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Veröffentlicht am 11.08.2021

Sogar noch besser als "Das Spiel"

Die Nacht – Wirst du morgen noch leben?
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Inhalt: „Der Nachtmann“ treibt sein Unwesen. Er fängt Menschen, sperrt sie in Glaskästen und tötet jede Nacht eine Person. Seine Taten streamt er im Internet und bindet seine Zuschauer ein: Gelingt ihnen, ...

Inhalt: „Der Nachtmann“ treibt sein Unwesen. Er fängt Menschen, sperrt sie in Glaskästen und tötet jede Nacht eine Person. Seine Taten streamt er im Internet und bindet seine Zuschauer ein: Gelingt ihnen, eine Aufgabe zu erfüllen, muss keiner sterben. Ein neuer Fall für die Europol-Ermittlerin Inga Björk und Christian Brand beginnt.

Persönliche Meinung: „Die Nacht“ ist ein Thriller von Jan Beck und nach „Das Spiel“ der zweite Band um das Ermittlerduo Björk und Brand. Man muss nicht den ersten Band der Reihe gelesen haben, um der Handlung des zweiten Bandes folgen zu können. Für ein tieferes Verständnis der Beziehung zwischen Björk und Brand ist es aber sinnvoll, zunächst zu „Das Spiel“ zu greifen. Wie schon im ersten Band der Reihe werden unterschiedlichste Perspektiven eingenommen (Ermittler, Opfer und - mehr möchte ich nicht verraten :D), verschiedene Erzählinstanzen genutzt und viele Handlungsorte eingebunden, sodass die „Die Nacht“ eine temporeiche, dynamische Handlung besitzt, deren Spannung durchweg hoch ist. (Die Kapitel sind jeweils deutlich markiert, sodass die unterschiedlichen Perspektiven nicht zu Verwirrungen führen). Zusätzlich dazu existieren mehrere Handlungsstränge: Es passiert ziemlich viel, was man sich nicht direkt erklären kann, sodass man unweigerlich mit den beiden Ermittlern rätselt. Raffiniert ist dabei, wie Jan Beck mit den Erwartungen der Leser*innen spielt und sie auf die falsche Fährte führt: Nach gewisser Zeit stellt sich ein Verdacht ein, wie die unterschiedlichen Ereignisse zusammenhängen. Nach und nach findet man Indizien, die die Vermutung zu untermauern scheinen. Doch: weit gefehlt. Am Ende ist doch alles anders als spekuliert; die Auflösung ist sehr überraschend. Die beiden Ermittlerfiguren machen zudem eine interessante Entwicklung durch. Im Vergleich zum ersten Band sind sie nahbarer, menschlicher und – durch die Ereignisse von „Das Spiel“ – gebrochener, wodurch sie insgesamt eine größere Tiefe erhalten. Auch der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Er lässt sich sehr flüssig lesen und macht „Die Nacht“ zusammen mit der temporeichen Spannungskurve und den unterschiedlichen Perspektiven bzw. Handlungssträngen zu einem echten Pageturner. „Das Spiel“ hat mir schon sehr gut gefallen; „Die Nacht“ legt aber noch eine Schippe drauf und ist eine starke und spannende Fortsetzung, die meine Erwartungen übertroffen hat.

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Veröffentlicht am 04.08.2021

Eine sehr starke Fortsetzung

Revolution der Träume
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Inhalt: Berlin 1918. Der Krieg ist vorbei. Genauso wie die Monarchie. Doch Deutschland kommt nicht zur Ruhe, denn die Taktung der Putschversuche ist hoch. Auch Isi, Carl und Artur werden in den Sog dieser ...

Inhalt: Berlin 1918. Der Krieg ist vorbei. Genauso wie die Monarchie. Doch Deutschland kommt nicht zur Ruhe, denn die Taktung der Putschversuche ist hoch. Auch Isi, Carl und Artur werden in den Sog dieser Zeit gezogen. Während Isi sich von den Revolutionen mitreißen lässt, siedelt sich Artur in der Berliner Unterwelt an und baut dort ein Imperium auf. Carl wird bei der jüngst gegründeten „Universum-Film Aktiengesellschaft“, kurz Ufa, vorstellig, möchte dort als Kameramann arbeiten und taucht in die Welt des Films ab.

Persönliche Meinung: „Revolution der Träume“ ist ein historischer Roman von Andreas Izquierdo. Es ist der zweite Band der „Wege der Zeit“-Reihe, die im Juli 2020 mit „Schatten der Welt“ begonnen hat. „Revolution der Träume“ führt die Handlung von „Schatten der Welt“ fort, weshalb man als Neueinsteiger*in in die Reihe zunächst mit dem ersten Band beginnen sollte. Erzählt wird „Revolution der Träume“ aus der (retrospektiven) Ich-Perspektive von Carl. Die drei ProtagonistInnen sind nach den Ereignissen von „Schatten der Welt“ keine Kinder oder Jugendlichen mehr. Im Gegenteil: Der Krieg hat sie erwachsen gemacht, sodass sie sich ganz anderen Sorgen und Verantwortungen stellen müssen. Die Handlung besitzt viele starke, emotionale Szenen: Wie schon im vorherigen Band begleiten wir die drei durch Schicksalsschläge und Glücksmomente, sodass man beim Lesen (zusammen mit Isi, Carl und Artur) eine Achterbahnfahrt der Gefühle durchlebt. Außerdem ist die Handlung unvorhersehbar, wendungsreich und dadurch spannend. Alle drei ProtagonistInnen sind auf ihre Art sympathisch: Isi ist eine starke Frau, die sich nicht vor Konfrontationen scheut und mit dem damals vorherrschenden Rollenverständnis bricht; der immer wieder krumme Dinge drehende Artur gibt sich zwar oft stahlhart, allerdings schlummert unter dieser Schale ein weicher Kern. Carl wiederum ist empathisch, verantwortungsbewusst und vielleicht ein bisschen zu ernst. Der Roman spielt zeitlich vor dem Hintergrund der jungen Weimarer Republik, deren Frühzeit durch Putschversuche von rechts und links geprägt wurde. Dieser historische Hintergrund ist fundiert recherchiert und sehr passend in den Roman eingeflossen. So ist einerseits der Lebensweg der ProtagonistInnen z.T. mit den Putschversuchen verwoben, andererseits treffen sie auf einige historische Persönlichkeiten aus Politik und Film. Filmfans werden generell auf ihre Kosten kommen: Carl trifft bekannte Schauspieler und Regisseure, arbeitet in Erinnerungsorten der Filmgeschichte, besucht Premieren und diskutiert vereinzelt die Machart und die Bedeutung der Filme. Auch der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen. Izquierdo schreibt empathisch, immer mit Liebe zum Detail und feinem Humor, der zwischen den Zeilen hervorlugt. Insgesamt ist „Revolution der Träume“ ein fundiert recherchierter, spannender historischer Roman mit sympathischen Figuren, Gefühl und einer unvorhersehbaren Handlung.

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Veröffentlicht am 30.07.2021

Ein äußerst spannender Thriller

Angstrichter (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 4)
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Inhalt: Nürnberg. Verteilt an den vier Toren der Stadt hängen Körperteile einer Leiche. Fast zeitgleich findet sich im Internet ein Video, das eine gefesselte Person zeigt, die – nach mittelalterlicher ...

Inhalt: Nürnberg. Verteilt an den vier Toren der Stadt hängen Körperteile einer Leiche. Fast zeitgleich findet sich im Internet ein Video, das eine gefesselte Person zeigt, die – nach mittelalterlicher Manier – gevierteilt wird: Ein selbsternannter Richter treibt sein Unwesen. Ein neuer Fall für die Profiler Jan Grall und Rabea Wyler, die sich erneut an die Abgründe der menschlichen Psyche vortasten.

Persönliche Meinung: „Angstrichter“ ist ein Thriller von Lars Schütz und der vierte Band um die Profiler Jan Grall und Rabea Wyler. Der Thriller wird hauptsächlich im Wechsel aus den Perspektiven von Jan und Rabea erzählt. Zusätzlich dazu werden auch mehrmals die Perspektiven von weiteren Figuren eingenommen, wodurch Tempo und Spannung des Thrillers zunehmen. Wie schon den vorherigen Grall-und-Wyler-Thrillern liegt auch „Angstrichter“ eine interessante und originelle Idee zugrunde. Ohne zu viel verraten zu wollen: Der Täter imitiert eine Art von Rechtsprechung, die im Mittelalter begründet zu sein scheint. Dementsprechend finden sich auch einige interessante Informationen zur mittelalterlichen Rechtsprechung im Thriller. Die Handlung von „Angstrichter“ ist durchweg spannend und rasant: Die Taktung der Morde ist hoch; Jan und Rabea gehen verschiedenen Spuren nach, landen aber teilweise in Sackgassen – nicht selten bringen sie sich dabei selbst in Gefahr. Der Fall ist durch die unterschiedlichen Perspektivierungen schön verworren und rätselhaft, sodass man nicht direkt weiß, welche Mosaikstücke wie und warum zusammenhängen. Auch die Identität der Täterfigur und deren Motiv bleiben bis zur schlüssigen Auflösung trüb. Das Ende ist dadurch – in mehrfacher Hinsicht – überraschend. Schön fand ich auch, dass neue Figuren, die sich als wichtig für Jan und Rabea entpuppen, im vierten Band eingebaut worden sind und so zusätzlich frischen Wind in die Handlung bringen (welche Figuren das sind möchte ich aus Spoilergründen nicht sagen :D). Wie schon die Vorgängerbände lässt sich auch „Angstrichter“ durch den anschaulichen und deutlichen Erzählstil von Lars Schütz ausgesprochen flüssig lesen. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann man ihn auch lesen, ohne die Vorgängerbände zu kennen. Für ein tieferes Verständnis der Figuren (Jan und Rabea entwickeln sich über die einzelnen Bände hinweg), ist es aber sinnvoll, zunächst die Vorgängerbände zu lesen. Insgesamt ist „Angstrichter“ ein sehr spannender, schön geschriebener Thriller mit einem interessanten Modus Operandi des Täters.

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Veröffentlicht am 29.07.2021

Ein urkomisches, perfekt gelesenes Hörbuch

Ruslan aus Marzahn
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Inhalt: Der Schauspieler Ruslan hat einen Entschluss gefasst. Er will ein geregeltes, ruhiges Leben führen, damit seine Ex-Frau ihm erlaubt, wieder mehr Zeit mit dem gemeinsamen Sohn zu verbringen. Gerade, ...

Inhalt: Der Schauspieler Ruslan hat einen Entschluss gefasst. Er will ein geregeltes, ruhiges Leben führen, damit seine Ex-Frau ihm erlaubt, wieder mehr Zeit mit dem gemeinsamen Sohn zu verbringen. Gerade, als er Alkoholexzessen, ausschweifenden Partys oder ähnlichen skandalträchtigen Momenten für immer entsagen will, klingelt es an der Tür: Tasho, sein jüngerer Bruder, mit dem er schon seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte, steht vor ihm – mit einem Kampfhund, der ihm zugelaufen sein soll. Ein Besuch mit unkalkulierbaren Folgen…

Persönliche Meinung: „Ruslan aus Marzahn“ ist ein humoristisches Hörspiel von Sebastian Stuertz. Erzählt wird es aus Ich-Perspektive von Ruslan, gelesen von Shenja Lacher. Der Plot dreht sich um Ruslan, der sich vor einigen Jahren von seinem Bruder, seinen Eltern und auch seinen russischen Wurzeln losgesagt hat, nun aber, durch den unverhofften Besuch seines Bruders, diese Wurzeln wiederentdeckt. Eine Entdeckung, die nicht ganz konfliktfrei verlaufen wird. Vieles ist in „Ruslan aus Marzahn“ schräg und dadurch ungemein lustig. Sei es die Handlung, die immer wieder bewusst ins Aberwitzige driftet (was ich hier durchweg positiv meine), oder der Erzählstil von Ruslan. Immer wieder berichtet Ruslan über kleine, skurrile Episoden aus seinem Leben. Dabei erzählt er detailliert und schrittweise, steigert sich perfekt getimt weiter und weiter, sodass am Ende eine Pointe entsteht, die nicht witziger sein könnte. Zuletzt sind auch die Figuren schräg. Fast jede Figur besitzt ein augenfälliges Merkmal, wodurch sie aus dem Rahmen fällt. Das Skurril-aberwitzige ist im Hörspiel generell niemals albern, sondern mit Berechnung und dadurch urkomisch. Auch Shenja Lacher leistet eine hervorragende Arbeit. Einerseits steigert er den humoristischen Faktor des Hörspiels noch weiter, indem er die aberwitzigen Aufwärtsspiralen der Witze durch gekonnte Setzung von Kunstpausen und perfekte Betonung zusätzlich ausreizt und zur vollen Entfaltung bringt. Andererseits liest er sehr abwechslungsreich. Jede Figur erhält einen individuellen Sprech, einen Dialekt oder eine besondere Aussprache, der sie von den anderen Figuren abhebt und einmalig macht. Die Rolle des Ruslan ist Lacher auf den Leib geschneidert worden. Lachers Lesung und Stuertz' Text ergänzen sich perfekt. Insgesamt ist „Ruslan aus Marzahn“ ein pointenreiches, urkomisches Hörspiel, das von Shenja Lacher perfekt umgesetzt worden ist.

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Veröffentlicht am 28.07.2021

Ein toller Wissensschatz

Wieso? Weshalb? Warum? Erstleser, Band 1: Dinosaurier
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„Dinosaurier“ ist ein Kindersachbuch aus der Ravensburger-Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ und richtet sich an Erstleser. Es beschäftigt sich mit vielen Fragen rund um das Thema „Dino“. Wann und wo haben ...

„Dinosaurier“ ist ein Kindersachbuch aus der Ravensburger-Reihe „Wieso? Weshalb? Warum?“ und richtet sich an Erstleser. Es beschäftigt sich mit vielen Fragen rund um das Thema „Dino“. Wann und wo haben die Dinos gelebt? Warum gibt es heutzutage keine mehr? Wie sah ihr Leben aus? Welche besonderen Dinosaurier gibt es? Und woher wissen wir überhaupt so viel über Dinosaurier, obwohl niemand je einen lebenden Saurier gesehen hat? Man erkennt schon: Das „Dinosaurier“-Buch ist ein toller Informationsschatz. Die Fragen werden dabei in kurzen, prägnanten Sätzen kindgerecht beantwortet und sind fachlich fundiert. Aufgelockert wird der Text durch zahlreiche, farbige Abbildungen, die das Aussehen der unterschiedlichen Saurier veranschaulichen. Sehr schön ist auch, dass immer mal wieder Leserätsel eingebaut werden (Buchstabenschlange, Kreuzworträtsel, Bilderzuordnungen, Aufkleben von Stickern usw.). So werden die Kinder aktiv in den Leseprozess eingebunden und stärker motiviert, gründlich zu lesen. Insgesamt ist „Dinosaurier“ ein sehr schönes, informatives Kindersachbuch, das sich toll an der Zielgruppe orientiert.

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