Cover-Bild Zum Fluss
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20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: btb
  • Themenbereich: Biografien, Literatur, Literaturwissenschaft
  • Genre: Sachbücher / Film, Kunst & Kultur
  • Seitenzahl: 384
  • Ersterscheinung: 13.04.2021
  • ISBN: 9783442758654
Olivia Laing

Zum Fluss

Eine Reise unter die Oberfläche
Thomas Mohr (Übersetzer)

Über sechzig Jahre nachdem Virginia Woolf in der Ouse ertrunken ist, macht Olivia Laing sich an einem hellen Mittsommermorgen auf den Weg durch Südengland, um dem Lauf des magischen Flusses von der Quelle bis zur Mündung zu folgen. In von Kreidefelsen milchig-grün gefärbten Windungen, an Ufern auf dem Weg Richtung Meer sucht sie nach den Geheimnissen, die Flüsse tragen, verbergen, preisgeben. Herauskommt eine große, kluge und poetische Erzählung davon, wie Geschichte sich in eine Landschaft einschreibt – und davon, wie Geister nie von den Orten verschwinden, die sie lieben.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.04.2021

Die Reise zu dir selbst

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Poetisch, lyrisch, philosophisch, dieses Buch bittet den Leser zu verweilen und nachzudenken. Es wäre schön, es an einem perfekten Sommertag an einem Fluss unter einem schattigen Baum zu lesen. Und dann ...

Poetisch, lyrisch, philosophisch, dieses Buch bittet den Leser zu verweilen und nachzudenken. Es wäre schön, es an einem perfekten Sommertag an einem Fluss unter einem schattigen Baum zu lesen. Und dann ist da noch die Bibliographie, die man durchlesen und auskosten kann, um weitere Bücher zu lesen – wie ein Fluss, der zu einem großen Ozean fließt, den es zu erkunden gilt.

Die Erzählung kommt voll zur Geltung, ihre stillen Tiefen wirbeln mit Laings Sicherheit als Schriftsteller. Sie trägt den Leser mit unvermeidlicher Zielstrebigkeit durch die Landschaft von Sussex, mäandert aber manchmal auf eine Weise, die das Lesen verlangsamt und Geduld erfordert. Wir kommen ans Ziel, aber wir werden in Details, Anekdoten, Geschichte, Geologie, Naturgeschichte eingetaucht; wir werden hin und wieder daran erinnert, dass Virginia Woolf 1941 in diesem Fluss ertrank und dass sie und Leonard auf der anderen Seite einer Koppel lebten. Ich werde nicht müde, an Virginia Woolf zu erinnern, die heute mehr denn je eine Heldin der Literatur ist, und auch des schönen Schreibens.

Laings Stil ist von einer solchen Zuneigung zum Thema durchdrungen, dass die Lektüre größtenteils eine vergnügliche und glückliche Angelegenheit war. Manchmal wollte ich nicht noch eine weitere Liste von Landpflanzen lesen, aber ich kapitulierte. Wer wusste schon, was für einen saftigen Informationshappen Laing hinter der nächsten Kurve auf Lager hatte. Mehr bitte.

Im Laufe des Buches wird der Leser mit dem Heiltrank der Proportionen überschüttet, wobei die Natur und die Epochen so gewaltig sind, dass man das Gefühl hat, wie magisch klein man ist. Und alles, was Ihnen bleibt, alles, was jetzt zählt, ist, zu Hause zu sein, in jedem einzelnen Moment, wo immer mann ist. Auf Ihrer Reise unter die Oberfläche.

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Veröffentlicht am 18.04.2021

Den Fluss Ouse entla(i)ng

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Dieses Buch hat mir mitten in der Corona-Krise etwas ganz Besonderes geschenkt: nämlich eine Wanderung entlang des südenglischen Flüsschens Ouse - des Flusses, den sich Virginia Woolf selbst zum Totenbett ...

Dieses Buch hat mir mitten in der Corona-Krise etwas ganz Besonderes geschenkt: nämlich eine Wanderung entlang des südenglischen Flüsschens Ouse - des Flusses, den sich Virginia Woolf selbst zum Totenbett erwählte.

Mein Gepäck? Ein wacher Geist, die Bereitschaft, neue Wege zu gehen - und ein schneller Browser!

Denn Autorin Olivia Laing, Kultur- und Literaturwissenschaftlerin, hat mich nicht nur begeistert: nein - sie hat mich auch gefordert. Denn natürlich wusste ich, wie tragisch das Leben der großen Autorin Woolf endete - aber wo dies geschah, davon hatte ich bislang keine Ahnung. Und auch nicht von all dem, was den Fluss Ouse sonst noch so prägt.

Olivia Laing bricht in einer persönlichen Lebenskrise zu einer Wanderung entlang der Ouse auf - Ende Juni, genau zu Mittsommer, macht sie sich auf den Weg, der eine Woche dauern wird. Sie hastet nicht, sie nimmt uns Leser mit auf einen entspannten Weg voller kluger Gedanken.

Ich betone: ihr Weg ist entspannt, ihre Gedanken sind von einem solchen Reichtum von Wissen und Kreativität geprägt, dass ich längst nicht mithalten kann, doch durch ihren leisen, persönlichen, offenen und eindringlichen Stil erreicht sie, dass ich mich an keiner Stelle erschlagen fühle.

Im Gegenteil, ich empfinde während der Lektüre das Buch wie für mich gemacht; ihre bildhafte Art des Erzählens bringt mich selber an die Ouse, lässt mich schnuppern, lauschen, sehen, fühlen. Ja, es ist eine sehr lebendige Reise, die mir hier mitten im Lockdown auf dem heimischen Sofa geschenkt wird.

In der Tat ist es Virginia Woolf zusammen mit ihrem Ehemann Leonard Woolf, die uns hier den ganzen Weg entlang des Flusses begleiten: sie haben lange Jahre hier gelebt, in einem Cottage, das leider der späten Industrialisierung, wenn man es so nennen will, zum Opfer fiel und daher nicht mehr besichtigt werden kann. Doch Olivia Laing lässt die beiden wieder und wieder lebendig werden in ihren Gedanken - schon der Quell des Flusses weist eine Vebindung zum Beginn der ungewöhnlichen und absolut unkonventionellen Ehe der Woolfes auf.

Und es sind andere Paare der Literaturgeschichte, die Erwähnung finden: auch Iris Murdoch und John Bayley haben ihre Spuren hier an der so zauberhaften, gleichwohl stellenweise überaus alltäglichen und damit wenig eindrucksvollen Ouse hinterlassen. Olivia Laing schenkt ihren Lesern ganz besondere Erlebnisse bzw. Ergebnisse ihrer Wanderung entlang der Ouse - Geschichten, Gedanken und Empfindungen, auf die man selbst - ich zumindest - im Leben nicht kommen würde.

Die Ouse hat so einiges verschlungen im Laufe der Jahrhunderte - abgesehen von Virginia Woolf, ihrem berühmtesten Opfer, unter anderem Tausende von Soldaten in der Schlacht von Lewes 1264, denen vor allem der morastige Grund des Flusses zum Verhängnis wurde.

Trotz bzw. vielleicht auch gerade wegen solcher Greuelgeschichten - es sind nur wenige - ist es eine wahre Wonne, die Autorin auf ihrem Weg zu begleiten. Ihre klugen, scharfsinnigen, dabei überaus unterhaltsamen Überlegungen sind ein Genuss und rücken die Landschaft und ihre Verwurzelung in Geschichte und Kultur derart bildhaft vor mein inneres Auge, dass ich tatsächlich das Gefühl habe, vor Ort zu sein, die reichhaltige Vegetation eines englischen Mittsommers sehen und riechen zu können. Eine ausgesprochen intensiver literarischer Ausflug, von dem ich noch lange zehren werde!