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Veröffentlicht am 03.08.2025

Unlicht

Katzen, die wir auf unserem Weg trafen
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"Sie dachte an Feuer und Rauch, an Wellen und daran, wie die Erde zerbarst und sich verzweifelt bewegte. Sie dachte über Unlicht nach. Sie war wütend, so, so wütend."

Der 17jährigen Aisha und ...

"Sie dachte an Feuer und Rauch, an Wellen und daran, wie die Erde zerbarst und sich verzweifelt bewegte. Sie dachte über Unlicht nach. Sie war wütend, so, so wütend."

Der 17jährigen Aisha und ihrem Freund Walter bleiben weniger als ein Jahr bis zum Ende der Welt. Dann wird ein Meteorit die Erde treffen. Doch selbst angesichts dieser drohenden Apokalypse stehen für Menschen ihre privaten Tragödien im Vordergrund, vielleicht umso drängender. Vor Jahren hat Aishas ältere Schwester June die Familie spurlos verlassen. Kann es noch ein Wiedersehen geben?

Durch den Titel spielt das Buch unwillkürlich mit den Erwartungen von Katzenfreunden, dass man hier auf einige Katzenpersönlichkeiten treffen wird. Vor jedem Kapitel präsentiert sich auch eine hübsche Zeichnung von Flohsack, dem Streunerkater, der Aisha und ihre Mitreisenden auf der Suche nach June begleitet. Diese Bilder finden sich auch in der hinteren Innenklappe, was wirklich sehr hübsch gestaltet ist. Leider bleibt Flohsack aber die einzige Katze und spielt nur eine untergeordnete Rolle.

Der Roman konzentriert sich auf Aisha und ihre Familie, die zahlreiche Verluste zu verkraften hat sowie auf ihre wirklich sehr schön geschilderte Beziehung zu dem freundlichen Walter. Und darauf, wie man mit dem Wissen leben soll, dass alle Hoffnungen und Träume bald zu einem absoluten Ende kommen werden. Dass die Geschichte in Malaysia spielt, fällt manchmal verblüffenderweise kaum auf. Angesichts so bedrückender Themen bleibt auf gut 200 Seiten wenig Zeit für Atmosphäre.

Dennoch hat die Autorin eine berührende Geschichte geschaffen und trotz der mangelnden Zukunftsaussichten ein gelungenes Ende.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Auf der Suche nach Antworten

The Last One - Schicksalsberührt (Band 1)
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"Aber während ich zudrücke, flackert irgendetwas, vielleicht eine Erinnerung, in meinem Hinterkopf auf. Irgendjemand irgendwo hat mir einmal gesagt, dass ich zu schnell handle, zu schnell urteile, ...

"Aber während ich zudrücke, flackert irgendetwas, vielleicht eine Erinnerung, in meinem Hinterkopf auf. Irgendjemand irgendwo hat mir einmal gesagt, dass ich zu schnell handle, zu schnell urteile, zu ungeduldig bin, um die besten Entscheidungen zu treffen, dass ich sorgfältiger über die Konsequenzen nachdenken muss."

Kai erwacht orientierungslos in einer fremd erscheinenden Welt. Selbst ihren Namen und Worte muss sie erst wiederfinden. Als ihr eine Diebin auch noch ihre Kleidung und ihr Amulett stiehlt, verschlägt es sie in das von Krankheit und Verfall gezeichnete, feindselige Dorf Maford. Ausgerechnet die Diebin und ihr Bruder, der äußerst attraktive Schmied Jadon, nehmen sie auf. Auf der Suche nach Antworten warten auf Kai nicht nur Überraschungen, sondern auch jede Menge Gewalt...

Das Buch barg für mich Licht und Schatten. Zu Beginn zog mich die düstere Schilderung des Settings in seinen Bann. Andererseits fand ich die Ursache, warum Kai in Maford festgehalten wird, arg konstruiert und der Aufenthalt im müffelnden Maford zog sich recht lang hin. Die Suche nach Kais Identität hat mich gefesselt, aber weder Kai selbst noch Jadon oder die beiden als Paar konnten mich berühren. Zum Ende hin wurde es noch einmal spannend als Überleitung zum zweiten Teil der Dilogie. Insgesamt wieder einmal ein Buch, dessen Inhalt nicht ganz mit der Individualität des wunderschönen Farbschnitts mithalten kann.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Sinkendes Östrogen, steigende Leichenzahl

Morden in der Menopause mit dem richtigen Mindset
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"Ich kochte, und es war mir egal, ob es menopausal bedingt war oder nicht. Meine Wut war hormonunabhängig".

Liv, 48, Küchenplanerin, dreifache Mutter und eher zufällige Mörderin, steckt mitten in den ...

"Ich kochte, und es war mir egal, ob es menopausal bedingt war oder nicht. Meine Wut war hormonunabhängig".

Liv, 48, Küchenplanerin, dreifache Mutter und eher zufällige Mörderin, steckt mitten in den Wechseljahren. Da wird es frau nicht nur unversehens heiß, sondern die Gefühle können auch schnell mal überkochen. Das hatte schon im ersten Teil der Menopausen-Krimireihe fatale Konsequenzen. Liv würde nun gern ihr normales Leben einfach weiter führen. Aber die Ereignisse der Vergangenheit haben die fatale Neigung, nicht ruhen zu wollen...

Die Idee, die so lange nahezu totgeschwiegene Menopause zum Gegenstand von Krimis zu machen, finde ich wunderbar. Tine Dreyer hat viel Gespür für absurde Alltagssituationen, witzige Dialoge und Trendthemen. Wie Liv versucht, den entgleisenden Entwicklungen mit dem vielbeschworenen positiven Mindset zu begegnen, macht viel Spaß. Gefallen hat mir auch, dass mit Iza und Livs Schwiegermutter Marlies hier drei Frauengenerationen unfreiwillige partners in crime sind. Natürlich ist im Dienste des komischen Effekts manches etwas überzeichnet, aber es handelt sich eben um einen sehr kurzweiligen Roman, den ich an einem Tag durchgelesen habe.

Etwas schade fand ich nur, dass Liv selbst anscheinend noch gar nicht in der Menopause ist, da sie sich laut ihrem Mann Jörn mit ihm über ihre Periode unterhält. Was wieder zeigt, wie wichtig Aufklärung um alles rund um das Thema Wechseljahre ist.



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Veröffentlicht am 11.06.2025

Vom Schmerz berauscht

Dark Labyrinth – Gefährliches Verlangen
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"Zusammen bilden wir eine andere Gestalt, die über die Begrenzungen unserer selbst hinausgeht. Wir benutzen unsere Körper, um zu formen, was zwischen uns besteht."

Sadare und Daesra, Hexe und ...

"Zusammen bilden wir eine andere Gestalt, die über die Begrenzungen unserer selbst hinausgeht. Wir benutzen unsere Körper, um zu formen, was zwischen uns besteht."

Sadare und Daesra, Hexe und Dämon, erwachen in einem Labyrinth. Auf dem Weg hinaus sind sie eher Gegner als Verbündete. Zudem verfügt nur Daesra noch über seine Erinnerungen. Und natürlich gehört zu dem Labyrinth auch ein Monster...

Der Auftakt, in dem Sadare versucht, sich zurecht zu finden und sich dem verführerischen, gehörnten Daesra gegenüber sieht, hat mich schnell in seinen Bann gezogen. Der Rest der Story glich dann einem Wechselbad der Gefühle und wird zwangsläufig polarisieren. Denn Sadare ist berauscht von Schmerz und Erniedrigung. Ich persönlich möchte nicht lesen, wie eine Frau einen Mann um Schläge anbettelt und mache normalerweise um solche Bücher einen großen Bogen. Immerhin hat die Autorin diese Vorliebe raffiniert in die Geschichte integriert.

Die Atmosphäre ist fast kammerspielartig, da es kaum Nebenfiguren gibt. Die beiden einzigen sind allerdings wunderbar skurril.

Während Sadare ihre Erinnerungen wiederentdeckt, wird so viel geredet, dass man sich in einem französischen Film wähnt. Immerhin ist das Ende so überraschend und innovativ, dass es über manches hinwegtröstet. Da Frauen aber ohnehin so oft dass Nachsehen haben, wünsche ich mir stattdessen Bücher, in denen sie die Oberhand haben.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Welt hinter den Worten

Die Buchreisenden - Ein Weg aus Tinte und Magie
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"Buchreisen durften nie lange dauern. Das Risiko, sich zu weit vom Haupterzählstrang zu entfernen, war ebenso groß wie das, ihm zu nahe zu kommen... Und es war ein Risiko, sich immer tiefer in eine Erzählung ...

"Buchreisen durften nie lange dauern. Das Risiko, sich zu weit vom Haupterzählstrang zu entfernen, war ebenso groß wie das, ihm zu nahe zu kommen... Und es war ein Risiko, sich immer tiefer in eine Erzählung zu wagen. Die Geschichten neigten dazu, sich selbst weiterzuerzählen, und waren dann völlig unberechenbar."

Libronautic Inc. bietet an, wovon alle Lesenden träumen: Ein tatsächlicher Besuch im Lieblingsbuch, natürlich gegen üppige Bezahlung. Der junge Adam gehört zu den Libronauten mit der besonderen Stimme, die die Buchreisenden einlesen und begleiten. Seine Herkunft kennt er nicht. Bei jeder Reise wird er von einem anderen Libronauten überwacht. Als in der Handlung mysteriöse Türen auftauchen, steht bald alles in Frage, was Adam zu kennen glaubte....

Wieder einmal zaubert Akram Al-Bahay mit Worten und erzählt wunderbar bildhaft. Bücher über Bücher haben immer einen ganz besonderen Reiz und die Reisen in verschiedene Klassiker machen wirklich Spaß. Besonders der Ausflug in die Geschichten aus 1001 Nacht hat es mir angetan.

Schade fand ich, dass wirklich jede wichtige Frage zur Klärung der Ereignisse am Ende dieses ersten Teils der Dilogie offen bleibt, was die Bewertung schwierig macht. Zudem erinnerten mich Adam und Elisa, mit der er versucht, die Geheimnisse aufzudecken, stark an Protagonisten aus einer früheren Dilogie des Autors. Ich fand es leider recht schwer, ihnen wirklich nahe zu kommen und Sympathie für sie zu entwickeln.

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