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Veröffentlicht am 28.11.2025

Vererbte Traumata

Das Flüstern der Marsch
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Mona fährt zu ihren Großeltern in die Marsch, ihre alte Heimat, um den 80. Geburtstag ihres Opas Karl zu feiern, nur um festzustellen, dass ihre Großmutter Annemie verschwunden ist. Karl ist erstaunlich ...

Mona fährt zu ihren Großeltern in die Marsch, ihre alte Heimat, um den 80. Geburtstag ihres Opas Karl zu feiern, nur um festzustellen, dass ihre Großmutter Annemie verschwunden ist. Karl ist erstaunlich gelassen und geht davon aus, dass Annemie schon irgendwann wieder auftauchen wird. Mona macht sich Sorgen und spricht mit einer alten Freundin ihrer Oma, die Andeutungen macht, dass die Ehe der Großeltern vielleicht nicht ganz so harmonisch war wie angenommen. Außerdem findet Mona ein Babyfoto, das weder ihre Mutter, noch deren zwei Brüder zeigt. Welches Geheimnis hat Annemie gehütet?
Mona selbst hat ebenfalls Geheimnisse. Sie ist schwanger, der Vater des Kindes, den sie nicht liebt, ist gerade ins Ausland gezogen und sie weiß nicht, ob sie das Kind überhaupt bekommen will. Zum Glück trifft sie auf einen Freund aus ihrer Kindheit, mit dem sie sich immer noch gut versteht und über alles reden kann.
Diese Familiengeschichte wird in kurzen Kapiteln und aus wechselnden Perspektiven erzählt. Eigentlich mag ich Perspektivwechsel in Büchern ganz gern, hier waren die Kapitel aber so kurz, dass es den Lesefluss gehemmt hat. Immer, wenn ich Interesse für eine der erzählenden Personen entwickelt habe, kam schon die nächste wieder zu Wort. Lange weiß man nicht, wie Freya, eine der Erzählerinnen, in die Geschichte passt. Was mich auch ein wenig genervt hat, war die sehr norddeutsch geprägte Sprache. Ich weiß nicht, was die Wörter gienen, luschern und Bagalut bedeuten und ich finde es mühsam, in einem Buch, das in meiner Muttersprache geschrieben ist, Wörter nachzuschlagen.
Ich fand „Das Flüstern der Marsch“ nicht schlecht, aber ich habe bestimmt zwei Wochen fürs Lesen gebraucht, ein klarer Indikator, dass das Buch mich nicht sonderlich gefesselt hat.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Leichen pflastern ihren Weg

Düsteres Tal
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Die ehemalige Finanzministerin Clara Lofthus hat die letzten Jahre in Nairobi verbracht und sich um den Aufbau einer Schule gekümmert. Als es dort zu einem Anschlag kommt, verlässt sie das Land wieder ...

Die ehemalige Finanzministerin Clara Lofthus hat die letzten Jahre in Nairobi verbracht und sich um den Aufbau einer Schule gekümmert. Als es dort zu einem Anschlag kommt, verlässt sie das Land wieder und kehrt in ihre norwegische Heimat zurück. Ihr Partner Axel, der beste Freund ihres verstorbenen Ehemanns, und die beiden Söhne sind froh darüber, allerdings trifft sie die Entscheidung über ihre Köpfe hinweg. In diesem dritten Band der Reihe verhält sie sich noch rücksichtsloser und unsympathischer als in den beiden Vorgängerbänden und es wundert mich, dass sie in Talkshows einen sympathischen Eindruck macht. Das Medieninteresse an ihr ist groß, denn bei dem Anschlag in Kenia hatte sie vielen Kindern das Leben gerettet. Ihr wird erneut der Posten als Finanzministerin angeboten. Kaum hat sie sich entschieden, die Stelle anzunehmen, wird die Leiche einer Frau gefunden, die Clara auf dem Gewissen hat. Ein Journalist, der ohnehin vorhatte, den Fall der vor Jahren verschwundenen Sabiya zu recherchieren, will in diesem Zusammenhang auch Clara ins Visier nehmen, was der neu ernannten Ministerin ganz und gar nicht passt…
„Düsteres Tal“ ist der dritte Teil einer Trilogie um eine machthungrige und rachsüchtige Frau, die über Leichen geht. Für Leser, die die beiden Vorgängerbände nicht kennen, werden die Details von Claras früheren Morden noch einmal aufgerollt. Einerseits war ich froh darüber, da ich die Bücher zwar gelesen habe, mich aber auch nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern konnte, andererseits war es auch ein wenig ermüdend, so ausführlich über die Vergangenheit zu lesen. Auch in „Düsteres Tal“ räumt Clara Menschen, die ihr gefährlich werden könnten, aus dem Weg, mit einem davon hätte ich ganz und gar nicht gerechnet. Aufgrund der kurzen Kapitel, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt werden, lässt sich das Buch schnell und flüssig lesen, doch so richtig spannend ist es nur selten. Es endet mit einem offenen Schluss, was die Vermutung nahelegt, dass der Trilogie womöglich noch ein weiterer Band folgt.

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Veröffentlicht am 01.10.2025

Ein Ort, zwei Welten

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Winter 1938: Mitten in den ausgedehnten nordschwedischen Wäldern arbeitet die siebzehnjährige Siv in einer Hütte als Köchin für eine Gruppe von Waldarbeitern. Zunächst ist sie unsicher und panisch angesichts ...

Winter 1938: Mitten in den ausgedehnten nordschwedischen Wäldern arbeitet die siebzehnjährige Siv in einer Hütte als Köchin für eine Gruppe von Waldarbeitern. Zunächst ist sie unsicher und panisch angesichts der beengten Wohnsituation, aber bald gewinnt sie an Selbstbewusstsein und genießt die Freiheit, die ihr dieses Leben ermöglicht. Als sie einen jungen Sami, Nila, kennenlernt, verliebt sie sich Hals über Kopf in ihn, doch beiden ist klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft hat. Zu spät merkt sie, dass ihre Liebe nicht ohne Folgen blieb.
Im Jahr 2022 macht sich Sivs Enkelin Eva auf den Weg ins Dorf ihrer Kindheit. Sie kommt im Auftrag eines forstwirtschaftlichen Unternehmens, das von einem Kunden mit der Abholzung eines alten Waldstücks beauftragt wurde. Als Beraterin ist ihre Aufgabe, zwischen dem Unternehmen und einer Gruppe von Aktivisten zu vermitteln, die vehement gegen die Zerstörung des alten Baumbestands protestiert. Dabei trifft sie auf Mattias, mit dem sie in ihrer Jugend eine kurze Affäre hatte. Dass Mattias‘ Tochter Fanny die Initiatorin der Protestbewegung ist, macht die Dinge nicht einfacher. Während des Aufenthalts in der alten Heimat sieht sich Eva nicht nur handfesten Bedrohungen ausgesetzt, sie findet auch Erstaunliches über ihre eigene Familiengeschichte heraus.
„Wo die Moltebeeren leuchten“ erzählt abwechselnd die Geschichte von Siv und Eva, wobei mich Sivs Geschichte mehr interessiert hat. Man erfährt, welcher Diskriminierung die ethnische Gruppe der Samen zu der damaligen Zeit ausgesetzt war. Ihr Land, das sie seit Jahrhunderten bewirtschafteten und auf dem ihre Rentierherden weideten, wurde von der Regierung an Siedler übergeben, sie wurden quasi enteignet. Das Buch zeigt den Spagat zwischen dem Bewahren von Naturschutzgebieten und den Erfordernissen der modernen Forstwirtschaft auf.
Evas Teil der Geschichte empfand ich als ein wenig zäh. Das Geheimnis, was mit ihrem Vater geschah, wurde nicht aufgelöst, sondern nur Andeutungen gemacht, es sei denn, ich habe etwas überlesen.
Die Lektüre war ganz okay, aber ich habe ziemlich lange dafür gebraucht, ein Zeichen, dass mich das Buch nicht wirklich fesseln konnte. Den angekündigten zweiten Teil werde ich wahrscheinlich nicht lesen.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Interessant, aber sehr bedrückend

Das Echo der Sommer
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Wie schon seit Jahrhunderten ziehen die schwedischen Samen als Nomadenvolk jedes Jahr zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und her. Als Inga dreizehn Jahre alt ist, kehrt sie mit ihrer Mutter ...

Wie schon seit Jahrhunderten ziehen die schwedischen Samen als Nomadenvolk jedes Jahr zwischen ihren Sommer- und Winterquartieren hin und her. Als Inga dreizehn Jahre alt ist, kehrt sie mit ihrer Mutter Ravdna und ihrer Tante Anne ins Sommerquartier zurück, nur um festzustellen, dass im Auftrag der Regierung der See, an dessen Ufer sie wohnen, weiter angestaut wurde und das ganze Dorf bereits halb unter Wasser steht. Begründet wird diese Maßnahme durch den erhöhten Energiebedarf des Landes und den Bau eines großen Kraftwerks. Die Samen wurden über die Maßnahme nicht einmal in Kenntnis gesetzt. Die Regierung hielt es nicht für notwendig, da ihnen der Grund und Boden nicht gehört und sie daher, so die offizielle Begründung, kein Anrecht darauf haben. Inga und ihre Familie bauen sich weiter oben in den Bergen eine neue Kote, die allerdings Jahre später ebenfalls mitsamt ihrem Besitz wieder geflutet wird. Insgesamt passiert dies vier Mal. Es ist kaum zu glauben, in welchem Ausmaß die Volksgruppe der Samen diskriminiert wurde. So war es ihnen auch verboten, viereckige Häuser zu besitzen, Fenster in ihre Koten einzubauen und an die Stromversorgung angeschlossen zu sein, für die sie so viel opferten.
Ich konnte im Übrigen nicht ganz nachvollziehen, wie gleichmütig die Samen dies alles hinnahmen und sich fast kein Aufstand regte. Erst ab dem Jahr 1972 erhielten sie für den Verlust ihrer Lebensgrundlage eine lächerlich kleine Entschädigungssumme.
„Das Echo der Sommer“ gibt einen guten Einblick in das traditionelle Leben der Samen und ihre tiefe Naturverbundenheit. Die Sprache des Buchs ist sehr poetisch, oft zu poetisch für meinen Geschmack. Es werden auch sehr viele Sätze und Begriffe in der samischen Sprache verwendet, ohne dass diese erklärt werden. Das hat mich ziemlich gestört, zumal kein Glossar vorhanden ist und nicht immer aus dem Zusammenhang hervorgeht, was gemeint ist. „Inga hatte Goasttemállasa zubereitet“, „Mon jáhkán“, sagte sie, woraufhin Heaikka Biette erleichtert „Na huff“ erwidert. Und so geht das in einem fort. Mich hat dies im Lesefluss gestört. Es ist mit Sicherheit ein wichtiges Buch, da es Missstände anprangert, die wenig bekannt sind, doch liest es sich stellenweise ziemlich zäh.

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Veröffentlicht am 12.04.2025

Surferparadies mit Schattenseiten

The Surf House
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Bea hat ihren Job als Model so satt, dass sie von heute auf morgen bei einem Shooting in Marrakesch alles hinschmeißt. Sie irrt durch die Gassen und wird prompt überfallen und bedroht. Zum Glück greift ...

Bea hat ihren Job als Model so satt, dass sie von heute auf morgen bei einem Shooting in Marrakesch alles hinschmeißt. Sie irrt durch die Gassen und wird prompt überfallen und bedroht. Zum Glück greift eine Passantin beherzt ein und bewahrt sie vor Schlimmerem. Doch Beas Rucksack mitsamt Pass sind weg. Ihre Retterin Marnie nimmt sie kurzerhand mit an die Küste, wo sie mit ihrem Partner ein Hotel für Surfer betreibt. Bea kommt es wie das reinste Paradies vor, wäre da nicht eine große Summe Geld, die sie schnellstmöglich auftreiben muss.
Eines Tages taucht der Amerikaner Seth auf, der auf der Suche nach seiner Schwester ist. Zuletzt wurde sie in Marnies Surf House gesehen. Bea hilft Seth bei der Suche nach Hinweisen auf Savannahs Verbleib und merkt schnell, dass es viele Ungereimtheiten gibt.
Mir hat das Setting des Romans sehr gut gefallen, das unbeschwerte Surferleben, die jungen Menschen aus aller Herren Länder, Abende am Lagerfeuer am Strand. Die ausführlichen Beschreibungen des Surfens waren auch interessant, das entsprechende Fachvokabular hätte ich allerdings nicht gebraucht. Auch Beas Schwärmen für den attraktiven Nachbarn („mir wurde heiß, als er meinen Namen sagte“) war mir manchmal etwas zu schwülstig. In der Mitte des Buchs plätschert die Story so vor sich hin und ich habe ein bisschen das Interesse verloren. Zum Glück wird es dann wieder spannender und endet in einem rasanten Showdown, bei dem alle losen Enden miteinander verknüpft werden.
„The Surf House“ bietet gute Unterhaltung, Spannung und Lokalkolorit und ich vergebe 4 von 5 Sternen.

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