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Veröffentlicht am 24.06.2026

Erschreckend aktuell

Insel der Ratten
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„Hobbes meinte, das wir ohne Gesetz, ohne einen Gesellschaftsvertrag in ein Chaos gestürzt würden, das schlimmer als die schlimmste Diktatur ist. Und ich habe das Gefühl, dass er recht haben könnte“
Eine ...

„Hobbes meinte, das wir ohne Gesetz, ohne einen Gesellschaftsvertrag in ein Chaos gestürzt würden, das schlimmer als die schlimmste Diktatur ist. Und ich habe das Gefühl, dass er recht haben könnte“
Eine Dystrophie vom Feinsten

In seinem neuen Werk „Insel der Ratten“ erweist sich Jo Nesbo einmal mehr als wahrer Könner im düsteren Stimmungsaufbau. Mit wenigen Sätzen zeichnet er ein Bild, dass in unserer Zeit nicht mehr allzu weit entfernt scheint. Es ist kein Buch zum Genießen, es ist eine brutale Dusche der Realität, was passiert, wenn Gesetze und Regeln keine Macht mehr haben. Wie schnell es gehen kann, dass eine Gesellschaft kippt.

Auslöser für die katastrophalen Umstände der Stadt ist eine Pandemie, die letztlich auch die letzten funktionierenden Systeme zusammenbrechen lässt. Etwas, das in unserer Zeit sofort die Brücke zurück in das Jahr 2020 zurück spannt. Die Geschichte ist nicht an den Haaren herbeigezogen und wir können von Glück reden, dass dieses Buch nur Fiktion ist.

Der Hauptteil der Geschichte wird aus der Sicht von Will erzählt. Als ehemaliger Jurist geht es ihm besser als den meisten anderen. Sein Geschäftspartner und guter Freund Colin ist einer der mächtigsten Männer der Stadt, der bereits für eine apokalyptische Situation vorgesorgt hat und sich auf die Insel der Ratten zurückzieht, wo er komplett ohne äußere Hilfe überleben kann. Colins Sohn jedoch gehört zu denen, die an der Spitze der Banden stehen, die das Chaos nutzen um zu Brandstiften, zu Vergewaltigen und zu Morden. Als diese Brutalität schließlich auch Will Familie trifft, übermannt ihn der Drang nach Rache, in einer Stadt, in der sich jeder oder jede selbst der oder die nächste ist.

Aufbau und Sprache

Jo Nesbo verwendet eine klare, direkte Sprache und zusammengeschachtelte Sätze, ohne dabei unübersichtlich oder langatmig zu werden. Seine schnörkellosen Aussagen treffen den Kern der Zeit und regen nicht selten zum Nachdenken an.

Wie bereits erwähnt erzählt Will den größten Teil der Geschichte in der ersten Person. Immer wieder springen jedoch die Ansichten, zeigen einen anderen Blickwinkel auf das Geschehen, erlauben einen neuen Weg, die Dinge zu sehen.

Das Buch selbst

Das Cover ist ein echter Blickfang. Schwarzer Umschlag mit brennend-rotoranger Schrift. In der Mitte, aber leicht seitlich verrückt, starren gelbe Augen heraus und direkt in die Augen der Person, die das Buch betrachtet. Das erste, was anschließend auffällt, ist, wie klein und kompakt das Buch ist. Es ist kleiner als ein Taschenbuch, der Buchdeckel besteht aus Karton. Er ist im Vergleich zu den knapp 200 Seiten des Buches erstaunlich dick, macht das Buch aber einzigartig.

Fazit

Wir wussten aber auch, dass die Furcht mächtiger geworden war als das Gemeinschaftsgefühl und die Vernunft des Rudels. Nicht Massenhysterie, sondern einfach der Mangel an Rudelverhalten führte dazu, dass jeder von uns individuelle Entscheidungen traf, die für ihn und seine Nächsten rational und vernünftig erschienen, für die Gemeinschaft aber katastrophal waren.


Nesbo zeigt einmal mehr seine Kunst, die Abgründe der Menschheit zu verstehen und beschreiben zu können. Corona ist in unser aller Gedächtnis noch stets präsent. Auch die Welt um uns herum stürzt immer mehr ins Chaos. Gesetze werden verdreht und ausgehebelt, die Wahrheit verliert ihren Wert. „Die Insel der Ratten“ beschreibt eine Welt, die wir nicht erleben wollen, aber auf die wir möglicherweise immer weiter zusteuern.

*Diese Passagen wurden direkt aus dem Buch entnommen.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Leise Worte mit großer Wirkung

Die Liste der Lebenden
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Der schlichte, beinahe etwas skizzenhafte Cover verbirgt, welch starke Geschichte sich hinter diesem verbirgt.

Nach dem größten Schiffsunglück des 19. Jahrhunderts, dem Brand und anschließendem Untergang ...

Der schlichte, beinahe etwas skizzenhafte Cover verbirgt, welch starke Geschichte sich hinter diesem verbirgt.

Nach dem größten Schiffsunglück des 19. Jahrhunderts, dem Brand und anschließendem Untergang der "Austria" treibt Henriette Wulff allein auf einer Holztür auf den erbarmungslosen Wogen des Meeres. In Gedanken ist sie dabei aber Meilenweit weg, bei ihrem Freund, Hans Christian Andersen, bekannt für seine wunderschönen, aber unendlich traurigen Märchen.

Dieselbe Melancholie fängt auch der Autor Stefan Kutzenberger ein. Sie ist das Grundgerüst, auf dem diese Geschichte steht, die dieses Buch zu etwas ganz Besonderem macht.

Als Briefdialog verfasst berichten Henriette und Andersen abwechselnd von ihren Gedanken und Gefühlen: zu dem Unglück, zu den politischen Turbulenzen der Zeit, die Hoffnung, welche Amerika damals für die Menschen noch verkörperte, bis hin zu ihren Emotionen und Wünschen.

Meilenweit getrennt treffen sich ihre Gedanken und weben eine fiktive Geschichte mitten hinein in die wahren Begebenheiten der Zeit. Denn all dies, das Schiffsunglück, die Protagonisten, den freundschaftlichen Briefwechsel davor. Das alles gab es wirklich. Nur dieser letzte Gedankenaustausch, in seiner mutigen Verletzlichkeit, den gab es nicht.

"Die Liste der Lebenden" gab es, gibt es immer noch, doch wie Anderson es richtig erkannte, braucht es Mut, diese zu lesen. Denn mit der Gewissheit stirbt auch die Hoffnung.

Es ist ein unglaublich berührendes Buch und ein Muss für all jene, die historische Begebenheiten in Romanform gegossen lieben. Doch trotz seiner wenig anmutenden Seiten dauert es, dieses Buch zu lesen. Denn die Geschichte fordert die Zeit ein, die sie braucht, um anzukommen und verstanden zu werden.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Der Schatten des Manuskrips

Das Antiquariat am alten Friedhof
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Leipzig, eine Stadt der Bücher

Auch in dem vierten Band über die graphischen Viertel finden wir uns in Leipzig wieder. Und wieder schwebt der Schatten der Veränderung über der Geschichte. Und wieder steht ...

Leipzig, eine Stadt der Bücher

Auch in dem vierten Band über die graphischen Viertel finden wir uns in Leipzig wieder. Und wieder schwebt der Schatten der Veränderung über der Geschichte. Und wieder steht ein Buch in der Mitte der Handlung. Ein Buch, welches das Leben aller beteiligten für immer verändert.

In den 1930er Jahren folgen wir vier Studenten, Felix, Vadim, Eddie und Julius, die auf ihrer Jagd nach Abenteuern und dem Wunsch, gegen die Ansichten und Vorschriften der Eltern zu rebellieren, in einen Konflikt hineingezogen werden, der um einiges größer ist, als sie jemals für möglich gehalten hätten.

Fünfzehn Jahre später, am Ende des Krieges 1945, kehrt Felix zurück in seine Heimatstadt Leipzig und erneut erheben sich die Schatten von damals. Die Schatten, die das Leben der vier Freunde von damals aus den Fugen gehoben hatten.

Stein für Stein rollt Felix die Geschichte auf, trifft ehemalige Bekannte und vermittelt zwischen polizeilichen Behörden und Geheimdiensten. Puzzleteil für Puzzleteil fügt sich das Gesamtbild zusammen, verrät Motive und Schicksale, die immer dichter miteinander verstrickt werden.

Langsam, aber unaufhörlich bahnt sich die Katastrophe an. Der stete Wechsel zwischen den beiden Zeiten erhöht die Spannung, bis sie zu zerreißen droht. Zahlreiche Anspielungen und Vorzeichen nehmen mögliche Handlungsvorläufe vorweg, ohne zu viel zu verraten. Die Geheimnisse der Vergangenheit vermischen sich mit der okkulten Besessenheit von Hitler, Stalin und deren obersten Befehlshabern.

„Der Krieg machte sie alle zu Gefangenen. Die Lügen, die sie überleben ließen, waren ihre Ketten und die Umstände ihr Kerker.“

So deutlich wie in bisher keinem seiner Bücher zeigt Kai Meyer, wie stark der Krieg Menschen verändern kann, wie schnell Jugendlicher Leichtsinn in brutale Realität münden kann, wie oft die Unschuldigen zu Opfern der Gewalt und der Umstände werden können und wie welch gefährliche Waffen Bücher in den Händen der falschen Person werden können.

„Immerhin waren es Bücher, die Stalin an die Macht gebracht haben […] Bücher haben den Zaren gestürzt, Bücher haben die russischen Juden aus dem Land getrieben, und Bücher haben zur Revolution aufgerufen. Und am Ende werden es wieder Bücher sein, die Stalins Regime beenden. Bücher, die irgendwer im Exil oder im Arbeitslager schreibt.“

„Das Antiquariat am alten Friedhof“ ist ein erneutes Meisterwerk von Kai Meyer, der seinen Leserinnen und Lesern mit seiner bildgewaltigen Sprache erneut vor Augen führt, wie schmal der Grat zwischen Mut und Leichtsinn, zwischen oberflächlicher Freundschaft und tiefer Verbundenheit ist.

Wie auch bei den anderen Bänden müssen die Vorgänger der Reihe nicht gelesen werden. Dennoch findet sich die eine oder andere bekannte Figur zwischen den Seiten wieder. Genau wie der sanfte Schimmer der Hoffnung, der jedes Mal erscheint, sobald einer, der schon so vieles war, ein Gärtner, ein blinder Passagier, ein Kindermädchen, ein Buchbinder, ein Dolmetscher, ein Spion, wieder einmal das Wort ergreift:

„Jeder hat einen Koffer dabei. Nur wir nicht. Beste Voraussetzungen für ein neues Leben. […] Ein Neuanfang mit nichts. Eine neue Stadt, ein neuer Name. Vielleicht etwas Besseres als das, was war“

"Diese Stellen wurden direkt aus dem Buch, Auflage Oktober 2025, entnommen"

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Zwei Genies am Werk

Holmes & Moriarty
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Sherlock Holmes ist mal wieder einem Fall auf der Spur. Unterstützt wird er dabei, wie so oft, von seinem guten Freund, Dr. Watson, der wie immer pflichtbewusst, den Leser/die Leserin auf dem Laufenden ...

Sherlock Holmes ist mal wieder einem Fall auf der Spur. Unterstützt wird er dabei, wie so oft, von seinem guten Freund, Dr. Watson, der wie immer pflichtbewusst, den Leser/die Leserin auf dem Laufenden hält. Die zuerst einfach wirkende Geschichte entwickelt sich zu einem verzwickten Fall, der nicht nur Holmes‘ gesamtes detektivisches Genie auf den Plan ruft, sondern auch seinen erbittertsten Gegenspieler: Professor Moriarty. Dieser folgt seinem eigenen Geschäft, begleitet stets von seinem ruchlosen Scharfschützen Moran. Unaufhaltsam verwebt das Schicksal ihre beiden Pfade, bis sie schließlich vor der Entscheidung stehen, gegen ihre Prinzipen und Natur, zusammenzuarbeiten. Die Zukunft der Menschheit, wie sie bis dahin existierte, liegt in ihrer Hand. Können sie ihre Unterschiede überwinden?

Handlungsstrang und Schreibstil

Gareth Rubin lässt beide Seiten gleichermaßen zu Wort kommen, und das sprichwörtlich. Abwechselnd erzählen Doktor Watson und Colonel Moran die Geschichte. Kapitel für Kapitel nähern sich ihre Pfade an und das Tempo der Geschichte verdichtet sich.

Der Schreibstil des Autors erinnert stark an die alten Klassiker von Sir Arthur Conan Doyle. Seine Art und Weise, zu beschreiben trägt den Leser/die Leserin zurück in das Jahr 1889. Die dunklen Gassen voll mit dichtem, Londoner Nebel, das Klappern der Pferdekutschen, die hohen Zylinder auf den Köpfen der Männer, der Gestank der Zeit – all dies erscheint vor dem Leser/der Leserin, so deutlich zeichnet Gareth Rubin das Bild seiner Welt und bringt damit Sherlock Holmes wieder ein Stück weit zurück in die Gegenwart.

Fazit

Sherlock & Moriarty ist eine Liebeserklärung an einen der größten und bekanntesten Detektive, die die Welt je kannte. Der Fokus liegt dabei nicht zwingend auf der berühmten Spürnase, sondern beleuchtet vor allem die Unterschiede in den Denkweisen der beiden Konkurrenten. Moriarty, dessen Genie dem von Holmes in keiner Weise nachsteht, rückt ebenfalls in das Zentrum und wird auf eine beinahe unheimliche Art beinahe sympathisch.
Für alle, die Sherlock Holmes lieben, ist dieses Buch eines, dessen Reise es absolut wert ist.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Die Grenzen eines Königs

Der König
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Kann jeder zum Mörder werden? Oder haben einige – ja, die meisten von uns – eine Art mentale oder moralische Sperre, die sie daran hindert, zu töten? Ich rede nicht davon, jemanden in Notwehr oder im Affekt ...

Kann jeder zum Mörder werden? Oder haben einige – ja, die meisten von uns – eine Art mentale oder moralische Sperre, die sie daran hindert, zu töten? Ich rede nicht davon, jemanden in Notwehr oder im Affekt zu töten, sondern davon, ganz normale, anständige Menschen, wie zum Beispiel Bent Halden, dazu zu bringen, einen Mitmenschen kaltblütig und ohne ein anderes Motiv, als das eigene Leben etwas besser oder leichter zu machen, zu töten.

Mit diesen Worten beginnt Jo Nesbo seinen neuen Kriminalroman, der anders als seine Vorgänger, nicht mehr hinter einem schwarzen Cover mit roter Schrift versteckt ist, sondern als hellgraues Buch mit Bronze schimmernden Worten beim ullstein Verlag erschien.

Wie bereits in seinem Buch „Ihr Königreich“ findet sich die Leserin bzw. der Leser in dem fiktiven kleinen Dorf Os wieder, das irgendwo in Norwegen liegt. Die beiden Brüder Carl und Roy „regieren“ über dieses verschlafene Nest, das auf den ersten Blick an ein idyllisches Dorfleben erinnert, unter dessen Oberfläche mehr Geheimnisse und Verbrechen schlummern, als es zunächst den Anschein hat.

Der König ist das Nachfolgewerk von „Ihr Königreich“. Zahlreiche Konflikte vom ersten Buch kommen auch hier wieder zu Sprache. Es ist hilfreich, den ersten Teil zu kennen, da die Charaktere dadurch viel greifbarer werden, es ist jedoch nicht zwingend notwendig. Jo Nesbo erläutert die wichtigsten Verwicklungen und Ereignisse, sodass auch ein Neuling dieser Geschichte ohne weiteres die komplexen Zusammenhänge nachvollziehen kann.

Der Autor liebt es, moralisch komplexe Figuren zu erschaffen und gipfelt dieses Streben mit dem Brüderpaar Roy und Carl, die für die Familie alles tun und vor nichts und niemandem zurückschrecken. Selbst vor Mord nicht. Wie auch schon beim ersten Teil folgen wir dem Älteren der beiden, Roy, auf seinen dubiosen Geschäftswegen und blicken über seine Schulter, während er hemmungslos die Schwäche seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger ausnutzt, um das zu bekommen, was er möchte. Die beiden Brüder agieren als funktionierende Einheit, sie kennen sich in- und auswendig und vertrauen blind auf die Stärken des jeweils anderen. Doch ihre dunkle Vergangenheit droht sie einzuholen und das Band zwischen ihnen wird auf eine harte Probe gestellt.

Ich starrte in die Dunkelheit und wartete auf einen weiteren Blick. Um ihn zu sehen. Um mich zu sehen. Den König des Mülls. Den armen Tropf, der seine Würde auf dem Altar des Überlebens opferte, wie wir alle. Wir verschieben lediglich die Grenzen des Erträglichen und ändern die Spielregeln, damit wir uns selbst ertragen können. Sogar Menschen, die alle und jeden umbringen, die ihnen im Weg stehen […], glauben noch daran, ihre Ehre zu verteidigen. Sie tun das verzweifelter als die meisten anderen, weil ihre Grenzen nicht mehr weiter verschoben werden können, ohne dass sie auch noch den letzten Rest an Selbstachtung verlieren.


Mit den Bewohnerinnen und Bewohnern von Os beleuchtet Jo Nesbo unverhüllt die Seelen der Menschen. Jede und jeder hat ihre/seine eigene Agenda, versucht die eigenen Dämonen zu bekämpfen. Mord, Eifersucht, Inzest, Vergewaltigung – alles schlummert unter der scheinbar friedlichen Schale des Dorfes. Jede und jeder hat eigene Leichen im Keller – manche symbolisch, andere tatsächlich. Die ungeschminkte Realität und nüchterne Betrachtungsweise auf das Leben, die uns der Blick aus Roys Augen gewährt, machen es schwer, die Figur trotz seiner moralischen Abgründe, nicht zumindest zu respektieren wenn nicht sogar für seine Weitsicht und Unverfrorenheit zu bewundern.

Alle Katastrophen sollten ein Präludium haben. Ein Vorspiel, einen warnenden Hinweis auf das, was kommen sollte.

Die Geschichte fließt dahin, wie ein kleiner Gebirgsbach schlängelt sich die Handlung zwischen den unterschiedlichen Figuren hin und her, berührt die einen und umrundet die anderen. Bis es unvermutet zu Stromschnellen kommt. Gerade wenn sich ein Gefühl des Verstehens einfindet, wenn die Leserin bzw. der Leser glaubt, die nächsten Schritte erahnen zu können, ändert der Fluss seine Richtung. Die Karten werden neu gemischt, das Pokern beginnt von vorne.

Fazit

Der König erzählt die Geschichte eines Mannes, für den Mord kein Fremdwort ist und der die notwendige Kaltblütigkeit und Berechnung besitzt, für seine Zwecke erneut Leben zu beenden. Wir folgen dem Erzähler auf seinem Weg, lernen seine Motive und Gedanken kennen, seine Einstellung zum Leben und die Hintergründe für seine Taten. Jeder Schritt in Roys Stiefeln macht uns gleichzeitig zu Mitwissern und, ohne es so recht zu merken, beginnen wir ihn zu verstehen, ihn zu respektieren und manche sogar ihn zu mögen. Die ersten Sätze des Buches bleiben wie eine Art Mahnmal im Gedächtnis verankert, eine Frage, die immer wieder aufs Neue eine Antwort verlangt.

Kann jeder zum Mörder werden? Oder haben einige – ja, die meisten von uns – eine Art mentale oder moralische Sperre, die sie daran hindert, zu töten?


*diese Stellen wurden direkt aus dem Buch (1. Auflage 2024, ullstein) zitiert

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