Cover-Bild Die Stunde des Schmetterlings
19,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Blessing
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 304
  • Ersterscheinung: 26.09.2016
  • ISBN: 9783896675682
Pieter Webeling

Die Stunde des Schmetterlings

Roman
Christiane Burkhardt (Übersetzer)

Freundschaft und Verrat im Schatten des Ersten Weltkrieges.

Im Juli 1915 steht Julius Reinhardt in den Trümmern einer Kirche und setzt sich die Pistole an die Kehle. Ein alter Mann tritt von hinten an ihn heran und sagt, dass der Tod nie eine Lösung sei. Es ist der Pfarrer, einer der wenigen Überlebenden des fast vollständig zerstörten Dorfes. Er führt Julius ins Pfarrhaus und zeigt ihm seine Schmetterlingssammlung. Diese Tiere, die ihre Schönheit in einem sehr kurzen Leben und vergeblichen Überlebenskampf verschwenden, und nicht die Menschen, die Kriege anzetteln, sind für ihn die Krone der Schöpfung.

Julius fasst Vertrauen und erzählt dem Pfarrer von seiner Seelennot. Sein Kamerad, sein bester Freund, ist ausgerechnet in einer Feuerpause, als Franzosen und Deutsche Fußball spielten statt aufeinander zu schießen, mit einem Bajonett im Rücken tot aufgefunden worden. Julius fühlt sich dafür verantwortlich. Nach und nach gibt er sich seinen Erinnerungen hin: an vier unzertrennliche Freunde, die arglos in einem Dorf aufwuchsen, an eine große Liebe und an eine Enttäuschung, die übermächtig war ...

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.12.2016

Ein ganz besonderer Roman - die stunde des schmetterlings

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"Die Stunde des Schmetterlings" von Pieter Webeling erschien als gebundenes Buch bei Blessing, 2016; den Schutzumschlag ziert eine nebelverhangene Landschaft mit kahlen Bäumen und einer gewundenen Straße, ...

"Die Stunde des Schmetterlings" von Pieter Webeling erschien als gebundenes Buch bei Blessing, 2016; den Schutzumschlag ziert eine nebelverhangene Landschaft mit kahlen Bäumen und einer gewundenen Straße, die man in dieser Form der Romanzeit (1. Weltkrieg, 1914) und dem Ort (Frankreich) sehr gut zuordnen kann und die ich sehr gelungen finde. Übersetzt wurde dieser Roman, der einer Geschichtsstunde, aber auch einem tiefen Eintauchen in die Charaktere von vier unterschiedlichen Freunden sowie einem Priester, der gut zuhören kann, gleicht und diese Thematik sehr sensibel und wundervoll umsetzt, vom Niederländischen ins Deutsche von Christiane Burkhardt. An dieser Stelle bereits vielen Dank an den Verlag, dem Autor und der Übersetzerin für dieses wirkliche sehr berührende und lesenswerte Buch!


"Vier Freunde, die arglos in einem sächsischen Dorf aufwachsen, geraten in den Mahlstrom der Geschichte. Ein großer Roman über Freundschaft, Liebe und Verrat. Und über den Trost, den die Schönheit der Schöpfung gewähren kann." (Quelle: Buchrückentext)

Durch die atmosphärische Dichte, die von Beginn an ein Kennungszeichen des Autors ist, gelingt es dem Leser, sich in das sächsische Dorf zu versetzen, in dem vor mehr als 100 Jahren die Freunde Julius (Erzähler), Claus, Theo und Erich gemeinsam aufwachsen. Nach der Mobilmachung schließen sie sich freiwillig den jungen Männern an, die für Freiheit und Vaterland gegen Franzosen und Engländer zu kämpfen bereit sind. Einzig Erich tut sich sehr schwer mit der Entscheidung; von Natur aus sehr sensibel, würde er lieber bei seiner Geliebten bleiben und mit ihr eine Familie gründen, andererseits möchte er aber vor seinen Freunden nicht als Feigling gelten, daher schließt er sich den anderen an. Die Euphorie sowie die Vermutung, "bis Weihnachten wieder zu Hause zu sein", das alles als ein großes (noch unbekanntes) Spiel zu betrachten, kommt gut zur Geltung: Ebenso die Standes- und Klassenunterschiede der Arbeiterschaft und Fabrikbesitzer, die erste Rebellion gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter und der Angst um drohende Arbeitslosigkeit.

Julius, der Hauptprotagonist des Romans, will seinem Leben eigentlich ein Ende setzen, als ein Priester in sein Leben tritt, der sich als guter Zuhörer entpuppt und dem schuldgeplagten Korporal nach und nach helfen kann, sich das auf den Schlachtfeldern des 1. Weltkrieges Erlebte sprichwörtlich von der Seele zu reden. Gleichzeitig erinnert der Priester, der eine große Schwäche für die Schönheit der Schmetterlinge hat und diese sammelt, ihre Namen kennt sowie ihre Lebensweise, ihn daran, dass überall, wo Häßlichkeit und Gräuel ist, auch Schönes zu finden ist.

"Noch habe ich die Hoffnung an das Gute im Menschen nicht verloren, aber was mich wirklich tröstet, ist die Schönheit der Schmetterlinge" .(Zitat, Priester S. 13)

Diese Gegenüberstellung von beidem, das besonders in Kriegszeiten, auf der Erde überall zu finden ist, hat mich an diesem Roman sehr beeindruckt. Obgleich keine 'leichte Lektüre', vergisst man auch als Leser niemals, dass es auch Schönes gibt. Es sind sehr eindrucksvolle, philosophische Sätze und viele Textpassagen zu finden, die den Beschreibungen des Grauens wie z.B. einem Chlorgasangriff, gegenüberstehen: Es gibt aber auch sehr eindringliche und gut recherchierte, präzise Beschreibungen aus den Schützengräben des 1. Weltkrieges, in denen sowohl Julius wie auch seine Freunde in verschiedenen Regimentern liegen. Der Zufall will es, dass die Divisionen von Julius und Claus zusammengelegt werden und beide beschließen, gegenseitig aufeinander 'aufzupassen'....
Die historisch belegte Waffenruhe am Heiligen Abend wird auf beiden Seiten mit großer Nervosität, aber auch Erleichterung eingehalten.

Julius überlebt die Grauen des Krieges auch durch die Hoffnung der ersten großen Liebe, die er unbedingt nach dem Kriege heiraten will und deren Bild er immer vor Augen hat. Durch seine Liebe zur Dichtung und Lyrik lernte er die schöne Wirtshaustochter Elfriede kennen, die alle anderen Bewerber stets abwies: Seine Liebe zu Prosa und Lyrik hilft ihm, die Schrecken jeden Tages zu ertragen. Er sollte, während er dem Priester sein Leben und seine Schuldgefühle beichtet, erkennen, dass er etwas hatte, das Erich nicht gegeben war: Die Dichtung, die Poesie - die zuweilen Hässliches in Schönes zu verwandeln vermag... auch hier taucht der Schmetterling, den der Priester als den "Liebling Gottes" ehrt, in Form eines Gleichnisses wieder auf; in wundervollen Sätzen und Gedanken zum Leben, die tief berühren, liest sich der Roman wie ein Ausflug in das Dorf der kriegszerstörten Champagne, wo an der Marne und der Somme Millionen von Soldaten sinnlos ihr Leben ließen.

Er entführt jedoch auch in die wie ein Wunder erhaltene Dorfkirche und anschließendem Pfarrhaus, wo der Priester wohnt und sich mit unerschütterlicher Ruhe und Kraft dem Ende des Krieges entgegen sehnt. Auch er legt die Beichte seines Lebens dem jungen Deutschen gegenüber ab und erzählt ihm seine Geschichte, warum er sein Leben in Gottes Hand legte... Eine der für mich schönsten Metaphern zitiere ich hier:

"Ein Nachtpfauenauge lebt nur wenige Tage. Aber im Leben geht es nicht um Tage oder Wochen. Sondern um Momente". (S. 242)

Ich las bereits einige Romane, die den 1. Weltkrieg oder "Le Grand Guerre", wie ihn die Franzosen nennen, zum Inhalt hatten, aber die einfühlsame und sensible Sprache von Pieter Webeling sowie die tragische Geschichte von Julius, die stellvertretend für Millionen anderer Soldaten aus dieser Zeit stehen könnte, hat mich sehr berührt; besonders die Ausgewogenheit in der Gegenüberstellung von Häßlichem und auch Schönem, Menschlichen, das es trotz aller Grausamkeiten auch immer gab.

Fazit:

Ein sehr beeindruckender, mit großer Sensibilität und Intensität geschriebener Roman über das Schicksal von vier Freunden auf den französischen Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs und der Tatsache, das trotz dem Leid, der Unsinnigkeit und Häßlichkeit des Krieges auch Schönheit existiert, die hier vom Schmetterling symbolisiert wird. Im übertragenen Sinne eine Aufforderung, seinem Leben Sinn zu geben, in dem man für sich Schönes entdeckt, sei es in einer Schmetterlingssammlung, in Dichtung, Lyrik, Kunst oder anderen Dingen, die den Menschen auch immer wieder "Gutes" entdecken lassen, auch in sich selbst!
Eine absolute Leseempfehlung bei voller Punktezahl, 5 * von mir verbunden mit einem großen Dank an den Autor, an die Übersetzerin und an den Blessing-Verlag!

Veröffentlicht am 10.12.2016

Wie die Euphorie der Wirklichkeit weicht

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1915, mitten im 1. Weltkrieg. Julius steht in einer französischen Kirche, der Rest des Dorfes liegt in Schutt und Asche. Seine Pistole hat er sich schon an den Kopf gehalten, als ihn im letzten Moment ...

1915, mitten im 1. Weltkrieg. Julius steht in einer französischen Kirche, der Rest des Dorfes liegt in Schutt und Asche. Seine Pistole hat er sich schon an den Kopf gehalten, als ihn im letzten Moment ein Priester vom Schuß abhält. Die beiden kommen ins Gespräch und Julius fängt an seine Lebensgeschichte zu erzählen.

Pieter Webeling erzählt in zwei Erzählsträngen. Einerseits die Unterhaltung zwischen dem Priester und Julius, bei dem es unter anderem auch um Schmetterlinge geht, lt. dem Priester, die schönsten Geschöpfe auf Gottes Erden. Dennoch haben diese mit nur wenigen Tagen nur eine sehr kurze Lebenszeit, die sie aber intensiv nutzen. Es geht in den Unterhaltungen der ungleichen Menschen um die Intensität des Lebens, um das Glück, aber auch die Schuld.


Im zweiten Erzählstrang berichtet Julius über sein Leben. Wie er als einziges lebend geborenes Kind in einem Krämerhaushalt augewachsen ist. Von seinen Freunden Erich, Claus und Theo. Von seiner großen Liebe Elfriede, dem schönsten Mädchen im Dorf.
Von all den Problemen und großen Wünschen und Zukunftsplänen der Freunde. Dann kommt 1914. Krieg. Euphorie. Die Freunde lassen sich mitziehen von dieser Euphorie, wollen sich beweisen. Sie melden sich freiwillig und ziehen in den Krieg, nichts ahnend, was das wirklich für sie bedeuten wird. Sie werden auseinander gerissen, an verschiedenen Fronten eingesetzt. Wir erleben durch Julius Augen seine Erfahrungen, steigen mit ihm in den Schützengraben, in dem es nur noch um Tod oder Überleben geht. Es ist blutig und grausam. Doch es gibt auch einen Lichtpunkt. Heiligabend 1914, als es zu einem spontanen Waffenstillstand zwischen Franzosen udn Deutschen kommt, die zusammen einem Gottesdienst lauschen und sogar gemeinsam Fußball spielen bevor sie wieder in ihre Schützengräben zurück kehren.
Julius erzählt von Schuld und Schuldgefühlen, von Tod und Trauer. von Leid, aber auch von Hoffnung.



Pieter Webeling erzählt mit großer Authentizität vom Kriegsgeschehen. Er hat einen sehr flüssigen Schreibstil und die Geschichte, die er ersonnen hat, hat mich gefesselt und berührt, zum Nachdenken und Mitfühlen gebracht und mich auch am Ende nicht sofort losgelassen.

Fazit:

Vier Freunde und der Krieg. Eine Geschichte voller Hoffnung und Liebe, aber auch Schuld und Verrat. Berührend erzählt, beklemmend und doch so authentisch.

Veröffentlicht am 22.06.2017

Für was sind Kriege da?

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Im Juni 1915 kommt Julius Reinhardt in einem Dorf in Frankreich in eine zerstörte Kirche.
Er ist den Krieg leid und fühlt sich schuldig am Tod 2 seiner Freunde.
Als er sich die Pistole an die Kehle setzt ...

Im Juni 1915 kommt Julius Reinhardt in einem Dorf in Frankreich in eine zerstörte Kirche.
Er ist den Krieg leid und fühlt sich schuldig am Tod 2 seiner Freunde.
Als er sich die Pistole an die Kehle setzt hält ihn eine Stimme davon ab abzudrücken.
Ein alter Man steht vor ihm, der Pfarrer der Kirche. Der Pfarrer fordert Julius auf ihm seine Geschichte zu erzählen und Julius erzählt von einem Ort in Deutschland, von vier Freunden
die ein Abenteuer erleben wollten und zusammen in den Krieg zogen
Die Stunde des Schmetterlings von dem niederländischen Schriftsteller Pieter Webling erzählt die Geschichte von Julius, Theo, Klaus und Erich aus der Sicht von Julius Reinhardt:
Vier Freunde aus einem kleinen Ort in Deutschland, sie unternehmen alles zusammen, haben
gerade ihre erste Freundin und denken zum Teil ans Heiraten. Trotzdem wird ihnen das Leben in dem Ort zu eng.
Als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht, melden die vier sich freiwillig in der Erwartung eines Abenteuers.
Der Leser begleitet Julius in den Krieg gegen Frankreich.
Man liest wie Julius die Erfahrung macht, dass die Franzosen die gleichen Gefühle haben wie die Deutschen. Sie haben auch Eltern, Schwestern und Brüder, Ehefrauen und Kinder.
Ja sie feiern sogar genauso Weihnachten.
Und spätestens hier fragt sich der Leser genau wie Julius „Für was sind Kriege da?“
Einen großen Dank an den Autor Pieter Webling für dieses fast schon philosophisches Buch, dass wir alle immer in Erinnerung behalten sollten.