Kochbuch, das es mir möglich macht, dieses Bergfeeling mitsamt der kulinarischen Schlemmereien in die heimische Küche zu holen und so für die kleine Auszeit im Alltag zu sorgen.

Wer aber jetzt denkt, dass es hier um verstaubte Rezepte geht, die keine Maus hinter dem Ofen hervorholt, der irrt sich gewaltig, denn die deftigen Gerichte sind modern interpretiert, trotzdem urig und bieten regionale Abwechslung auf dem Teller.

Fans der Alpenküche bekommen hier echte Schmankerl auf den Teller: Harissa-Backhendl mit Feldsalat, Flammkuchen mit Pilzen, Sauerkraut-Lasagne mit Schweinefilet, Apfel und Senf-Bechamelsauce oder doch lieber ein Zwetschgenkuchen vom Blech mit knusprigen Macadamia-Streuseln ? Das Kochbuch bietet eine Vielzahl an Rezepten, die Lust auf rustikale Gerichte machen.

Damit das Nachmachen auch tatsächlich gelingt, sind neben der ausführlichen Zutatenliste und der Zubereitungszeit auch die einzelnen Schritte der Zubereitung (leicht verständlich und sehr gut erklärt) aufgeführt.

Die Sinnsprüche und Zitate rund um die Bergwelt geben dem Ganzen einen leicht poetischen Touch.

Und jetzt kommt das große ABER - die optische Präsentation der Gerichte, sowie die Fotos der verschneiten Alpenwelt sind nicht so stimmungsvolle Highlights, wie ich mir das erhofft habe. Die Landschaftsfotos und auch die Food-Fotografie liegen wie unter einem Grau/Schwarzschleier begraben, sodass hier unglaublich viel an Strahlkraft eingebüßt wird. Die Bilder wirken dunkel, nebelverschleiert und hinterlassen beim Betrachten eher eine düstere Stimmung, anstatt euphorische Glücksgefühle.

Selbst das imposante Watzmann-Massiv in der Dämmerung verliert seine Magie. Die Aufnahmen wirken leider allesamt wenig einladend und machen dem eigentlich sehr positiven Eindruck des Buches einen Strich durch die Rechnung. Hier muss ich leider 1,5 Sternchen abziehen, sodass noch gute 3,5 Sterne verbleiben.

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Veröffentlicht am 28.05.2021

omm ein bisschen mit - nach Italien (Valente/Alexander)

Adria mortale - Bittersüßer Tod
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Sommer, Sonne und das blaue Meer - für Sonja und Elke ist der Sommerurlaub 1958 einfach nur perfekt, denn mit dem Roller erkunden sie ihr Sehnsuchtsland Italien. Die kleine Ferienpension von Federica Pellegrini ...

Sommer, Sonne und das blaue Meer - für Sonja und Elke ist der Sommerurlaub 1958 einfach nur perfekt, denn mit dem Roller erkunden sie ihr Sehnsuchtsland Italien. Die kleine Ferienpension von Federica Pellegrini soll ihr Zuhause auf Zeit werden und als gemütliche Unterkunft an der Adriaküste dienen. Doch mit der Urlaubsidylle ist es jäh vorbei, als der Lehrer des Ortes tot aufgefunden wird. Federica ermittelt auf eigene Faust und kommt zu dem Entschluss, dass jeder im Ort ein Motiv gehabt haben könnte...


Benvenuto in Italia - denn schon nach wenigen Zeilen weht das mediterrane Flair mit dem charmanten Zauber der 1950er Jahre durch die Seiten, Caprihosen, Ballerinas, bunte Schals und Schlager inklusive. Dazu noch die wunderschönen Fotomotive, die Margeritha Giovanni hier für das imaginäre Fotoalbum bereit hält - fertig ist das Sommerurlaubsfeeling im Retro-Look.

Ich mag die Ausgestaltung des Setting sehr, denn hier stimmt wirklich alles - jedes Detail ist perfekt abgestimmt auf Zeit und Kulisse und die Figuren bewegen sich sehr sicher in ihrem Terrain. Großkopferte Touristen geben sich ebenso ein Stelldichein wie der Südtiroler Schürzenjäger, Federica als resolute Pensionswirtin mit dem Herz auf dem rechten Fleck oder der Commissario, der nicht umhin kann, als mit ihr zähneknirschend zusammenzuarbeiten - alle wunderbar getroffen und sehr authentisch.

Der Fall hat leider nur ein Manko - schnell ist klar, dass aufgrund der Tötungsart ein weiblicher Täter gesucht wird und das nimmt schon mal die erste große Spannung raus. Die Mauer des Schweigens ist auch nicht gerade hilfreich, um hier großartig Nervenkitzel zu erzeugen, sodass sich der Krimi eindeutig im Genre Cosy-Crime einreiht. Ja, es muss nicht immer blutrünstig und grausam zugehen, aber so ein bisschen Kick und Aufregung schadet auch einem Urlaubskrimi nicht. Hier verläuft eher alles ruhig und ohne großes Aufsehen. Ok, es gibt noch eine Wendung zum Schluss, mit der niemand gerechnet hat, die reißt es dann wirklich noch herum, aber im Großen und Ganzen habe ich mir mehr erhofft.

Elke und Sonja hatte ich eigentlich mehr als Hauptfiguren gesehen, aber die beiden deutschen Touristinnen sind her nette Dekoration, als dass sie eine wirklich wichtige Rolle spielen.

Federica wirbelt ordentlich Staub mit ihren Ermittlungen auf und sorgt so dafür, dass der Leser auch eigne Nachforschungen anstellen kann. Viele Fährten entpuppen sich als Holzweg und können daher getrost außer Acht gelassen werden.

Bis zur Lösung des Rätsels bleibt der ein oder andere Evergreen im Ohr hängen, ist mal diese mal jene Theorie aufgestellt und wieder verworfen und der Showdown bietet nochmal ein bisschen Aufregung. Alles in allem ein schöner Urlaubskrimi mit Italo-Charme und jeder Menge guter Laune.

3,5 Sternchen

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