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Veröffentlicht am 22.03.2020

Lebendige Bilder aus Bolivien und Peru

Reisedepeschen aus Bolivien und Peru
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Sehr gern lasse ich mich auf Reiseberichte ein. Die „Reisedepeschen aus Bolivien und Peru“ von Jennifer McCann haben mich durch Buchbeschreibung und Titelbild neugierig gemacht. Außerdem weiß ich inzwischen, ...

Sehr gern lasse ich mich auf Reiseberichte ein. Die „Reisedepeschen aus Bolivien und Peru“ von Jennifer McCann haben mich durch Buchbeschreibung und Titelbild neugierig gemacht. Außerdem weiß ich inzwischen, dass mich vom Verlag Reisedepeschen auf jeden Fall ein qualitativ hochwertiges Buch erwartet.
In der Buchbeschreibung heißt es: „Sie lacht mit Amazonasdelfinen, überwindet Straßensperren und verläuft sich in der Wildnis. Glitzernde Gletscher, dichter Regenwald und karge Wüsten lassen sie staunen. Doch die bedeutsamen Geschichten erzählen ihr die Menschen, die sie unterwegs trifft. Sie gewähren Einblicke in ihr Leben, manchmal kurz und leicht, manchmal intensiv und tiefgründig.
Es war der starke Wunsch nach Selbstmächtigkeit, der die junge Autorin aufbrechen ließ, allein nach Bolivien zu reisen, in die Fremde.
Viele einzelne Stationen finden sich auf dem als Collage dargestellten Titelbild.
Sehr sprachgewandt, detailliert und nuanciert erzählt Jennifer McCann von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen unterschiedlicher Art. Dabei sind es nicht nur die schönen Dinge, die sie sehen möchte. Sie taucht ein in das Leben der Menschen mit deren ganz persönlichen Geschichten, in die Einsamkeit und die Schönheit des Regenwaldes und die Weite der Natur. Aber sie verschließt auch die Augen nicht vor den Problemen, mit denen die Menschen in Bolivien und Peru auch heute noch zu kämpfen haben.
Als Leserin fühle ich mich gut mitgenommen auf die Reise. Besonders fasziniert hat mich die Erzählung über die Lebensknoten in der größten Salzpfanne der Erde, der Salar de Uyuni. Unglaublich ängstlich und angespannt war ich bei der Schilderung des Mountainbiking auf der Camino de la Muerte, an dem Jennifer aktiv teilgenommen hat. Ganz besonders aufmerksam bin ich den vielen Gesprächen mit den Einheimischen gefolgt und begeistert haben mich nicht nur die schwimmenden Inseln auf dem Titicacasee. Denn es gab da ja auch noch die Geschichte von der … Doch lest selbst!
Das Buch hat mir von A – Z gefallen. Ein tolles und bemerkenswertes Buch, das ich sicherlich noch häufiger zur Hand nehme, weil es unglaublich viele wissenswerte Dinge enthält und durch zahlreiche wunderschöne, aber auch nachdenkenswerte Fotos aufgewertet wird.

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Veröffentlicht am 16.03.2020

Gibt es einen Weg?

Eine Farbe zwischen Liebe und Hass
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„Die Leute reden. Nicht erst jetzt. Sein ganzes Leben schon.“

Jessups Mutter ist 14, als sie ihren Sohn Ricky bekommt, 19, als Jessup geboren wird. Mit 25 Jahren heiratet sie David John und bekommt ihr ...

„Die Leute reden. Nicht erst jetzt. Sein ganzes Leben schon.“

Jessups Mutter ist 14, als sie ihren Sohn Ricky bekommt, 19, als Jessup geboren wird. Mit 25 Jahren heiratet sie David John und bekommt ihr drittes Kind, Jewel. Die Familie lebt in ärmlichen Verhältnissen in einem Wohnwagen in Cortaca und bekennt sich zur „Heiligen Kirche des Weißen Amerika“.

„In der Kirche sagen sie, was ist falsch daran, stolz darauf zu sein, dass man weiß ist? Wenn du mittags zusammen mit schwarzen Schülern am Tisch sitzt oder die Juden sich das auserwählte Volk nennen, warum soll es dann ein Problem sein, wenn man mit seinen Leuten zusammen sein will, mit denen, die denken, dass weiß sein eine gute Sache ist?“

Jessup geht zur Highschool, ist ein guter Schüler und leidenschaftlicher Football-Spieler. Schwarze und Weiße spielen in einer Mannschaft – hier zählt nur die Farbe des Trikots. Sein Bruder Ricky wurde für den Mord an zwei Schwarzen verurteilt und sein Stiefvater wegen Beihilfe. Von Hassverbrechen war die Rede. Damals war Jessup 11 Jahre alt. Er hat sich danach von der Kirche distanziert.

Er liebt seine kleine Schwester Jewel und arbeitet viel, um seine Mutter zu unterstützen, solange der Stiefvater im Knast sitzt. Trotzdem wird es ihn verfolgen. Und irgendwann gerät Jessup in eine Situation, aus der es kein Entkommen für ihn zu geben scheint. Können ihn die Provokationen seines schwarzen Gegenspielers aus dem entscheidenden Football-Spiel noch ruhig bleiben lassen, so gibt es kurz danach einen tragischen Unfall. Jessup muss sich entscheiden – oder gibt es eine Gruppe, die ihm die Entscheidung abnehmen will?

Der Autor Alexi Zentner, dessen Familie selbst Opfer von Hass und Gewalt durch einen Anschlag von Neonazis geworden ist, erzählt die Geschichte von Jessup sehr eindringlich, unglaublich spannend und so fesselnd, dass ich das Buch nicht zur Seite legen konnte. Niemals zuvor hat mich eine Geschichte zum Thema Hass, Gewalt und Fanatismus so stark berührt wie diese. Vielleicht lag es daran, dass der Autor Jessups Gefühlswelt mit all seinen Gedanken, seinen Wünschen und seiner inneren Zerrissenheit so deutlich und klar geschildert hat? Selbst die Beschreibung des entscheidenden Football-Spiels, die außergewöhnlich ausführlich – ich möchte das Wort „langatmig“ vermeiden - war, hat so viel Persönliches vermittelt, dass ich das im Nachhinein nicht missen möchte.

Die kurzen Abschnitte mit den „Schlagzeilen“ im Fettdruck habe ich als sehr positiv empfunden. „Eine Farbe zwischen Liebe und Hass“ wird bestimmt noch lange in mir nachklingen und mich zum Nachdenken anregen.

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Veröffentlicht am 12.03.2020

Achtung, die Mühle erwacht!

Die Mühlenkinder
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Liv lebt mit ihren Eltern und drei Schwestern in einer Mühle. Das ist ja an sich schon etwas Besonderes. Doch es gibt Situationen, in denen es richtig spannend wird: „Wenn der Wind aus Nordosten weht, ...

Liv lebt mit ihren Eltern und drei Schwestern in einer Mühle. Das ist ja an sich schon etwas Besonderes. Doch es gibt Situationen, in denen es richtig spannend wird: „Wenn der Wind aus Nordosten weht, erwacht die Mühle.“ So verspricht es Antonia Michaelis, die Autorin von „Mühlenkinder“. Erschienen ist das Buch im Oetinger Verlag.
Tatsächlich verwandelt sich die Mühle mit dem nächsten Nordostwind in ein Schloss und die Mädchen werden zu Prinzessinnen. Doch so märchenhaft wie es sich anhört, ist es keinesfalls, denn es dauert nicht lange, da wird Livs Schwester, Prinzessin Jorunn, entführt. Sofort machen sich Liv und die große Schwester Marit auf den Weg, um ihre kleine Schwester zu suchen. Damit beginnt ein unglaubliches Abenteuer – magisch, märchenhaft, zauberhaft, spannend und gruselig. Immer wieder geraten sie dabei in große Gefahr und ein Entkommen scheint es nicht zu geben. Doch immer, wenn es fast ausweglos scheint kommt unerwartet Hilfe. Doch wem können die Kinder überhaupt noch trauen? Etwa den Papierfledermäusen, die wegen eines Hörfehlers zu Vampirfledermäusen geworden sind? Die Fledermäuse sind im übrigen nicht die einzigen Tiere, denen die Geschwister begegnen, und mit denen sie sich mühelos verständigen können.
Die Geschichte wird empfohlen für Kinder ab 8 Jahren. Ich finde, dass sich das Buch auch hervorragend zum Vorlesen eignet. In einigen Situationen geht es schon ziemlich gruselig und spannend zu – diese Stellen sind beim gemeinsamen Lesen für ängstliche Kinder sicherlich leichter zu ertragen. Die schwarzweißen Illustrationen sind eine tolle Ergänzung zur Erzählung und lassen die Kopfbilder noch deutlicher werden. Auch die Länge der einzelnen Kapitel finde ich passend und gelungen.
Für mich war es das erste Buch von Antonia Michaelis und sie hat mich sogleich mit ihrem Schreibstil verzaubert. Hoffentlich gibt es weitere Abenteuer der Mühlenkinder.

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Veröffentlicht am 05.03.2020

Auszeit in Südafrika

Nächster Halt: Wildnis
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„Die Natur ist ein Klassenraum des Lebens. Sie ist ein Ort, an dem wir in Schönheit eintauchen dürfen, ein Ort, an dem wir Gottes Gegenwart auf eine ganz besondere Weise wahrnehmen können.“

Die Autorin ...

„Die Natur ist ein Klassenraum des Lebens. Sie ist ein Ort, an dem wir in Schönheit eintauchen dürfen, ein Ort, an dem wir Gottes Gegenwart auf eine ganz besondere Weise wahrnehmen können.“

Die Autorin Stefanie Vetter hat mit „Nächster Halt Wildnis“ aus dem Verlag Gerth Medien einen einzigartigen Reisebericht geschrieben, der ganz eindeutig zeigt, dass sie diesen Ort gefunden hat.

Für ein halbes Jahr verlässt die junge Lehrerin ihr gewohntes Leben, Familie und Freunde, um in Südafrika eine Ausbildung zur Rangerin zu machen. Ein starker und mutiger Entschluss, zu dem ihr sicher der unerschütterliche Glaube an Gott eine große Hilfe war. „Ich glaube an einen Gott, der sich für mich und mein Leben interessiert, der einen guten Plan für mich hat und in Entscheidungssituationen der beste Ratgeber ist…“

Mit großem Interesse habe ich die Erlebnisse der Autorin verfolgt: ob es der Alltag und die ersten Eindrücke mit all den unbekannten Geräuschen im Camp waren, die Kunst des Spurenlesens, die Nächte im Freien, in denen es hieß „Sterne an und Augen zu“, oder auch die Zeit der Prüfungen. Besonders beeindruckt haben mich die vielen spannenden Berichte über die Tierwelt. So viele Details zu den Tieren, die ich bereits zu kennen glaubte, haben nicht nur mein Wissen erweitert, sondern mich immer wieder erstaunt und bewundernd an den Schöpfer denken lassen. Ich freue mich unglaublich für Stefanie und für Lisa, die nicht nur das Zelt miteinander geteilt haben, die das alles hautnah erleben durften.

Auch die Einzelschicksale einiger Menschen, hier vor allem das Leben des Shangaan Jerry, einem der Ausbilder, haben mich sehr berührt.

Alles ist so anschaulich beschrieben und dazu reich mit wunderschönen Illustrationen versehen, dass ich meinen Alltag für einige Zeit hinter mir lassen konnte – abschalten, um den Menschen und der Natur in Afrika ganz nah zu sein.

Ich hatte übrigens niemals das Gefühl, dass die Tier- und Pflanzenwelt durch die Gruppen gestört würden, sondern ich habe den Eindruck gewonnen, dass durch einen achtsamen Umgang die Rechte der Natur im Vordergrund stehen.

Zu diesem Zeitpunkt war das Buch für mich ein ganz besonderes Geschenk: Der Weltgebetstag, der jährlich am 1. Freitag im März in mehr als 120 Ländern der Welt gefeiert wird, wurde in diesem Jahr von Frauen in Simbabwe vorbereitet, einem Land, das direkt an Südafrika grenzt. So hatte ich bei der Vorbereitung auf unseren Gottesdienst den großen Vorteil, der Natur mit Pflanzen und Tieren und auch den Menschen verschiedener Ethnien viel näher zu sein, als es ohne das Buch möglich gewesen wäre.

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Veröffentlicht am 01.03.2020

Es darf kein Vergessen geben

Um 180 Grad
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Julia C. Werner erzählt in „Um 180 Grad“ eine Geschichte, in der es um Geschichtliches geht, das wir niemals vergessen dürfen! Erschienen ist das Buch im Verlag Urachhaus.

Frau Silberstein ist eine der ...

Julia C. Werner erzählt in „Um 180 Grad“ eine Geschichte, in der es um Geschichtliches geht, das wir niemals vergessen dürfen! Erschienen ist das Buch im Verlag Urachhaus.

Frau Silberstein ist eine der letzten Überlebenden des Holocaust. Auch wenn die Person fiktiv ist, so macht die Autorin damit sehr deutlich, wie grausam dieser Teil der deutschen Geschichte war, die niemals in Vergessenheit geraten darf!

Die Geschichte beginnt mit Lennard, einem 14-jährigen Schüler, der in einer wohlbehüteten Familie aufwächst. Leider (oder zum Glück) ist er mit seinen Freunden beim Graffiti-Sprühen erwischt worden. Dafür muss er ein Jahr lang in einem Pflegeheim als Lesepate einen alten Menschen betreuen. So lernt er Frau Silberstein kennen – für Lennard fühlt es sich nach Höchststrafe an und er ist voll auf Ablehnung programmiert! Doch schon nach einigen Tagen im Heim stellt Lennard fest, dass die Frau Silberstein gar nicht so schrullig ist wie er gedacht hatte. Und Frau Silberstein? Sie ist eine tolle Frau, die genau weiß, was gut für Lennard ist und was er braucht. Schon bald beginnt Lennard – wenn auch ganz zögerlich – auf Frau Silberstein zuzugehen und sie zu mögen.

Eigentlich ist Lennard ja als Lesepate bei Frau Silberstein. Er hat das Jugendbuch „Tschick“ mitgebracht, aus dem er ihr auch regelmäßig vorliest. Im Lauf der Zeit erzählt Frau Silberstein aus ihrer Vergangenheit, aus der Zeit, die sie im KZ verbracht hat. Lennard ist ein aufmerksamer Zuhörer, doch auch, wenn Frau Silberstein immer nur kleine Abschnitte erzählt, so entgeht Lennard und natürlich mir als Leser nicht, welche grausame Zeit voller Angst und Schrecken Frau Silberstein und ihre Familie erleben mussten.

Das Buch ist empfohlen für Jugendliche in Lennards Alter und diesem Alter ist auch der Schreibstil angepasst. Das Buch liest sich flüssig, es gibt Heiteres, aber auch viel Trauriges. Frau Silberstein hat allerdings eine so positive Lebenseinstellung, dass mit ihrem großen Einfühlungsvermögen das Fröhliche meistens im Vordergrund steht.

Ich selbst gehe langsam auf die 70 zu und auch mich hat dieses Jugendbuch sehr gut unterhalten und an wichtige geschichtliche Dinge erinnert, die zu meiner Schulzeit eher totgeschwiegen wurden.

Mit der Geschichte selbst hat es nichts zu tun, aber ich gebe gern weiter, dass 10 % aus dem Erlös an die Amadeu Antonio Stiftung gehen, einer Stiftung, die eintritt für eine Zivilgesellschaft, die sich konsequent gegen Rechtsextremismus, Rassismus und jede Form von Antisemitismus einsetzt.

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