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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.08.2025

Nach den Sternen gegriffen

Atmosphere
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Ich bin ehrlich, nach dem Buch gegriffen hätte ich in der Buchhandlung nicht. Diese übermäßigen Begeisterungsstürme gewissen Autor*innen gegenüber schrecken mich eher ab, als dass sie mich neugierig machen. ...

Ich bin ehrlich, nach dem Buch gegriffen hätte ich in der Buchhandlung nicht. Diese übermäßigen Begeisterungsstürme gewissen Autor*innen gegenüber schrecken mich eher ab, als dass sie mich neugierig machen. Aber wie das schon mti Evelyn Hugo war, wenn ich das Buch geschenkt bekomme, lese ich es natürlich. Und was soll ich sagen, "Atmosphere" hat mich, wie schon das andere Buch von Taylor Jenkins Reid, sehr begeistert und gefesselt.

Joan ist Astronomin und möchte als eine der ersten Frauen zur NASA. Der Weltraum lockt sie, auch weil auf der Erde keiner auf sie wartet. Nur zu ihrer Nichte hat sie eine besonders enge Beziehung. Als sie ins zweite Trainingsprogramm der NASA aufgenommen wird, ändert sich alles für sie- nicht nur beruflich. Sie findet Freunde und, ganz unerwartet, auch die große Liebe.

Ich hätte nie gedacht, dass mich ein Buch über etwas so technisch-wissenschaftliches derart fesseln und berühren kann. Aber TJR findet einfach die perfekten Worte und Sätze und schafft es damit, die strengen hierarchischen, männerdominierten Sphären der NASA in ein feministisches Wunderland zu verwandeln. Und das 1984!

Ist es perfekt? Nein, natürlich hat es seine kleinen Schwächen, wie einen fast erwartbaren Plot-Durchhänger im Mittelteil, aber who cares, wenn es mich doch so sehr zum Weinen bringen kann?!

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Veröffentlicht am 14.07.2025

Geheimnisse und Träume

Das Haus der Türen
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Um ehrlich zu sein, habe ich mir von diesem Buch nicht allzu viel versprochen. Ein nettes Äußeres und ein Autor, der mit seinem Stil offensichtlich den Geschmack der Booker Prize-Jury trifft (warum sonst ...

Um ehrlich zu sein, habe ich mir von diesem Buch nicht allzu viel versprochen. Ein nettes Äußeres und ein Autor, der mit seinem Stil offensichtlich den Geschmack der Booker Prize-Jury trifft (warum sonst sollten alle drei seiner Romane auf deren Liste gelandet sein?). Und dann hat es mich eingesaugt und einem exotischen Hexenkessel der Kulturen wieder ausgespuckt.

1921 reist Willie Somerset Maugham nach Penang, Malaya, um seinen alten Freund Robert zu besuchen. Der ist mittlerweile seit 15 Jahren mit Lesley verheiratet und führt dort auf dieser tropischen Insel eine merklich abgekühlte Beziehung. Innerhalb von zwei Wochen knüpft der weltgewandte Autor zarte, freundschaftliche Bande zu dieser Frau, bis sie ihm ihre Geheimnisse offenbart. Ob daraus sein nächstes Buch erwächst?

Zunächst einmal hat der Autor diesen Schmelztiegel aus malayischer, chinesischer und englischer Kultur perfekt eingefangen (ob es wohl daran liegt, dass er selbst dort geboren und aufgewachsen ist?). Dieses kolonialistische Gehabe, das die Engländer wohl überall an den Tag gelegt haben, wo sie ihren Stiefel hingesetzt haben, ist auf den Punkt getroffen.

Verblüffend, dass diese steifen Menschen ans äußerste Ende der Welt ziehen konnten, ohne jemals ihre verbohrten Ansichten und Gepflogenheiten loslassen zu können. Frauen haben sich weiterhin ihren Ehemännern unterzuordnen. Ehebruch wird schwerer gewichtet als andere Verbrechen, wie zum Beispiel Mord. Und Gott bewahre, dass man sich eher dem eigenen Geschlecht zugeneigt zeigt!!

Man merkt schon, es hat mich gepackt! Die Szenerie ebenso wie die Figuren ließen mich einfach nicht mehr los und haben mich innerhalb kürzester Zeit zum Finale geführt. Dabei wirkt es nicht laut und aufdringlich, trägt die Emotionen in leisen Tönen, die nachhallen werden.

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Veröffentlicht am 27.06.2025

Bitterböse Realität

Geht so
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Ich habe in letzter Zeit so einige Bücher abgebrochen und zur Seite gelegt, in denen der alltägliche Drogenkonsum zu sehr normalisiert und zu wenig eingeordnet wurde und hätte dementsprechend niemals zu ...

Ich habe in letzter Zeit so einige Bücher abgebrochen und zur Seite gelegt, in denen der alltägliche Drogenkonsum zu sehr normalisiert und zu wenig eingeordnet wurde und hätte dementsprechend niemals zu diesem Buch gegriffen, das bereits im Klappentext von einem drogenvernebelten Arbeitsausflug erzählt. Wären da nicht die vielen begeisterten Stimmen gewesen, die mich über meinen Tellerrand hinausschauen lassen haben. Und es hat sich gelohnt!

Beatriz Serrano erzählt von der 30jährigen Marisa, die sich durch ihren Joballtag in einer Madrider Werbeagentur quält. Schon morgens wacht sie mit Angststörungen auf, den Tag übersteht sie kaum ohne Antidepressiva und Youtube-Videos zum Ablenken. Und trotzdem funktioniert sie- zumindest bis zum groß angekündigten Teambuilding-Wochenende.

Einige Rezensionen kritisieren die Unglaubwürdigkeit dieses Szenarios, die Verherrlichung einer konsequenzlosen, faulen Hauptfigur und die Untragbarkeit von Marisas gesteigertem Tablettenverzehr.

Ich muss sagen, zum Glück arbeite ich nicht in einem so krassen Hamsterrad wie einer Werbeagentur, wo sich jeder der nächste ist und alle versuchen Illusionen an den Menschen zu bringen. Der Autorin ist das Szenario jedoch auf sehr eindrückliche Weise geglückt und ich kann nachvollziehen, was Marisa in ihre aktuelle Lage gebracht hat.

Insgesamt ist mit Marisa eine sehr starke, wenn auch polarisierende Hauptfigur gelungen, deren Emotionen und Entscheidungen ich jederzeit verstehen (wenn auch nicht immer moralisch unterstützen) konnte. Mal abgesehen davon, dass ich sie unheimlich kreativ und in Stresssituationen funktionierend empfand, kann ich auch nachvollziehen wie ihre Umgebung sie zu dem Menschen geformt hat, den man in diesem Buch erleben darf.

Insgesamt war das Buch für mich ein riesiges Plus (mit kleinen roten Flaggen), weil es sich auf beeindruckende Weise mit einem sehr kritischen Thema auseinandersetzt.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Amüsant und wortgewandt

Die Spurenfinder und das Drachenzepter
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Marc-Uwe Kling hat einfach ein Händchen für spannend-lustige Geschichten und Figuren, die ans Herz gehen. Dass er dieses Talent offensichtlich seine drei Töchter weitergegeben hat, mit denen er dieser ...

Marc-Uwe Kling hat einfach ein Händchen für spannend-lustige Geschichten und Figuren, die ans Herz gehen. Dass er dieses Talent offensichtlich seine drei Töchter weitergegeben hat, mit denen er dieser Reihe gemeinsam Leben einhaucht, freut mich umso mehr.

Elon von Bergen ist mal wieder mit seinen Zwillingen Ada und Naru unterwegs, denn das Zepter des Königs ist verschwunden und nur der weltberühmte Spurenfinder kann es wiederfinden.

Auch in diesem zweiten Band der Reihe erleben wir wieder große Abenteuer, kleine-feine Wortduelle und Wiedersehen mit alten und neuen Bekannten. Dabei bleibt der Erzählstil so bildhaft und leicht, dass einem in keinem Moment langweilig wird. Auch die Figuren haben nichts von ihren Schrullen verloren und die Einblicke in die jugendliche Vergangenheit Elons von Bergen werfen ein ganz neues Licht auf diese so getragene, ernsthafte Figur (hätte er wohl gerne!).

Ich kann mir vorstellen, dass diese Reihe gelesen sehr viel Spaß macht- als Hörbuch ist sie allerdings unschlagbar!

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Veröffentlicht am 17.04.2025

Packender Endzeitkrimi

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Wer Stuart Turton kennt, hat gewisse Erwartungen an seinen neuen Roman. Spannend und verzwickt sollte er sein, um zwanzig Ecken gedacht und das Genre vollkommen neu erfinden. So viel sei gesagt, meine ...

Wer Stuart Turton kennt, hat gewisse Erwartungen an seinen neuen Roman. Spannend und verzwickt sollte er sein, um zwanzig Ecken gedacht und das Genre vollkommen neu erfinden. So viel sei gesagt, meine Erwartungen hat er voll und ganz erfüllt!

Der Autor nimmt uns mit in eine mögliche Zukunft, in der die Menschheit durch einen seltsamen Nebel ausgelöscht wurde. Nur eine kleine Gruppe hat auf einer abgelegenen griechischen Insel überlebt, angeführt von drei Ältesten. Diese Wissenschaftler bestimmen die Abläufe der Gemeinschaft und haben mehr Einfluss, als es anfangs den Anschein hat.

Die einzelnen Charaktere bleiben möglicherweise zunächst etwas blass, den Überblick über alle zu behalten scheint schwierig. Doch mit der Zeit kristallisieren sich die Handlungsträger heraus, ebenso wie die verzwickten, vielschichtigen Verbindungen zwischen den Figuren.

Der eigentliche Star des Buches ist jedoch das Setting. Dystopie trifft es eiegntlich gar nicht richtig, viel mehr ist es eine spannende Science Fiction, von der ich mir nicht sicher bin, ob ich sie der Menschheit als mögliche Zukunft wünschen möchte.

Als Unteraltung, die einen zum Mitdenken animiert und an die Seiten fesselt, reicht sie aber allemal! Lange hat mich ein Buch nicht mehr so sehr packen können.

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