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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.08.2025

✎ Judith Kerr - Rosa Kaninchen 2 Warten bis der Frieden kommt

Rosa Kaninchen-Trilogie, Band 2 - Warten bis der Frieden kommt
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Als ich „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ las, war ich anfangs unsicher, ob mich die Erzählweise packen würde. Doch schon bald ließ ich mich auf Annas Fluchtgeschichte und den besonderen Blick der ...

Als ich „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ las, war ich anfangs unsicher, ob mich die Erzählweise packen würde. Doch schon bald ließ ich mich auf Annas Fluchtgeschichte und den besonderen Blick der Autorin Judith Kerr ein, die ihre eigenen Kindheitserfahrungen in Romanform festhielt.

Während der erste Teil durch die Verfilmung und den großen Bekanntheitsgrad immer wieder ins Rampenlicht rückt, bleiben die beiden Folgebände fast unsichtbar. Umso neugieriger war ich, wie sich „Warten bis der Frieden kommt“ anfühlen würde.

Der Verlag empfiehlt den Band ab zwölf Jahren, doch für mich passt diese Alterseinstufung nicht mehr wirklich. Anna ist inzwischen erst eine Jugendliche und zum Schluss eine junge Erwachsene, die mit existenziellen Themen konfrontiert wird: das Erwachsenwerden im Schatten des Krieges, das Bangen um Angehörige, die Suche nach einem Platz in einer von Unsicherheit geprägten Welt.
Außerdem werden Themen behandelt, mit denen 12-Jährige hoffentlich noch nicht so viel anfangen können.

Stark fand ich, wie eindringlich Judith Kerr den Luftkrieg über England beschreibt. Die Bombennächte, die bedrückende Atmosphäre, die ständige Angst vor Verlust - all das verleiht der Geschichte eine greifbare Dichte. Gleichzeitig spürt man erneut die Nähe zur Familie, die Kerr mit viel Einfühlungsvermögen zeichnet. Doch trotz dieser Momente des Mitfühlens geriet ich beim Lesen immer wieder ins Stocken. Manche Abschnitte ziehen sich, es passiert wenig, und ich ertappte mich dabei, dass ich kurz davor war, das Buch zur Seite zu legen. Während der erste Band regelrecht fesselt, wirkt dieser zweite Teil zu langatmig.

Vielleicht liegt gerade darin aber auch eine besondere Ehrlichkeit. Der Alltag im Krieg besteht eben nicht nur aus spektakulären Ereignissen, sondern aus Warten, Hoffen und Aushalten. Für mich persönlich war es dennoch eine Herausforderung, über die Längen hinweg motiviert zu bleiben. Der Mittelteil der Trilogie bietet wichtige Einblicke in Annas Weg ins Erwachsenenleben, doch er verlangt auch Geduld - eine Geduld, die nicht jedem gefallen wird.

2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 24.06.2025

✎ Hayley Kiyoko - Girls like girls: Sag mir nicht, wie ich mich fühle

Girls like girls – Sag mir nicht, wie ich mich fühle
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„Girls Like Girls“ von Hayley Kiyoko ist eher zufällig auf meinem Lesestapel gelandet. Ich hatte keine Vorkenntnisse zur Autorin - weder ihre Musik noch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit waren mir vertraut. ...

„Girls Like Girls“ von Hayley Kiyoko ist eher zufällig auf meinem Lesestapel gelandet. Ich hatte keine Vorkenntnisse zur Autorin - weder ihre Musik noch ihr Auftreten in der Öffentlichkeit waren mir vertraut. Entsprechend unvoreingenommen habe ich das Buch aufgeschlagen.

Was ich erwartet hatte, war eine zarte queere Liebesgeschichte mit emotionaler Tiefe und authentischer Charakterentwicklung. Bekommen habe ich leider vor allem eines: viel Drama ohne echten Fortschritt.

Die Handlung pendelt zwischen romantischen Tagträumen, Selbstzweifeln und unausgesprochenem Schmerz - was an sich Potenzial hätte, wäre es nicht so oberflächlich geblieben. Die Figuren treten lange auf der Stelle, entwickeln kaum neue Facetten, und das emotionale Auf und Ab wirkt eher ermüdend als bewegend. Vor allem die Protagonistin verharrt in einem Zustand zwischen Trotz, Schwärmerei und stillem Kummer, der einen trotzdem irgendwie immer anschreit.

Ich habe mich oft gefragt, ob ich einfach nicht (mehr) zur Zielgruppe gehöre. Das Buch wird ab 13 Jahren empfohlen, obwohl die Hauptfigur bereits 17 ist.
Es dominiert eine sehr jugendliche Sichtweise. Viele Konflikte wirken wie aus der frühen Pubertät entlehnt, begleitet von einem Mangel an Selbstreflexion bei fast allen Beteiligten.

Was mir persönlich gefehlt hat, war eine klare Einordnung heikler Themen. Besonders der Umgang mit Alkohol wird meiner Meinung nach zu sorglos dargestellt - gerade in einem Jugendroman ein Punkt, der mehr Sensibilität verdient hätte.

Inhaltlich bleibt die Geschichte leider vorhersehbar. Überraschende Wendungen oder emotionale Aha-Momente? Fehlanzeige. Die große Entwicklung - sei es in der Liebesbeziehung oder im Selbstbild der Figuren - bleibt aus.

Die Story bietet wenig Tiefe und setzt eher auf das Setting als auf die psychologische Entwicklung der Figuren.

Man könnte zwar die Repräsentation queerer Gefühle loben, doch die Umsetzung empfinde ich als klischeehaft und wenig überzeugend.

Unterm Strich ist „Girls Like Girls“ wohl eher ein Buch für Leser:innen, die gerade erst beginnen, sich mit queerer Literatur auseinanderzusetzen. Oder für Fans von Hayley Kiyoko, die den emotionalen Vibe ihrer Songs wiederfinden wollen. Wer jedoch eine durchdachte Coming-of-Age-Geschichte mit echtem Wachstum erwartet, könnte sich eher enttäuscht wiederfinden. Für mich persönlich hat sie nicht gezündet.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 08.05.2025

✎ Susanne Weber - Die kleine Eule 2 Gute Nacht, kleine Eule!

Gute Nacht, kleine Eule!
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Nach dem großen Erfolg von „Die Eule mit der Beule“ in unserem Kinderzimmer, waren die Erwartungen an das Nachfolgebuch „Gute Nacht, kleine Eule!“ von Susanne Weber entsprechend hoch. Das erste Buch begeisterte ...

Nach dem großen Erfolg von „Die Eule mit der Beule“ in unserem Kinderzimmer, waren die Erwartungen an das Nachfolgebuch „Gute Nacht, kleine Eule!“ von Susanne Weber entsprechend hoch. Das erste Buch begeisterte mit Mitmach-Elementen und liebevoll gestalteten Reimen - perfekt bereits für die Allerkleinsten.

Bei der abendlichen Lektüre von „Gute Nacht, kleine Eule!“ blieb der erhoffte Effekt einer beruhigenden Gute-Nacht-Geschichte jedoch aus. Als Mama hatte ich mir eine Erzählung gewünscht, die zur Entspannung beiträgt und sanft ins Einschlafen überleitet. Wir suchten gezielt nach Kinderbüchern, die eine ruhige Atmosphäre schaffen und zur Kuschelzeit im Bett einladen. Idealerweise schläft mein Kind beim Vorlesen bereits ein – das hat hier leider nicht funktioniert. Stattdessen turnt die kleine Eule als Piratin durchs Zimmer, singt lautstark und hüpft vergnügt auf dem Bett - was bei uns eher für Aufregung als für Stille sorgte.

Trotzdem hatte das Buch auch schöne Momente: Tagsüber holte meine Tochter „Gute Nacht, kleine Eule!“ gerne selbst aus dem Regal, um mit ihrem Kuscheltier Hasi die Szenen nachzuspielen. Die liebevoll illustrierten Seiten sind so aussagekräftig, dass sie die Handlung problemlos nachvollziehen konnte - auch ohne vorgelesen zu bekommen.

Fazit: „Gute Nacht, kleine Eule!“ eignete sich für uns persönlich weniger als klassische Einschlafgeschichte, punktet aber mit fantasievollen Bildern und regt zum Nachspielen an - besonders am Tag ein charmantes Bilderbuch für kleine Eulen-Fans.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 10.04.2025

✎ Monika Spang - Das große Gähnen

Das große Gähnen
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Wir haben uns das Buch „Das große Gähnen“ angeschaut, aber leider konnten wir damit nicht warm werden.

Die Geschichte spielt im Zoo, einem Ort, den wir aus ethischen Gründen grundsätzlich meiden. Unserem ...

Wir haben uns das Buch „Das große Gähnen“ angeschaut, aber leider konnten wir damit nicht warm werden.

Die Geschichte spielt im Zoo, einem Ort, den wir aus ethischen Gründen grundsätzlich meiden. Unserem Kind haben wir früh erklärt, warum wir solch eine Anlage nicht unterstützen möchten, und dieses Buch passt einfach nicht zu unseren Überzeugungen.

Auch die Illustrationen sprechen uns persönlich nicht besonders an. Natürlich ist das Geschmackssache, doch sie konnten uns einfach nicht begeistern.

Die Reime sind solide. Für ein dreijähriges Kind wirken sie stellenweise jedoch etwas zu lang und verlieren dadurch an Leichtigkeit.

Geschmäcker sind verschieden - für uns hat es einfach nicht gepasst.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.04.2025

✎ Herman van de Wijdeven - Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen

Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen
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Ich hatte mich auf eine sehr emotionale und vielleicht auch laute Geschichte eingestellt. Ich wollte, dass die Gefühle Achterbahn fahren und Lesende mitgerissen werden.
Doch die Erzählung ist eher leise.

Wir ...

Ich hatte mich auf eine sehr emotionale und vielleicht auch laute Geschichte eingestellt. Ich wollte, dass die Gefühle Achterbahn fahren und Lesende mitgerissen werden.
Doch die Erzählung ist eher leise.

Wir erleben das Buch aus Bents Sicht.
Bent war mir von Anfang an leider sehr unsympathisch. Dass er eifersüchtig ist, liest man bereits aus Zeile 1 quasi. Sein Benehmen dem Neuen gegenüber fand ich unmöglich. Seine Gedanken dazu fast noch schlimmer.

„Es war der erste Tag des neuen Schuljahres und ich wusste etwas, das kein anderer wusste. Ich allein kannte den Namen des Neuen. Nur ich hatte seine komische Stimme gehört. Ich hatte vor den anderen also einen Vorsprung. Das machte den ersten Schultag etwas weniger schlimm.“ (S. 10)

Vorurteile hat jede*r mal, doch wenn ein Kinderroman so beginnt, habe ich bereits einen Klumpen im Magen, der mit jedem weiteren Satz aufgelöst werden muss, um am Ende wieder im Reinen zu sein.

Herman van de Wijdeven hat es bei mir mit „Die schlechteste Idee in der Geschichte der schlechten Ideen“ nicht geschafft.

Der Autor gibt Tiefe an Stellen, an denen es keiner bedarf. (z. Bsp. Landschaftsbeschreibungen)
An anderen Stellen fehlt sie komplett. Die Figuren bleiben blass, die Handlungen bleiben undurchsichtig. Mir persönlich ist das Ganze zu unausgereift, zu oberflächlich.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Geschichte immer hin und her springt. Mal befinden wir uns im Jetzt, mal in der Vergangenheit, mal noch weiter in der Vergangenheit. Durch die Kürze der Kapitel kommt man nirgends richtig an.

Gerade für einen Kinderroman ab 11 Jahren erwarte ich eine gewisse Tiefe, um das Thema „Eifersucht“ adäquat an Lesende heranzubringen. Kinder in diesem Alter haben bereits eine gewisse Reife. Mit ihnen kann man über solchen Stoff fundiert reden.

In einem Klassenverband könnte ich mir das Buch gut vorstellen. Gerade mit Hinblick auf die gefährliche Entwicklung heutzutage, in denen zum Beispiel Videos zum Anlass genommen werden, Mutproben zu bestehen und / oder Wettbewerbe zu veranstalten, die mitunter tödlich enden.

©2025 Mademoiselle Cake