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Veröffentlicht am 29.12.2018

Eine emotionale Weihnachtsgeschichte

Die Schneeschwester
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Für Julian ist Weihnachten immer etwas ganz besonderes – schließlich hat er an Heilig Abend sogar Geburtstag und wird von seinen Eltern liebevoll 'Weihnachtsjunge' genannt.Doch in diesem Jahr ist alles ...

Für Julian ist Weihnachten immer etwas ganz besonderes – schließlich hat er an Heilig Abend sogar Geburtstag und wird von seinen Eltern liebevoll 'Weihnachtsjunge' genannt.Doch in diesem Jahr ist alles anders. Nachdem seine ältere Schwester Juni gestorben ist, hat sich ein dunkler Schatten über die Familie gelegt und Julian ist sich sicher: Weihnachten wird nicht wieder so sein, wie es einmal war. Doch ein paar Tage vor Heilig Abend trifft er wie aus dem Nichts auf Hedvig. Die beiden werden Freunde und verbringen eine schöne Zeit miteinander, die Julian wieder in weihnachtliche Stimmung versetzt. Doch Hedvig hat ein mysteriöses Geheimnis ...

„Die Schneeschwester“ ist ein unglaublich schönes, niedliches und sehr trauriges Weihnachtsbuch für Kinder. Die gesamte Aufmachung des Buches ist natürlich einfach grandios und wunderschön. Nicht nur das Cover, welches sogar glitzert, sondern auch unter dem Schutzumschlag besitzt das Buch eine tolle Struktur und man sieht auf den ersten Blick, wie viel Mühe hinter der Gestaltung steckt.
Das Beste sind natürlich die schönen Illustrationen im Buch, die manchmal nur kleine Bilder, manchmal aber auch ganze Seiten umfassen. Sie sind sehr detailliert und liebevoll gestaltet und schon alleine dafür bekommt das Buch von mir 5/5 Punkten. Es ist einfach einzigartig und wunderschön – ich bin immer noch ganz verliebt und kann mich an dem wunderschönen Zeichenstil gar nicht sattsehen! Da es sich schon eher um eine Geschichte für Kinder handelt, ist der Schreibstil natürlich sehr einfach gehalten, gut verständlich und natürlich hat man das Buch sehr schnell durchgelesen. Genau so sollte ein Kinderbuch schließlich auch sein. Die Geschichte war herzzerreißend süß und zu meiner Überraschung außerdem sehr traurig. Natürlich ist es eine Weihnachtsgeschichte, da sie eben zu dieser Zeit spielt und sich auch mit dem Zauber und der Gemütlichkeit von Weihnachten beschäftigt, allerdings werden auch ernstere Themen behandelt – Freundschaft, Familie, Verlust und wie man damit umgeht. Das Buch hat mich wirklich am Ende zum Weinen gebracht und gerade auch durch die Illustrationen konnte man sich alles noch besser vorstellen und ging mir persönlich dadurch noch mehr unter die Haut. Aus diesem Grund sollten Eltern vermutlich vorerst alleine in die Geschichte hineinlesen, um zu entscheiden, ob ihre Kinder mit diesen Themen schon umgehen können.

Die Charaktere haben mir auch außerordentlich gut gefallen und man konnte sich sehr leicht in sie hineinversetzen. Julians Gedanken, Gefühle und auch seine Handlungen sind gut nachvollziehbar und er benimmt sich einfach seinem Alter entsprechend. Er ist mir sehr ans Herz gewachsen und ich habe mit ihm mitgefiebert und mitgelitten. Natürlich gibt es auch noch Hedvig – ein lebensfrohes, aufgewecktes und quirliges Mädchen, das man einfach gern haben muss. Sie ist wirklich zuckersüß, wie sie ohne Punkt und Komma wie ein Wasserfall redet und sich so schnell für andere Sachen begeistern kann.
Die Atmosphäre im Buch schwankt von warm und weihnachtlich zu düster und bedrückend, was sowohl durch Schreibstil, als auch durch die Illustrationen wunderbar verdeutlicht wird.

Das Buch ist wirklich wunderschön, aber auch sehr ernst und traurig und beschäftigt sich mit Themen, die vermutlich noch nicht jedes Kind verstehen und verarbeiten kann. Dennoch kann ich es definitiv für ältere Kinder und Erwachsene weiterempfehlen.


Veröffentlicht am 27.12.2018

Eine richtig tolle Geschichte - ich bin begeistert!

Und über uns das Licht
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Ich bin mir nicht sicher, wie ich meine Gefühle beschreiben soll. Dieses Buch hat mich nicht nur aus meiner kleinen Leseflaute gerissen, es hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Ich befand mich nicht ...

Ich bin mir nicht sicher, wie ich meine Gefühle beschreiben soll. Dieses Buch hat mich nicht nur aus meiner kleinen Leseflaute gerissen, es hat mich komplett in seinen Bann gezogen. Ich befand mich nicht mehr in meinem Zimmer gemütlich auf dem Bett in einer Decke gekuschelt, sondern tief unten im Ozean, in einer Kuppel, einer Station, in der der letzte Rest der Menschheit weiterhin überlebte. Valea und Corvin haben mich mit auf eine Reise, ein Abenteuer – auf die Suche nach Antworten – genommen und nicht gehen lassen. Ich habe „Und über uns das Licht“ in einem Durchgang durchgelesen – förmlich inhaliert. Ich konnte und wollte es nicht aus der Hand legen und es hat mich auf eine Art und Weise begeistert und berührt, wie ich es vorher nicht gedacht hätte. Von der ersten Seite an hat es mich durch einen gelungen, interessanten und leichten Einstieg verschlugen – und erst am Ende wieder losgelassen.

Als erstes möchte ich anmerken, dass mich das Cover vom ersten Moment an begeistert hat. Es sieht mystisch aus und verspricht genauso viele Geheimnisse wie der weite Ozean selbst. Allerdings hört es an dieser Stelle nicht auf, denn auch die Innengestaltung des Buches ist einfach unglaublich. Die einzelnen Seiten wurden mit so viel Liebe und Details gestaltet, dass ich mich einfach schon allein in das Äußere des Buches verliebt hatte. Die ganzen kleinen Quallen, die Kapitelüberschriften, die Seiten von „Anonym“ und auch das Stufensystem in Atlantis – einfach wow. Man hat sich hier sehr viel Mühe gegeben und dem Buch so eine einzigartige Note gegeben.

Die Geschichte allerdings hat mich genauso verzaubert wie schon die Gestaltung des Buches. Der Schreibstil der beiden Autorinnen hat mir wahnsinnig gut gefallen. Man fliegt durch die Seiten und jeder gelesene Satz ist ein Genuss. Die Welt, in der die Protagonisten leben, wurde mit viel Detailliebe erschaffen und durch den lebhaften und angenehmen Schreibstil sehr gut bildhaft dargestellt. Ich konnte mir genau vorstellen, wie Valea in der medizinischen Abteilung hantiert, wie Corvin mit seinem U-Boot zwischen den Kuppeln wechselt oder wie die Wohneinheiten der Menschen aussehen. Das hat dafür gesorgt, dass mich das Buch förmlich in sich eingesaugt hat und nicht mehr gehen ließ, ehe ich nicht die letzte Seite umgeblättert hatte.

Die Grundidee und die einfach zu verstehende Erklärung des Systems, nach dem die Bewohner von D.U. Atlantis leben, ließen ein gutes Verständnis für die Handlungen und Beweggründe der Protagonisten und auch der anderen Charaktere entstehen. Außerdem mag ich diese Idee, dass die Menschheit in Stationen unter Wasser Schutz gesucht hat und dort ihr Überleben sichert.

Die Protagonisten in der Geschichte sind Valea und Corvin, aus deren Sicht man abwechselnd liest. Dadurch kann man die Gefühle und Gedanken der beiden im gleichen Maße erleben und verstehen. Ich muss ehrlich sagen – ich habe beide geliebt. Vom ersten Moment an. Sie waren nicht nur einfach sympathisch, sondern auch so authentisch und liebenswert mit ihren kleinen Macken und Witzen und auch, wie sie sich im Verlaufe der Geschichte entwickelt haben. Die Liebesgeschichte empfand ich nicht als aufgesetzt und zu übertrieben oder schnell und gleichzeitig hatte ich nicht das Gefühl, dass „nur“ darauf der Fokus gelegt wird. Der Hauptteil der Geschichte beschäftigt sich mit den Geheimnissen und der Frage, warum das alles passiert. Dieser Aspekt hat mir unglaublich gut gefallen.

Was die Geschichte selbst betrifft … vermutlich sollte ich am besten gar nichts schreiben, da ich einen enormen Redebedarf diesbezüglich habe und das vermutlich nicht ohne Spoiler schaffen würde. Allerdings kann ich sagen, dass ich während einem Großteil der Zeit, ein großes Fragezeichen im Kopf hatte und selbst versucht habe, mir einen Reim auf alles zu machen – genauso wie auch Valea und Corvin. Und ich muss immer noch schmunzeln, wenn ich daran denke, dass ich mit einigen Überlegungen sogar total ins Schwarze getroffen habe. Ich wusste am Ende nicht, ob ich lachen oder weinen soll und habe dann einfach beides getan. Jedenfalls bekommt man hin und wieder neue Erkenntnisse an den Kopf geworfen, von denen man nicht weiß, was man mit ihnen anfangen soll und wie sie in das Puzzle aus Geheimnissen und Lügen passen sollen. Man tappt total im Dunkeln und durch die Flashbacks, die die Protagonisten durchleben, hat sich in mir förmliche eine Sucht entwickelt, weil es dadurch so spannend wurde und ich einfach erfahren musste, wie das alles zusammenhängt.
Erst nach und nach werden die Dinge aufgeklärt und … an dieser Stelle höre ich besser auf. Am besten erlebt jeder selbst diese Geschichte und gibt ihr eine Chance – und das kann ich wirklich nur jedem empfehlen! „Und über uns das Licht“ hat mir faszinierende und mitreißende Lesestunden geschenkt und ich vergebe ganz klar 5/5 Sterne!

Die Geschichte und die Charaktere konnten mich total begeistern und ich bin sehr traurig, dass ich es bereits beendet habe. Aber letztendlich ist das ja das beste Kompliment an ein Buch – wenn man es einfach nicht aus der Hand legen kann und sich nicht aus der Geschichte lösen kann.
Das Buch war definitiv mein Monatshighlight und ich bin sehr froh, dass ich dieses schöne Exemplar in meinem Bücherregal habe.

Veröffentlicht am 22.12.2018

Wenn man plötzlich aufwacht und alles anders ist ...

H.O.M.E. - Das Erwachen
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Zoës Leben scheint perfekt – sie hat Freunde und ist mit ihrer großen Liebe zusammen, sie geht auf die H.O.M.E.-Akademie und wird für eine wichtige Mission ausgebildet, die sie auch noch als Kapitän anführen ...

Zoës Leben scheint perfekt – sie hat Freunde und ist mit ihrer großen Liebe zusammen, sie geht auf die H.O.M.E.-Akademie und wird für eine wichtige Mission ausgebildet, die sie auch noch als Kapitän anführen soll. Ihr könnte es kaum besser gehen – und dann wacht sie auf und alles ist anders. Ihre Freunde und die Liebe ihres Lebens – weg. Die Schule, die Lehrer und Ausbilder, ihre Mission – einfach verschwunden. Sie erfährt Dinge, die sie schier in den Wahnsinn treiben. 12 Jahre Koma? Die Akademie und alles was sie kannte, alle Personen die ihr am Herzen lagen, nur Einbildung? Ein Traum? Etwas, was ihr Gehirn nur erfunden hat, während sie die ganze Zeit nur in einem Bett in einem Krankenhaus lag? Zoë gerät von einer unglaublichen und erschreckenden Situation in die nächste. Eine neue, für sie völlig fremde Welt wartet auf sie. Eltern, die für sie Fremde sind, ein Zuhause, das sich nicht wie ihr Zuhause anfühlt und eine Stadt, die unter der großen Dürrekatastrophe leidet. Zusätzlich passieren immer merkwürdigere Dinge und Zoë ist sich sicher: irgendetwas stimmt ganz und gar nicht. Wer hat es auf sie abgesehen? Was hat es mit der Akademie auf sich?

Die Thematik hat mir unglaublich gut gefallen. Neben der H.O.M.E.-Akademie, der „Mission“ und der Tatsache, dass Zoë eine Komapatientin war, die schließlich wieder in der realen Welt aufwacht, fand ich auch den dystopischen Hintergrund der Geschichte total interessant. Dürre, Wasserknappheit, katastrophale Zustände. All das hat dieses Buch sehr spannend und auch erschreckend gemacht. Eva Siegmund beschreibt auf realistische Art und Weise, wie das Leben aussehen kann und vielleicht auch irgendwann wird, wenn die Erde noch mehr ausgebeutet und zerstört wird und welche Konsequenzen das für die Menschheit haben kann.

Zoë kam mir anfangs sehr rational vor. Sie war stark, hart, entschlossen und in meinen Augen fast schon ein bisschen arrogant mit ihrem perfekten Leben und ihren herausragenden Noten und Fähigkeiten. Sie wirkte auf mich relativ abgehärtet und distanziert, was sich allerdings schlagartig änderte, als sie aus ihrem ursprünglichen Leben gerissen wurde und sich mit komplett neuen Umständen konfrontiert sah. Ihr Charakter hat mir unglaublich gut gefallen, da sie und vor allem ihre Gefühle sehr authentisch erschienen. Sie ist überfordert, hat Angst, weiß nicht was sie tun soll und gleichzeitig versucht sie, das Beste aus der Sache zu machen. Sie versucht Antworten zu finden und lässt sich trotz all der Sorgen und Probleme nicht unterkriegen und verliert weder ihr Mitgefühl, noch ihre Liebe – sie behält sich ihre Menschlichkeit. Sie ist sarkastisch, witzig, wütend und temperamentvoll, feinfühlig und liebenswert. Ich mochte sie total gerne und habe mit ihr mitgelitten und mitgefiebert, während sie ein Puzzleteil nach dem anderen zusammengesetzt hat. Auch ihr Bruder Tom und dessen Freund Kip waren mir total sympathisch. Tom war ein typischer großer Bruder – so, wie ich ihn mir auch wünschen würde. Er ist so niedlich und beschützend und man merkt richtig, wie viel ihm seine kleine Schwester bedeutet.
Kip ist ebenfalls sehr sanft und hatte in meinen Augen etwas geheimnisvolles an sich. Auch ihn mochte ich von Anfang an total gerne, weil man direkt gemerkt hat, dass man sich auf ihn verlassen kann. Außerdem hat mich seine tragische Geschichte sehr berührt und er ist einfach ein Charakter, dem ich alles Glück der Welt wünsche.

Letztendlich kann ich an der Geschichte eigentlich nicht viel meckern. Es fällt mir wirklich schwer, einen Kritikpunkt zu finden. Sie war in sich rund und geschlossen, die Hauptthematik unglaublich interessant und einfach genial, der Schreibstil bildlich, gut verständlich und mitreißend und an einer Stelle kamen mir sogar die Tränen. Vermutlich könnte ich höchstens „meckern“, dass ich mir zwischenzeitlich noch einen Tick mehr Spannung gewünscht hätte, aber ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich das nicht anders gesehen hätte, wenn ich das Buch zu einem anderen Zeitpunkt gelesen hätte. Ich befand mich während des Lesens (bedingt durch den Weihnachtsstress) in einer kleinen Leseflaute und hatte einfach nicht so wirklich den Kopf dafür, mich einfach hinzusetzen und ein paar Stunden zu lesen. Deswegen möchte ich das dem Buch auch gar nicht als negativen Punkt auslegen – wie gesagt, ich habe eigentlich nichts zu meckern. Das lag einfach an mir selbst und hatte nichts mit Zoës Geschichte zu tun. Trotzdem wollte ich das hier kurz erwähnen.

Letztendlich kann ich das Buch definitiv weiterempfehlen – ich fand es, trotz allem, einfach grandios. Mein erster Gedanke nach dem letzten Satz, war: Ich brauche jetzt Band 2. Sofort. Besonders ab ca. Seite 150 habe ich das Buch dann auch nicht mehr weglegen können und habe es direkt in einem Rutsch durchgelesen. Ich konnte einfach nicht abwarten, was Zoë und Kip als nächstes aufdecken und mit was sie noch konfrontiert werden.
Die Welt und die Charaktere, die Eva Siegmund geschaffen hat, haben mich total fasziniert und ich bin schon so unglaublich gespannt, wie die Geschichte im zweiten Teil weiter geht. Ich kann es kaum erwarten und insgesamt bekommt das Buch von mir 5/5 Sterne.

Veröffentlicht am 27.11.2018

Eine Geschichte, die unter die Haut geht - spannend, beängstigend und mit einer wichtigen Botschaft

The Last Border
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Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wie ich meine Rezension zu diesem Buch anfangen soll. Überhaupt fehlen mir ein bisschen die Worte. Ich kann kaum beschreiben, was diese Geschichte mit mir gemacht ...

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, wie ich meine Rezension zu diesem Buch anfangen soll. Überhaupt fehlen mir ein bisschen die Worte. Ich kann kaum beschreiben, was diese Geschichte mit mir gemacht hat.

In „The last border“ geht es um die siebzehnjährige Hanna, die ihr gesamtes Leben unterdrückt und zu absolutem Gehorsam gezwungen wurde – wie auch alle anderen Frauen, seit die Radikalen die Macht über das Land übernommen haben. Sie besitzt keine Rechte, keine Freiheit und ihr Leben ist von Angst geprägt. Als sie allerdings Sayed trifft, verändert sich ihr Leben und sie begreift die Wahrheit hinter dieser grausamen Ungerechtigkeit.

Dieses Buch behandelt ein so wichtiges und präsentes Thema, dass ich zwischenzeitlich Gänsehaut beim Lesen bekommen habe und mir Schauer über den Rücken gewandert sind. Ständig kam mir der Gedanke: Das ist alles gar nicht so abwegig. Das könnte uns auch passieren. Das Deutschland, in dem Hanna und Sayed wohnen, könnte zu unserem Deutschland werden. Dieses Buch hat mich schockiert, den Atem anhalten und Tränen weinen lassen. Und neben all diesen schrecklichen Dingen, diesen grausamen Verbrechen, der Unterdrückung und der Angst – hat dieses Buch auch die kleinen und schönen Dinge gezeigt. Liebe. Freundschaft. Vertrauen. Mut. Diese kleinen Momente, in denen der Schrecken, wenn auch nur für ein paar Augenblicke lang, in den Hintergrund rückte und unsere Protagonisten lachten und miteinander scherzten, in denen sie waghalsige und verbotene Dinge taten und zum ersten Mal den Hauch von Freiheit spürten – diese Dinge haben mich genauso zu Tränen gerührt und lächeln lassen, wie Hanna und Sayed in diesen Momenten. Daniela Hartig spricht mit dieser Geschichte eine mögliche Zukunft an, die unbedingt verhindert werden muss. Neben all der Finsternis und Angst hat sie es trotzdem geschafft zu zeigen, dass es Hoffnung gibt und das man niemals aufgeben darf. Selbst wenn alles aussichtslos erscheint und man denkt, dass man als einzelne Person nichts bewirken kann, zeigt dieses Buch, dass man eben doch etwas erreichen kann. Mit Mut und Hingabe, mit dem Glauben an eine bessere Zukunft. Ich habe sehr mit den Protagonisten mitgelitten, den Atem angehalten, geweint, gelacht und mit ihnen gehofft.

Die Figuren waren vielfältig und verschieden. Natürlich haben wir da Hanna und Sayed, unsere Protagonisten aus deren Sicht wir die Geschichte erfahren. Die beiden sind so unterschiedlich und sich doch irgendwie ähnlich. Sie waren zuckersüß zusammen und mein Herz ging richtig auf. Trotzdem habe ich hier einen klitzekleinen Kritikpunkt. Die beiden sind doch recht temperamentvoll und es ist im Verlaufe des Buches nicht selten passiert, dass sie die Beherrschung verloren und komplett an die Decke gegangen sind. Einerseits ist das völlig nachvollziehbar in so einer Zeit, in der man immer unterdrückt wird und nichts erlaubt ist – irgendwann reißt dann der Geduldsfaden. Außerdem weiß ich, dass es einfach ihren Charakteren entspricht, aber dennoch habe ich das ein oder andere Mal wegen der Tobsuchtsanfälle die Augen verdrehen müssen. Ihr kennenlernen und die Annäherungen passierten mir anfangs ein bisschen sehr schnell, aber letztendlich kann ich mich damit abfinden.

Auch Caro, Ahmed und Sam (besonders letztere) sind mir unglaublich ans Herz gewachsen. Die fürsorgliche Mutter, der Fels in der Brandung und die eifrige Planerin. Besonders über Sams Sprüche musste ich ziemlich oft schmunzeln.

Die bösen Charaktere in dieser Geschichte wurden genauso gut porträtiert – ich habe sie einfach gehasst. Grausam, widerlich, verachtenswert. Die Brutalität und die rassistischen Ansichten dieser Charaktere haben mich vor Wut kochen lassen.

Der Schreibstil wirkte, vor allem am Anfang, sehr distanziert, abgehackt, monoton. Fast schon gleichgültig. Als wäre Hanna innerlich taub – wie tot. Das passt aber hervorragend zur bedrückenden und düsteren Atmosphäre des Buches und hat mir sehr gut gefallen. Ungefähr bei der Hälfte des Buches wurde es etwas ruhiger und es passierte deutlich weniger, als am Anfang und am Ende und zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, dass man hier und da ein bisschen hätte kürzen können, aber letztendlich bin ich jetzt im Nachhinein froh über diese Verschnaufpause.

„The last border“ ist sicherlich keine leichte Einschlaflektüre. Einerseits konnte ich es nicht aus der Hand legen – entweder, weil es so unglaublich spannend war oder, weil ich Angst hatte, dass als nächstes wieder etwas schlimmes passiert. Und auch wenn ich das Buch zum Teil förmlich verschlungen habe, musste ich doch ab und an Pausen einlegen, um das Gelesene verarbeiten zu können. Vielleicht ist dieses Buch nicht für jeden etwas, aber ich kann nur allen ans Herz legen, Hannas und Sayeds Geschichte eine Chance zu geben und sich mit diesem ersten Thema auseinander zu setzen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es uns genauso ergehen könnte und das wir gegen Unterdrückung und für die Menschlichkeit einstehen müssen. Anderen eine helfende Hand reichen, mutig und stark sein für diejenigen, die es selbst nicht können. Wir dürfen nicht zulassen, dass uns Angst eiserne Fesseln umlegt und uns langsam aber sicher erstickt. Jeder Mensch, egal mit welchem Geschlecht, egal aus welchem Land, egal ob jung oder alt, hat das Recht auf ein freies und sicheres Leben. Wir alle sind wichtig.

Dieses Buch erhält von mir 5/5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.11.2018

Ein gelungener zweiter Teil - emotional und spannend

Iskari - Die gefangene Königin
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Das Leben der geliebten Zwillingsschwester retten und dafür den eigenen Ehemann und König töten? Um diese Frage dreht sich alles im zweiten Teil „Iskari – Die gefangene Königin“ von Kristen Ciccarelli.

Inhalt:
Roa, ...

Das Leben der geliebten Zwillingsschwester retten und dafür den eigenen Ehemann und König töten? Um diese Frage dreht sich alles im zweiten Teil „Iskari – Die gefangene Königin“ von Kristen Ciccarelli.

Inhalt:
Roa, eine Tochter aus dem Haus der Lieder, hat gemeinsam mit Thronfolger Dax einen Aufstand angezettelt und den Drachenkönig gestürzt – für Frieden, für Gleichberechtigung, für ihr Volk. Um dieses Bündnis zu stärken und die Kluft des Hasses zu überbrücken, wurde Roa seine Frau – und damit zur Königin. Jetzt möchte sie für ihr Volk, welches seit langer Zeit ausgebeutet wird und Hunger leiden muss, kämpfen. An ihrer Seite steht – oder besser gesagt, auf ihrer Schulter hockt – ihre Zwillingsschwester Essie in der Gestalt eines Falken. Doch am Hof entwickeln sich Probleme, Intrigen und Gefühle – und Roa muss eine schwerwiegende Entscheidung treffen.

Meine Meinung:
Band 1 „Iskari – Der Sturm naht“ hatte mir bereits total gut gefallen – immerhin ging es um Drachen und schon allein deswegen habe ich die Geschichte geliebt. Aber auch die Charaktere, die Geheimnisse und der Schreibstil haben mich bereits im ersten Teil in den Bann gezogen. Bei „Iskari – Die gefangene Königin“ erging es mir nicht anders.
Zum einen schafft es Kristen Ciccarelli mit ihrem flüssigen Schreibstil eine einzigartige Welt entstehen zu lassen, in die man eingezogen wird und sich als Teil der Geschichte wiederfindet.
Man spürt Roas Gefühle förmlich selbst und kann sich sehr gut in ihre Gedanken und in sie als Person hineinversetzen. In diesem Teil ging es weniger um die Drachen, wie es im ersten Teil der Fall gewesen war, sondern viel mehr um den Konflikt zwischen Roas Volk und den Draksor – und natürlich um Roas innere Zerrissenheit bezüglich ihrer Schwester Essie, die die Gestalt eines Falken angenommen hat, nachdem sie vor vielen Jahren einen Unfall hatte.
Alles in allem ist dieser Teil anders als der erste, aber trotzdem kann man einen Bezug zwischen den Büchern herstellen, da auch einige aus Band 1 bekannte Charaktere wieder auftauchen und eine Rolle spielen. Es war ein tolles Buch und und hat mich auf seine Art begeistern können.
Besonders hervorheben möchte ich natürlich das wunderschöne Cover und die Seitengestaltung, genauso wie die Kapitel in der Vergangenheit. Diese Einblicke und dadurch auch Erklärungen, warum gewisse Dinge so in der Gegenwart passieren und warum die Charaktere so handeln, fand ich sehr gelungen. Überhaupt mag ich solche Kapitel, in denen man einen Einblick in die Vergangenheit der Charaktere bekommt oder in denen gewisse Bräuche und Traditionen oder Geschichten erklärt werden sehr.

Natürlich muss man bei den Charakteren ganz klar als erstes Roa nennen – schließlich lesen wir die Geschichte aus ihrer Sicht.
Mir hat ihr Charaktere wahnsinnig gut gefallen und auch in Band 1 war sie mir schon sehr sympathisch. Roa ist eine starke und kämpferische Frau. Sie weiß sich zu verteidigen, ist nicht auf den Mund gefallen und vor allem tut sie alles für die Menschen, die ihr etwas bedeuten – selbst ihre Freiheit opfern und den Drachenkönig heiraten, um ihrem Volk zu helfen. Sie hat ein gutes Herz und gleichzeitig hat auch sie ihre Fehler und ist nicht perfekt. Das macht sie mir so sympathisch – sie ist auch unsicher und hat Angst, lässt sich davon aber nicht unterkriegen und vor allem ihre tiefe Liebe zu ihrer Schwester hat mich sehr berührt.
Der zweite wichtige Charakter ist natürlich Drax, der Drachenkönig, ein Draksor – und der Feind?
Bereits in Band 1 war er mir überaus sympathisch. Er ist intelligent und gerissen, sanft und gutherzig und hat sich leise in mein Herz geschlichen.
Ansonsten gab es einige Nebencharaktere – Lirabel, eine Freundin von Roa; Safira, die Kommandantin und Cousine von Dax; Asha und Torwin, die beiden Protagonisten aus Band 1; Theo, Roas ehemaliger Verlobter und Rebekah, die Mitglied des Rates am Hof ist.
All diese Nebencharaktere sind komplett verschieden, manche spielen eine größere Rolle für die Handlung als andere und natürlich gibt es auch hier wieder Sympathieträger und Charaktere, die man am liebsten einfach nur schütteln und anschreien möchte. Genau so muss es aber in einem guten Buch sein.

Die Geschichte war wieder total spannend und mitreißend. Vor allem in der zweiten Hälfte konnte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen und meine Augen haben quasi an den Seiten geklebt. Auch wenn die ein oder andere Sache nicht sonderlich überraschend kam und einige Entwicklungen relativ vorhersehbar waren, hat mich das Buch sehr gut unterhalten und am Ende musste ich sogar ein paar Tränen vergießen. Es hat mich emotional sehr mitgenommen, da man die Zerrissenheit, den Schmerz und auch das Thema Verlust und Einsamkeit sehr gut nachvollziehen und sich in die Charaktere hineinversetzen konnte.

Fazit:
„Iskari – Die gefangene Königin“ erhält von mir 5/5 Sterne. Wer eine spannende, emotionale und mit Intrigen gespickte Geschichte sucht, kommt hier definitiv auf seine Kosten und kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Band 2 hat mir sehr gut gefallen und ich habe nichts daran auszusetzen. Eine klare Leseempfehlung von meiner Seite aus.