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Veröffentlicht am 01.10.2025

Ein Ort, zwei Welten

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Winter 1938: Mitten in den ausgedehnten nordschwedischen Wäldern arbeitet die siebzehnjährige Siv in einer Hütte als Köchin für eine Gruppe von Waldarbeitern. Zunächst ist sie unsicher und panisch angesichts ...

Winter 1938: Mitten in den ausgedehnten nordschwedischen Wäldern arbeitet die siebzehnjährige Siv in einer Hütte als Köchin für eine Gruppe von Waldarbeitern. Zunächst ist sie unsicher und panisch angesichts der beengten Wohnsituation, aber bald gewinnt sie an Selbstbewusstsein und genießt die Freiheit, die ihr dieses Leben ermöglicht. Als sie einen jungen Sami, Nila, kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn, doch beiden ist klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Zu spät merkt sie, dass ihre Liebe nicht ohne Folgen blieb.
Im Jahr 2022 macht sich Sivs Enkelin Eva auf den Weg ins Dorf ihrer Kindheit. Sie kommt im Auftrag eines forstwirtschaftlichen Unternehmens, das von einem Kunden mit der Abholzung eines alten Waldstücks beauftragt wurde. Als Beraterin ist ihre Aufgabe, zwischen dem Unternehmen und einer Gruppe von Aktivisten zu vermitteln, die vehement gegen die Zerstörung des alten Baumbestands protestiert. Dabei trifft sie auf Mattias, mit dem sie in ihrer Jugend eine kurze Affäre hatte. Dass Mattias‘ Tochter Fanny die Initiatorin der Protestbewegung ist, macht die Dinge nicht einfacher. Während des Aufenthalts in der alten Heimat sieht sich Eva nicht nur handfesten Bedrohungen ausgesetzt, sie findet auch Erstaunliches über ihre eigene Familiengeschichte heraus.
„Wo die Moltebeeren leuchten“ erzählt abwechselnd die Geschichte von Siv und Eva, wobei mich Sivs Geschichte mehr interessiert hat. Man erfährt, welcher Diskriminierung die ethnische Gruppe der Samen zu der damaligen Zeit ausgesetzt war. Ihr Land, das sie seit Jahrhunderten bewirtschafteten und auf dem ihre Rentierherden weideten, wurde von der Regierung an Siedler übergeben, sie wurden quasi enteignet. Das Buch zeigt den Spagat zwischen dem Bewahren von Naturschutzgebieten und den Erfordernissen der modernen Forstwirtschaft auf.
Evas Teil der Geschichte empfand ich als ein wenig zäh. Das Geheimnis, was mit ihrem Vater geschah, wurde nicht aufgelöst, sondern nur Andeutungen gemacht, es sei denn, ich habe etwas überlesen.
Die Lektüre war ganz okay, aber ich habe ziemlich lange dafür gebraucht, ein Zeichen, dass mich das Buch nicht wirklich fesseln konnte. Den angekündigten zweiten Teil werde ich wahrscheinlich nicht lesen.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Interessant, aber sehr bedrückend

Das Echo der Sommer
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Wie schon seit Jahrhunderten ziehen die schwedischen Samen als Nomadenvolk jedes Jahr zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und her. Als Inga dreizehn Jahre alt ist, kehrt sie mit ihrer Mutter ...

Wie schon seit Jahrhunderten ziehen die schwedischen Samen als Nomadenvolk jedes Jahr zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und her. Als Inga dreizehn Jahre alt ist, kehrt sie mit ihrer Mutter Ravdna und ihrer Tante Anne ins Sommerquartier zurück, nur um festzustellen, dass im Auftrag der Regierung der See, an dessen Ufer sie wohnen, weiter angestaut wurde und das ganze Dorf bereits halb unter Wasser steht. Begründet wird diese Maßnahme durch den erhöhten Energiebedarf des Landes und den Bau eines großen Kraftwerks. Die Samen wurden über die Maßnahme nicht einmal in Kenntnis gesetzt. Die Regierung hielt es nicht für notwendig, da ihnen der Grund und Boden nicht gehört und sie daher, so die offizielle Begründung, kein Anrecht darauf haben. Inga und ihre Familie bauen sich weiter oben in den Bergen eine neue Kote, die allerdings Jahre später ebenfalls mitsamt ihrem Besitz wieder geflutet wird. Insgesamt passiert dies vier Mal. Es ist kaum zu glauben, in welchem Ausmaß die Volksgruppe der Samen diskriminiert wurde. So war es ihnen auch verboten, viereckige Häuser zu besitzen, Fenster in ihre Koten einzubauen und an die Stromversorgung angeschlossen zu sein, für die sie so viel opferten.
Ich konnte im Übrigen nicht ganz nachvollziehen, wie gleichmütig die Samen dies alles hinnahmen und sich fast kein Aufstand regte. Erst ab dem Jahr 1972 erhielten sie für den Verlust ihrer Lebensgrundlage eine lächerlich kleine Entschädigungssumme.
„Das Echo der Sommer“ gibt einen guten Einblick in das traditionelle Leben der Samen und ihre tiefe Naturverbundenheit. Die Sprache des Buchs ist sehr poetisch, oft zu poetisch für meinen Geschmack. Es werden auch sehr viele Sätze und Begriffe in der samischen Sprache verwendet, ohne dass diese erklärt werden. Das hat mich ziemlich gestört, zumal kein Glossar vorhanden ist und nicht immer aus dem Zusammenhang hervorgeht, was gemeint ist. „Inga hatte Goasttemállasa zubereitet“, „Mon jáhkán“, sagte sie, woraufhin Heaikka Biette erleichtert „Na huff“ erwidert. Und so geht das in einem fort. Mich hat dies im Lesefluss gestört. Es ist mit Sicherheit ein wichtiges Buch, da es Missstände anprangert, die wenig bekannt sind, doch liest es sich stellenweise ziemlich zäh.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Surferparadies mit Schattenseiten

The Surf House
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Bea hat ihren Job als Model so satt, dass sie von heute auf morgen bei einem Shooting in Marrakesch alles hinschmeißt. Sie irrt durch die Gassen und wird prompt überfallen und bedroht. Zum Glück greift ...

Bea hat ihren Job als Model so satt, dass sie von heute auf morgen bei einem Shooting in Marrakesch alles hinschmeißt. Sie irrt durch die Gassen und wird prompt überfallen und bedroht. Zum Glück greift eine Passantin beherzt ein und bewahrt sie vor Schlimmerem. Doch Beas Rucksack mitsamt Pass sind weg. Ihre Retterin Marnie nimmt sie kurzerhand mit an die Küste, wo sie mit ihrem Partner ein Hotel für Surfer betreibt. Bea kommt es wie das reinste Paradies vor, wäre da nicht eine große Summe Geld, die sie schnellstmöglich auftreiben muss.
Eines Tages taucht der Amerikaner Seth auf, der auf der Suche nach seiner Schwester ist. Zuletzt wurde sie in Marnies Surf House gesehen. Bea hilft Seth bei der Suche nach Hinweisen auf Savannahs Verbleib und merkt schnell, dass es viele Ungereimtheiten gibt.
Mir hat das Setting des Romans sehr gut gefallen, das unbeschwerte Surferleben, die jungen Menschen aus aller Herren Länder, Abende am Lagerfeuer am Strand. Die ausführlichen Beschreibungen des Surfens waren auch interessant, das entsprechende Fachvokabular hätte ich allerdings nicht gebraucht. Auch Beas Schwärmen für den attraktiven Nachbarn („mir wurde heiß, als er meinen Namen sagte“) war mir manchmal etwas zu schwülstig. In der Mitte des Buchs plätschert die Story so vor sich hin und ich habe ein bisschen das Interesse verloren. Zum Glück wird es dann wieder spannender und endet in einem rasanten Showdown, bei dem alle losen Enden miteinander verknüpft werden.
„The Surf House“ bietet gute Unterhaltung, Spannung und Lokalkolorit und ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 13.03.2025

Wie gut kennen wir unsere Familie wirklich?

Die Summe unserer Teile
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Die 23-jährige Lucy studiert Informatik und lebt mittlerweile in Berlin, wovon ihre Eltern nichts wissen. Ihre Mutter Daria arbeitet als Medizinerin in München. Als diese nach drei Jahren Funkstille Lucy ...

Die 23-jährige Lucy studiert Informatik und lebt mittlerweile in Berlin, wovon ihre Eltern nichts wissen. Ihre Mutter Daria arbeitet als Medizinerin in München. Als diese nach drei Jahren Funkstille Lucy in ihrer WG in München besuchen will, erfährt sie von Lucys ehemaligen Mitbewohnern von deren Umzug. Daraufhin schickt Daria einen riesigen Steinway-Flügel an Lucys neue Adresse in Berlin. Lucy hasst diesen Flügel, da sie als Kind ständig darauf üben musste. Als Absender der Sendung ist der Nachname ihrer verstorbenen Großmutter angegeben, die in Polen geboren wurde und als junge Frau in den Libanon auswanderte. Lucy hat ihre Großmutter Liudmyla nie kennengelernt und beschließt spontan, auf den Spuren der Großmutter nach Polen zu reisen. Auch Daria und ihre Mutter Liudmyla waren entfremdet und hatten sich nach Lucys Geburt nur noch ein einziges Mal gesehen. Im Laufe der Geschichte stellt sich heraus, dass die Mütter ihren Töchtern so manche wichtige Information vorenthalten haben, die für das gegenseitige Verständnis von großer Bedeutung gewesen wäre.
Das Buch liest sich gut und flüssig, doch manches hat sich mir nicht erschlossen, zum Beispiel, warum Lucy den Flügel geschickt bekam. Die Mutter konnte sich doch denken, dass in einem WG-Zimmer kein Platz für einen monströsen Konzertflügel ist. Warum sie ihren Mädchennamen Krawczyk als Absender angegeben hat, wird auch nicht erklärt. Wollte die Mutter, dass Lucy sich mit ihrer Herkunft auseinandersetzt? Außerdem ist mir nicht klar, was eigentlich passiert ist, dass Lucy den Kontakt zu ihren Eltern ganz abgebrochen hat.
Es war interessant, über den Werdegang der drei Frauen zu lesen. Als Leser weiß man sehr viel mehr über Großmutter Liudmyla als Lucy und Daria. Die Schwierigkeit, mit der eigenen Tochter zu kommunizieren und eine enge Verbindung aufzubauen, scheint von Generation zu Generation vererbt worden zu sein. Die auf der Rückseite des Covers zitierte Meinung, dass der Roman „verkrustete Glaubenssätze über Mutterschaft aufkratzt“, finde ich allerdings weit hergeholt und nicht nachvollziehbar. Das Ende des Romans empfand ich als ziemlich unbefriedigend. Ein offener Schluss, der den Verdacht nahelegt, dass die Autorin nicht wusste, wie sie die Geschichte zu Ende bringen soll. Somit hinterlässt die Lektüre, die mir im Großen und Ganzen gut gefallen hat, einen etwas schalen Nachgeschmack.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Ein Dibbuk im Familiengetriebe

Die Fletchers von Long Island
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Dieser Roman handelt von der schwerreichen jüdischen Unternehmerfamilie Fletcher, die ein riesiges Anwesen auf Long Island besitzt. Eines Tages wird der Fabrikbesitzer Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt ...

Dieser Roman handelt von der schwerreichen jüdischen Unternehmerfamilie Fletcher, die ein riesiges Anwesen auf Long Island besitzt. Eines Tages wird der Fabrikbesitzer Carl auf dem Weg zur Arbeit entführt und erst Tage später nach Zahlung eines hohen Lösegelds freigelassen. Danach ist nichts mehr für die Familie, wie es war. Carl ist ein psychisches Wrack und die Entführung hat Auswirkungen auf die gesamte Familie. Nathan, der ältere Sohn, ist auch als Erwachsener krankhaft ängstlich und gibt diese Angst an seine Kinder weiter. Der jüngere Sohn Bernard, genannt Beamer, ist ein erfolgloser Drehbuchautor, dessen Drehbücher immer nur von Entführungen (mit den abstrusesten Plots) handeln. Auch Jenny, die zum Zeitpunkt der Entführung noch gar nicht geboren war, leidet indirekt unter ihren Folgen und dem lieblosen Elternhaus, denn der Vater ist nicht in der Lage, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, während Mutter Ruth sich mehr um das Wohl ihres Ehemanns Carl sorgt als um das ihrer Kinder.
Im ersten Drittel des Buchs geht es vor allem um Beamer und dessen seltsame sexuellen Perversionen sowie seinen Drogenkonsum. Ich muss zugeben, dass ich hier teils abgestoßen, teils gelangweilt war und das Buch mit Sicherheit aus der Hand gelegt hätte, wäre es nicht ein Rezensionsexemplar gewesen. So widmet die Autorin eine ganze Seite der Zusammensetzung eines Drogencocktails: …“Falls es kein Coke Zero gab, ging auch ein Mountain High Turbo Charge Blue oder ein Bombinator Leaded Super Freeze Orange Explosion (…), aber nicht Bolt Fahrenheit 1000 Blue-Strawberry Band Rainbow…“ usw. Alles klar? Überhaupt verliert sich die Autorin oft in quälend ausführlichen Detailbeschreibungen, zum Beispiel auch wenn es an späterer Stelle um Nathans Beruf als Anwalt für Bodenrecht geht und tödlich langweilige Bodenrechtsbestimmungen genüsslich aufgelistet werden. Trotzdem lohnt es sich durchzuhalten, denn alles in allem ist der Roman durchaus trotz einiger Schwächen lesenswert. Man blickt hinter die Kulissen dieser Familie, die zwar stinkreich, aber doch scheinbar vom Pech verfolgt scheint. Ein Dibbuk, ein böser Geist, scheint die Geschicke der Familie Fletcher zu leiten. Allerdings ist es alles andere als ein einfach zu lesendes Buch, denn interessante Passagen wechseln sich mit fürchterlich in die Länge gezogenen Beschreibungen und Schachtelsätzen ab, die man mehrmals lesen muss, um ihren Sinn auch nur ansatzweise zu erfassen. 3,5 von 5 Sternen, aufgerundet auf wohlwollende 4 Sterne.

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