Zwischen Familiendrama und wirtschaftlichem Niedergang
Die unbeugsame HändlerstochterKöln, Mitte des 14. Jahrhunderts: die junge Elisabeth, Tochter des Tuchhändlers Erhard Hardenstein, besitzt ein ausgeprägtes kaufmännisches Geschick. Im Gegensatz zu ihrem Zwilling Stephen, der als Sohn ...
Köln, Mitte des 14. Jahrhunderts: die junge Elisabeth, Tochter des Tuchhändlers Erhard Hardenstein, besitzt ein ausgeprägtes kaufmännisches Geschick. Im Gegensatz zu ihrem Zwilling Stephen, der als Sohn des Hauses in der männerdominierten Zeit aber eines Tages das Familiengeschäft leiten soll. Als ein plötzlicher Schicksalsschlag die Familie trifft, liegt es an Elisabeth das Unternehmen und die Familie zusammenzuhalten.
Vorneweg sei gesagt, dass ich das Setting sehr gut gewählt finde: zwischen dem furchtbaren Massaker an der jüdischen Bevölkerung und der Pest ist Köln ein Ort voller Spannungen und reif an Konflikten. Die fiktiven Aspekte werden von der Autorin hervorragend in die gut recherchierte historische Kulisse eingearbeitet.
Ein weiteres Highlight sind die Reibungen innerhalb der Familie Hardenstein. Über Jahre hinweg aufgebauter Groll, neue Fehler und Zuneigung machen jede Interaktion zu einem übervollen Pulverfass. Das Potenzial dieser Konflikte wurde im Laufe der Handlung gut ausgeschöpft. Stichwort Handlung, zuerst dachte ich, dass die Handlung etwas vorhersehbar sei. Aber dann kamen doch immer wieder kleine und große Überraschungen und Elisabeth als Charakter ist so geschrieben, dass ich mit ihr mitfiebern musste. Aber auch Stephen als ihr Antagonist war wundervoll vielschichtig. Neben den vielen gut ausgearbeiteten Figuren fiel allerdings der Mann, in den Elisabeth verliebt ist, etwas blass aus. Folglich konnte die Romanze mich nicht wirklich begeistern, es gab einfach viel spannendere Konflikte, sodass ich mir immer, wenn es um Elisabeths Liebesleben ging wünschte, wir würden zu einem der anderen Handlungsstränge zurückkehren.
Alles in allem ein hervorragender historischer Roman über eine Händlerstochter, die gegen alle Widrigkeiten ihren Weg geht.