Cover-Bild Der Zauber des Engels
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7,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Bastei Lübbe
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: Generationenroman
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Ersterscheinung: 20.09.2013
  • ISBN: 9783838749532
Rachel Hore

Der Zauber des Engels

Roman
Barbara Ritterbach (Übersetzer)

Nur widerwillig hilft Fran in der Werkstatt ihres Vaters aus. Ihr erster Auftrag: die Restauration eines zerbrochenen Kirchenfensters. Darauf war einst ein Engel zu sehen.

Bei der Suche nach den Originalzeichnungen stößt Fran auf eine faszinierende Liebesgeschichte aus viktorianischer Zeit - eine Liebesgeschichte, die auch ihr eigenes Leben berührt ...

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.06.2020

Ruhige, beschauliche Erzählweise, aber nicht schlecht

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Fran verbrachte ihre Kindheit in London, genauer gesagt im Haus ihres verwitweten Vaters, einem Glasrestaurateur. An ihre Mutter, die bereits starb, als Fran noch ein Kleinkind war, hat sie so gut wie ...

Fran verbrachte ihre Kindheit in London, genauer gesagt im Haus ihres verwitweten Vaters, einem Glasrestaurateur. An ihre Mutter, die bereits starb, als Fran noch ein Kleinkind war, hat sie so gut wie keine Erinnerungen und auch ihr Vater ist Fran in dieser Hinsicht keine große Hilfe- er blockt jegliche Fragen, die Fran im Laufe der Zeit überhaupt stellt, einfach ab. Vielleicht ist dies auch mit ein Grund, wieso sich Fran in den Jahren immer weiter von ihrem Vater entfremdet und schließlich, nach Abschluss der Schule, als musikalische Unterstützung eines Orchesters von Stadt zu Stadt reist, immer auf der Flucht vor ihrer Vergangenheit. Eines Tages erhält sie jedoch einen Anruf, der alles verändert. Frans Vater liegt nach einem schweren Schlaganfall im Krankenhaus und so muss sie Hals über Kopf nach London zurückkehren, nicht nur um ihrem Vater beizustehen, sondern auch um in seiner Abwesenheit das Familiengeschäft „Minster Glass“ weiterzuführen.

Eine große Unterstützung ist Fran dabei der Mitarbeiter ihres Vaters Zach. Ein ungeöffneter Brief, an ihren Vater adressiert, weckt allerdings schnell ihr Interesse und ihre Neugier. Der örtliche Pfarrer, ein sehr guter Freund des Schwerkranken, hat eine Entdeckung gemacht. Einst hing in seiner Kirche ein besonderes Kirchenfenster, bis es im Krieg zerstört wurde. Doch Fragmente der Glasscheibe sind noch vorhanden- und nun soll Minster Glass Licht ins Dunkel bringen und die Scheibe restaurieren. Während Fran das Archiv von Minster Glass durchforstet, stößt sie auf das Tagebuch von Laura Brownlow- einer junge Frau, deren Schwester früh starb und zu deren Ehren dieses Kirchenfester angefertigt werden sollte. Und trotz ihrer großen Sorge um den Vater, taucht Fran interessiert ab- in die Story einer selbstbewussten Dame des viktorianischen Zeitalters. Und genau wie einst Laura, muss Fran noch viel lernen und vor allem ihre Vergangenheit aufarbeiten, um glücklich zu werden. Ahnt Fran, dass der Mann ihrer Träume bereits greifbar ist?

Meine Einschätzung:

„Der Zauber des Engels“ ist in erster Linie ein Roman über Selbstfindung. Gleich auf zwei Zeitebenen geschrieben, wird dem Leser nicht nur Lauras Lebensgesichte vermittelt, sondern auch Frans Werdegang. Wobei Frans Handlungsstrang deutlich ausführlicher geschildert wird und klar im Mittelpunkt steht. Das Kirchenfenster bildet dabei die Verbindung zwischen gestern und heute und man erfährt, welche Ängste und Sorgen die beiden weiblichen Protagonistinnen mit sich herumtragen. Das wird sehr berührend und sensibel beschrieben, so dass man sich sowohl in Laura als auch in Fran schnell hineinversetzen kann. Allerdings liegt dem Roman auch eine gewisse Melancholie und Langsamkeit des Erzählens zugrunde, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Ich für meinen Teil war sehr angetan von Rachel Hores Art zu Schreiben und auch die vielen gegebenen Einblicke in die Glasrestauration fand ich sehr interessant. Vor jedem Kapitel findet man ein Engelszitat aus diversen anderen Werken, die jeweils zum Handlungsstrang passen und der Story zusätzlich eine gewisse Atmosphäre verleihen. Der Leser, der in erster Linie auf der Suche nach einem Liebesroman ist, sollte bedenken, dass zwar zwei Liebesgeschichten involviert wurden, diese jedoch eher nebensächlich sind. Es geht in dem Buch um etwas ganz anderes- nämlich dass Laura und Fran lernen, ihren Weg zu finden und schließlich auch zu gehen- ohne Ängste oder Zweifel. Die Männer in diesem Roman werden allerdings leicht zu Randfiguren degradiert, was jedoch nicht großartig stört.

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Veröffentlicht am 28.05.2019

Einige Enttäuschungen, aber insgesamt überzeugend

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Inhalt und persönliche Meinung:
Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sie nicht wirklich berührend, aber zumindest sehr schön geschrieben und flüssig zu lesen. Nur einen sehr, sehr grossen ...

Inhalt und persönliche Meinung:
Diese Geschichte hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sie nicht wirklich berührend, aber zumindest sehr schön geschrieben und flüssig zu lesen. Nur einen sehr, sehr grossen Kritikpunkt habe ich vorzubringen und dieser zerstörte immer wieder mein Lesevergnügen. Eigentlich war ich total erfreut, als ich (erst nach dem Kauf des Buches) den Klappentext gelesen las. Darin wird erwähnt, dass Fran eine Musikerin ist und da wollte ich das Buch natürlich so schnell wie möglich lesen. Nur leider wird das Musikerleben so unrealistisch dargestellt, dass ich mich einige Male peinlich berührt vom Buch distanzieren musste. Fran ist eine Tubistin, die (fast) nie übt und eine eigene Agentin hat, die ihr immer wieder Orchesterjobs besorgt und die sie auch nicht fallen lässt, als sie mehrere Wochen lang nichts mehr von Fran hört. Hä? Wenn man einen Job im Orchester bekommen will, und sei es nur eine Stellvertretung, muss man zuerst ein Probespiel bestehen. Ausserdem haben nur wirklich berühmte Solisten eigene Agenten. Wäre Fran eine wirklich berühmte Solistin würde sie sich erstens ganz anders benehmen, zweitens ganz anders üben und drittens internationale Anerkennung geniessen und sich vor Anfragen kaum retten können. Auch schafft es ein Freund von Fran, Dirigent eines berühmten Orchesters zu werden und dies dann noch, ohne dass Fran überhaupt wusste, dass die Stelle überhaupt ausgeschrieben war. Wenn ein berühmtes Orchester einen Dirigent sucht, also wenn der vorherige Dirigent seinen Job kündigt, wird dies innerhalb kürzester Zeit zum Gesprächsthema Nummer eins in der ganzen klassischen Musikszene. Eben so schnell werden Spekulationen um die Nachfolge und das Auswahlverfahren laut und nach einem manchmal Monate dauernden Auswahlverfahren wird der neue Dirigent ganz gross verkündet und muss vielleicht auch zuerst eine Probezeit bestehen. Ausserdem ist es total unwahrscheinlich, dass ein Organist und Chorleiter die Leitung eines der grössten Sinfonieorchester der Welt übernehmen kann. Ich könnte noch viele Punkte aufzählen, aber ihr versteht sicher schon jetzt, dass ich mir leider während der Lektüre dieses sonst so fesselnden Buches immer mal wieder an den Kopf fassen musste.

Schreibstil und Handlung:
Die Handlung ist sehr märchenhaft gehaltet und vereint Elemente eines sozialen Dramas, einer Familienchronik, sowie ein wenig Fantasy, Kirchen- und Kunstgeschichte und Romantik miteinander. Das Buch beginnt damit, dass Fran die Nachricht vom Schlaganfall ihres Vaters bekommt und sofort zurück nach Hause reist, um sich um ihn und sein Geschäft für Glas und Glasmalerei zu kümmern. Zum Glück hat sie selber einige Kenntnisse im Bereich der Glasmalerei und kann mit Hilfe des Angestellten Zac das Geschäft vor dem Ruin bewahren. Vorerst zumindest. Sie beschliesst, einige Tage in ihrer Heimat zu bleiben und trifft eine alte Freundin, sowie einen neuen Mann und in den Unterlagen ihres Vaters stösst sie auf ein Tagebuch, das eine Geschichte enthält, die schnell zu einer persönlichen Angelegenheit wird.
Ein Ereignis folgt auf das andere und das Buch liest sich dank dem schönen Schreibstil sehr flüssig. Ich habe überhaupt nicht gemerkt, wie schnell ich dieses Buch gelesen habe und mir haben die vielen detaillierten Beschreibungen und vor allem auch die durch das Tagebuch eingeführten Rückblenden sehr gut gefallen. Auch das Engelmotiv, welches sich durch die Handlung, aber auch durch die Rückblenden und die Gedankengänge von Fran zieht, wird glaubwürdig immer wieder eingeflochten, ohne je kitschig zu werden.

Fazit:
Ich kann an diesem Buch nur aussetzen, dass Fran eine Musikerin ist und dass die Autorin so rein gar nichts über das Musikerleben weiss, was mich leider sehr genervt hat. Alle anderen Themen, wie zum Beispiel die Glasmalerei oder die Geschichte dieser filigranen Kunst und die Kirchengeschichte, die ja eng mit dieser Kunst verknüpft ist, sind fantastisch recherchiert und man merkt bei jeder Szene, dass die Autorin genau weiss, was sie tut. Wer über die mir aufgefallenen krassen Fehler hinwegsehen kann und eine wunderschön geschriebene Geschichte mit einer spannenden Handlung und fantastischen Szenenwechseln lesen will, ist mit diesem Buch sehr gut beraten.