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Veröffentlicht am 16.06.2025

Mal etwas fürs Herz

Zwischen Ende und Anfang
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Lila hat einen Beziehungsratgeber geschrieben, in dem sie unter anderem über ihre glückliche Ehe schwärmt. Kurz nach dem Erscheinen verlässt ihr Mann sie für eine andere Frau, mit der er nun ein Kind erwartet. ...

Lila hat einen Beziehungsratgeber geschrieben, in dem sie unter anderem über ihre glückliche Ehe schwärmt. Kurz nach dem Erscheinen verlässt ihr Mann sie für eine andere Frau, mit der er nun ein Kind erwartet. Nach dem Tod ihrer Mutter zieht ihr Stiefvater bei ihr ein, was zu Spannungen führt, als plötzlich ihr leiblicher Vater vor der Tür steht. Als Lila sich unerwartet zwischen zwei Männern entscheiden muss, ist das Chaos fast perfekt.

»An manchen Tagen kommt es Lila so vor, als würde sie gegen alles kämpfen. Gegen ihre rasenden, blindwütigen Gedanken, ihre unkontrollierbaren Hormonschwankungen, ihr Gewicht, ihren Ex-Mann, ihr Haus, das anscheinend Stück für Stück auseinanderfällt, die ganze Welt.« (Seite 23)

Ich liebe die Bücher der Autorin, weil sie es trotz aller Schwierigkeiten und Probleme, in die ihre Figuren geraten, schafft, eine gewisse Leichtigkeit einzubauen, die sich durch die Geschichte zieht. Das turbulente Leben von Lila und ihrer Familie hat mir wunderbare Lesestunden geschenkt, was nicht zuletzt an dem großartigen und warmherzigen Humor lag, der mich immer wieder zum Schmunzeln oder Lachen brachte. Es gab in dieser Erzählung alles von Drama bis Tragödie, eine große Prise Liebe war vorhanden, aber auch ernste Themen wie Mobbing kamen nicht zu kurz. Der Wechsel der Perspektive war dabei klug gewählt, es waren witzige und emotionale Momente, die das Gesamtbild vervollständigten und mir ein unvergessliches Vergnügen bereitet haben. Gerne empfehle ich diesen tollen Roman weiter!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Auch für Erwachsene geeignet

Das letzte Aufgebot
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Der fünfzehnjährige Jakob ist verliebt, so lässt sich einiges ertragen; es ist das Jahr 1944, der Krieg wütet seit Jahren, ein Ende scheint nicht in Sicht. Als die SS in das kleine Dorf Steinbach kommt, ...

Der fünfzehnjährige Jakob ist verliebt, so lässt sich einiges ertragen; es ist das Jahr 1944, der Krieg wütet seit Jahren, ein Ende scheint nicht in Sicht. Als die SS in das kleine Dorf Steinbach kommt, wird es ernst. Die Sechzehnjährigen werden einberufen, den Jüngeren nahegelegt, sich ebenfalls freiwillig zu melden zum Dienst an der Front. Die Jungs sind begeistert; endlich können sie sich beweisen und dem Vaterland dienen, darauf warteten sie schon eine lange Zeit. Maria aber will Jakob nicht verlieren, sie ist am Boden zerstört. Dabei hütet sie ein Geheimnis, das nicht nur Jakob Verderben bringen kann.

»Wenn es verboten ist, das Richtige zu tun, und wenn man gezwungen wird, Dinge zu tun, die falsch und feige sind, dann kann das ja nicht passen. Dann passt irgendwann überhaupt nichts mehr. Das wird mir plötzlich klar. Vieles wird jetzt klarer.« (Seite 172)

Eigentlich wollte ich vorerst keine Jugendbücher mehr lesen, bin beim vorliegenden Buch aber froh darüber, eine Ausnahme gemacht zu haben. Die Geschichte von Jakob steht sicherlich stellvertretend für Tausende und Abertausende von Schicksalen und kann sich so oder so ähnlich abgespielt haben, auch wenn das Dorf Steinbach fiktiv ist. Moritz Seibert hat es geschafft, einen Jungen vor meinen Augen entstehen zu lassen, der authentisch war und dem ich jeden Gedanken sowie jedes Gefühl abgenommen habe. Ich konnte nachvollziehen, wie er sich gefühlt hat in Situationen, die furchterregend waren. Ich verstand seine Hoffnung, seine Trauer, konnte seinen Hass und seine Wut gut nachempfinden. Bis zuletzt verfolgte ich voller Spannung Jakobs Weg und bin besonders mit dem Ende sehr zufrieden. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Ein Volltreffer!

Aschesommer
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Eine ungewöhnliche Todesanzeige in der Zeitung führt die Ermittler der Gruppe 4 zu einem Bauernhof, auf dem in einem Kellergewölbe zwei tiefgefrorene Leichen aufgefunden werden. Die dazugehörige Botschaft ...

Eine ungewöhnliche Todesanzeige in der Zeitung führt die Ermittler der Gruppe 4 zu einem Bauernhof, auf dem in einem Kellergewölbe zwei tiefgefrorene Leichen aufgefunden werden. Die dazugehörige Botschaft lautet: Das Sterben hat begonnen, geschrieben mit Asche. Es ist ein heißer Sommer, Jakob, Mila und ihr Team geben ihr Bestes, aber das ist nicht genug. Der einzige Verdächtige führt sie an der Nase herum und scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein.

»Ich bin nicht zur Gruppe 4 gekommen, um vor verschlossenen Türen zu stehen. Ich will rechtzeitig auf der anderen Seite sein und Dinge verhindern, von denen wir auf dieser Seite der Tür nicht mal wissen, dass es sie gibt.« (Seite 99)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Fall für die Gruppe 4, angeführt von Mila Weiss und Jakob Krogh. Der erste Band hat mich letztes Jahr wahnsinnig gut unterhalten, sodass ich ungeduldig auf die Fortsetzung gewartet habe, die - soviel kann ich jetzt schon verraten - meine Erwartungen weit übertroffen hat. Man muss den Reihenauftakt nicht gelesen haben, um dem Geschehen folgen zu können, allerdings würde ich dazu aus zwei Gründen raten: Die Gruppe 4 setzt sich aus den unterschiedlichsten Personen zusammen, die zueinander finden müssen, gleiches gilt für die Ermittlungsleitung. Die einzelnen Personen sind so verschieden wie faszinierend, deren kleine und große Geheimnisse ebenso, hier lohnt es sich, von Beginn an dabei zu sein. Der zweite wichtige, wenn auch einfache Grund ist der, dass der vorherige Fall einfach phänomenal war und das Herz eines jeden Thriller-Fans höher schlagen lassen dürfte.

Nun ging es also weiter und erneut hat Benjamin Cors sich eine Mordserie einfallen lassen, die mich entsetzt und erschüttert, aber auch vom Thema her total überrascht hat, was gar nicht so einfach ist bei der Menge an Büchern, die ich in diesem Genre lese. Der Fall war sehr komplex, der Weg zur Lösung steinig und voller Wendungen, was dazu führte, dass es mir nicht möglich war, zu erraten, wer schuld an allem ist, obwohl der Autor mit verdächtigen Personen sehr großzügig war. Die Spannung konnte im letzten Drittel sogar noch ein bisschen gesteigert werden, einige Enthüllungen waren so unglaublich wie genial, dies erfreute mein dunkles Herz. Die Auflösung beantwortete alle Fragen, was folgte habe ich nicht kommen sehen und bin nun gespannt, wie es weitergeht. Das war mörderisch gut!

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Spannend bis zur letzten Seite

Middletide – Was die Gezeiten verbergen
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Elijah Leith kehrt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurück, er hatte die kleine Küstenstadt Point Orchards vor langer Zeit verlassen, um sich seinen Traum, ein Schriftsteller und berühmt zu ...

Elijah Leith kehrt nach Jahren der Abwesenheit in seine Heimat zurück, er hatte die kleine Küstenstadt Point Orchards vor langer Zeit verlassen, um sich seinen Traum, ein Schriftsteller und berühmt zu werden, zu erfüllen. Gescheitert und desillusioniert renoviert er sein Elternhaus, eine verfallene Hütte mitten im Wald. Als er seinen Vater verließ, tat er dies auch mit seiner Jugendliebe, nun möchte er Nakita zurückerobern, das Vertrauen aber kehrt nicht so schnell zurück. Als es endlich einen Lichtblick gibt, passiert etwas, dass alle seine Pläne zum Platzen bringt.

»Was er während der letzten Jahre gelernt hatte, war, dass immer wieder gute Zeiten kommen würden, egal, wie hoffnungslos das Leben sich gerade anfühlte. Und egal, wie zufrieden er gerade war, weil es gut lief, es würden auch wieder härtere Zeiten kommen. Alles drehte sich ständig im Kreis.« (Seite 188)

Ich gebe zu, dass ich ausgehend vom Klappentext nicht zum Buch gegriffen hätte, allerdings hätte ich dann eine tolle Geschichte verpasst, die mich ein wenig an die Romane von Chris Whitaker erinnert, die ich liebe. Dabei fing alles ganz unschuldig an, es gab zwar eine grausige Entdeckung ganz zu Beginn, dann aber fingen die Zeitsprünge an, die mich Jahrzehnte zurückkatapultierten, um zu erklären, wie es dazu kam. Erst allmählich kristallisierte sich heraus, wie alles zusammenhing, wer mit wem und warum, wo alles begann und das Unglück seinen Lauf nahm. Als ich realisierte, was passiert war, konnte ich kaum fassen, wie das sein konnte, ich war gespannt, ob meine Vermutung wirklich richtig war. Das letzte Drittel war so spannend, dass ich mehrmals versucht war, vorzublättern, einfach um zu erfahren, in welche Richtung sich die Erzählung entwickeln würde. Das Finale war unglaublich, die Auflösung großartig und ich dankbar darüber, dass ich dabei gewesen war. Dieses Debüt ist phantastisch und ich freue mich sehr auf weitere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Ungewöhnlich außergewöhnlich und meisterhaft

Oben in den Wäldern
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Ein Haus in den Wäldern von Massachusetts, das über Jahrzehnte hinweg von den unterschiedlichsten Personen bewohnt wird. Menschen und Lebenswege, die sich kreuzen, stumm wird das Haus Zeuge von Dramen, ...

Ein Haus in den Wäldern von Massachusetts, das über Jahrzehnte hinweg von den unterschiedlichsten Personen bewohnt wird. Menschen und Lebenswege, die sich kreuzen, stumm wird das Haus Zeuge von Dramen, Tragödien und Schicksalsschlägen, die Natur aber überlebt sie alle.

»Der Westen von Massachusetts ist eine Gegend mit reichen Landhäusern und verarmten Bauernhöfen. Mit prunkvollen Ballsälen und heruntergekommenen Bretterbuden. Künstler, Dichter, Industriemagnaten genießen ihre Sommerfrische, während nebenan im dunklen Wald der Jäger auf der Lauer liegt. Wäre dies die Geschichte eines einzigen Mordes, so würde das schon reichen. Aber machen Sie sich auf einiges gefasst!« (Seite 299)

Mit dem Todesengel fängt es an: Ein Überfall findet statt, ein Unrecht geschieht, Zugeständnisse werden gemacht, Fremde kehren ein und das Unheil nimmt seinen Lauf. Vier Gräber werden es sein. So steht es geschrieben. Der Anfang ist gemacht.

Dieses Buch hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen, ich glaube nicht, dass ich etwas vergleichbares in den letzten Jahren gelesen hätte, zumindest erinnere ich mich daran nicht. Es besteht aus vielen Einzelteilen, Briefen, Berichten, Artikeln, sogar Gedichte und Liedertexte finden Platz darin. Kleine schwarzweiße Zeichnungen dienen als Trennhalter, zeigen an, wo ein neues Kapitel aufgeschlagen wird und Neues entsteht, wo das Alte vergangen ist.

Ein roter Faden zieht sich durchs Buch, lässt mich kleine Seufzer ausstoßen oder die Brauen hochziehen, den Mund vor Staunen öffnen, aber auch das ein oder andere Mal weinen, nachdem etwas unwiederbringlich zerbrochen oder zerstört wird, das vorher jahrzehntelang heil geblieben war. Verlorengegangenes taucht auf, Geister spuken, an vor langer Zeit Verstorbene wird erinnert und ein verschollenes Buch erwähnt, das ein Geheimnis offenbart, welches eine Überraschung bringt, obwohl es den Lesenden bekannt war. Was leicht und einfach klingt, ist für mich ein grandioses Werk, das auch ohne Zeitangaben einfach zuzuordnen war: da eine Person der Geschichte, dort eine Erfindung, hier ein Hinweis auf das Jahrhundert, so war mir eine ungefähre Zuordnung immer möglich; nicht dass diese wirklich wichtig war. Die angepasste Ausdrucksweise und die sprachlichen Eigenheiten der Epochen vervollständigen den Eindruck, dass dies ein Meisterwerk ist. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Lesen!

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