Viele Rätsel und intelligente Auflösungen
Die Bibliothek meines Großvaters
Meine Meinung
Die junge Lehrerin Kaede ist eine feinfühlige, junge Frau, die ihren demenzkranken Großvater über alles liebt. Sie freut sich, wenn er gute Tage hat, und mit ihr Rätsel löst. Mal decken ...
Meine Meinung
Die junge Lehrerin Kaede ist eine feinfühlige, junge Frau, die ihren demenzkranken Großvater über alles liebt. Sie freut sich, wenn er gute Tage hat, und mit ihr Rätsel löst. Mal decken sie zusammen Verbrechen auf - mal enträtseln sie alltägliche Dinge, die unserer Wahrnehmung leicht entgehen können.
Gibt es eigentlich Krimis, die eine meditative Wirkung beim Lesen entfalten? Ich weiß es nicht; sollte es sie wirklich geben, "Die Bibliothek meines Großvaters" ist einer davon. Unaufgeregt werden hier Verbrechen aufgedeckt und nebenbei kommt auch die Liebe zur Krimiliteratur groß zu tragen.
Das Thema Demenz hat der Autor sehr sensibel dargestellt. Wer schon mal mit demenzkranken Menschen in Berührung gekommen ist, dürfte sich verstanden fühlen und wertvolle Tipps bekommen, im Umgang mit den erkrankten Menschen.
Die Pfleger und Therapeuten pflegen einen liebevollen Umgang mit dem Großvater und ermöglichen ihm, ein größtenteils, selbstbestimmtes Leben, das überwiegend aus Büchern und Rätsel besteht.
Die Harmonie wird jedoch gestört, nachdem ein Kollege und guter Freund von Kaede eines Verbrechens beschuldigt wird. Als die Lehrerin dann auch noch anonyme Anrufe bekommt, steigt die Spannung kontinuierlich.
Der Einstieg fiel mir etwas schwer. Ein paar kleine Längen haben mich gedanklich abschweifen lassen, sodass ich wieder ein paar Seiten zurückblättern musste, um ein paar Passagen nochmal zu lesen. Ab einem bestimmten Punkt war es mir jedoch nicht mehr möglich, das Buch zur Seite zu legen. Besonders gut hat mir das respektvolle Miteinander gefallen und die Liebe zu den kleinen Dingen, die wir normalerweise im Alltagstrott allzu oft übersehen. Am Ende waren alle Rätsel auf sehr intelligente Weise gelöst.
Fazit
Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und das Setting spiegelt die japanische Ästhetik wider. Ich hatte von Personen und Orten ein genaues Bild vor Augen und habe mich in der Geschichte sehr wohlgefühlt. Der ruhige Schreibstil liest sich meist wie Butter. Das Ende hat mich das Buch zufrieden zuklappen lassen. Ich freue mich auf die Fortsetzungen.
Trotz Kritikpunkte gibt es von mir eine klare Empfehlung. Danke, Masateru Konishi.