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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.06.2025

Zwischen den Möglichkeiten

Im Leben nebenan
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„Im Leben nebenan” von Anne Sauer ist ein stiller, feinfühliger Roman über Entscheidungen, Verzicht und die Frage, wie viele mögliche Leben in einem Menschen stecken.
Erzählt wird von Antonia, deren Leben ...

„Im Leben nebenan” von Anne Sauer ist ein stiller, feinfühliger Roman über Entscheidungen, Verzicht und die Frage, wie viele mögliche Leben in einem Menschen stecken.
Erzählt wird von Antonia, deren Leben sich in zwei Richtungen entfaltet: als Mutter auf dem Land und als kinderlose Frau in der Stadt. Beide Varianten stehen nebeneinander, gleichwertig, ohne Bewertung – ein literarisches Gedankenspiel über die Vielschichtigkeit von Identität.

Der Schreibstil ist einfach und klar. Das Buch lässt sich schnell und leicht lesen. Anne Sauer findet genau die richtigen Worte, um die Stimmung und Gefühle der Figuren zu beschreiben, ohne zu viele Schnörkel. Dadurch ist die Geschichte ruhig, aber trotzdem spannend genug, um dran zu bleiben.

Was mich besonders beschäftigt hat, war die Frage: Was wäre gewesen, wenn? Obwohl ich Antonias Gedanken gut verstehen konnte, fiel es mir schwer, wirklich mit ihr mitzufühlen. Vielleicht soll das so sein. Der Roman zeigt eher, wie schwer es ist, sich selbst zu finden, wenn man zwischen verschiedenen Lebenswegen steht. Beide Leben sind nicht perfekt, sondern voller Zweifel und kleiner Verluste.

Wer eine klare Antwort oder ein eindeutiges Ende erwartet, wird hier nicht fündig. Der Roman lässt viel offen und regt zum Nachdenken an. Genau das macht ihn besonders und lässt ihn lange im Kopf bleiben.

“Im Leben nebenan” ist kein leichtes Wohlfühlbuch. Es stellt Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind – und genau deshalb bleibt es im Gedächtnis.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Hannas Jahrhundert

Schwebende Lasten
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Hanna Krause wächst im 20. Jahrhundert in Magdeburg auf. Ihr Leben ist geprägt von zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus, der DDR und der Wende. Sie erlebt Zerstörung, Neuanfang, Verluste und große ...

Hanna Krause wächst im 20. Jahrhundert in Magdeburg auf. Ihr Leben ist geprägt von zwei Weltkriegen, dem Nationalsozialismus, der DDR und der Wende. Sie erlebt Zerstörung, Neuanfang, Verluste und große Veränderungen. Aus der Blumenbinderin wird eine Kranfahrerin im Schwermaschinenbau – ein ungewöhnlicher Weg, der viel über die Rolle der Frauen in dieser Zeit erzählt.

Annett Gröschner beschreibt Hannas Leben klar, einfühlsam und sehr genau. Sie verbindet persönliche Erlebnisse mit deutscher Geschichte und schafft ein Bild, das berührt und im Gedächtnis bleibt.

Mir hat besonders gefallen, wie feinfühlig und zugleich kraftvoll der Roman erzählt wird. Die Geschichte ist nah dran an den Menschen, ehrlich und bewegend. Themen wie Verantwortung, Erinnerung, Stärke und Solidarität ziehen sich durch das ganze Buch.
Ein stiller, eindrucksvoller Roman, der lange nachklingt und den ich sehr gerne weiterempfehle.

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Veröffentlicht am 12.03.2025

Die Last der Vergangenheit

Vor hundert Sommern
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Als Lena und ihre Mutter Anja die Wohnung der Großmutter ausräumen, entdecken sie den Nachlass von Anjas Großtante Clara. Deren Leben war geprägt von unausgesprochenen Geheimnissen. In den 1920er Jahren ...

Als Lena und ihre Mutter Anja die Wohnung der Großmutter ausräumen, entdecken sie den Nachlass von Anjas Großtante Clara. Deren Leben war geprägt von unausgesprochenen Geheimnissen. In den 1920er Jahren in Berlin hatte Clara wenig Interesse an Politik, doch als sie dem Revolutionär Aleksei in ihrem Hundesalon geheime Treffen ermöglicht, bringt sie sich und ihre Familie in Gefahr.
Hundert Jahre später muss sich Lena mit der Vergangenheit auseinandersetzen, um ihre eigene Zukunft zu finden, und erkennt, wie Scham und Schuld ihre Familie bis heute beeinflussen.

Katharina Fuchs erzählt - wie gewohnt sehr einfühlsam und detailliert - in ihrem neuen Buch die Geschichte ihrer Großtante Clara. Gleichzeitig lässt sie uns ihre Großmutter Anna wieder treffen. Wer „Zwei Handvoll Leben“ kennt, dem ist Anna bereits vertraut.
„Vor hundert Sommern“ ist ein großer, vielschichtiger Schmöker, der uns mitnimmt in die Zeit der 1920er und 30er Jahre. Immer wieder blicken wir in einzelnen Kapiteln zurück auf diese Jahrzehnte. Die Autorin verknüpft gekonnt Historisches mit brisanten Themen unserer aktuellen Zeit.

Das Buch ließ sich insgesamt sehr gut lesen und zieht einen dank der geschickten Erzählweise schnell in seinen Bann. Ein kleiner Kritikpunkt ist jedoch, dass die Geschichte an einigen Stellen Längen aufweist.

Auf jeden Fall ist es aber eine Lektüre, die ich sehr empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Geheimnisse der Vergangenheit

Wenn die Tage länger werden
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Die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa, erschöpft vom hektischen Alltag, verbringt sechs Wochen Sommerferien ohne ihren Sohn, der mit seinem Vater zu den Großeltern nach Polen fährt. In dieser Zeit entdeckt ...

Die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa, erschöpft vom hektischen Alltag, verbringt sechs Wochen Sommerferien ohne ihren Sohn, der mit seinem Vater zu den Großeltern nach Polen fährt. In dieser Zeit entdeckt sie das Geheimnis hinter der Geige, die sie von ihrem Großvater geerbt hat. Ein alter Restaurator und Geigenbauer macht sie auf Unstimmigkeiten in der Herkunft des Instruments aufmerksam.

Neben Lisa begleiten wir auch Ute, die Tochter des Geigenbauers. Die Geschichte wird abwechselnd aus den Perspektiven der beiden Frauen erzählt und beleuchtet unter anderem die Frage, ob man Kriegstraumata aufarbeiten oder besser verdrängen sollte.

Obwohl ich einige Bücher von Anne Stern vom Sehen her kenne, war dies der erste Roman der Autorin, den ich gelesen habe – und ich muss zugeben, er hat mir sehr gut gefallen. „Wenn die Tage länger werden“ wird ruhig und angenehm erzählt und fängt die sommerliche Stimmung hervorragend ein. Das stimmige Cover rundet das Ganze perfekt ab.

Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 18.02.2025

Rasante Geschichte

Achtzehnter Stock
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Wanda ist Mitte 20 und lebt mit ihrer kleinen Tochter Karlie in Berlin. Die junge Frau ist alleinerziehend und versucht, ebenso wie andere Frauen in der Plattenbausiedlung, sich irgendwie über Wasser zu ...

Wanda ist Mitte 20 und lebt mit ihrer kleinen Tochter Karlie in Berlin. Die junge Frau ist alleinerziehend und versucht, ebenso wie andere Frauen in der Plattenbausiedlung, sich irgendwie über Wasser zu halten dort im 18. Stock.
Raus aus dem Milieu, dahin, wo das Leben unkomplizierter ist, geregelter. Davon träumt Wanda.
Als Schauspielerin ohne Engagement wartet sie noch auf den großen Erfolg, auf den ganzen großen Durchbruch.
Und dann klopft das Glück bei ihr in Form eines Jobs beim Film an die Tür. Eine große Rolle wird der Schauspielerin angeboten. Ob sie das dann aber alles mit ihrer Rolle als alleinerziehende Mutter vereinbaren kann, das ist die Frage.

Sara Gmuer hat mit ihrem Debüt „Achtzehnter Stock“ einen beeindruckenden Roman geschrieben. Es ist eine rasante Geschichte, die einen nur so durch das Buch rauschen lässt. Leicht zu lesen und doch so eindringlich. Eine sehr gute Lektüre, die ich gerne weiterempfehle.

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