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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.08.2025

✎ Lorenz Pauli & Sonja Bougaeva - Fips hört ein PIEPS

Fips hört ein PIEPS
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Meine Tochter soll laut Lehrerin täglich etwa zehn Minuten lesen. Für mich, die ständig mit einem Buch in der Hand gesehen wird, klingt das nach einer Kleinigkeit - für sie hingegen ist es eine echte Herausforderung. ...

Meine Tochter soll laut Lehrerin täglich etwa zehn Minuten lesen. Für mich, die ständig mit einem Buch in der Hand gesehen wird, klingt das nach einer Kleinigkeit - für sie hingegen ist es eine echte Herausforderung. Obwohl sie schon mit knapp vier Jahren ihre ersten Wörter selbst erlesen hat, hat sie bis heute keine große Begeisterung fürs Lesen entwickelt. Damit sie nicht (gänzlich) die Freude daran verliert, greife ich momentan bewusst zu Büchern aus der Kleinkindzeit, in denen Bilder dominieren und die Texte überschaubar sind. So wirkt das Lesen weniger wie eine Hürde.

Ich weiß, dass sie jetzt in der 2. Klasse die erste Pflichtlektüre haben und ich bin gespannt, wie mein Kind das meistern wird.

Neulich fiel mir dabei „Fips hört ein PIEPS“ von Lorenz Pauli und Sonja Bougaeva wieder in die Hände. Sie kennt die Geschichte zwar schon, aber das stört mich nicht. Im Gegenteil: Gerade das Wiederholen erleichtert ihr den Zugang zu den Wörtern. Entscheidend ist für mich, dass sie sieht, wie Sprache funktioniert, wie Wörter geschrieben aussehen – und dass sie die Chance hat, sich diese selbst zu erlesen und dabei kleine Erfolge feiern kann. Die gelungenen Reime tun dabei ihr Übriges.

Die Geschichte selbst ist humorvoll und leicht zugänglich. Ein winziges Pieps löst eine überraschende Kettenreaktion aus, die uns beide zum Schmunzeln bringt. Am Ende wird das Kind sogar direkt aufgefordert, selbst aktiv zu werden.

Auch die Illustrationen tragen dazu bei, dass die Geschichte lebendig wirkt. Die klaren Gesichter machen Gefühle sofort erkennbar und erleichtern das Mitfühlen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass kleinere Kinder die wiederkehrenden Geräusche bald selbst nachahmen und dadurch spielerisch in die Sprache hineinwachsen. Und wer glaubt, mit der letzten Seite sei alles vorbei, wird mit einer charmanten Überraschung belohnt.

Nach den Ferien darf unser Exemplar in die Kindergartenbibliothek einziehen. Vielleicht erleben dann noch viele andere Kinder diesen kleinen Funken, den „Fips hört ein PIEPS“ entzünden kann.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.08.2025

✎ Mac Barnett & Jon Klassen - Extra Garn

Extra Garn
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Leider ist „Extra Garn“ von Mac Barnett und Jon Klassen inzwischen nur noch gebraucht erhältlich, was wirklich schade ist, denn dieses Bilderbuch hat mich sofort gepackt. Es erzählt auf einfache, fast ...

Leider ist „Extra Garn“ von Mac Barnett und Jon Klassen inzwischen nur noch gebraucht erhältlich, was wirklich schade ist, denn dieses Bilderbuch hat mich sofort gepackt. Es erzählt auf einfache, fast schlichte Weise eine Geschichte, die voller Symbolkraft steckt.

Für mich steckt darin die klare Botschaft: Nicht alles im Leben lässt sich mit Geld kaufen, und manche Geheimnisse bleiben verborgen, egal wie sehr man versucht, sie an sich zu reißen. Gleichzeitig spürt man zwischen den Zeilen, dass es Menschen gibt, die einem nichts gönnen - und dass genau darin die Kraft des Weitergebens liegt.

Beim Lesen wurde mir bewusst, wie treffend das Buch zeigt, dass wir im Geben nicht ärmer, sondern reicher werden. Was Annabelle mit ihrem Garn tut, widerspricht der gängigen Logik: Je mehr sie verschenkt, desto mehr hat sie. Diese Idee hat mich schon lange begleitet, denn ich glaube fest daran, dass sich Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe vervielfältigen, wenn man sie teilt. Die Garnkiste wird so zu einem Sinnbild für all das, was wir im Leben in Umlauf bringen können, ohne es je zu verlieren.

Gleichzeitig ist mir beim Nachdenken noch eine zweite Botschaft aufgefallen: Wahre Schönheit und Inspiration wollen nicht eingefangen oder besessen werden. Sie entfalten ihre Wirkung erst, wenn wir sie teilen. Das Buch macht deutlich, dass der Versuch, Schönheit nur für sich selbst zu horten, sie letztlich zerstört. Annabelles offene Haltung hingegen zeigt, dass wir gewinnen, wenn wir das Leuchten weitergeben.

Manche mögen das Buch als zu schlicht empfinden, doch gerade diese Schlichtheit ist für mich die Stärke des Buches: Es fordert dazu heraus, zwischen den Zeilen zu lesen, eigene Schlüsse zu ziehen und die Botschaft ins eigene Leben mitzunehmen.

So bleibt „Extra Garn“ für mich ein kleines Meisterwerk, das zeigt, wie großzügiges Handeln und das Teilen von Schönem die Welt bunter machen können. Vielleicht ist genau das der eigentliche Zauber: dass der Vorrat tatsächlich nicht endet, solange wir bereit sind, ihn weiterzugeben.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 20.08.2025

✎ Sarah Opitz - Levken in den Wolken

Levken in den Wolken
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„Levken in den Wolken“ von Sarah Opitz hat meine 7-Jährige begeistert - ein Buch, das sich wunderbar für ihre kurzen, etwa zehnminütigen Leseeinheiten eignet. Obwohl die Schrift recht klein ist, hat sie ...

„Levken in den Wolken“ von Sarah Opitz hat meine 7-Jährige begeistert - ein Buch, das sich wunderbar für ihre kurzen, etwa zehnminütigen Leseeinheiten eignet. Obwohl die Schrift recht klein ist, hat sie sich davon nicht stören lassen. Etwas schwieriger waren die winzigen schwarzen Punkte im Graspapier, die manchmal mitten im Text auftauchen. Doch gerade dadurch sind wir ins Gespräch gekommen, haben Wörter genauer betrachtet und Lesemomente intensiver erlebt.

Die Geschichte selbst hat uns schnell in ihren Bann gezogen. Besonders erfrischend war für mich, dass hier nicht die Erwachsenen oder Fantasiewesen dem Kind Mut zusprechen, sondern Levken selbst den Traumwesen Zuversicht schenkt. Diese Umkehrung der üblichen Rollen verleiht der Erzählung eine besondere Wärme. In den Traumwelten begegnet sie Fantasiegestalten, sieht deren Stärken und findet immer einen positiven Blickwinkel. Dadurch entstehen herzerwärmende, manchmal auch richtig witzige Szenen, die uns beide zum Lachen gebracht haben.

Die Illustrationen wirken anders als in klassischen Kinderbüchern. Sie sind ungewöhnlich, regen aber genau deshalb zum Nachdenken und Austauschen an. Manche waren uns „nicht sofort gefällig“, doch gerade diese Eigenart eröffnete spannende Gespräche zwischen meinem Kind und mir.

Ein besonderer Aspekt, den ich persönlich sehr schätze, ist die Herstellung des Buches. Der Verlag Matabooks produziert vegane Bücher aus Graspapier. Das macht „Levken in den Wolken“ nicht nur zu einer schönen Geschichte, sondern auch zu einem nachhaltigen Produkt. Für uns war das ein Anlass, über Klimaschutz und umweltfreundliche Alternativen zu sprechen. Allein dadurch hat dieses Buch für uns einen festen Platz im Regal verdient.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 16.06.2025

✎ Judith Weber - Der Kopfübär entdeckt, was in ihm steckt

Der Kopfübär entdeckt, was in ihm steckt
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Manchmal reicht ein Blick aufs Cover und man ist hin und weg. So war es bei „Der Kopfübär entdeckt, was in ihm steckt“ von Judith Weber. Die leuchtend blaue Farbe des Bären Kobi sticht sofort ins Auge. ...

Manchmal reicht ein Blick aufs Cover und man ist hin und weg. So war es bei „Der Kopfübär entdeckt, was in ihm steckt“ von Judith Weber. Die leuchtend blaue Farbe des Bären Kobi sticht sofort ins Auge. Ein echter Blickfang im Bücherregal - vor allem, wenn das Cover nach vorne steht. Im Kindergartenalter hat das Buch definitiv großes Entdeckungspotenzial.

Die Geschichte nimmt Kinder direkt mit auf eine fantasievolle Reise. Wortspiele und charmante Neuschöpfungen sorgen nicht nur für Lacher, sondern regen auch zum Mitdenken an. Der Schreibstil ist lebendig, leicht zugänglich und trifft genau den Ton, den junge Zuhörende lieben.

Besonders erwähnenswert ist eine bestimmte Szene, die uns nachhaltig beeindruckt hat - auch wenn uns beim ersten Lesen kurz das Herz stehen blieb. Diese Stelle beweist, dass das Buch nicht nur unterhält, sondern auch emotional berührt.

Das Finale ist herzallerliebst. Es kommt unerwartet und hat uns gleich zu einer eigenen kleinen kreativen Aktion inspiriert.

Was dieses Buch neben der Geschichte besonders macht, sind die Illustrationen. Sie sind nicht nur farbenfroh und lebendig, sondern auch unglaublich detailreich. Manche Seiten erinnern fast an ein Wimmelbild - es gibt immer wieder Neues zu entdecken, selbst beim fünften oder sechsten Durchblättern. Die Bilder sind klischeefrei gestaltet, modern und nah an der kindlichen Lebenswelt.

Offiziell wird das Buch ab 3 Jahren empfohlen. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich jedoch sagen: Für manche Dreijährige ist der Textumfang oder die Dichte der Sprache noch etwas zu fordernd. Ab etwa 4, 5 Jahren kann die Geschichte ihre volle Wirkung entfalten - besonders, wenn man beim Vorlesen kleine Pausen einlegt oder gemeinsam über das Gelesene spricht.

Und dann - fast schon versteckt - die Ankündigung: Es wird einen zweiten Band geben! Wir sind jetzt schon gespannt, wie es mit dem Kopfübär weitergeht und werden definitiv die Augen offen halten.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.06.2025

✎ Franziska Gehm - Die Vulkanos 1 Die Vulkanos pupsen los!

Die Vulkanos pupsen los! (Band 1)
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Sobald das Wort „Pups“ auf einem Kinderbuch auftaucht, quietschen die Kleinen vergnügt auf und die Stimmung ist auf dem Höhepunkt - ganz ehrlich: Warum auch nicht? Bei uns gilt die Regel: Was raus muss, ...

Sobald das Wort „Pups“ auf einem Kinderbuch auftaucht, quietschen die Kleinen vergnügt auf und die Stimmung ist auf dem Höhepunkt - ganz ehrlich: Warum auch nicht? Bei uns gilt die Regel: Was raus muss, muss raus! Deshalb war die Neugier auf „Die Vulkanos pupsen los!“ natürlich groß - besonders bei meiner kleinen Erstleserin.

Das Kinderbuch von Franziska Gehm, liebevoll illustriert von Franziska Harvey, verspricht auf den ersten Blick genau das, was Kinderherzen höherschlagen lässt: eine witzige Geschichte, schräge Figuren und jede Menge Situationskomik. Die Bilder sind lebendig, bunt und voller liebevoller Details - genau das Richtige, um Kinder in die Welt der Vulkanos eintauchen zu lassen.

Die Handlung dreht sich vor allem um die Freundschaft der beiden Hauptfiguren Krato und Flambia. Obwohl anfangs erwähnt wird, dass ihre Familien sich spinnefeind sein sollen, spielt das in der eigentlichen Geschichte keine Rolle. Ganz im Gegenteil: Ein älteres Familienmitglied gibt sogar den entscheidenden Anstoß zur ersten Problemlösung. Der Fokus liegt ganz klar auf Zusammenhalt und gegenseitiger Unterstützung - ein schönes Thema, das viele Kinder und Eltern anspricht.

Besonders charmant: Die Kapitelüberschriften geben kleine Hinweise auf das, was kommt, ohne zu viel zu verraten - ein cleverer Anreiz zum Weiterlesen.

Meine Tochter hatte keine Schwierigkeiten mit dem Schriftsatz. Die Schriftgröße ist angenehm, allerdings ist der Textumfang für absolute Leseanfänger möglicherweise etwas herausfordernd. Wer jedoch bereits erste Leseerfahrungen gesammelt hat - etwa ab Ende der 1. oder in der 2. Klasse - wird hier vermutlich keine Probleme haben. Kinder, die gerne lesen oder vorgelesen bekommen, werden ihren Spaß haben.

Beim gemeinsamen Lesen mussten wir mehr als einmal laut lachen! Der Humor ist kindgerecht und hat genau den Nerv meiner kleinen Leseratte getroffen.

Für manche Eltern könnte das Pups-Thema sehr präsent sein - vielleicht zu präsent. Für uns war es genau richtig: ein humorvoller, aber nicht übertriebener Umgang mit einem Thema, das Kinder nun einmal fasziniert.

„Die Vulkanos pupsen los!“ überzeugt mit Witz, Herz und einer wunderbaren Botschaft über Freundschaft. Das Kinderbuch unterhält und gibt auch kleine Denkanstöße - ohne belehrend zu sein. Für uns ein tolles Vorlese- oder Erstlesebuch mit viel Charme.

Wir hatten ein pupsiges Vergnügen!

©2025 Mademoiselle Cake