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Veröffentlicht am 16.10.2025

Ein Sommer der Familie Mann im französischen Exil

Wenn die Sonne untergeht
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Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. ...

Eine Äußerung aus dem Zusammenhang gerissen und der berühmte Dichter und Nobelpreisträger Thomas Mann ist im Nazi-Deutschland nicht mehr willkommen. Weder Reichtum noch Ansehen retten ihn vor der Ächtung. Widerwillig verlässt er Deutschland, lebt zuerst in der Schweiz und danach verbringt er einen Sommer in Sanary, einem kleinen Küstenort Frankreichs. Mit dabei ist seine Familie, seine Frau und meist auch seine sechs Kinder. Auch anderer Dichter und Künstler teilen sein Schicksal und es kommt zu einer Art Gemeinschaft in dem kleinen Ort.

Der Autor hat hier die Erlebnisse eines Sommers aus den Tagebucheinträgen verschiedener Personen zusammengefasst. Sowohl schrieb Thomas Mann selbst, als auch sein Bruder und seine Kinder, aber auch andere Personen, die eine Zeit lang Weggefährten des Dichters waren. Der Erzählstil ist distanziert, eher kühl gehalten und manchmal ein wenig ironisch. Es gibt keine durchgehende Handlung, es sind vielmehr aneinandergereihte Szenen und Erlebnisse, sowohl von den Mitgliedern der Familie Mann, aber auch von anderen Persönlichkeiten. So werden Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Eva Herrmann, Arnold Zweig, Paul Valery und andere genannt, teilweise erhält man ebenfalls einen (kurzen) Einblick in deren Leben. Für mich war es teilweise mühsam, das Buch zu lesen, der Autor springt in der Perspektive, vieles wird nur angerissen. Als Beispiel möchte ich hier einen Hund erwähnen, der aus einem Flugzeug geworfen direkt neben Aldous Huxleys Geliebter landet. Eine Aufklärung, wer das getan haben könnte und ob damit ein bestimmtes Ziel verfolgt wurde, bleibt aus.
Bei einigen Szenen fragte ich mich, warum sie erwähnenswert waren, beispielsweise wenn Golo Mann ausnahmsweise nicht mit der Familie früh zu Bett geht, sondern lieber den Sonnenuntergang betrachtet. Denn es kam nichts Aufregendes, außer, dass »gegen 21 Uhr taucht der Sonnenball am fernen Horizont feurig in das Wasser ein ...«
Die Beziehungen untereinander werden ausgebreitet, alle Männer hatten Geliebte, weibliche und/oder männliche.
Das Bild, das hier von Thomas Mann gezeichnet wird, ist kein sympathisches. Er bedauert sein Schicksal, ist lange Zeit unschlüssig, welche Stellung er zum Deutschland der Nazi-Zeit einnehmen soll, und behandelt seine Kinder nicht gleich – hat Lieblingskinder und »Schwarze Schafe«. Von der Familie wurde er »Zauberer« genannt, das zeigt, dass er vermutlich manchmal weltfremd war. Bewundernswert fand ich seine Frau Katia, die felsenfest hinter ihm stand.
Es ist keine Lektüre, die man mal so zwischendurch lesen kann, empfehlen kann ich es auf jeden Fall Thomas Mann-Fans.

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Veröffentlicht am 15.09.2025

Erinnerungen und Gedanken

Spät am Tag
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Die Schriftstellerin Johanne, Anfang 30 und geschieden, mietet sich ein Zimmer am Land, um ungestört schreiben zu können. Bald verliebt sie sich in ihren Vermieter Mikael, in dessen Nachbarschschaft seine ...

Die Schriftstellerin Johanne, Anfang 30 und geschieden, mietet sich ein Zimmer am Land, um ungestört schreiben zu können. Bald verliebt sie sich in ihren Vermieter Mikael, in dessen Nachbarschschaft seine Ex-Frau Sofia sowie seine kleine Tochter Maren wohnen. Daraus ergibt sich ein ungewöhnliches Dreiecks-Verhältnis, denn Sofia kommt oft unangemeldet und stört die Beziehung. Die Leserschaft erfährt dies aus den Gedanken Johannes, die in Ich-Form in den Zeiten herumspringt und uns die Geschichte mosaiksteinartig präsentiert.

Die Autorin verstand es, einprägsame Figuren zu schaffen, die jedoch alle in irgendeiner Weise geheimnisvoll bleiben. Allen voran Johanne, die Erzählerin, die mit sparsam verteilten Emotionen ihr Leben vor uns ausbreitet. Stückchenweise, sie springt in ihren Gedanken vor und zurück, oft sind es nur Erinnerungsfetzen, winzige Erlebnisse, die auf sie einen bleibenden Eindruck gemacht haben. Dann Sofia, die Ex, war für mich fast mehr präsent, als Mikael, der eigentliche Protagonist. Sofia und Johanne umschleichen sich mit katzenartiger Höflichkeit, Sofias Ambitionen und Gefühle bleiben genauso verborgen wie der Grund, weshalb die Ehe gescheitert ist. Mikael, der Dritte im Bunde, weicht oft aus, mag keinen Streit, von ihm hätte ich gern mehr erfahren. Vieles steht nebenbei oder sogar zwischen den Zeilen. Auch die zahlreichen Gedankensprünge machten für mich das Lesen anstrengend.
Schade, aus dem Plot hätte mehr werden können. Ein ruhiges Buch, das sich trotz seiner Kürze nicht einfach schnell weglesen lässt. Bestechend ist die karge und trotzdem beeindruckende Landschaft. Möglicherweise müsste man es mehrmals lesen, um all die Feinheiten erfassen zu können.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

»Keiner ist wichtiger als der andere.«

Noch einmal ...
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Ein bebildertes Buch für Erwachsene – die Idee fand ich gut. Die Gestaltung sieht wirklich aus, wie ein Buch für die Allerjüngsten: Illustrationen und wenig Text, oft nur ein Satz. Auch die Zeichnungen ...

Ein bebildertes Buch für Erwachsene – die Idee fand ich gut. Die Gestaltung sieht wirklich aus, wie ein Buch für die Allerjüngsten: Illustrationen und wenig Text, oft nur ein Satz. Auch die Zeichnungen sind sparsam eingesetzt, es bleibt viel leer und die Schrift ist kindlich, wie gekritzelt. Der Inhalt ist rasch zusammengefasst: Gedanken über den Ursprung der Menschheit und dass alle erkennen sollten, dass es nur ein Wir geben kann, denn nur gemeinsam sind wir stark. Die Zukunftsvision von einer Menschheit, die sich als Ganzes sieht und bei der alle am selben Strang ziehen, ist natürlich eine verlockende Vorstellung. Das Bild, wie Astronauten die Erde sehen, nämlich als Einheit – das gefiel mir gut. Ein Bilderbuch, das man lesen kann, schön finden mit liebevollen Gedanken - das für mich jedoch nichts Neues gebracht hat und ich bereits Lebensratgebern/Spruchkalendern davor gelesen habe. Ungewöhnlich ist nur die Gestaltung als Bilderbuch.
Das Buch selbst ist sperrig groß, schwer und unpraktisch. Schnell mitnehmen für unterwegs zu lesen, geht nicht. Ein handlicheres Format würde das Lesevergnügen vergrößern.

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Ein One-Night-Stand mit ungewöhnlichen Folgen

Standing Ovations
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Nachdem der Kritiker Alex eine vernichtende Kritik über Hayley nach deren Aufführung verfasst und abgegeben hat, treffen sich die beiden in einer Bar. Und obwohl Alex Hayley natürlich erkennt, verbringen ...

Nachdem der Kritiker Alex eine vernichtende Kritik über Hayley nach deren Aufführung verfasst und abgegeben hat, treffen sich die beiden in einer Bar. Und obwohl Alex Hayley natürlich erkennt, verbringen sie die Nacht zusammen. Bereits am nächsten Morgen liest Hayley den Verriss in der Zeitung und holt zum Gegenschlag aus. Sie baut die Story von Alex’ Artikel und der anschließenden Nacht in ihr Programm ein. Unerwartete Sympathien schlagen ihr entgegen, andere Frauen, die Ähnliches erlebt haben, schließen sich ihr an und die Entrüstungswelle rollt auf Alex zu.

Die Idee hinter der Story fand ich super. Trotzdem kam ich nicht so richtig ins Buch hinein. Alex kommt als überheblicher von sich selbst überzeugter Mistkerl dargestellt, dem man die Abreibung von Herzen gönnt. Ein Hoch auf die Protagonistin Hayley, die sich nicht jammernd in eine Ecke verkriecht, sondern tatkräftig an einem Gegenschlag arbeitet. Ihr Einarbeiten über Alex’ krudes Verhalten in ihrer Show verhilft ihr zu neuem Ruhm, doch das Ganze eskaliert in ungeahnten Bahnen. Eine hervorragende Plotidee, die mich leider nicht in allen Facetten abholen konnte.
Da ist einmal der ungewöhnliche Schreibstil, aus der Ich-Perspektive einer dritten Person, nämlich Alex’ WG-Genossin Sophie. Ihre Gefühle zu Alex sind ambivalent, er hat sie früher mal gekränkt, ihr andererseits geholfen, als Journalistin Fuß zu fassen. Und irgendwie fühlt sie sich zu ihm hingezogen, sein »Bad-Boy-Image« turnt sie an. Die Story driftet an vielen Stellen ab. Sophies Privatleben, Erzählungen aus dem Journalismus sowie Rückblenden in Alex‹ Jugend, die mich den roten Faden verlieren ließen, die Handlung nicht weiterbringen und mich schlichtweg gelangweilt haben. Teilweise musste ich mich dazu zwingen, weiterzulesen. Erst im letzten Drittel wird es schwungvoller und es kam Spannung durch einen unvorhergesehenen Twist auf.
Fazit: Eine außergewöhnliche Idee, die Umsetzung konnte mich jedoch nicht restlos überzeugen.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Selbstfindung mit Geheimnissen

Noch fünfzig Sommer mehr
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Eleni wächst bei ihren Großeltern auf, da ihre Mutter als Polarforscherin ständig auf Reisen ist und schließlich bei einer ihrer Forschungsaufträge ums Leben kommt. Als Eleni mit knapp 18 beide Großeltern ...

Eleni wächst bei ihren Großeltern auf, da ihre Mutter als Polarforscherin ständig auf Reisen ist und schließlich bei einer ihrer Forschungsaufträge ums Leben kommt. Als Eleni mit knapp 18 beide Großeltern verliert, geht sie nur selten vor die Tür. Schließlich lernt sie Theo kennen, die beiden werden ein Paar und sie blüht auf. Als Theo plötzlich verstirbt, fällt sie erneut in noch schlimmere Depressionen, kümmert sich auch nicht mehr um ihren geliebten Garten. Auf einmal erhält sie Blumengrüße mit geheimnisvolle Botschaften. Nach und nach nimmt sie am Leben wieder Anteil.

Der Roman ist in verschiedenen Zeitebenen aus der Sicht von Eleni geschrieben. Das war für mich anfangs etwas mühsam, doch ich bin langsam hineingekommen. Die Beschreibung: Ein Sommerroman so leuchtend wie ein Garten voller Blumen trifft für mich nicht zu. Mit der Protagonistin Eleni bin ich leider nicht warmgeworden, ihre Depression hängt wie eine Wolke über der gesamten Erzählung. Erst trauert sie um ihre Oma, die sie Mamie nennt, danach um Theo. Ihr Beruf ist mir auch unklar, sie lebt offenbar hauptsächlich von ihrem Erbe und schreibt Reiseberichte,das scheint zu funktionieren, obwohl sie niemals an den besagten Orten war. Die Rückblenden in die Vergangenheit zeigen ein lebenslustiges Mädchen und lockern die düstere Stimmung etwas auf. Zudem taucht hier eine weitere Person auf, deren Verbindung zu Eleni mir zunächst unklar war, die ich bald als das Highlight es Buches empfand. Die Auflösung rund um die geheimnisvollen Botschaften mit Blumenbeigaben fand ich gelungen, trotzdem kann ich Theos Verhalten nicht verstehen oder gar gutheißen.
Der Funke ist bei mir leider nicht übergesprungen, für mich war der Roman stellenweise bedrückend zu lesen.
Dennoch besticht die Story durch einen bildhaft flüssigen Schreibstil, das Setting in der Bretagne ist gut gewählt und hat ein für mich angenehmes Flair geschaffen. Das versöhnt ein wenig mit der vorangegangenen Düsternis.

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