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Veröffentlicht am 19.02.2022

Historischer Roman zur Zeit der Begründung der deutsch-französischen Freundschaft

Kaiserstuhl
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Im letzten Monat erst hat sich der Abschluss des Elysée-Vertrages zum 59. Mal gejährt. Er mit seinem Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft ist der Kern, um den sich die vorliegende Geschichte ...

Im letzten Monat erst hat sich der Abschluss des Elysée-Vertrages zum 59. Mal gejährt. Er mit seinem Bekenntnis zur deutsch-französischen Freundschaft ist der Kern, um den sich die vorliegende Geschichte rankt.
1962 erhält der ehemalige Elsässer Soldat Paul vom französischen Sicherheitsdienst den Auftrag, eine französische Champagnerflasche aufzuspüren, die 1944 von den Nazis auf einem französischen Weingut geraubt und in den Führerbunker nach Berchtesgarden verbracht wurde, von wo sie Paul später bei der Befreiung mitnahm. Diese Flasche birgt ein Geheimnis, das als politische Intrige im Postengeschachere in der EWG in Brüssel verwandt werden soll. Pauls Suche führt ihn zurück in ein deutsches Dorf im Schwarzwälder Kaiserstuhl, wo er nach dem Zweiten Weltkrieg in der Weinhändlerin Henny seine große, aber gescheiterte Liebe fand und sich mit ihr zusammen eines Kriegswaisenkindes annahm. Die entscheidenden Fragen, die uns wie ein roter Faden durch das Buch führen, sind: Was hat es mit der Flasche auf sich? Haben Paul und Henny noch eine Chance?
Sehr gelungen ist die Mischung zwischen Abbildung wahren Geschehens und Fiktion. Auf gut recherchierte Tatsachen gestützt ist alles, was die politische Situation in Frankreich und Deutschland im Jahr 1962/1963 sowie die besondere Stellung des Grenzgebiets im Schwarzwald/Elsass anbelangt. Hier habe ich viele interessante, mir bislang nicht so geläufige Informationen gefunden. Auf Dichtung hingegen beruhen die Familiengeschichten der Romanfiguren, die sich aber ebenfalls angenehm lesen. Allerdings ist Vieles sehr zugespitzt und läuft sich zu positiv aus, wie es in historischen Romanen oftmals der Fall ist.
Auf jeden Fall sehr lesenswert für Leser von Familiengeschichten mit historischem Bezug.

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Veröffentlicht am 08.02.2022

Eine Lehrerin in den 1960er Jahren mit DDR-Vergangenheit

Die Dorfschullehrerin
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Dieser Roman betrifft die Zeit in den Monaten vor dem Mauerbau in der DDR und nimmt so manche der damaligen Besonderheiten im Leben diesseits und jenseits der Grenze in unterhaltsamer und interessanter ...

Dieser Roman betrifft die Zeit in den Monaten vor dem Mauerbau in der DDR und nimmt so manche der damaligen Besonderheiten im Leben diesseits und jenseits der Grenze in unterhaltsamer und interessanter Weise auf.
Wie nach dem Empfinden der DDR-Oberen flüchten bedrohlich viel zu viele Menschen in die Bundesrepublik. Zu ihnen gehört auch die Protagonistin, die Lehrerin Helene Winter. Vor dem Grenzübertritt wird sie gefasst und inhaftiert, ihre Tochter wird in ein Heim gesteckt. Durch Kontakte gelingt Helene die Ausreise in den Westen. Sie tritt eine Stellen an einer Schule in einem Dorf im Zonenrandgebiet an, um ihrer auf der anderen Seite der Grenze inzwischen bei Helenes Vater lebenden Tochter nahe sein und sie vielleicht nach geglückter Flucht in Empfang nehmen zu können. Als Lehrerin ist sie bald sehr beliebt. Auch eine Liebe zu einem Mann ist ihr vergönnt. Doch wird ihr größter Wunsch in Erfüllung gehen?
So manches von dem Leben in der sozialistischen DDR kannte ich bereits, da ich selbst in den 1960er/1970er Jahren aufwuchs. Andere Informationen waren neu für mich. Deshalb empfand ich das Buch als lesenswert. Wie es eigentlich häufig bei fiktiven Familiengeschichten vor realem historischem Hintergrund der Fall ist, so lief dann im Leben von Helene vieles doch zu glatt und wird sie selbst als zu gut dargestellt, so dass die Geschichte manchmal konstruiert wirkt. Das gleiche gilt für den etwas hölzernen Schreibstil. Das ist aber dem Unterhaltungsfaktor geschuldet und tut der insgesamt positiven Bewertung keinen Abbruch.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Einblicke in die geschlossene psychiatrische Station

Ungefähre Tage
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Wer selbst keine Berührungspunkte zu psychisch erkrankten Menschen hat, kann sich wohl eher nur vage vorstellen, wie es auf einer geschlossenen Station einer psychiatrischen Einrichtung vor sich geht. ...

Wer selbst keine Berührungspunkte zu psychisch erkrankten Menschen hat, kann sich wohl eher nur vage vorstellen, wie es auf einer geschlossenen Station einer psychiatrischen Einrichtung vor sich geht. Einen nachhaltigen Eindruck zu den dortigen Verhältnissen gibt daher dieser Roman. Im Fokus steht hier das Verhältnis eines Pflegers zu einer Patientin. Pfleger „Grün“, wie er von allen genannt wird, ist seit zwanzig Jahren Pfleger auf der geschlossenen Station. Er trägt selbst ein Trauma aus seiner Vergangenheit mit sich, über das er nie geredet hat. Zu einer neuen Patientin, die an Wahnvorstellungen leidet und Stimmen hört, durchaus aber auch klare Phasen hat, sucht er von Anfang an die Nähe. Ihr gegenüber öffnet er sich sogar. Irgendwann überschreitet er jedoch die Grenzen und es stehen strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn im Raum, ganz zu schweigen von fatalen Auswirkungen in seinem Familienleben.
Als leichte Kost empfand ich den Roman nicht, was nicht nur an dem eher bedrückenden Thema liegt. Mit seinen interessanten Einblicken in den Psychiatriealltag ist er es aber allemal wert, gelesen zu werden. Anschaulich wird auf den sehr schweren Berufsalltag der Pfleger in der Psychiatrie hingewiesen, die an ihre Grenzen gebracht werden. Nach dem ersten Lesen ist mir noch nicht klar, welche Bedeutung den Schilderungen betreffend die Archäologie zukommt. Die entsprechenden Passagen waren schwer zu verstehen.

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Veröffentlicht am 29.01.2022

Das Experiment einer Männerwohngemeinschaft in der Einöde

Fast am Ende der Welt
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Das ist ein Roman, wie ich ihn gern lese. Mit Sorgfalt und viel Liebe zum Detail werden die Romanfiguren herausgearbeitet. Bei ihnen handelt es sich um zwei Ur-Münchner Typen, Attila und Josef, die sich ...

Das ist ein Roman, wie ich ihn gern lese. Mit Sorgfalt und viel Liebe zum Detail werden die Romanfiguren herausgearbeitet. Bei ihnen handelt es sich um zwei Ur-Münchner Typen, Attila und Josef, die sich zufällig bei einem Bier im Brauhaus kennenlernen. Für letzteren hat gerade sein Rentnerdasein begonnen, ersterer ist zehn Jahre jünger und hat sich zeitlebens in der Münchner Schickeria wohlgefühlt. So grundverschieden beide sind, haben sie doch denselben Traum von einem Leben in der Einöde mit Garten und Tieren. Und tatsächlich erwerben sie einen heruntergekommenen Hof auf dem Lande und begründen dort eine Lebensgemeinschaft. Doch wird das auf Dauer gut gehen? Immerhin sind sie grundverschieden – vorsichtig der eine, umtriebig und immer neue Pläne fassend der andere …
Den gemeinsamen Jahren der beiden Männer bin ich gerne gefolgt. Ihr Leben in der Einöde ist so richtig anschaulich geschildert. Authentisch wirkt alles, weil das eine oder andere bayrische Vokabular eingestreut ist, das aber immer auch für Leser aus anderen Gefilden verständlich bleibt. Beide Männer sind auf ihre Weise sympathisch, aber auch bedauernswert vor dem Hintergrund der Einsamkeit, der sie in ihre Wohngemeinschaft geführt hat.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 06.01.2022

Interessanter Finanzratgeber

Das einzige Buch, das Du über Finanzen lesen solltest
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Der Autor ist vielleicht einigen schon von seiner Plattform „Finanzfluss“ bekannt, die u.a. einen YouTube-Kanal zum Thema finanzielle Bildung betreibt. Seine diesbezüglichen Erfahrungen hat der gelernte ...

Der Autor ist vielleicht einigen schon von seiner Plattform „Finanzfluss“ bekannt, die u.a. einen YouTube-Kanal zum Thema finanzielle Bildung betreibt. Seine diesbezüglichen Erfahrungen hat der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt, der mehrere Jahre als Investmentbanker arbeitete, nunmehr zu Papier gebracht. Aufgrund seiner Vorgeschichte weiß er, wovon er spricht und gibt einen guten Einblick in die Möglichkeiten, mit den eigenen Finanzen zu arbeiten. Dabei spricht er vorrangig den Einsteiger an, dem das nötige Rüstzeug vermittelt wird, um den Einstieg in die manchmal doch konfuse Finanzwelt zu wagen. Doch auch alte Hasen werden den einen oder anderen Gewinn aus seinen Ausführungen haben.
Das Buch liest sich verständlich und eigentlich auch kurzweilig, weil eigene Erfahrungen des Autors und gezeichnete Diagramme eingearbeitet werden. Es gliedert sich in neun Kapitel, die von finanziellen Denkfehlern über verschiedene Arten der Geldanlage klassischer oder moderner Art bis hin zu einer Abhandlung über Glück, Freiheit und Selbstverwirklichung durch Geld reichen. Zum späteren gezielten Nachschlagen ist es gut geeignet. Für mich war vor allem der Abschnitt über ETFs interessant und er animiert mich vielleicht, hier einmal einzusteigen.
Ein lesenswertes Buch.

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