Profilbild von Jumari

Jumari

Lesejury Star
offline

Jumari ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jumari über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.06.2025

Éléonora verdient etwas mehr Glück

Ein Sommer in Salerno
0

Die Protagonistin Éléonora ist von ihren Gefühle hin- und hergerissen, als Putzfrau verdient sie zu wenig, um sich und den Kindern ein himmlisches Leben zu ermöglichen, obwohl sie im himmlischen Salerno ...

Die Protagonistin Éléonora ist von ihren Gefühle hin- und hergerissen, als Putzfrau verdient sie zu wenig, um sich und den Kindern ein himmlisches Leben zu ermöglichen, obwohl sie im himmlischen Salerno lebt. Warum sie "nur" als Putzfrau arbeitet, weiß ich nicht genau, aber dass sie außer Liebeskummer noch andere Talente hat, das merkt man bald. Das Verhältnis zu ihren Kindern könnte so manchen neidisch machen, der glaubt, Kinder brauchen nur ihre tägliche Ration Geschenke, um glücklich zu sein. Dass sie sich der jungen Laura, einer Freundin ihrer Zwillinge, annimmt, obwohl sie selbst in Tränen zerfließt wegen ihrer gescheiterten Liebesbeziehung, das finde ich ganz wunderbar. Genauso bezaubernd ist die kleine Freundschaft zur alten Kundin Geraldina, die sogar auf die Kinder überspringt. Das hat mich berührt, besonders, weil die echten Großeltern von Éléonoras Seite überhaupt kein Interesse an einer Begegnung hatten oder haben. Éléonora ist trotzdem in Liebesdingen recht unbedarft, ihr geschiedener Mann sticht als guter Mensch aus der Masse heraus, aber sie erwählt einen verheirateten Mann und verzehrt sich unsinnig und ewig nach ihm trotz der von ihr initiierten Trennung. Aus Fehlern lernt sie leider nicht so schnell. Dass Éléonoras Kunden auch nicht alle ein edles Verhalten an den Tag legen und eine Putzfrau so mancher als Putzlappen ansieht, ist die negative Seite ihrer Berufstätigkeit. Manch einer oder einem hätte sie vielleicht ganz gern mal den Lappen um die Ohren gehauen, aber sie trägts mit Fassung und hat sogar noch kleine Erziehungserfolge zu vermelden..

Ich hatte einen etwas fröhlicheren Sommerroman aus Salerno erwartet, in diesem flossen mir zu viele vergebliche Tränen. Aber schon Kurt Tucholsky schrieb "Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abjeblendt." - deshalb verrate ich über den Verlauf und das Ende der Geschichte auch nicht noch mehr.

Fazit: ein kleiner Roman, der sich schnell liest und der mit einer sehr zu Herzen gehenden Danksagung endet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2025

Frau Thomas Mann macht Ärger

Unheimliche Gesellschaft
0

Nach „Gefährliche Betrachtungen“ hat Tilo Eckardt nun einen Folgeband seines Thomas-Mann-Krimis geschrieben. Der Ich-Erzähler Žydrūnas Miuleris alias Müller soll dem berühmten Autor aus der Patsche helfen, ...

Nach „Gefährliche Betrachtungen“ hat Tilo Eckardt nun einen Folgeband seines Thomas-Mann-Krimis geschrieben. Der Ich-Erzähler Žydrūnas Miuleris alias Müller soll dem berühmten Autor aus der Patsche helfen, seine Ehefrau Katia wurde in einen läppischen Verkehrsunfall verwickelt und soll vor Gericht. Das erfährt Müller aber erst, als er den langen Weg von Nidden an der Ostsee bis ins Schweizer Idyll Küssnacht vollbracht hat, das mittlerweile Thomas Manns Exilwohnort geworden ist.
Eine „Bleibe“, wie er betont, kein Zuhause, man schreibt das Jahr 1933. Nach der Machtübernahme Hitlers in Deutschland konnte Mann mit seiner Frau von einer Vortragsreise nicht mehr nach München zurückkehren, nun versucht er eher schlecht als recht mit den Exilgegebenheiten klarzukommen. Die rasante Fahrweise seiner Ehefrau, noch dazu ohne Führerschein bedroht nun aber das Bleiben. Und Mann fiel nichts Besseres ein, als Müller um sein Kommen und um Hilfe zu bitten. Dieser nimmt den Hund seiner abgebrannten Wirtin Bryl mit und begibt sich in ein weiteres Abenteuer.
Tilo Eckardt beschreibt ausführlich die umständlichen Versuche, das Rätsel des Unfalls und des dabei Verletzten zu entschlüsseln, ganz im Stile Thomas Manns.
Der unterdessen uralte Žydrūnas Miuleris alias Müller erzählt die ganze Geschichte seinem Enkel, der ihn bisweilen mit Zwischenfragen nervt. Ganz zum Ende wird er durch einen Traum an Erika Manns Auftritt mit der Pfeffermühle erinnert, die das Bedrohliche der deutschen Heimat, die für sie und ihre Familie Feindesland geworden war, besingt:
»Bei mir daheim im Lügenland
Darf keiner mehr die Wahrheit reden,
Ein buntes Netz von Lügenfäden
Hält unser großes Reich umspannt.«
Wie Müller Frau Katia Mann aus der Affäre zieht und was er dabei herausfindet, werde ich hier nicht spoilern.

Fazit: Eher ein fiktionaler historischer Roman im Stile Thomas Manns, als ein spannender Krimi, aber wieder unterhaltsam.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2025

Französisch ist seine Spezialität

Sputnik
0

Christian Berkel, bekannt durchs Schauspiel, Fernsehen, Filme und bei mir seit rund 20 Jahren besonders durch Hörbücher beliebt, versucht sich an einer Autobiographie. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, ...

Christian Berkel, bekannt durchs Schauspiel, Fernsehen, Filme und bei mir seit rund 20 Jahren besonders durch Hörbücher beliebt, versucht sich an einer Autobiographie. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, das neue Hörbuch mit etwas Mühe zu Ende gehört. Seine teilweise auch biografischen Romane Der Apfelbaum und Ada hatten mir wesentlich besser gefallen.
Der Spitzname Sputnik geht auf den ersten von den Sowjets ins All geschickten Satelliten zurück. Berkel beginnt aber weit vor seiner Geburt, noch im Bauch seiner Mutter, dem Hörer/Leser über seine schwierige Kindheit und Jugend und die problematische Beziehung zu seiner Mutter zu berichten. Die zum Vater ist auf andere Art nicht weniger konfliktreich. Man hört sich durch all seine Kinder- und feuchten Jugendträume und hofft als Außenstehender bisweilen nur, dass er endlich zum Punkt kommt. Man begleitet ihr auf seine Reise nach Paris, die doch etwas länger als gedacht, mit einer enttäuschten Heimkehr endet. Er muss feststellen, dass auch sein exzellentes Französisch nicht ausreicht, um ihn zu einem Bühnenstar der Comédie française zu machen. Wobei mich die betont exaltiert gesprochenen französischen Passagen im Buch doch arg genervt haben. Beim Lesen des E-Books wäre es ja ein Leichtes, sich schnell die Übersetzung anzeigen zu lassen, im Hörbuch plätschert der Text so schnell vorüber, dass ich nicht alles verstehen konnte. Und nicht alles wurde, zumindest sinngemäß, auch übersetzt. Zumindest bekommt man einen Eindruck von der Stadt Paris in den späten 1960er Jahren, die Lebensentwürfe seiner neuen Freunde dort sind dann doch andere, als er sie in Berlin kennenlernte.
Berkel berichtet die tragische Lebensgeschichte seiner Mutter, die wegen ihrer jüdischen Abstammung in Frankreich verhaftet und im Lager Gurs gefangen gehalten wurde, nach dem Krieg aber nach Argentinien auswandern konnte und dort auch mit ihrer Tochter Ada lebte, ehe sie zurück nach Berlin übersiedelte. Der Holocaust aber bleibt ihr Trauma. Als Anfang 1979 die Fernsehserie Holocaust auch in die (west)-deutschen Wohnzimmer eindrang, war Berkel erst 21 Jahre. Zu dieser Zeit endet auch sein autobiografischer Bericht.
Fazit: Berkel gelingt es mit seiner Stimme, den Hörer zu faszinieren und bei der Stange zu halten. Über die Längen und Untiefen im Buch tröstet er damit hinweg.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2025

Verbrechen im Urlaubsparadies Mallorca

Das Teufelshorn
0

Ich bin mindestens so sehr Mallorca- wie Krimifan, das Cover und die Vorankündigung lockte mich sofort. Anna Nicholas hat The Devil’s Horn schon 2019 geschrieben, jetzt hat der Diogenes Verlag es in sein ...

Ich bin mindestens so sehr Mallorca- wie Krimifan, das Cover und die Vorankündigung lockte mich sofort. Anna Nicholas hat The Devil’s Horn schon 2019 geschrieben, jetzt hat der Diogenes Verlag es in sein Programm aufgenommen. Aus meiner Sicht erfüllt Das Teufelshorn nicht ganz die aus meiner Sicht recht hohen Ansprüche, aber es ist ein Krimi, der zur Unterhaltung beiträgt und mir insgesamt gut gefallen hat.
Die Erzählweise entsprach zuerst eher einer leichten Regionalstory mit viele Personen, die vorgestellt wurden und mit vielen Beschreibungen von Land und Leuten, Natur und Meer, Essen und Trinken, Liebe und Leidenschaften fehlen auch nicht. Erst langsam wurde ein Krimi daraus, der mit Verbrechen aller Art regelrecht gespickt wurde. Nach dem Verschwinden eines kleinen Mädchens wird die Hauptperson, Isabel Flores, die sich aus dem Polizeidienst verabschiedet hat, als unterstützende Ermittlerin auf die Fährte der Entführer geschickt. Polizeichef Tolo Cabot, mit dem sie eng befreundet ist, braucht aber bald noch mehr Hilfe bei der Verbrecherjagd. Es geschieht ein bizarrer Mord an einem alten Mann, der offensichtlich mit der vermutlichen Kindesentführung nichts zu tun hat, der aber auf ganz andere Weise den kleinen Ort bewegt. Für Abwechslung sorgen Isabels Haustier, ein Frettchen namens Furó, und ihr Auto mit dem Namen Pequeñito. Auch die anderen Protagonisten sind liebevoll beschrieben und man hat das ganze Dorf vor Augen, wenn man von ihnen liest. So auch vom „Wiesel“, das mit Knöllchen droht, sogar den Einheimischen, wie Isabel total entsetzt feststellt.
Isabels Mutter unterhält einige Ferienwohnungen und Isabel ist auch hier eine unerlässliche Hilfe. Dass es bei den Feriengästen nicht immer mit rechten Dingen zugeht, wird sich erst später zeigen. Der Krimi verfängt sich ein wenig in seiner eigenen Geschichte, Drogen sind im Spiel, von Diamanten ist die Rede, am Teufelshorn geht es auch nicht mit rechten Dingen zu usw. Der erste Fall von Isabel sind so gesehen zwei oder drei, hinzu kommt das mysteriöse Verschwinden ihres Onkels.
Ich habe immer abwechselnd, je nachdem, wo ich war, gelesen oder gehört. Das Buch liest sich leicht und schnell, da ich leider nicht Spanisch kann, sind die spanischen Ausdrücke für mich eher Beiwerk. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich lieber das Buch lesen, aber nun bin ich mit beidem fertig.

Gute drei Sterne!

Fazit: Ein Krimi für den heißen Strand, der gute neun Stunden Unterhaltung bietet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2025

Verlorene Liebesmüh'

Verlorene Provence
0

Internationaler Filmdreh in der Provence! Das lässt nicht nur den Ex-Commissaire Albin Leclerc aufhorchen. Auch sein Hündchen Mike Tyson, kurz nur Tyson genannt, wedelt schon ganz aufgeregt mit dem Schwänzchen. ...

Internationaler Filmdreh in der Provence! Das lässt nicht nur den Ex-Commissaire Albin Leclerc aufhorchen. Auch sein Hündchen Mike Tyson, kurz nur Tyson genannt, wedelt schon ganz aufgeregt mit dem Schwänzchen. Erschossen wird mit einem Gewehr aus der Requisite der berühmteste der Darsteller des neuen Remakes ... von einer hilfsweise beauftragten Nebendarstellerin, der es auch gleich noch fast das Herz bricht. Der schöne Darsteller mit dem Namen Brad Stone, der wohl ein Wiedergänger von Brad Pitt sein soll, hatte noch erfreut nach dem Schuss gerufen, schon lag er tot auf der Matte. Dass durch diesen Unfall die Region völlig aus dem Häuschen gerät, einschließlich der prekären Verkehrslage, kann man sich vorstellen. Leclerc wird als Hilfsermittler und Berater engagiert, was ihr natürlich riesig freut. Mir war das Ganze etwas langatmig beschrieben und die Umstände wurden zu Beginn so oft wiederholt, dass ich schon vermutet habe, ich hätte versehentlich die Seiten zweimal gelesen. Wie Leclerc und Tyson behilflich sein werden, um herauszufinden, ob Absicht oder Fahrlässigkeit den Todesfall verursacht haben, ist dann eine längere Geschichte.
Fazit: Der Leser wird nett unterhalten von Leclerc und Tyson, aber ein totales Highlight war der Krimi für mich nicht.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere