Profilbild von Gabiliest

Gabiliest

Lesejury Star
offline

Gabiliest ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Gabiliest über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2025

Genial witzig und manchmal traurig: Ein Roadtrip der Gefühle

Maybe this is how it starts
3

Mit “Maybe this is how it starts” hat die bekannte Autorin Sarah Adler eine Romcom geschrieben, in der man nicht nur einen Roadtrip durch die USA, sondern auch durch viele Gefühlsfacetten erlebt.

Diese ...

Mit “Maybe this is how it starts” hat die bekannte Autorin Sarah Adler eine Romcom geschrieben, in der man nicht nur einen Roadtrip durch die USA, sondern auch durch viele Gefühlsfacetten erlebt.

Diese auf zwei Zeitebenen erzählte Geschichte behandelt eigentlich ein ernstes Thema, das aber durch die komischen Seiten dieser Reise in den Hintergrund tritt. Millie, einst ein Kinderstar und auch heute noch bekannt, will von Washington DC nach Miami fliegen. In ihrem Rucksack: Drei Löffelchen Asche ihrer Freundin Rose, die im Alter von achtundneunzig Jahren verstorben ist und die erst kurz vor ihrem Tod von ihrer großen Liebe Elsie erzählt hat. Das ist achtzig Jahre her, aber Millie will Elsie finden und sie mit Rose vereinen- Liebe, die den Tod überdauert. Denn daran glaubt die Romantikerin Millie ganz fest, auch wenn sie in ihrer früheren Beziehung mit Josh ausgenutzt wurde. Als Millies Flug gestrichen wird, steigt sie zu Hollis ins Auto, einem zynischen und verschlossenen Schriftsteller, der seine Schreibblockade mit einer Woche Sex in Miami beenden möchte. Nun folgt ein von Pannen begleiteter Roadtrip quer durch die USA, wobei Millie erkennt, dass Hollis versucht, die Fassade des unbeteiligten Egoisten aufrecht zu erhalten, aber beginnt, Gefühle in Millie zu investieren. Obwohl er Millie bei ihrem Vorhaben unterstützt, Rose und Elsie zu vereinen, hält er Beziehungen und die ewige Liebe für ein Gerücht, würde er sich nicht immer mehr zu Millie hingezogen fühlen.

Sarah Adler lässt Millie in der Gegenwart und der Ich-Form ihre Geschichte erzählen. Sie ist eine junge Frau, die fast naiv immer das Beste von den Menschen annimmt, fest an die ewige Liebe glaubt und es daher als ihre Mission betrachtet, Rose und Elsie, die sich während des Krieges innig geliebt haben, zusammen zu bringen. Während der Fahrt beginnt sie, Gefühle für Hollis zu entwickeln, ist sich aber unklar, welche das sind. Ist “mögen” denn auch “lieben”? Und was ist dann Freundschaft? Trotzdem kommen sich Millie und Hollis sehr nah, einige Szenen im Buch sind very spicy. Für junge Leser und Leserinnen werden aber auch die Regeln für Sex klar definiert: Es ist immer in Ordnung “nein” zu sagen. Das Buch ist für Lesende ab sechzehn Jahren empfohlen.

Hollis ist der anfangs abweisende und oberflächlich wirkende Typ, der sich aber während der Reise als freundlicher Helfer herausstellt und Millie in ihrem Anliegen nach Kräften unterstützt. So entsteht erst langsam das Bild eines einfühlsamen Mannes, der sich lange Zeit weigert, zu seinen Gefühlen zu stehen.

“Maybe this is how it starts” ist ein manchmal schräger, manchmal tiefsinniger Liebesroman, der humorvoll erzählt, wie sich die Protagonisten Millie und Hollis im Lauf der Reise verändern. Neben spritzigen und witzigen Dialogen steht natürlich die Frage im Vordergrund: “Gibt es die ewige Liebe, die den Tod überdauert?” Die Story bietet gelungene Unterhaltung und ist durchaus spannend, denn man möchte es Millie gönnen, dass ihr Roadtrip, um Elsie zu finden, nicht vergebens war. Und da Millie und Hollis ausgeprägte Charaktere sind, finden sich neben mancher skurrilen Szene immer wieder berührende Gedanken und tiefe Gefühle.

Das Buch ist angenehm und leicht zu lesen, der Schreibstil flüssig und abwechslungsreich. Gute Unterhaltung bieten die erfrischend frechen Dialoge. Manchmal spricht Millie die Lesenden direkt an, das macht es leicht, in das Geschehen einzutauchen und die Gefühle und Handlungen der Protagonisten nachzuvollziehen. Damit hat Sarah Adler einen sehr gelungenen und unterhaltsamen Roman geschrieben, den ich gerne weiterempfehle und der fünf Sterne wirklich verdient hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 01.06.2025

Spicy words and burning hearts

Literally Love 3. Paperweight Hearts
0

“Hass oder Liebe, oder geht beides”?
Diese Frage werden sich die Lesenden von “Paperweigt Hearts”, dem dritten Band der Literally Love Trilogie stellen. Die Autorin Tarah Keys hat mit ihrer New-Adult Romance ...

“Hass oder Liebe, oder geht beides”?
Diese Frage werden sich die Lesenden von “Paperweigt Hearts”, dem dritten Band der Literally Love Trilogie stellen. Die Autorin Tarah Keys hat mit ihrer New-Adult Romance wieder ein tolles Buch vorgelegt, das nicht nur Witz und hintergründige Dialoge bietet, sondern immer auch über den schmalen Grat zwischen Wahrheit und Lüge, Zuneigung und Rivalität balanciert.

Schon das Cover und der farbig illustrierte Buchschnitt machen das Buch zu einem Eyecatcher. Das ist besonders gelungen, da die Verlagsbranche, aber auch die Arbeit von Literaturagenturen immer wieder Thema sind und Tarah Keys der Kunstgriff gelungen ist, ein Buch im Buch zu schreiben. Die Geschichte hat es in sich: Chelsea, Programmdirektorin beim Verlag Plots&Pieces ist eine toughe Geschäftsfrau, Nolan Rowes ein erfolgreicher Literaturagent. Ihre gegenseitige Abneigung sitzt tief, Chelsea hat Nolan den Job weggeschnappt. Und obwohl die Beiden dauernd streiten, können sie einander im Literaturbetrieb nicht aus dem Weg gehen. Um dieses zwiespältige Verhältnis auf die Spitze zu treiben, schließen sie eine Wette ab: Kann Fake Dating zu echten Gefühlen führen? Verloren hat, wer sich zuerst in den Anderen verliebt. Wer wird hier in Verlangen entbrennen, so heftig, dass er oder sie die Wette verloren gibt? Die Nominierung für den selben Literaturpreis stachelt ihre Rivalität zusätzlich an.

In Paperweight Hearts hat die Autorin Tarah Keys zwei beeindruckende Hauptcharaktere geschaffen, die einander anfänglich in Zynismus und Schlagfertigkeit in nichts nachstehen. Doch mit der Zeit- ohne dass Nolan und Chelsea es wahrhaben oder einander zugestehen wollen- tritt echtes Begehren in ihre Beziehung. Einige spicy Szenen lassen erahnen, wie schwer es ist, Begehren zu verleugnen und sich doch so stark zum Anderen hingezogen zu fühlen. Doch immer, wenn man glaubt, dass echte Romance im Spiel ist, versuchen Chelsea und Nolan, Distanz zu schaffen. Denn keiner will die Wette verlieren.

Dieser mit Witz und Charme geschriebene Roman bietet durch kurze Kapitel wirkliches Lesevergnügen. Besonders gelungen sind die humorvollen Kapitelüberschriften, die darauf Bezug nehmen, dass sie aus dem Kapitelplan zu Paperweight Hearts von Tarah Keys entstammen. Auch in anderen Szenen wird die Verlagsbranche mit Augenzwinkern dargestellt, aber junge Leser*innen ab 16 Jahren werden über diese zusätzlichen Einblicke in den Literaturbetrieb sicher begeistert sein. Diese Workplace-Romance bietet einfach von Allem etwas: Ein erfrischend freches, ungewöhnliches Setting, witzige und hitzige Wortgefechte und natürlich sympathische Protagonisten, über deren Beziehungsverhalten sich Reflexion sicher lohnt. Denn auch in den einzelnen Kapiteln erzählen die Figuren aus der Ich-Perspektive, wie sich ihr Konkurrenzkampf, aber auch ihre Gefühle füreinander entwickeln. Hier lebt man richtig mit, denn dieser flüssige Schreibstil lässt echtes Kopfkino entstehen.

So bietet “Paperweight Hearts” kurzweilige Unterhaltung, aber auch Romantik, Spannung und Humor. Ein Buch, das man wirklich lesen sollte, das ich daher gerne weiterempfehle und das fünf Sterne wirklich verdient.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.06.2025

Nachbarn und andere Mörder

Marchfield Square
6

Mit ihrem Romandebüt “Marchfield Square” steht Autorin Nicola White in der guten Tradition der britischen Cosy Crimes. Schon das Cover dieses Buches ist ein echter Eyecatcher, der erhabene Druck und der ...

Mit ihrem Romandebüt “Marchfield Square” steht Autorin Nicola White in der guten Tradition der britischen Cosy Crimes. Schon das Cover dieses Buches ist ein echter Eyecatcher, der erhabene Druck und der Farbschnitt vervollständigen die hochwertige Ausstattung. Und auf der Rückseite der Buchdeckel gibt es einen Plan des eleganten Londoner Gebäudeensembles, wobei jede Wohnung dem jeweiligen Mieter zugeordnet wird. Das macht es leicht, sich in die Szenerie zu versetzen und hilft beim Mitraten und Miträtseln.

Denn als Lesende*r ist man genau so neugierig wie Celeste, die auf dem Buchcover abgebildet ist, eine reiche alte Dame, die “Menschen sammelt”. Sie ist Eigentümerin des Marchfield Square, sucht sich ihre Mieter nach eigenen Kriterien aus und beobachtet sie in ihren Wohnungen. Doch einmal hat sich Celeste bei der Auswahl geirrt, und genau dieser Mieter, Richard Glead, liegt jetzt tot in Wohnung Nummer zehn. Celeste ruft nicht die Polizei, seine Frau Linda, gegen die er gewalttätig war, wird die Leiche schon finden. Als die Polizei ermittelt, ist der Hintergrund des Verbrechens unklar. War es Linda? Oder war Richard in kriminelle Machenschaften verstrickt?

Da Celeste der Polizei nicht vertraut, gründet sie ein eigenes Ermittlerteam. Da ist Audrey, ihre Putzfrau, mit hellem Verstand, guter Menschenkenntnis und extrovertiert. Sie soll mit dem sozial unbegabten Schriftsteller Lewis, der gerade an einer Schreibblockade leidet, Licht in den Fall bringen. Diese beiden ungleichen Partner konzentrieren sich vorerst auf die Nachbarn. Und siehe da, jeder hat ein Geheimnis. Doch damit nicht genug, es gibt noch zwei weitere Leichen. Wie ist hier der Zusammenhang? Oder gibt es doch mehrere Täter?

In bester Agatha Christie Manier kümmern sich Audrey und Lewis um die Aufklärung des Falles. Dabei ergänzen sich die Beiden mit der Zeit immer besser, aber welches Spiel spielt Celeste? Gibt sie wirklich alle Informationen preis?

Neben den zwei Hauptcharakteren sind die Nachbarn, die in diesem noblen Haus wohnen, hervorragend dargestellt. Neben schrulligen Charakteren und unerwarteten -auch kriminellen- Eigenschaften ergibt sich ein Tatbild, in dem auch die Lesenden zu Ermittlern werden, denn es gibt so viele Geheimnisse und Möglichkeiten, wer würde da nicht miträtseln. Und doch, kaum glaubt man, den Täter oder die Täterin zu kennen, nehmen die Fälle eine unerwartete Wendung, an der auch Miss Marple oder Hercule Poirot einiges aufzulösen hätten.

So ist Marchfield Square nicht nur ein gelungenes Debüt der Autorin Nicola White, sondern ein spannungsreicher, flüssig geschriebener und erzählerisch gelungener Cosy Crime Roman. Durch einprägsame Schilderungen verfolgt man einerseits die Bemühungen des Ermittlerduos Audrey und Lewis, andererseits entwickelt man selbst immer wieder Szenarien, die die Autorin geschickt wieder zu Fall bringt. Nicht zu kurz kommen der britische Humor, das Schmunzeln über skurrile Charaktere und der Charme des british way of life. Der Roman bietet erstklassige Unterhaltung, daher kann ich dieses gelungene Romandebüt gerne weiterempfehlen und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 28.05.2025

Eine Liebesgeschichte mit Neufundländer Samson

Pfotenglück und Sommerwellen
0

Die bekannte Autorin Petra Schier hat mit ihren neuen Roman “Pfotenglück und Sommerwellen” Band acht ihrer Lichterhaven-Reihe vorgelegt. Schon das fröhliche Cover, das sofort Urlaubsfeeling vermittelt, ...

Die bekannte Autorin Petra Schier hat mit ihren neuen Roman “Pfotenglück und Sommerwellen” Band acht ihrer Lichterhaven-Reihe vorgelegt. Schon das fröhliche Cover, das sofort Urlaubsfeeling vermittelt, zeigt neben wunderschönem blauen Himmel Samson, einen liebenswerten und gutmütigen Neufundländer, der in dieser Geschichte noch eine wesentliche Rolle spielen wird.

Eigentlich dreht sich dieser gefühlvolle Roman um Max, einen Bauer aus dem Dorf Lichterhaven, dessen Hof kurz vor dem Ruin steht. Nach einer unglücklichen und vor allem teuren Scheidung musste Max den Großteil seiner Tiere verkaufen und sieht keine Perspektive. Doch seine Mutter hat bereits Isalie engagiert, eine Hamburger Stadtpflanze, bekannte Influencerin und Unternehmensberaterin. Auch wenn Max Vorbehalte gegen sie hat, fühlt sich Isalie auf dem Hof gleich wohl. Besonders mag sie die Kinder Lilly und Jonathan, an denen die Mutter kein Interesse mehr hat. Doch nicht nur Hof, Kinder und Familie gefallen Isalie, eines Tages sitzt Samson vor dem Hühnerstall, ein trauriger, schwarzer Neufundländer. Er hat das Vertrauen zu den Menschen verloren, denn er wurde ausgesetzt. Wird Samson seine Lebensfreude wiederfinden und auf dem Hof bleiben dürfen?

Isalie bemüht sich weiterhin, Max von ihren Vorschlägen, den Hof wirtschaftlich zu führen, zu überzeugen. Vorerst bleibt Max skeptisch, doch zwischen Max und Isalie knistert es sehr bald, der Roman enthält auch einige spicy Szenen. Dennoch, zwei verschiedene Lebenswelten, zwei völlig unterschiedliche Charaktere- ist ein gemeinsames Leben denkbar?

Mit “Pfotenglück und Sommerwellen” hat Petra Schier ein fröhliches, aber auch berührendes Buch geschrieben, das immer wieder die Frage stellt: “Was ist Glück und ist es so einfach zu erkennen? Die Hauptcharaktere des Buches sind sehr eindrücklich beschrieben. Isalie ist eine kluge und erfolgreiche Geschäftsfrau, die aber das Gefühl hat, dass ihr dieses Lebensmodell gar nicht liegt und dass Geld nicht alles ist. Max ist der skeptische Bauer, der im Monet keinen Ausweg sieht, aber seinen Hof unbedingt erhalten möchte. Auch die Kinder Jonathan und Lilly haben Isalie bereits in ihr Herz aufgenommen. Dieser lebhaft und bildhaft erzählte Roman macht es den Lesenden leicht, in die Atmosphäre von Lichterhaven einzutauchen, mit den Protagonisten mitzufühlen und ihre Handlungen nachzuempfinden.

Doch der eigentliche Star der Geschichte ist Samson. Aus Trauer und Resignation von Isalie herausgeholt, entwickelt er sich zu einem klugen und treuen Familienhund. der mit Hundestimme alles kommentiert und dessen Gedankenwelt eindrücklich dargestellt wird. Die Geschichte des Buches aus der Hundeperspektive zu verfolgen ist ein sehr gelungenes und oft auch berührendes Stilmittel.

Dieses Buch ist eine wunderbare Wohlfühllektüre, die Lust auf den nächsten Urlaub macht, aber auch darauf, wie es in Lichterhaven weiter gehen wird. Denn die Geschichte von Max, Isalie und Samson ist noch lange nicht zu Ende und diesem gelungenen Buch wird hoffentlich bald eine Fortsetzung folgen. Anzufügen ist, dass alle Bände der Lichterhaven- Reihe unabhängig von einander gelesen werden können und immer Romantik und ein Happy End bieten. “Pfotenglück und Sommerwellen” ist ein Buch, das ideal zum Entspannen ist und das ich gerne weiterempfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2025

Vom Grauen des Krieges und der Kraft der Liebe

Eine Welt nur für uns
0

Das Romandebüt von Claire Deya “Eine Welt nur für uns” lässt, auch durch das idyllische Hardcover, einen Liebesroman vermuten. Natürlich kommt Liebe vor, unendlich, tief und besitzergreifend. Doch der ...

Das Romandebüt von Claire Deya “Eine Welt nur für uns” lässt, auch durch das idyllische Hardcover, einen Liebesroman vermuten. Natürlich kommt Liebe vor, unendlich, tief und besitzergreifend. Doch der Schauplatz der Geschichte und die Protagonisten sind ganz anders.

Die Strände der Cote d´ Azur sind vermint, es ist kurz vor Kriegsende. Vincent, ein Franzose, der aus deutscher Kriegsgefangenschaft geflohen ist, kehrt zurück, besessen nur von einem Gedanken: Er muss seine Geliebte Ariane wiederfinden, die seit zwei Jahren verschwunden ist und zuletzt auf einem Fest der deutschen Feinde gearbeitet hat. Daher braucht er Kontakt zum Kriegsgefangenenlager, in dem Deutsche interniert sind. Vincent schließt sich dem Trupp von Minenräumern an, neben Franzosen müssen Deutsche hier Zwangsarbeit leisten. Vincent ist sicher, von ihnen etwas über Arianes Schicksal erfahren zu können und besessen von dem Gedanken, Rache zu nehmen, wenn ihr etwas zugestoßen ist. Doch die Deutschen sind verhasst und jeder Kontakt mit ihnen kann gefährlich sein, genau wie das sorgsame Aufspüren und Entschärfen der Minen. Nichts jedoch wird Vincent von seinem Vorhaben abbringen.

Claire Deya beschreibt in ihrem Roman, der ein Aufschrei gegen die Unmenschlichkeit des Krieges ist, alle Menschentypen, die dieses Wüten hervorgebracht hat. Da sind die Gaffer, wenn die Minenräumer ihrer lebensgefährlichen Arbeit nachgehen, die Menschen, die nur verharmlosen und vergessen wollen, die sich nach einem normalen Leben sehnen und die Denunzianten, die jüdische Familien um ihr Hab und Gut und oftmals auch um ihr Leben gebracht haben.

Einer der Hauptcharaktere des Buches ist Saskia, die aus einem deutschen Konzentrationslager entkommen ist und feststellen muss, dass ihr Haus von einer fremden Familie bewohnt wird. Freundlich empfangen wird sie nicht, bei den Behörden wird sie vertröstet. Doch sie begegnet Vincent, der sie einlädt, in seinem Haus zu wohnen. Saskia, traumatisiert und in ständiger Panik, nimmt das Angebot an. Doch sie sucht jeden kleinen Hinweis auf ihre Familie, die im Konzentrationslager umgekommen ist. Wer hat sie damals denunziert?

Claire Deya beschreibt in dieser aufrüttelnden und berührenden Geschichte, dass der Krieg mit der Kapitulation der Deutschen noch längst nicht vorbei war, die Franzosen hassten die deutschen Zwangsarbeiter weiterhin. Erst langsam gelingt es, den Menschen im Feind zu erkennen.

In der bildhaften Sprache der Autorin entsteht im Kopf der Lesenden eine Szenerie aus Mut und Verzweiflung. Mut, das Lager überleben zu wollen, was nur gelingen kann, wenn man dem Leben trotzdem einen Sinn abgewinnt. Verzweiflung, wenn man über das Schicksal der Angehörigen nicht Bescheid weiß, monatelang keine Post bekommt und unter Hunger, Gewalt und Demütigungen leidet. Der Gedanke an Flucht ist bei den Kriegsgefangenen allgegenwärtig, besonders bei Lukas, einem feinsinnigen Deutschen, der eigentlich in Paris eine Buchhandlung eröffnen wollte. Und Vincent ist überzeugt, dass Lukas etwas über den Aufenthaltsort von Ariane weiß.

Dieser Roman von Claire Deya ist mit erzählerischer Konzentration geschrieben und bietet keine einfachen Wendungen. Die subtile Schilderung der einzelnen Charaktere lässt die Lesenden mitfühlen und mitleben, froh, dieses Grauen nicht selbst erleben zu müssen. Entsetzen und Unverständnis entsteht, wenn man beobachtet, dass Menschen ungeheuer niederträchtig und grausam sein können, andererseits aber auch liebende Familienväter, die abends nichts dabei finden, ihre Fröhlichkeit im Umkreis der Zerstörung und Verzweiflung auszuleben.
Ich kann der Autorin nur zustimmen, wenn sie schreibt, dass man den Frieden planen müsse, um den Krieg zu vermeiden. Man merkt, dass die Autorin akribisch recherchiert hat, im Anhang des Buches findet sich ein Quellenverzeichnis. Dieses Buch hat mich sehr beeindruckt, ich empfehle es gerne weiter und bewerte es mit verdienten fünf Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere